mini|Schloss Radibor

Das Schloss Radibor, , ist ein Schloss in Radibor im Landkreis Bautzen in der sächsischen Oberlausitz. Das Gebäude des früheren Rittergutes geht im Kern auf eine alte Wasserburganlage zurück. Seit 2021 ist die Anlage wieder in Privatbesitz. Der Baukörper steht aufgrund seiner bau- und ortshistorischen Bedeutung unter Denkmalschutz.Schloss, Hrsg. Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Bonn 2022/2023.

Geschichte Bereits im 11. Jahrhundert gab es im heutigen Radibor einen Herrensitz.Otto Moser: Markgrafenthum Oberlausitz. In: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Hrsg. Gustav Adolf Poenicke, Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Selbstverlag, 1859, S. 12–14 (Digitaltext in: Wikisource). Erstmals erwähnt wurde das Gut im Jahr 1397, Besitzer Sigismund Behr, Bürger von Budissin (Bautzen). Von dieser Zeit an wechselten die Besitzer häufig, es folgten u. a. die unbekannte Familie des Gerhard (de) von Bolberitz-Bolbritz,Hans von Schack: Beiträge zur Geschichte der Grafen und Herren von Schack. I. Wilhelm Baensch, Berlin 1884, S. 121 f. (Digitalisat). von Plaunitz, 1589 Christoph von Haugwitz, 1605 Christoph von Minckwitz, 1685 Johannes Julius von Burkersroda. 1707 war der Herrensitz und das Rittergut in den Besitz der zumeist in Mecklenburg begüterten Adelsfamilie von Schack gelangt.

Das heutige Schloss wurde zwischen 1701 und 1708, nach anderen Quellen in den Jahren 1719/1720, unter Friedrich Wilhelm von Schack (1688–1749) im Stil des Spätbarock errichtet. 1765 kam das Rittergut Radibor an den General Joseph Baron (Freiherr) von Ried,Ried, Joseph Heinrich Freiherr von. (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria-Theresien-Ordens), geb. zu Offenburg in Baden 1720, gest. Günzburg 11. September 1799, In: Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Band (Theil) 26, Druck und Verlag K. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1874, S. 79–80. anderen Archiven zufolge an Obrist-Lieutnant Baron (Freiherr) Ludwig von Ried.Die Oberlausitz als besondere Abtheilung von Sachsens Kirchen-Galerie. Lief. 41. 1861. Druck Ernst Blochmann Dresden, Verlag Hermann Schmidt, Dresden 1861, S. 161 (Digitalisat). Seit 1783 gehörte das Schloss der Halbwaise Maria Johanna Nepomucena Gräfin von Bolza, ab 1787 verehelichte Gräfin von Gondrecourt. 1805 ging das RittergutDie Oberlausitz als besondere Abtheilung von Sachsens Kirchen-Galerie. Lief. 41. 1861. Druck Ernst Blochmann Dresden, Verlag Hermann Schmidt, Dresden 1861, S. 161 (Digitalisat). für 80.000 Taler in den Besitz Carl Friedrich Wilhelm von Bose (1760–1818).Graf Solms-Laubach: Geschichte des Grafen- und Fürstenhauses Solms, §. 15., Frankfurt am Main 1865, S. 171–455 (Digitalisat). Von mindestens 1819, Nachweis 1822,Fr. Hennicke: Allgemeiner Anzeiger der Deutschen. Num. 332. Verlag Becker, Gotha, Donnerstags, den 5. Dezember 1822, S. 3603 (Digitalisat). bis 1830 ist mit Regierungsrat Johann Georg GeißlerLeipziger Zeitung 1830. No. 204. Leipzig. Donnerstags den 26. August 1830, S. 2348 (Digitalisat). ein erster bürgerlicher Gutsherr nachgewiesen. 1848 kam die Familie Swoboda,Wolf von Tümpling: Geschichte des Geschlechts von Tümpling. 2. Band, Hermann Böhlau, Weimar 1892, S. 430 (Digitalisat). der Schönburg’schen Kämmerer Victor Leopold Swoboda-Elzenberg,Victor Leopold Swoboda-Elzenberg war viermal verheiratet, u. a. m. (Ernestine von Tümpling). an das damalige Allodial-Rittergut Radibor.D. Obst: Leipziger Zeitung №. 21. B. G. Teubner, Sonntags, den 21. Januar 1849, S. 302 (Digitalisat). 1843 (der noch Minorenn)Kinder d. Louise Gräfin Hahn, geb. von Wolffradt-Lüssow, geb. 1783, und d. Ferdinand Graf Hahn-Grabowhöfe (Sohn des Astronomen Friedrich von Hahn). 1811 Hochzeit m. Major Carl von Voss-Kummin. Kinder: Hermann von Voss-Puchow, Ida von Voss, verh. von Lücken-Grabenitz, Albert von Voss-Kummin, Reinhard von Voss-Radibor. Reinhard von Voss,Reinhard von Voss, In: G. C. F. Lisch (Hrsg.): Geschichte und Urkunden des Geschlechts von Hahn. Band 4, In Commission in der Stiller’sche Hofbuchhandlung, Schwerin, Rostock 1856, S. 333 (Digitalisat). ab 1854 Familie von Einsiedel.

Die Angaben der Gutsgröße mit 240 ha des Güter-Adressbuchs Freistaat Sachsen 1925 sind in allen, und teils auf Selbstangaben beruhenden, Flächendaten konkret, davon waren 114 ha Ackerflächen. Eigentümer waren damals die Gräfinnen Elisabeth und Anna von Einsiedel, Verwalter Felix Winkler.Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adressbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. 1925. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter bis zur Grösse von ungefähr 15 ha herab mit Angabe der Gutsgeigenschaft, der Grundsteuereinheiten, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, 3. Auflage, In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band IX., I. Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Bautzen, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig Juli 1925, S. 22. Die letzten Besitzer waren u. a. Leutnant Clemens Graf Einsiedel, seine Ehefrau wurde Ehefrau Elizabeth Campell a. d. H. d. Baronets Campbell. Dann folgte die Tochter, Gräfin Helene von Einsiedel-Radibor im Eigentum, bis 1928. Ihr Mann war Rittmeister d. R. und Verweser des Weltadeligen Fräulein-Stiftes Joachimstein, Alfred-Georg Sahrer von Sahr auf Ehrenberg. Ihre Tochter Freifrau Johanna von Welck, geb. Sahrer von Sahr (1875–1956), wurde dann Gutsherrin bis 1945.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 91. Jahrgang. 1941. Justus Perthes, Gotha Oktober 1940, S. 555–556. Sie war verheiratet mit dem späteren Domdechanten des Hochstifts zu Meißen und sächs. Kammerherrn Alfred Freiherr von Welck (1866–1963), der auch als Autor tätig wurde.Alfred Freiherr von Welck: Lebensbilder. Selbstverlag, Radibor 1943 (DNB Autor). 1945/1946 erfolgte die Enteignung bei der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden das Objekt vielfältig genutzt, als Sorbisches Institut für Lehrerbildung, Internat und LPG-Küche; Leerstand seit den 1990er Jahren. 2021 begann eine umfassende Sanierung in privater Hand.

Architektur Das Schloss Radibor ist ein stattlicher barocker Putzbau, der einen Vorgängerbau erweiterte. Die Bauzeit ist in den Zeitraum zwischen 1709 und 1726 datierbar. Es diente als insgesamt doch großzügiger gestaltete Repräsentative Sommerresidenz der genannten Familie von Schack. Von der an dieser Stelle ehemals vorhandenen Wasserburg ist das Grabensystem zum Teil noch erkennbar. Der zweigeschossige Baukörper hat das Wasserschloss überformt und baut sich auf einem fast quadratischen Grundriss auf, mit einem schmalen Lichthof im Zentrum. Die Hauptfront wird betont von einem dreiachsigen giebelversehenen Risalit. Über dem Mittelportal waren bis 1950 die Figuren der Minerva und der Fortitude auf einem gesprengten bogen sitzend. Die zwei um 1950 geschaffene figürliche Halbreliefs und Wappen wurden im Zuge der Sanierung 2025 entfernt. Im Inneren des alten Herrensitzes führt von einer großzügigen Halle aus eine fünfläufige Treppe in das Obergeschoss. Unter deren Mittelpodest befindet sich der Zugang zum Lichthof und von diesem ein Gang, der zum Garten geht. Im vorderen Teil des Gebäudes erstreckten sich die Wohnräume, im hinteren Teil sind überwölbte ehemalige Wirtschaftsräume. In den großen Räumen des Obergeschosses und des Erdgeschosses, zum Teil überwölbt sind noch fragmentarische Farbfassungen von 1500 bis 1783 und 1854 erhalten. Das repräsentative Barockschloss wurde ab 1783 im Klassizismus zu einem Wohnschloss umgebaut. Hiervon zeugen die zugesetzten Öffnungen der Lichthofarkaden und der Fenster des Treppenhauses.

Das Schloss liegt in einem Park mit älterem Baumbestand. Hier befinden sich zwei Pavillonbauten. 1993 fand unter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine erste Notsicherung statt.Vgl. Georg Dehio/Nachf. (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen. Band 1: Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1996, ISBN 978-3-422-03043-5, S. 861. 2024 folgte die Sanierung der besagten Kavaliershäuser.Sanierung der Kavaliershäuser von Schloss Radibor. In einem Park mit altem Baumbestand., Hrsg. Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Bonn September 2024.

Literatur Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 32. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen. (II. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 250 f. Schloss Radibor Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath et al.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen. Band 1: Regierungsbezirk Dresden. Hrsg. Georg Dehio Nachf./Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München 1996, ISBN 978-3-422-03043-5, S. 861.

Weblinks

Homepage Schloss Radibor

Schloss Radibor, In: Historisches Sachsen. Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen. Interview mit Florian Heilbronner, dem Besitzer von Schloss Radibor (auf Englisch).

Einzelnachweise

Kategorie:Schloss im Landkreis Bautzen Schloss Kategorie:Barockbauwerk in Sachsen Kategorie:Ersterwähnung 1359 Kategorie:Erbaut im 18. Jahrhundert Kategorie:Schloss in Europa