Stempelfehler ist ein numismatischer Fachbegriff für Fehler, die ihre Ursache in der Herstellung oder Beschaffenheit des Münzstempels haben. Das sind Fehler in der Gravur des Münz- oder Medaillenstempels sowie Fehler, die durch Beschädigung des Stempels im Prägebetrieb aufgetreten sind.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 436Heinz Fengler: transpress Lexikon Numismatik. (1976), S. 375

Fehler bei der Gravur des Münzstempels mini|hochkant=1.6|Schmalkaldischer Bundestaler von 1546 mit Stempelfehler auf der hessischen Seite: E statt N (N = Nidda)

mini|hochkant=1.6| Neubewertung des Crookston-Dollars von Maria Stuart, auf der Rückseite: DISCIPENTᴿ statt DISSIPENTᴿ

Sie entstehen bei der Gravur durch den Stempelschneider. Es sind sachliche, orthografische und grammatische Fehler. Sachliche Unrichtigkeiten sind zum Beispiel Ausfall, Zuführung, Umstellung oder Rückläufigkeit einzelner Buchstaben. Auf Münzen des Mittelalters sind Stempelfehler bei der Gravur des Stempels wegen des Analphabetismus der Stempelschneider häufig. Auf Münzen der Neuzeit kommen sie aber auch vor, so zum Beispiel:

TAHLER oder THAELER statt THALER, VERRINSTHALER statt VEREINSTHALER und WILHLM statt WILHELMHelmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 436: Fehler in der GravurHeinz Fengler: transpress Lexikon Numismatik. (1976), S. 375: Fehler in der Gravur

Weitere Fehler in der Gravur sind beispielsweise:

in der Umschrift des Schmalkaldischen Bundestalers auf der hessischen Seite: Abkürzung E statt N (N = Nidda) in der Rückseitenumschrift der Neubewertung des Crookston-Dollars von Maria Stuart, Rückseite: DISCIPENTᴿ statt DISSIPENTᴿ in der Umschrift des Triumphtalers von 1545 auf der Rückseite: BRVNSVIGENSIS statt BRVNSVICENSIS. Falsche Wertangabe in Juliuslösern: 2 statt 5 Juliuslöser.

Teilweise wurden falsche Jahreszahlen absichtlich angebracht um schlechtere Münzen als bessere ausgeben zu können, wie das bei den Ephraimiten der Fall war.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 436: Fehler und Beispiele Auch Rückdatierung zur Vortäuschung eines besseren Münzfußes sind bekannt.Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. (1970, Nachdruck 1930), S. 659/660

Fehler durch Stempelbeschädigung während der Prägung mini|hochkant=1.6|Cromwelltaler von 1658 – der Stempelriss wurde mit Cromwells postumer Enthauptung in Verbindung gebracht.

Das ist meist ein Stempelriss oder Stempelsprung, auch Stempelbruch genannt. Er ist auf dem Gepräge durch eine Wulst im Münzbild sichtbar. Charakteristische Stempelrisse waren früher besonders gesuchte Münzen wie beispielsweise

Einhorngulden Nasenblutengulden Cromwelltaler.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 436: Fehler durch StempelschädenHeinz Fengler: transpress Lexikon Numismatik. (1976), S. 375: Fehler durch Stempelschäden

Weitere Beispiele sind: Schmalkaldische Bundestaler mit einem Stempelriss durch das Kurschwert. Der dadurch entstandene Prägefehler des letzten Jahrgangs wurde als ein Zeichen für die noch im gleichen Jahr erfolgte Gefangennahme des Kurfürsten und des Landgrafen nach der Schlacht bei Mühlberg gedeutet. Interimstaler, mit Stempelriss im Münzbild an der Tiara des Papstes beginnend und an der speienden Fratze endend.

Ausplatzer von Teilen des Stempels führt zum Beispiel zum Ausfall von Buchstabenteilen. So bei

WILHEIM statt WILHELM.

Verstopfungen einzelner Stempelpartien durch winzige Metallteilchen bewirken den Ausfall eines Buchstabens oder Zahl im Prägebetrieb. Dieser Stempelfehler kommt in der modernen Prägetechnik am häufigsten vor und ist zum Beispiel beim

50-Pfennig-Stück der Bank deutscher Länder des Jahrgangs 1949 aufgetreten.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 436: Fehler in der modernen TechnikHeinz Fengler: transpress Lexikon Numismatik. (1976), S. 375: Fehler in der modernen Technik

Bei Münzprägungen im Walzenprägewerk kam es eher zum Bruch einer Prägewalze, als zum Bruch in der Gravur auf der Walze für die Münze. Durch eine gebrochene Prägewalze wurde der Prägevorgang beendet. Fehler im Münzbild bei Beginn des Prägewalzenbruchs sind aber möglich.

Literatur Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik. Berlin 1976. Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. Regenstauf 2005. Friedrich von Schrötter, N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930).

Einzelnachweise

Kategorie:Numismatik Kategorie:Münzprägung Kategorie:Fehlproduktion