mini|hochkant|Pete Hegseth (2025) Peter „Pete“ Brian Hegseth (; * 6. Juni 1980 in Minneapolis, Minnesota) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei, ehemaliger Fernsehkommentator, Autor und Ex-Major der Heeres-Nationalgarde. Seit Januar 2025 ist er Verteidigungsminister im zweiten Kabinett von Donald Trump und wird von der Exekutive seit dem 5. September 2025 als Zweitbezeichnung „Kriegsminister“ (Secretary of War) genannt.
Herkunft, Studium und frühe Karriere Pete Hegseths Vorfahren stammten auf beiden Seiten der Familie aus Norwegen. Er wuchs in Forest Lake, Minnesota auf. Nach Abschluss der Forest Lake Area High School erwarb er an der Princeton University 2003 einen Bachelor of Arts in Politikwissenschaft. In Princeton war Hegseth Herausgeber der konservativen studentischen Zeitschrift The Princeton Tory. Hegseth spielte im Basketball-Team der Princeton Tigers. Nach seiner Militärzeit in Kuba, Irak und Afghanistan erwarb er 2013 einen Master of Public Policy an der John F. Kennedy School of Government (HKS) der Harvard University.Adam Sabes: Pete Hegseth Vows to Send Back Harvard University Degree, writes ‘Return To Sender’ on diploma. Fox News, 18. Juni 2022.
Militärdienst mini|Hegseth in Samarra, Irak (2005) Nach seinem Abschluss in Princeton im Jahr 2003 begann Hegseth bei Bear Stearns als Analyst für Aktienkapitalmärkte und diente außerdem als Infanterieoffizier bei der Minnesota National Guard. Hegseth war von 2004 bis 2005 auf dem Marinestützpunkt in der Guantanamo-Bucht eingesetzt, wo er im 3. Bataillon des 187. Infanterieregiments der 101st Airborne Division als Zugführer diente und mit der Army Commendation Medal ausgezeichnet wurde. Kurz nach seiner Rückkehr aus Kuba meldete sich Hegseth freiwillig zum Dienst in Bagdad und Samarra im Krieg im Irak, wo er zunächst als Infanteriezugführer und später im Bereich der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (ZMZ/CIMIC) diente. Während seiner Zeit im Irak wurde er mit der Bronze Star Medal, dem Combat Infantryman Badge und einer zweiten Army Commendation Medal ausgezeichnet. Von 2007 bis 2009 leitete er die kleine Veteranen-Organisation Vets for Freedom.Jane Mayer: Pete Hegseth’s Secret History. In: The New Yorker, 1. Dezember 2024. Hegseth kehrte 2012 als Hauptmann in den aktiven Dienst zurück und wurde mit der Minnesota Army National Guard in den Krieg in Afghanistan entsandt, wo er im Counterinsurgency Training Center in Kabul als Ausbilder für Aufstandsbekämpfung tätig war. Er erhielt dort die zweite Bronze Star Medal. 2014 wurde Hegseth zum Major befördert und schied aus dem aktiven Dienst aus, um der Army Individual Ready Reserve zugewiesen zu werden. Im Jahr 2019 trat Hegseth nach fünf Jahren in der Army Individual Ready Reserve wieder in die Nationalgarde ein.Pete Hegseth: The war on warriors: behind the betrayal of the men who keep us free. Fox News Books, New York, NY 2024, ISBN 978-0-06-338942-7.
Im Januar 2021 sollte Hegseth als einer von insgesamt 20.000 Nationalgardisten die Amtseinführung von Joe Biden absichern. Er wurde jedoch aufgrund seiner Tätowierungen als einer von 12 Nationalgardisten als potenzielles Sicherheitsrisiko eingestuft und von der Aufgabe abberufen. Hegseths Tattoos verkörpern seinen aggressiv‑religiösen Nationalismus: ein Jerusalemkreuz auf der Brust, eine amerikanische Flagge, ein Sturmgewehr sowie der Kreuzfahrer‑Slogan „Deus Vult“. Zudem trägt er „Kafir“ („Ungläubiger“) auf dem rechten Bizeps. Die Motive sollen seinen Glauben, seine Kriegsbereitschaft und seine ideologische Härte demonstrieren.Jasper Craven: Gott steh und bei / An seiner Kompetenz wurdeschonimmer gezweifelt.Doch im Iran-Krieg wird Pete Hegseths Überforderung offensicht lich– sogar für seinen Chef. In der Defensive versucht der Kriegsminister den Konflikt nun religiös zu überhöhen. In: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag vom 29. März 2026, Seite 8 Die Tätowierungen werden häufig von Mitgliedern rechtsextremer nationalistischer Gruppen getragen.
Fernsehen Ab 2014 war Hegseth bei Fox News angestellt. Während seiner Zeit dort interviewte er häufiger Donald Trump. Bei den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen 2016 unterstützte Hegseth zunächst Marco Rubio, dann Ted Cruz und schließlich Donald Trump in dessen Wahlkampf. Als Moderator von Fox News kritisierte er häufig die Medien und die Demokraten. So kritisierte er die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller zur russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf im Jahr 2016. Ab dem Jahr 2021 war Hegseth regelmäßiger Gast bei der Talkshow Unfiltered with Dan Bongino.
Politische Karriere
Konservative Think Tanks und Interessengruppen Nach seinem Militärdienst arbeitete Hegseth kurzzeitig beim konservativen Think Tank Manhattan Institute for Policy Research. Von 2007 bis 2012 übernahm er bei Vets For Freedom – eine Organisation, die 2006 von Veteranen des Irak- und Afghanistankriegs gegründet wurde und Verbindungen zu führenden Vertretern der Republikanischen Partei unterhielt – die Stelle als Executive Director (Geschäftsführer). Die Organisation setzte sich für eine stärkere Truppenpräsenz im Irak und in Afghanistan ein. Im Jahr 2012 gründete Hegseth die Organisation MN PAC, ein Political Action Committee (PAC) für die republikanische Partei mit Sitz im US-Bundesstaat Minnesota. Medienberichten zufolge entnahm Hegseth 5.000 US-Dollar aus dem Wahlkampffonds für private Weihnachtsfeiern, was jedoch nicht gegen geltendes Recht in Minnesota verstieß. Weniger als die Hälfte der gesamten Wahlkampfmittel (insgesamt standen 15.000 US-Dollar zur Verfügung) wurde für die Unterstützung republikanischer Kandidaten eingesetzt. 2018 wurde das Konto der Organisation aufgelöst. Hegseth war Geschäftsführer von Concerned Veterans for America, einer von den Koch-Brüdern (Charles G. Koch und David Koch) finanzierten Interessenvertretung. Die Gruppe befürwortete eine stärkere Privatisierung des Kriegsveteranenministeriums. Während Hegseth Geschäftsführer war, stellte Concerned Veterans for America seinen Bruder Philip ein und zahlte ihm laut Steuerunterlagen aus den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 108.000 US-Dollar. Seiner LinkedIn-Seite zufolge verließ er die Gruppe im Jahr 2015.
Im Jahr 2012 kandidierte Hegseth für die republikanische Nominierung für den Senat in Minnesota. Er zog sich nach dem Parteitag im Mai 2012, vor den republikanischen Vorwahlen im August, aus dem Rennen zurück; der Kandidat Kurt Bills gewann die Nominierung.
Nominierung als Verteidigungsminister Für die erste Amtszeit Trumps war Hegseth im Gespräch als Minister für Veteranenangelegenheiten, welcher letztlich David Shulkin wurde. Im November 2024, als zu dieser Zeit designierter Präsident, kündigte Trump an, Hegseth als Verteidigungsminister in sein zweites Kabinett aufzunehmen. Die Nominierung von Hegseth wurde in Teilen der Republikanischen Partei skeptisch aufgenommen, weil Hegseth keinerlei administrative Erfahrung hatte. Der US-Verteidigungsminister ist verantwortlich für fast 750.000 Zivilangestellte, für über 1,3 Millionen Soldaten und für ein Budget von rund 850 Milliarden Dollar.Oliver Kühn: faz.net, 21. November 2024. Am 24. Januar 2025 wurde Hegseth im Amt bestätigt. Da nach den drei Gegenstimmen von Mitch McConnell, Lisa Murkowski und Susan Collins ein Patt im Senat herrschte, gab letztendlich die Stimme von US-Vizepräsident JD Vance den Ausschlag für die Bestätigung. Er war erst der zweite Fall, nach Betsy DeVos (Ministerin für Bildung im Jahr 2017), wo bei einer Kabinettsernennung der US-Vizepräsident ein Stimmenpatt auflösen musste. Das ablehnende Votum der Senatorinnen Murkowski und Collins kam nicht unerwartet, da diese bereits häufiger nicht der Linie der Fraktion gefolgt waren. Bemerkenswert war die ablehnende Haltung McConnells, die er folgendermaßen begründete: „Die effektive Verwaltung von fast drei Millionen militärischen und zivilen Mitarbeitern, einem Jahreshaushalt von fast einer Billion Dollar und von Bündnissen und Partnerschaften auf der ganzen Welt ist ein täglicher Test mit erschütternden Folgen für die Sicherheit des amerikanischen Volkes und unsere globalen Interessen. Herr Hegseth hat bisher nicht gezeigt, dass er diese Prüfung bestehen wird. Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts sind die Folgen eines Scheiterns so gravierend wie nie zuvor.“
Arbeit als Verteidigungsminister mini|Pete Hegseth und seine Frau Jennifer bei einem Treffen mit dem britischen Verteidigungsminister John Healey (2025)
Signalgate-Affäre Mitte März 2025 ereignete sich ein Vorfall, der als Signalgate-Affäre Bekanntheit erlangte. Michael Waltz, der Nationale Sicherheitsberater, hatte bei Einrichtung eines vertraulichen Gruppenchats von hochrangigen Mitgliedern der US-Regierung auf Signal versehentlich Jeffrey Goldberg, den Chefredakteur des Polit-Magazins The Atlantic, hinzugefügt. Im Chat wurden die bevorstehenden Angriffe der US Army gegen die Huthi-Miliz im Jemen besprochen. Zwei Stunden vor dem Angriff gab Hegseth detaillierte Informationen zum Zeitplan, Ablauf des Angriffs, Einsatz der Waffensysteme und den Zielen im Chat. Im Chat kam auch eine sehr aggressive Einstellung der US-Regierung gegenüber Europa zum Vorschein. Goldberg veröffentlichte darüber den Bericht The Trump Administration Accidentally Texted Me Its War Plans (deutsch: Die Trump-Administration hat mir versehentlich ihre Kriegspläne geschickt). Hegseth stritt die Verantwortung ab. Er behauptete, niemand habe Kriegspläne weitergegeben. Goldberg bezeichnete er als „einen betrügerischen und hochgradig diskreditierten sogenannten Journalisten“. Trump gab sich zunächst ahnungslos, Politiker der Demokraten gaben an, sie seien „fassungslos“, Vertreter der Republikaner versuchten, „den Vorfall herunterzuspielen“, und griffen Goldberg persönlich an. Der demokratische Senator und Militärexperte Jack Reed bezeichnete den Vorfall als „eines der ungeheuerlichsten Versäumnisse der operativen Sicherheit und des gesunden Menschenverstandes“, die er je gesehen habe. Am 25. März 2025 bestätigten Teilnehmer des Chats, darunter Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard und CIA-Chef John Ratcliffe, unter Eid vor einem Kongressausschuss, sie könnten sich an spezifische Details der Nachrichten nicht erinnern und es seien auch keine geheimen Informationen ausgetauscht worden. Sicherheitsberater Waltz übernahm die Verantwortung für die Hinzufügung von Goldberg in den Chat, betonte aber, er könne sich nicht erklären, wie es dazu gekommen sei. Am folgenden Tag veröffentlichte Goldberg gemeinsam mit Shane Harris ein Gesprächsprotokoll mit vollem Wortlaut, um zu belegen, dass vorab tatsächlich militärische Details zu der geplanten Operation geteilt worden seien. Das Verteidigungsministerium warnte zuletzt am 18. März 2025 US-Militärs vor der Nutzung von Signal, da eine Schwachstelle in der Signal Messenger-Anwendung festgestellt wurde. Zudem gab es den Hinweis, dass professionelle russische Hackergruppen diese Funktion nutzten, um verschlüsselte Chats und Personen auszuspionieren. US-Militärs sei Signal zwar erlaubt, solle aber nicht genutzt werden, um nicht öffentliche Informationen zu teilen. Schon 2023 warnte ein Memo davor, Signal für nicht öffentliche Informationen zu nutzen. Mehrere demokratische Abgeordnete forderten daraufhin den Rücktritt von Hegseth.
Ende April 2025 meldete die New York Times, dass Hegseth in einer weiteren Signal-Chatgruppe mit einem Dutzend Mitglieder aus seinem persönlichen und beruflichen Umfeld ebenfalls Informationen zum Angriff auf die Huthi geteilt hätte. In dieser Signal-Chatgruppe waren auch seine Frau, sein Bruder und sein persönlicher Anwalt. Diese zweite Signal-Chatgruppe soll er selbst erstellt haben. Chuck Schumer, Minderheitsführer der Demokraten im Senat, forderte daraufhin die Entlassung von Hegseth. Auch Don Bacon, republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, forderte Konsequenzen für Verteidigungsminister Hegseth.