Literatur in American Sign Language (ASL-Literatur) ist eine der wichtigsten gemeinsamen kulturellen Erfahrungen der amerikanischen Gehörlosencommunity. Literarische Genres entwickelten sich ursprünglich in Wohnheimen für Gehörlose, wie der American School for the Deaf (ASD) in Hartford, wo sich die American Sign Language (ASL, Amerikanische Gebärdensprache) im frühen 19. Jahrhundert als Sprache entwickelte. Es gibt viele Genres der ASL-Literatur, wie Erzählungen persönlicher Erlebnisse, Gedichte, Kinogeschichten, Volksmärchen, Übersetzungen, Originalromane und Geschichten mit eingeschränkten Handformen. Autoren von ASL-Literatur verwenden ihren Körper als Text ihrer Werke, die von ihrem Publikum, den Zuschauern, visuell gelesen und verstanden werden. In der Frühphase der Entwicklung von ASL-Literaturgenres wurden die Werke im Allgemeinen nicht wie geschriebene Texte analysiert, aber die zunehmende Verbreitung von ASL-Literatur auf Video hat zu einer gründlicheren Analyse dieser Genres geführt.

Viele kulturelle Gemeinschaften entwickeln ihre eigenen Volkstraditionen, und die Gehörlosengemeinschaft bildet hier keine Ausnahme. Solche Traditionen tragen dazu bei, die kulturelle Identität der Gruppe zu festigen, und helfen, jeder nachfolgenden Generation die gemeinsamen kulturellen Werte der Gemeinschaft zu vermitteln. Susan Rutherford weist darauf hin, dass diese Art gemeinsamer Geschichten besonders wichtig für Minderheitengemeinschaften sind, die wie die Gehörlosengemeinschaft Unterdrückung durch die Mehrheitskultur erfahren haben. Durch Folklore und andere Formen des Geschichtenerzählens kann die Gehörlosengemeinschaft ihre kulturelle Identität sowohl etablieren als auch bekräftigen, sodass ihre Mitglieder ihr Selbstbewusstsein entwickeln können. In der ASL-Literatur werden häufig Erfahrungen betont, die in der Gehörlosengemeinschaft üblich sind, sowohl in Bezug auf ihre Gehörlosenidentität als auch auf ihren Status als Minderheitengruppe.

Ursprünge und Geschichte Einfluss von Gehörloseninstituten auf die ASL-Literatur Die ASL ist die gemeinsame Sprache der Gehörlosen- und Schwerhörigengemeinschaft in Nordamerika. Die Mitgliedschaft in dieser Gemeinschaft basiert in erster Linie auf gemeinsamen kulturellen Werten, einschließlich einer gemeinsamen Gebärdensprache. Personen, die körperlich taub oder schwerhörig sind, aber nicht dieselbe Sprache und dieselben kulturellen Werte teilen, gelten nicht als Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft. Etwa 95 % der gehörlosen Kinder werden von hörenden Eltern geboren, die mit der Gehörlosengemeinschaft nicht vertraut sind. Deshalb kommen gehörlose Kinder in ihrem häuslichen Umfeld oft nicht mit der Kultur und den Traditionen der Gehörlosengemeinschaft in Berührung. Schulen für gehörlose Kinder, sogenannte Gehörloseninstitute, sind typischerweise das Umfeld, in dem gehörlose Kinder in die Kultur ihrer Gemeinschaft eingeführt werden, einschließlich der ASL-Literatur.

Das erste Institut dieser Art, die American School for the Deaf (ASD) in Hartford, wurde 1817 von Thomas Gallaudet und Laurent Clerc gegründet (damals hieß sie American Asylum for the Education of the Deaf and Dumb). Da die ASD als Internat gegründet wurde, gründeten die dort lebenden gehörlosen Schüler eine neue sprachliche Gemeinschaft, da sich lokale, regionale Gebärdensprachen aus dem ganzen Land mit der von Clerc unterrichteten Langue des signes française vermischten und zur Entwicklung von ASL als eigenständige Sprache führten. Die Gemeinschaft, die sich an der ASD bildete, war eine so erfolgreiche intellektuelle Gemeinschaft, dass im ganzen Land weitere Institute für Gehörlose eröffnet wurden, wo es eine ausreichend große gehörlose Bevölkerung gab. Dadurch konnte die Gehörlosengemeinschaft ihre eigene Subkultur aufbauen, die sich von der Mainstream-Hörkultur absetzte, und sich als sprachliche Minderheit entwickeln.

Der Anstieg der Zahl der Gehörloseninstitute im ganzen Land führte zu einer größeren Zahl gebildeter und alphabetisierter Gehörloser. Dies führte zur Entwicklung von ASL-Erzähltraditionen in Gehörloseninstituten. In den Anfängen der Gehörlosenausbildung war ASL noch nicht als voll entwickelte Sprache anerkannt und wurde daher nicht als geeignete Sprache für literarische Kompositionen betrachtet. Dies führte dazu, dass viele Gehörlose ihre Werke in geschriebenem Englisch verfassten, was zu dieser Zeit die Hauptunterrichtssprache war. Gleichzeitig begannen sich ASL-Literaturformen zu entwickeln, als die Gehörlosengemeinschaft begann, sich gegenseitig Geschichten in ihrer eigenen Umgangssprache zu erzählen. Dazu gehören Werke, die aus dem Englischen in ASL übersetzt wurden, sowie Originalerzählungen. ASL-Geschichten verbreiteten sich in verschiedenen Regionen Amerikas, wenn sich verschiedene Gehörloseninstitute zu Veranstaltungen wie Sportveranstaltungen trafen. Dieser Prozess ermöglicht angehenden Geschichtenerzählern, ihr Handwerk vor neuem Publikum auszuprobieren. Nach ihrer Schulzeit können sich Gehörlosengemeinschaftsmitglieder aus verschiedenen Schulen bei Versammlungen der Gehörlosengemeinschaft wiedersehen, bei denen Geschichtenerzähler ihre Geschichten vortragen können.

Früheste Filmaufnahmen der ASL-Literatur Trotz des Erfolgs der Gehörlosenausbildung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es in den 1860er Jahren zu einem Wandel im Bildungssystem, als die hörende Gemeinschaft begann, die oralen/mündlichen Unterrichtsmethode für gehörlose Schüler einzuführen, die auf einem ausschließlich auf Sprache basierenden Bildungsansatz basierte und ASL im Klassenzimmer nicht zuließ. Man glaubte damals vor allem, dass Gehörlose sich so leichter in die Gesellschaft integrieren könnten. 1880 fand in Mailand eine Konferenz statt, bei der Pädagogen die endgültige Entscheidung trafen, dass (Laut-)Sprache die primäre Unterrichtsmethode im Klassenzimmer sein sollte. Von da an bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden gehörlose Schüler bestraft, um die Kommunikation durch Gebärden zu verhindern. Obwohl ASL in der Gehörlosenbildung verboten wurde, war es in Schlafsälen, auf Spielplätzen und in gehörlosen Familien weiterhin ein übliches Kommunikationsmittel. Nach Einführung der oralen Methode drehte die National Association of the Deaf (NAD) von 1913 bis 1920 ein Filmprojekt, aus Angst, dass ASL nicht überleben würde. George Veditz beaufsichtigte das Projekt und drehte den ersten Film, The Preservation of the Sign Language. Ziel des Projekts war, die Worte gehörloser Personen mit einem starken Gefühl einer eigenen kulturellen Gehörlosenidentität aufzuzeichnen und zu bewahren. Die Filmaufnahmen beinhalteten Vorträge, Gedichte, Geschichten und Lieder, die alle zu den literarischen Genres der ASL gehören. Einer der dokumentierten Geschichtenerzähler, John B. Hotchkiss, filmte eine Reihe von Geschichten mit dem Titel Memories of Old HartfordJohn B. Hotchkiss, auf heartdeaf.com, abgerufen am 18. November 2024 über seine Zeit als Student an der ASD in den 1860er Jahren. Aus seinen aufgezeichneten Erinnerungen wissen wir, dass ASL-Geschichtenerzähler und damit zumindest einige moderne ASL-Literaturgenres mindestens bis in die 1860er Jahre zurückreichen.

Einfluss der Gehörlosengemeinschaft auf die ASL-Literatur Während sich die Gehörlosengemeinschaft in Gehörloseninstituten, -familien und -clubs entwickelte, wurden die kulturellen Traditionen und Geschichten der Gemeinschaft von einer Generation an die nächste weitergegeben, und zwar in einer Art „mündlicher“ Überlieferung gesprochener Sprachen. In diesem Kontext bezieht sich „mündlich“ auf die Weitergabe von Kultur durch Interaktion mit anderen Mitgliedern einer kulturellen Gemeinschaft. Folklore und Erzähltraditionen sind Teil der kulturellen Interaktion, die in der Gehörlosengemeinschaft von Person zu Person weitergegeben wird. Auch ein offener Informationsaustausch wird sehr geschätzt, da Gehörlose Informationen nicht so zufällig mithören können wie Hörende. Geschichtenerzähler werden daher neben ihrer Fähigkeit zum Geschichtenerzählen auch aufgrund ihrer Fähigkeit zur Wissensvermittlung ausgewählt. Personen, die von der Gemeinschaft als Darsteller anerkannt wurden, sind die, die Ben Bahan als „Smooth Signers“ bezeichnet. Er definiert sie als „jemand, der als Sprachkünstler eine Geschichte so flüssig weben kann, dass selbst komplexe Äußerungen einfach und doch schön erscheinen“. Diese Geschichtenerzähler vermitteln ihren gehörlosen Mitmenschen ein Gemeinschaftsgefühl und tragen zur Aufrechterhaltung gemeinsamer kultureller Werte bei.

Große Zusammenkünfte der Gehörlosengemeinschaft sind in der modernen Gehörlosenkultur üblich, wie etwa Kongresse oder Festivals, und sie sind Voraussetzung für die Entstehung von ASL-Literatur. Wenn sich die Gehörlosengemeinschaft in kleinen Gruppen trifft, ist dies nur sehr selten ein produktives Mittel zur Schaffung und Bewahrung von ASL-Literatur. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenkunft der Gehörlosengemeinschaft war „Deaf Way: Ein internationales Festival und eine Konferenz zur Sprache, Kultur und Geschichte der Gehörlosen“. Sie wurde vom 9. bis 14. Juli 1989 von der Gallaudet University ausgerichtet, umfasste mehr als 500 Präsentationen, Workshops, künstlerische Veranstaltungen und Darbietungen und hatte über 5.000 Teilnehmer aus insgesamt 76 Ländern, darunter auch den Vereinigten Staaten. Zusammenkünfte wie diese ermöglichen die Verbreitung von ASL-Literatur und die „mündliche“ Verbreitung neuer Werke. Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft verlassen das Festival häufig und teilen die neuen Werke mit ihren eigenen Freunden und ihrer Familie. Jede geteilte Version eines Werks kann sich leicht vom Original unterscheiden, was dazu führt, dass mehrere Versionen der Geschichten in der Gemeinschaft weitergegeben werden. Es ist üblich, dass Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft sich in ihrem Alltag außerhalb großer Festivalversammlungen treffen und ihre eigenen persönlichen Erzählungen und traditionellen oder populären ASL-Geschichten teilen und verbreiten.

Einfluss der Technologie auf die ASL-Literatur Seit den ersten Aufnahmen von ASL-Literatur durch NAD im frühen 20. Jahrhundert haben Filmaufnahmen von ASL-Literatur die Erzähltradition beeinflusst. Eine der bemerkenswertesten Veränderungen durch den Film besteht darin, dass er sie statisch gemacht hat. Werden literarische Werke mündlich von Person zu Person weitergegeben, verändern sie sich vielleicht bei jeder Aufführung leicht, aber wenn sie auf Film aufgenommen werden, bleiben sie in ihrer ursprünglichen Form eingefroren. Dies hat zur Folge, dass sich die Darsteller vom Publikum distanzieren und die dynamische Interaktion zwischen beiden verloren geht. Andererseits ermöglicht diese Entwicklung dem Publikum, ein Werk der ASL-Literatur noch lange nach seiner Aufführung anzusehen, sodass es weniger wahrscheinlich ist, dass es in der Geschichte verloren geht. Veditz, der das NAD-Filmprojekt von 1913 bis 1920 leitete, war teilweise motiviert durch seinen Wunsch, die Gebärden verstorbener Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft sehen zu können und ASL in seiner Form des frühen 20. Jahrhunderts zu bewahren. Die Filmtechnologie hat die Reichweite der ASL-Literatur zu einem viel größeren Publikum erhöht. Jeder kann sich Werke in ASL ansehen, wann es ihm passt, unabhängig vom geografischen Standort. Filme haben die ASL-Literatur auch auf andere Weise beeinflusst. Sie haben es Autoren beispielsweise ermöglicht, experimenteller zu sein, die Art und Weise beeinflusst, wie literarische Genres präsentiert werden, dem Publikum ermöglicht, ASL-Texte auf neue Weise zu analysieren, die ASL-Sprache in allen geografischen Regionen standardisiert, die ASL-Alphabetisierung gefördert und eine gemeinsame kulturelle Identität der Gehörlosen gefestigt.

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