Eilert Herms (* 11. Dezember 1940 in Oldenburg (Oldenburg)) ist evangelischer Theologe. Er lehrte Systematische Theologie (Fundamentaltheologie, Dogmatik und Ethik) in Kiel (1975–1979), München (1979–1985), Mainz (1985–1995) und Tübingen (1995–2008).

rechts|mini|Eilert Herms

Leben Jugend Herms wuchs in Oldenburg als ältestes Kind des Pfarrers Bruno-Walter Herms und seiner Ehefrau Marga, geb. Eilers, auf. Nach dem Besuch des Alten Gymnasiums, wo er 1960 sein Abitur absolvierte, leistete er einen verlängerten Wehrdienst bis Frühjahr 1962.

Studium Zunächst studierte Herms von 1962 bis 1964 Germanistik bei Wilhelm Emrich, Philosophie bei Dieter Henrich und Wolfgang Müller-Lauter und evangelische Theologie an der Freien Universität Berlin und der Kirchlichen Hochschule Berlin. An der kirchlichen Hochschule war er zudem als wissenschaftliche Hilfskraft bei Ulrich Wilckens angestellt. Seit 1964 war Herms Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Das ausschließliche Studium der evangelischen Theologie folgte von 1964 bis 1966 in Tübingen bei Hartmut Gese, Hanns Rückert und Martin Elze, 1966 in Mainz bei Wolfhart Pannenberg und von 1966 bis 1968 in Göttingen bei Wolfgang Trillhaas, Ernst Wolf und Hans-Joachim Birkner, wo er auch am Privatseminar Emanuel Hirschs teilnahm.

Im Jahr 1968 legte Herms das Erste Theologisches Examen vor dem Evangelisch-lutherischen Oberkirchenrat in Oldenburg ab. Im Anschluss verfasste er mit einem Promotionsstipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes zwischen 1968 und 1970 in Göttingen seine Dissertation, deren Arbeitstitel Schleiermachers Kantkritik lautete. Eingereicht und veröffentlicht wurde sie letztlich unter dem Titel Herkunft, Entfaltung und erste Gestalt des Systems der Wissenschaften bei Schleiermacher.Eilert Herms: Herkunft, Entfaltung und erste Gestalt des Systems der Wissenschaften bei Schleiermacher. Gütersloh 1974. ISBN 3-579-04127-4. In dieser Zeit entstand auch die Bekanntschaft und Freundschaft mit Reiner Preul. Von 1970 bis 1971 war Herms Vikar in Oldenburg (Oldb) in der Christuskirchen Gemeinde. Im Sommer 1971 erfolgte das Zweite Theologische Examen vor dem Evangelisch-lutherischen Oberkirchenrat in Oldenburg und seine Ordination zum geistlichen Amt am 31. Oktober 1971. Zudem promovierte Herms in dieser Zeit zum Dr. theol. in Kiel.

Seit 1971 war Herms Wissenschaftlicher Assistent an der Schleiermacherforschungsstelle Kiel, die unter Leitung von Birkner stand. Dort machte er auch Bekanntschaft und schloss Freundschaft mit Wilfried Härle, der damals noch als Assistent bei Eberhard Wölfel arbeitete, und Joachim Ringleben, der ebenfalls Assistent bei Birkner war. 1975 habilitierte Herms in Kiel mit einer Arbeit über William James mit dem Titel Radical Empiricism. Studien zu Psychologie, Metaphysik und Religionstheorie William James.Eilert Herms: Radical empiricism: Studien zur Psychologie, Metaphysik und Religionstheorie William James‘. Gütersloh 1977. ISBN 3-579-04369-2. Angeregt durch Joachim Scharfenberg begann Herms 1975 seine pastoralpsychologische Zusatzausbildung, die er 1984 in München abschloss. Sie umfasste die Analyse der eigenen Person bei Harro Hoyer (Hamburg) und Lotte Köhler (München), die Teilnahme an Scharfenbergs Oberseminar und Fallbesprechungsgruppen sowie eine supervisierte Beratungstätigkeit an den evangelischen Beratungszentren Kiel und München. 1984 wurde Herms ordentliches Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP). 1977 veranstaltete Hermes mit Wilfried Härle ein gemeinsames Oberseminar über eigene Texte zum Thema Rechtfertigung. Das Wirklichkeitsverständnis des christlichen Glaubens,Härle Wilfried und Eilert Herms: Rechtfertigung - Das Wirklichkeitsverständnis des christlichen Glaubens. UTB (Band 1016) 1979. ISBN 3-525-03254-4. die 1979 unter gleichem Titel veröffentlicht wurden.

Professur 1978 nahm Herms den Ruf auf eine ordentliche Professur für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologische Fakultät der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität als Nachfolger von Jörg Baur an, die er Anfang 1979 antrat. Zusammen mit Wilfried Härle, Manfred Marquardt und Reiner Preul gründete er 1980 den Theologischen Arbeitskreis Pfullingen.Tagungsbände: Marburger Jahrbuch Theologie, 19ff. Von 1980 bis 1997 war Herms Vorsitzender (seit 1977 Sekretär) der zwischen Evangelisch-theologischer Fakultätentag und Ausbildungsreferentenkonferenz der EKD gebildeten „Gemischten Kommission für die Reform des Theologiestudiums“. Von 1984 bis 1990 hatte Herms den Vorsitz in der Fachgruppe Systematische Theologie in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (WGTh) inne. Von 1990 bis 1996 war er stellvertretender und von 1996 bis 2002 Erster Vorsitzender dieser Gesellschaft.

1985 erfolgte Herms’ Wechsel auf eine Professur für Systematische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Mainz. Zwischen 1985 und 2002 war Herms Mitglied verschiedener kirchlicher Gremien: von 1985 bis 2000 Mitglied des Theologischen Ausschusses der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) und ihres Spruchkollegiums für Lehrbeanstandungsverfahren, von 1986 bis 2002 Mitglied der Kammer für Theologie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Mitglied von deren Verfassungsgericht. Zusammen mit Hans May, damals Leiter der Evangelischen Akademie Loccum, führte er von 1986 bis 1989 die Kolloquienreihe „Theologische Aspekte der Wirtschaftsethik“ durch.Tagungsbände: E. Herms/G. May (Hrsg.) Theologische Aspekte der Wirtschaftsethik I – Vii (Loccumer Protokolle). Seit 1987 war Herms Mitglied des Vereins für Socialpolitik und seiner damals neu gegründeten „Arbeitsgruppe für Wirtschaftsethik“.Eilert Herms: Die Wirtschaft des Menschen. Tübingen 2004. ISBN 978-3-16-148451-3. Von 1980 bis 1992 gehörte er dem Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Sportbundes an.Eilert Herms: Sport. Partner der Kirche und Thema der Theologie. Hannover 1993. ISBN 3-7859-0652-8. Von 1986 bis 2002 war Herms Mitglied der Bioethikkommission des Landes Rheinland-Pfalz und von 1987 bis 2000 Mitglied des Arbeitskreises Kirche Wirtschaft Südhessen. Von 1989 bis 1991 amtierte er als Dekan der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Mainz.

1995 erfolgte der Wechsel auf einen Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Von 2000 bis 2006 war er Dekan dieser Fakultät. Von 2001 bis 2015 leitete Herms als Deutscher Vorsitzender die internationale Forschungsgruppe „Fundamentaltheologie in ökumenischer Perspektive“, der Mitglieder der Päpstlichen Lateranuniversität Roms sowie Mitglieder der Evangelisch-theologischen Fakultäten Tübingen und Heidelberg angehörten.

Emeritierung 2008 trat Herms in den Ruhestand. 2017 erschien seine Systematische Theologie. Das Wesen des Christentums: in Wahrheit und aus Gnade leben in 3 Bänden.

Herms ist verheiratet, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Forschung und Lehre Theorie für die Praxis Nach seinem Studium mit Schwerpunkt auf der Philosophie Heideggers und Kants sowie Historischer Theologie gewann Herms seine Praxiserfahrung im Gemeindevikariat. Seine dort gewonnenen Eindrücke bestätigtem ihm die unverminderte Richtigkeit des, ihm aus der Arbeit an der Dissertation bekannten, Theologieverständnisses F. D. E. Schleiermachers, wie es in seiner Schrift „Kurze Darstellung des theologischen Studiums zum Behuf einleitender Vorlesungen“Friedrich Schleiermacher: Kurze Darstellung des theologischen Studiums zum Behuf einleitender Vorlesungen. 1811/1830. ISBN 978-3-11-017395-6. entfaltet wurde. Demzufolge ist Theologie – in genauer Parallele zu Medizin und Jurisprudenz – eine Professionswissenschaft, deren Fundament nicht ein besonderer Platz im Kosmos des Wissens ist, sondern die Aufgabe, Menschen zur Erfüllung von Leitungsaufgaben in einem spezifischen Bereich gesellschaftlicher Praxis zu befähigen. Im Falle der Theologie betrifft dies die Leitung einer Gemeinschaft der (christlichen) Lebenssinn-Kommunikation. Erreicht wird dies durch die Vermittlung ausgewählter wissenschaftlicher Kenntnisse und Fertigkeiten, die für die kompetente Erfüllung dieser Aufgabe erforderlich sind. Für die ansatzweise Wiederentdeckung und Anerkennung dieses Verständnisses von Theologie in Kirche und Fakultäten setzte sich Herms bereits seit Ende der 1970er während seiner 17-jährigen Arbeit als Vorsitzender der „Gemischten Kommission für die Reform des Studiums“ ein.Evangelische Kirche in Deutschland [Hrsg.]: Theologiestudium, Vikariat, Fortbildung. Gesamtplan der Ausbildung für den Pfarrerberuf. 1978. ISBN 978-3-7831-0536-0. Herms’ Betonung lag auf der Präzisierung der Studieninhalte, die für den persönlichen Bildungsprozess künftiger Pfarrpersonen unabdingbar sind, um ihre theologischen Kompetenzen zu entwickeln. Darunter versteht Herms eine kritische, reflektierte und begründete Aneignung des überlieferten christlichen Menschen-, Welt- und Gottesverständnisses mit der erforderlichen Klarheit und Detailliertheit, um persönliches und berufliches Handeln, das Wählen von Zielen und Wegen, zu orientieren und motivieren. Ausdruck fand dieses Anliegen zunächst 1978 in seinem frühen Aufsatz „Was heißt ‚theologische Kompetenz‘?“In: Eilert Herms, Theorie für die Praxis. 1982, S. 35–49. ISBN 978-3-459-01441-5., später 1982 im Titel seiner ersten Aufsatzsammlung „Theorie für die Praxis“. Herms thematisiert darin eine Theorie, die im Horizont eines christlichen Wirklichkeitsverständnisses ermöglicht, den Gestaltungsbedarf und dessen Befriedigungsmöglichkeiten, die in pastoraler Praxis begegnen, zu erkennen und zu verwirklichen. Am prägnantesten findet Herms’ Programm Ausdruck in den 1988 erstmals veröffentlichten, anschließend breit diskutierten und 1993 angenommenen „Grundsätze(n) für die Ausbildung und Fortbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer der Gliedkirchen der EKD“.

Herms’ Theologieverständnis orientierte sich stets an den zeitgenössischen Herausforderungen der leibhaft-realen Institutionen christlicher, genauer: evangelischer, Lebenssinnkommunikation evangelischer Kirchen, ihrer Gemeinden und Amtsträger. Dies spiegelt sich auch in den Titeln und Abfolge seiner später folgenden Aufsatzbände wider. In einem ersten Zyklus beginnt Herms mit einem Band zur sichtbaren Kirche,Eilert Herms: Erfahrbare Kirche. Beiträge zur Ekklesiologie. 1990. ISBN 3-16-145628-9. gefolgt von einem Band zur diese Ekklesiologie rahmenden christlichen Sozialethik.Eilert Herms: Gesellschaft gestalten. Beiträge zur evangelischen Sozialethik. 1991. ISBN 3-16-145719-6. Im folgenden Band „Offenbarung und Glaube“Eilert Herms: Offenbarung und Glaube. Zur Bildung des christlichen Lebens. 1992. ISBN 978-3-16-145983-2. legt Herms dar wie praktische Selbst-, Welt- und Gottesgewissheit zustande kommen und was ihr jeweiliger Gehalt ist, die wiederum das vorhergehende Sozialethos orientieren und motivieren. Den Abschluss dieses ersten Zyklus bildet ein reflektierender Sammelband über die Lage im wiedervereinigten Deutschland.Eilert Herms: Kirche für die Welt. Lage und Aufgabe der evangelischen Kirchen im vereinigten Deutschland. 1995. ISBN 3-16-146330-7.