Der Lancia Beta Montecarlo (Eigenschreibweise: Lancia β Montecarlo; ab 1980: Lancia Montecarlo; werksintern Tipo 137Der werksinterne Code folgt dem bei Fiat gängigen Muster, nicht der Lancia-Systematik. Grund dafür sind die Ursprünge des Fahrzeugs als Fiat-Projekt. Nach der Übertragung auf die Tochtermarke Lancia wurde der Code auch für die Serienproduktion unverändert weiterverwendet. Der Lancia Beta Montecarlo ist der einzige Lancia mit einer Fiat-Typenbezeichnung. Vgl. Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 3-613-01503-X, S. 313.) ist ein zweisitziger Straßensportwagen, der von 1975 bis 1982 in zwei Serien bei Pininfarina gebaut und unter der zum Fiat-Konzern gehörenden Marke Lancia verkauft wurde. Ungeachtet seiner Modellbezeichnung hat er mit Ausnahme der Motorisierung keine Bezüge zu Lancias Baureihe Beta; er geht vielmehr auf ein Projekt von Fiat und Pininfarina zurück. Der Beta Montecarlo bildete die Basis für mehrere Rennsportmodelle, unter ihnen der erfolgreiche Lancia Rally 037. Auf dem nordamerikanischen Markt hieß das Auto Lancia Scorpion.

Entstehungsgeschichte Der Beta Montecarlo geht auf die Projekte X1/8 und X1/20 von Lancias Mutterkonzern Fiat zurück.

Bei Fiat gab es Ende der 1960er-Jahre ein breit angelegtes Entwicklungsprogramm für die Nachfolger mehrerer markeneigener Sportwagen. Bertone hatte den Auftrag erhalten, einen Ersatz für den heckgetriebenen 850 Spider zu konstruieren. Daraus wurde der ab 1972 verkaufte Fiat X1/9 mit Mittelmotor. Ein weiterer neuer Sportwagen sollte das 124-Coupé ersetzen.N.N.: Fiat X1/20. In: Classic Sports Cars. Heft 4/2019, S. 143. Dieses Projekt wurde bei Fiat zunächst unter dem werksinternen Code Tipo 137 geführt;Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 3-613-01503-X, S. 313. für die Öffentlichkeit wurde die Bezeichnung X1/8 gewählt. Der Auftrag für seine Entwicklung ging an Bertones Konkurrenten Pininfarina. Der X1/8 sollte nach anfänglichen Planungen ein Mittelmotorcoupé mit einem 3,0 Liter großen Sechszylinder-V-Motor aus dem Fiat 130 werden. Der Prototyp des X1/8 wurde im Juli 1970 öffentlich vorgestellt.Abbildungen und Kurzbeschreibung des Fiat X1/8 (abgerufen am 12. November 2024). In den folgenden zwei Jahren trieb Fiat das X1/8-Projekt nicht weiter voran. Möglicherweise als Reaktion auf die sich abzeichnende ÖlpreiskrisePaul Schinhofen: Lancia. Innovation und Faszination. 100 bewegte Jahre. Heel Verlag, 2006, ISBN 3-89880-649-9, S. 87. wurde die Idee, das Auto mit dem großen, verbrauchsstarken Sechszylindermotor auszurüsten, aufgegeben. Stattdessen erschien 1973 eine überarbeitete Version mit Fiats 2,0-Liter-Reihenvierzylindermotor. Das äußerlich nahezu unveränderte Auto hieß nun Fiat X1/20. Vor allem aus Marketinggründen übertrug Fiat das Projekt 1974 auf die Tochtermarke Lancia, die seit 1969 zum Konzern gehörte und die 1972 mit dem Lancia Beta die erste unter Fiat-Regie entwickelte Modellreihe auf den Markt gebracht hatte. Stilistische oder technische Verwandtschaft zur frontgetriebenen Beta-Familie hat der Montecarlo nicht. Es ging Fiat in erster Linie darum, der Beta-Reihe durch das innovative Sportcoupé einen Prestigeschub zu verschaffen.

Der Lancia Beta Montecarlo wurde im März 1975 auf dem 45. Genfer Autosalon öffentlich vorgestellt. Er war nach der Beta Berlina, dem Beta Coupé, dem Beta Spider und dem Beta HPE das fünfte Modell, das den Namen Beta trug.

Modellbeschreibung Der Lancia Beta Montecarlo ist ein zweitüriger Sportwagen mit einer selbsttragenden Fließheckkarosserie, einem in Mittellage eingebauten Vierzylindermotor und Hinterradantrieb.

Karosserie Die Karosserie des Beta Montecarlo wurde von Pininfarina gestaltet, konstruiert und auch gebaut. Der Beta Montecarlo war das erste Serienfahrzeug, an dem Pininfarina derart umfangreich beteiligt war.

mini|Frontmaske aus schwarz gefärbtem Kunststoff (Lancia Montecarlo) mini|Lancia Montecarlo Spider Verantwortlicher Designer bei Pininfarina war Paolo Martin.

Die Form des Beta Montecarlo entspricht weitestgehend der des Fiat-Projekts X1/8 bzw. X1/20. Generell zeichnet sich die Karosserie durch einen hohen Anteil von Kunststoffkomponenten aus, die als solche durch eine vom Fahrzeugkörper abweichende Lackierung klar erkennbar sind. Offensichtlich ist das vor allem an der umlaufenden Frontmaske, die die Scheinwerfer und ein Kühlergitter einfasst und werksseitig schwarz gefärbt ist.Einige Eigentümer ließen diese Teile später in Wagenfarbe lackieren. Ein ähnliches Element entwarf das Designstudio Sessano Associates unter der Bezeichnung „Bocanegra“ („schwarzer Mund“) für das 1975 eingeführte Modell Seat 1200 Sport Coupé. Front- und Heckabschluss des Beta Montecarlo sind nahezu senkrecht. Die vordere Haube und die Gürtellinie verlaufen annähernd waagerecht. Die Heckscheibe steht senkrecht hinter den Sitzen. Ein besonderes Merkmal, das einige Autoren an den Ferrari Dino erinnert, sind die seitlichen Streben, die dreiecksförmig vom hinteren Ende des Dachs bis zum Kofferraumabschluss verlaufen, sodass in der Seitenansicht der Eindruck eines Fließhecks entsteht. In der ursprünglichen Version bestehen die Streben aus lackiertem Kunststoff. Bei den in Großbritannien verkauften Fahrzeugen wurden ab 1977 zur Verbesserung der Rundumsicht Glasscheiben in die Streben eingelassen. Dieses Gestaltungsmerkmal wurde in der zweiten Serie für alle Märkte übernommen. Vorn sind bei den europäischen Versionen werksseitig Breitbandscheinwerfer installiert; im Zubehörhandel waren und sind alternativ doppelte Rundscheinwerfer erhältlich.

Neben der Ausführung mit festem Dach war auch eine Variante mit einem Rolldach über den Sitzen erhältlich. Die Konstruktion ähnelt der eines Targadachs; die Verkaufsbezeichnung dieser Version lautete allerdings Spider, wodurch ein größeres Maß an Offenheit suggeriert wurde als das Auto tatsächlich bot.

Fahrwerk Das Fahrwerk des Beta Montecarlo wird unterschiedlich bewertet. Einige Autoren finden in ihm Anleihen am Automobilrennsport,Frank Oleski, Hartmut Lehbrink: Seriensportwagen. Könemann, Köln 1993, ISBN 3-89508-000-4, S. 441. andere beschreiben es als einfache und günstige Konstruktion, bei der die Ingenieure vom „Kostendiktat der Fiat-Führung“ geleitet worden seien. Vorn und hinten sind Federbeine, untere Dreiecksquerlenker und Schubstreben eingebaut, hinten zusätzliche Querlenker.Roger Gloor: Alle Autos der 80er Jahre. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03144-9, S. 286. Hinten ist ein Hilfsrahmen montiert, der Motor und Getriebe trägt und an dem Teile der hinteren Aufhängung befestigt sind.Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 3-613-01503-X, S. 314.

Die Fahrzeuge der ersten Serie hatten eine Bremsanlage mit einem Unterdruckservo rechts hinter dem Beifahrersitz, der über Hydraulikleitungen eingebunden wurde und nur die vorderen Bremsen versorgte. Dadurch kam es auf feuchter oder rutschiger Fahrbahn häufig zu einem Überbremsen der Vorderachse, was die Fahrsicherheit beeinträchtigte. Außerdem neigte der Servo durch seine Einbaulage zu starker Korrosion. Bei vielen Fahrzeugen ging er dann fest, und die Bremsen blockierten vollständig. Deswegen wurde bei der zweiten Serie auf diesen Bremskraftverstärker verzichtet. Stattdessen gab es einen mechanischen Verstärker, der mit Hebelwirkung auf beide Bremskreise wirkte.

Antrieb mini|Lampredi-Motor in Mittelmotoreinbau Das in Europa verkaufte Serienmodell wird von einer 1995 cm³ großen Variante des Fiat Twin-Cam-Motors angetrieben (Tipo 134.AS.000). Dieser von Aurelio Lampredi konstruierte Reihenvierzylinder mit zwei über Zahnriemen angetriebenen obenliegenden Nockenwellen kam auch in den anderen Beta-Modellen zum Einsatz und war dort die Spitzenmotorisierung. Der Lampredi-Block ist als Mittelmotor quer zur Fahrtrichtung und um 20 Grad nach hinten geneigt eingebaut. Er ist mit einem Doppelvergaser von Weber ausgestattet und leistet im Beta Montecarlo 120 PS, d. h. 5 PS mehr als die Ausführungen, die in den übrigen Mitgliedern der Beta-Familie erhältlich waren. Der Vergaser blieb während der gesamten Produktionszeit die einzige im Beta Montecarlo verfügbare Form der Gemischaufbereitung. Die elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung, die bei den Frontmotorvarianten der Beta-Familie ab Mai 1981 für die Zweilitermotoren erhältlich war, bot Lancia im Montecarlo nicht an.

Auf dem nordamerikanischen Markt war der Beta Montecarlo anstelle des Zweilitermotors mit einer älteren, 1756 cm³ großen Variante des Lampredi-Blocks ausgestattet, die auch in der dort verkauften Variante der Beta Berlina verwendet wurde (Tipo 134AS.031.6). Diese Motorversion, die auf die nordamerikanischen Emissionsbestimmungen zugeschnitten war, kam lediglich auf 84 PS.Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 3-613-01503-X, S. 423.

Die einzelnen Serien Serie 1: Lancia Beta Montecarlo mini|Ein früher Beta Montecarlo Die erste, als Beta Montecarlo bezeichnete Version des Sportwagens wurde ab 1974 in Serie produziert; die Fertigung endete im Mai 1978. Im ersten Jahr entstanden lediglich zwei Autos; bis zur Produktionseinstellung waren es, alle Karosserieversionen zusammengenommen, 5638 Fahrzeuge. Darin enthalten sind 1800 Lancia Scorpions für den nordamerikanischen Markt.

Die Autos der ersten Baureihe wurden serienmäßig mit 13-Zoll-Rädern ausgestattet. Abgesehen von den Fahrzeugen für den britischen Markt haben sie in Wagenfarbe lackierte seitliche Streben am Heck.

Serie 2: Lancia Montecarlo mini|Lancia Montecarlo (1981) 1980 wurde unter dem Namen Lancia Montecarlo die zweite Serie des Mittelmotorsportwagens vorgestellt; die zum Synonym für Qualitätsmängel gewordene Bezeichnung BetaGeorg Amtmann, Halwart Schrader: Italienische Sportwagen. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01988-4, S. 270. gab Lancia hier (ebenso wie bei anderen Mitgliedern der Modellfamilie) auf.

Äußerlich erkennbar war die zweite Serie an 14-Zoll-Rädern, Glaseinsätzen in den seitlichen Streben am Heck sowie einer neuen Einfassung des Kühlergitters, die sich an der 1979 beim Lancia Delta eingeführten Formsprache orientiert. Hinzu kamen eine optimierte Fahrwerksabstimmung und eine Änderung der Bremsanlage.

Lancia Scorpion mini|Lancia Scorpion 1976 und 1977 verkaufte Lancia eine Variante des Sportwagens auf dem nordamerikanischen Markt. Dort konnte die angestammte Modellbezeichnung nicht verwendet werden, weil der Begriff Monte Carlo in verschiedenen Schreibweisen für Chevrolet geschützt war und für eine Reihe von Mittelklassefahrzeugen gebraucht wurde. Stattdessen erschien das Auto in Nordamerika unter der Bezeichnung Lancia Scorpion, die eine Anspielung auf das Logo des mit Fiat verbundenen Sportwagenherstellers Abarth war.Carlo Abarth wurde am 15. November 1908 im Tierkreiszeichen Skorpion geboren; das Logo seiner Marke Abarth zeigte von Beginn an einen stilisierten Skorpion.

Alle Scorpion hatten das zu öffnende Dach des Montecarlo Spider. Um den US-amerikanischen Emissions- und Sicherheitsvorschriften zu genügen, wurde der Montecarlo an verschiedenen Stellen modifiziert. Mit seinem alten, 1756 cm³ Liter großen Motor (Tipo 134AS.031.6) war der Scorpion „hoffnungslos untermotorisiert“.Wim Oude Weernink: Lancia. Motorbuch Verlag, 1992, ISBN 3-613-01503-X, S. 316. Zusätzlich zu besonders breiten Sicherheitsstoßfängern erhielt der Scorpion Rundscheinwerfer, weil Breitbandscheinwerfer in den USA seinerzeit noch nicht zugelassen waren. Sie sind als Klappscheinwerfer ausgeführt: Nach dem Einschalten klappen die Leuchten nach oben, um die US-amerikanischen Vorschriften für die Scheinwerferhöhen zu erreichen. In zwei Jahren verkaufte Lancia 1800 Scorpions in Nordamerika.Geschichte des Lancia Scorpion (abgerufen am 14. November 2024).

Produktion Der Beta Montecarlo (1974 bis 1978) und der Montecarlo (1981 und 1982) wurden bei Pininfarina hergestellt.