Ankaios () ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Er war König der Leleger auf Samos und nahm an der Fahrt der Argonauten teil. Als sein Vater werden Zeus oder Poseidon, als seine Mutter Astypalaia oder Alta genannt.

Mythos Nach einer von Pausanias überlieferten Genealogie des samischen Dichters Asios war Ankaios ein Sohn des Poseidon und der Astypalaia. Er herrschte als König über die Leleger auf Samos und heiratete Samia, eine Tochter des Flussgottes Maiandros. Mit ihr hatte er die Söhne Perilaos, Enudos, Samos und Alitherses sowie die Tochter Parthenope.Pausanias 7,4,1–2.

Ankaios gehörte zu den Argonauten. Im Gegensatz zu dem ebenfalls an der Argonautenfahrt teilnehmenden gleichnamigen Ankaios aus Arkadien wird der samische Ankaios weniger durch Körperkraft als durch seine Fähigkeiten als Seefahrer charakterisiert.Apoll. Rhod. Argonautika 1,188. Nach dem Tod des Steuermanns Tiphys übernahm Ankaios das Steuer der Argo.Apoll. Rhod. Argonautika 2,867–900; 4,210.Apollod. bibl. 1,9,23.Hyg. fab. 14.

Bekannt ist Ankaios außerdem durch eine mit dem Weinbau verbundene Sage. Als er einst Weinreben pflanzte, sagte ihm ein Seher voraus, dass er von deren Wein nicht trinken werde. Als die Reben später Früchte getragen hatten und Ankaios, den Seher verspottend, einen mit Wein gefüllten Becher in den Händen hielt, erwiderte dieser sinngemäß, dass noch vieles zwischen dem Becher und dem Rand der Lippen liege. Noch bevor Ankaios trinken konnte, wurde ihm die Nachricht überbracht, dass ein Eber seine Felder verwüste. Er stellte den Becher ab, zog gegen das Tier aus und wurde von ihm getötet.Tzetz. ad Lycoph. 488–490.

Auch der mit ihm häufig verwechselte Argonaut Ankaios aus Arkadien kam durch einen Eber ums Leben, allerdings bei der Jagd auf den Kalydonischen Eber.

Rezeption Die Erzählung von Ankaios und dem Weinbecher wurde sprichwörtlich und literarisch aufgegriffen. Johann Friedrich Kind behandelte sie in seiner 1808 veröffentlichten Ballade König Ankäos. Darin findet sich in abgewandelter Form der Ausspruch: „Zwischen Lipp und Kelchesrand / Schwebt der finstern Mächte Hand!“Johann Friedrich Kind: König Ankäos. In: ders.: Gedichte. Hartknoch, Leipzig 1808, S. 7.

Literatur

Johann Friedrich Kind: König Ankäos. In: Gedichte. Hartknoch, Leipzig 1808, S. 7. online.

Einzelnachweise

Kategorie:Person der griechischen Mythologie