Nie allein (finnischer Originaltitel Ei koskaan yksin, internationaler englischsprachiger Titel Never Alone) ist ein Historienfilm von Klaus Härö. Im Mittelpunkt der erzählten Geschichte stehen acht österreichisch-jüdische Flüchtlinge, die während des Zweiten Weltkriegs aus Finnland deportiert werden sollen, während sich der Geschäftsmann Abraham Stiller, ein verdientes Mitglied der jüdischen Gemeinde Helsinkis, für sie einsetzt und dies zu verhindern versucht. Der Film, eine Koproduktion von Finnland, Estland, Schweden, Deutschland und Österreich mit Ville Virtanen, Rony Herman, Naemi Latzer, Kari Hietalahti und Nina Hukkinen in den Hauptrollen, basiert auf einer Biografie von Rony Smolar über Stiller und feierte Mitte November 2024 beim Tallinn Black Nights Film Festival seine Premiere. Im Januar 2025 kam der Film in die finnischen Kinos.
Handlung In der Zeit des Nationalsozialismus fliehen viele Juden vor Hitlers Tyrannei und suchen Zuflucht in anderen Ländern. Einige finden sich in Finnland wieder, in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Trotz Finnlands Bündnis mit Nazi-Deutschland stehen die jüdischen Bürger Finnlands unter dem Schutz ihrer Regierung. Als Deutschland im Sommer 1942 die Auslieferung der finnischen Juden fordert, verweist Ministerpräsident Johan Wilhelm Rangell auf deren finnische Staatsbürgerschaft. Einige finnische Beamte würden der Forderung der Gestapo, die Flüchtlinge alle auszuweisen, jedoch nur zu gerne nachkommen.
Abraham Stiller, ein Geschäftsmann, Philanthrop und ein verdientes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Helsinki, engagiert sich für den Schutz jüdischer Asylsuchender in Finnland. Um deren Abschiebung nach Deutschland zu verhindern, sichert er ihnen als Arbeitskräfte in seinem Textilgeschäft die Aufenthaltsgenehmigung, das er gemeinsam mit seiner nichtjüdischen Frau Vera betreibt. Als die Flüchtlinge gewaltsam in Arbeitslager in der Nähe der deutschen Streitkräfte in Nordfinnland gebracht werden, eskaliert die Situation. Stiller bittet den neuen Chef der Staatspolizei Arno Anthoni um Hilfe.Alissa Simon: Klaus Haro Shines Light on Deportation of Jews From Finland in World War II Drama 'Never Alone'. In: Variety, 20. September 2024.Ei koskaan yksin – Nie allein! In: filmstarts.de. Abgerufen am 14. November 2024.Lida Bach: Ei koskaan yksin / Never Alone. In: moviebreak.de. Abgerufen am 16. November 2024.David Katz: Review: 'Never Alone'. In: cineuropa.org, 21. November 2024. Bei diesem hat er sich allerdings zuvor bereits unbeliebt gemacht, als er ihn wegen seiner offen antisemitischen Haltung aus seinem Geschäft warf.
Um sich bei den Nazi-Machthabern beliebt zu machen, lässt Anthoni einige der bei Stiller untergekommenen jüdischen Flüchtlinge zunächst in ein Arbeitslager nach Lappland deportieren, darunter den Arzt Georg Kollmann, dessen Frau und kleinem Sohn sich Stiller nun besonders verpflichtet fühlt. Trotz offener Drohungen hält er zu seinen Leuten und besucht sie sogar in Lappland, um gemeinsam den Shabbat zu feiern. Als Anthoni mit einem Trick die finnische Regierung umgeht und acht der Gefangenen deportiert, darunter Kollmann und seine Familie, die ihm nun freiwillig folgt, kann Stiller dies nicht verhindern, deckt jedoch anschließend Anthonis Machenschaften auf und verhindert damit jede weitere Auslieferung finnischer Juden an Deutschland.
Die Rahmengeschichte besteht aus einem Interview, in dem dreißig Jahre später eine Journalistin den alten Stiller nach den Ereignissen befragt und dabei erfährt, dass er sich an der Deportation der acht Menschen schuldig fühlt. Sie macht Georg Kollmann ausfindig, der als einziger Überlebender in einer israelischen Klinik als Arzt arbeitet. Er möchte die Vergangenheit ruhen lassen, lässt aber Stiller symbolisch seine volle Vergebung übermitteln.
Hintergrund Insgesamt übergaben die finnischen Behörden während des Zweiten Weltkrieges fünf jüdische Männer an die Gestapo.Tony Öhberg: Finland’s First Stolpersteins Inscribe The Names of a Jewish Family Who Was Handed Over to Nazis and Sent to Auschwitz. In: finlandtoday.fi, 6. Juni 2018, abgerufen am 9. Juni 2018. Drei Familienangehörige sollen sie freiwillig begleitet haben. Die Ausgewiesenen waren (vgl. Liste der Stolpersteine in Helsinki):
Heinrich Huppert, begleitet von seinem Sohn Kurt, Georg Kollmann, begleitet von Frau Janka und Sohn Franz Olof, Elias Kopelowsky, Hans Korn und Hans Szybilski.
Mit Ausnahme von Kopelowsky und Szybilski waren alle österreichischer Herkunft. Georg Kollmann war der einzige der acht, der das NS-Regime überlebte. Die Übergabe erfolgte am 6. November 1942 in der damals von den Deutschen besetzten estnischen Hauptstadt Tallinn, 80 Kilometer südlich von Helsinki.
Produktion Filmstab und Filmförderung Regie führte Klaus Härö, der auch das auf der Abraham-Stiller-Biografie Setä Stiller: Valpon ja Gestapon välissä (übersetzt ungefähr Onkel Stiller: Zwischen Valpo [finn. Staatspolizei] und Gestapo) von Rony Smolar basierende Drehbuch schrieb.Mauro Lukasievicz: Never Alone de Klaus Härö. In: caligari.com. Abgerufen am 14. November 2024. (Spanisch) Bereits der Film Die beste Mutter des finnlandschwedischen Regisseurs aus dem Jahr 2005 spielte im Zweiten Weltkrieg und wurde von Finnland als Oscar-Kandidat ausgewählt. Auch seinem Spielfilmdebüt Elina von 2002 wurde diese Ehre zuteil. Mit Filmeditor Tambet Tasuja arbeitete Härö bereits für Die Kinder des Fechters zusammen.
Der Film erhielt vom Österreichischen Filminstitut eine Produktionsförderung in Höhe von 200.000 Euro.
Besetzung Ville Virtanen, bekannt aus Filmen wie Priest of Evil, Eine respektable Komödie und Bessere Zeiten, spielt in der Hauptrolle Abraham Stiller und Nina Hukkinen verkörpert seine nichtjüdische Ehefrau Vera. Hannu-Pekka Björkman und Carl-Kristian Rundman sind in den Rollen des damaligen finnischen Finanzministers Väinö Tanner und Innenministers Toivo Horelliist zu sehen. Kari Hietalahti spielt Arno Anthoni, den neu ernannten Chef der Staatspolizei. Der Österreicher Rony Herman spielt den Juden Georg Kollmann, seine Landsfrau Naemi Latzer und Rafael Simson Gouveia dessen im November 1942 deportierte Frau Janka und ihren Sohn Franz. Rain Tolk, einer der European Shooting Stars des Jahres 2007, spielt den ebenfalls deportierten Heinrich Huppert und Ruben Tolk dessen Sohn Kurt. Lukas Walcher ist in einer kleineren Rolle als ein deutscher Offizier zu sehen. Alexander Jagsch spielt Heinrich Müller. Jouko Puolanto ist in der Rolle des finnischen Ministerpräsidenten Johan Wilhelm Rangell zu sehen. Satu Tuuli Karhu spielt die Journalistin Elina Sana, die Stiller im Jahr 1972 für ein Buch interviewt.
Szenenbild und Dreharbeiten mini|hochkant=1.2|Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2023 unter anderem in der Bulevardi in der finnischen Hauptstadt Helsinki statt, hier am Haupttor zum „Alten Kirchpark“ Das Szenenbild schuf der Este Jaagup Roomet. Die Dreharbeiten fanden von Mitte September bis Anfang November 2023 in der finnischen Hauptstadt Helsinki statt, unter anderem in der Straße Bulevardi. Weitere Innenaufnahmen entstanden in Tallinn und in einem Blackbox-Studio in Estland. Nach Angaben des Regisseurs entstanden etwa 75 Prozent des Films in Estland.Kaspar Viilup: Klaus Härö: olen alates "Vehklejast" oodanud võimalust taas Eestis töötada. In: kultuur.err, 17. Juli 2024. (Estnisch) Als Kameramann fungierte Robert Nordström, mit dem Härö bereits für seinen vorherigen Film My Sailor, My Love zusammenarbeitete.
Filmmusik und Veröffentlichung Die Filmmusik steuerte der Schwede Matti Bye bei. Das Soundtrack-Album mit 17 Musikstücken wurde Ende Januar 2025 von OONA als Download veröffentlicht.'Never Alone' Soundtrack Released. In: filmmusicreporter.com, 30. Januar 2025.
Die Premiere des Films war am 13. November 2024 beim Tallinn Black Nights Film Festival. Am 17. Januar 2025 kam der Film in die finnischen Kinos.Leo Barraclough: Menemsha Takes North American Rights to Klaus Haro’s World War II Drama 'Never Alone'. In: Variety, 5. November 2024. Ebenfalls im Januar 2025 wurde er beim Palm Springs International Film Festival vorgestellt. Ende Januar, Anfang Februar 2025 wurde der Film beim Göteborg Film Festival gezeigt und im Juni 2025 beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney.Never Alone / Ei Koskaan Yksin. In: filmfest-emden.de. Abgerufen am 16. Juni 2025.Never Alone. In: goteborgfilmfestival.se. Abgerufen am 8. Januar 2025. Im Juli und August 2025 sind Vorstellungen beim Hurtigruten Scandinavian Film Festival geplant.The 2025 Hurtigruten Scandinavian Film Festival Full Programme Announced. In: filmink.com. Abgerufen am 20. Juni 2025. Die Rechte für Nordamerika erwarb Menemsha.
Rezeption Kritiken Lida Bach schreibt in ihrer Kritik für moviebreak.de, Klaus Härös Film schlage ein unrühmliches Kapitel in der finnischen Landesgeschichte auf, lenke die Aufmerksamkeit dann aber auf ehrenwerte Ausnahmepersonen, darunter Abraham Stiller. In seiner politgeschichtlichen Positionierung bleibe Härös Adaption von Rony Smolars Sachbuch ähnlich vage wie das gesellschaftliche Gesamtbild. Dabei verweigere sich die handwerkliche Inszenierung der apologetischen Ausflucht, die Unterstützung Hitlers sei die einzige Alternative zur sowjetischen Besetzung gewesen. Entsättigte, kühle Farben und Schwarz-Weiß-Kontrastszenen zeichneten ein ambitioniertes Bild vergessenen Heroismus, in dem nicht nur die Gegenwartsparallelen zu blass blieben.
Auszeichnungen Internationales Filmfest Emden-Norderney 2025 Auszeichnung mit dem Score Bernhard Wicki Preis in Silber (Klaus Härö)Damian Sprenger: Doppelsieg für „Skeet“ in Emden. In: Blickpunkt:Film, 16. Juni 2025.
Tallinn Black Nights Film Festival 2024 Nominierung im Baltic Film CompetitionPÖFF announces movies selected for 2024 Baltic Film Competition. In: err.ee, 29. Oktober 2024.
Literatur Rony Smolar: Setä Stiller: Valpon ja Gestapon välissä. Tammi, 2003, ISBN 951-31-2594-7. Elina Suominen: Kuoleman laiva S/S Hohenhörn : juutalaispakolaisten kohtalo Suomessa. Helsinki : WSOY, 1979, ISBN 951-0-09477-3. p. 2004, ISBN 951-0-29218-4 Elina Sana: Luovutetut. Suomen ihmisluovutukset Gestapolle. Helsinki: WSOY, 2003, ISBN 951-0-27975-7.
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Einzelnachweise
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