Das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier (Dasypus mexicanus) ist eine Art der Langnasengürteltiere. Es handelt sich um einen mittelgroßen Vertreter der Gürteltiere. Im äußeren Erscheinungsbild gleicht er weitgehend dem Neunbinden-Gürteltier. Übereinstimmend zu anderen Gürteltieren charakterisieren sich die Tiere durch einen Rückenpanzer, der aus einem starren Schulter- und Beckenschild besteht. Zwischen diesen beiden Abschnitten befinden sich entsprechend zum Neunbinden-Gürteltier acht bis zehn bewegliche Bänder. Unterschiede zwischen den beiden Arten sind vor allem in der Anatomie des Schädels zu finden.

Das Verbreitungsgebiet des Mexikanischen Neunbinden-Gürteltiers umfasst größere Teile Mittelamerikas und den südlichen bis zentralen Abschnitt Nordamerikas. Als einziger Vertreter der Gürteltiere kommt es somit in den USA vor, wo es erst in den 1850er Jahren nachgewiesen wurde, sich bis heute aber kontinuierlich ausbreitet. Als Habitate dienen verschiedene Wald- und Offenlandschaften vom Tiefland bis in teils höhere Berglagen.

Die Lebensweise ist durch zahlreiche Untersuchungen in den USA relativ gut erforscht. Die Tiere leben einzelgängerisch und sind nachtaktiv. Sie graben unterirdische Baue mit mehreren Eingängen und einer Nestkammer. Als Nahrung bevorzugen die Tiere Insekten, vor allem Käfer, teilweise werden aber auch Wirbeltiere verzehrt. Die Fortpflanzung findet einmal jährlich statt, begleitet von Dominanzkämpfen der Männchen. Weibchen bringen im Durchschnitt vier Junge zur Welt, die infolge von Polyembryonie alle genetisch identisch sind.

Wissenschaftlich eingeführt wurde das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier im Jahr 1864. In der Regel galt es als eine von mehreren Unterarten des Neunbinden-Gürteltiers, welches dadurch den am weitesten verbreiteten Vertreter der Gürteltiere repräsentierte. Durch anatomische und genetische Untersuchungen in den 2010er Jahren konnte aber aufgezeigt werden, dass das Neunbinden-Gürteltier keine einheitliche Art bildet und sich in vier Untergruppen aufteilen ließ. Hiervon bildete das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier die nördlichste Form. Die Anerkennung als eigenständige Art datiert in das Jahr 2024. Ihr Bestand gilt als nicht gefährdet.

Bedeutend in der Beziehung zum Menschen ist der Umstand, dass das Neunbinden-Gürteltier im weiteren Sinne Erreger der Lepra und der Chagas-Krankheit trägt. Vor allem die nördliche Art findet daher als Labortier für Forschungszwecke Verwendung.

Merkmale Habitus Das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier ist ein mittelgroßer Vertreter der Langnasengürteltiere. Es erreicht eine Gesamtlänge von 66,0 bis 88,3 cm, der Durchschnittswert beträgt 80,7 cm. Davon beansprucht der Schwanz eine Länge von 30,5 bis 43,0 cm, im Mittel 38,6 cm. Das Gewicht wird je nach untersuchter Population mit 3,0 bis 7,7 kg angegeben, wobei männliche Individuen durchschnittlich größer sind als weibliche. Für Tiere aus dem US-Bundesstaat Texas beträgt das durchschnittliche Gewicht männlicher Individuen 4,7 kg, das weiblicher 4,4 kg. Die gleichen Werte für Tiere aus dem Bundesstaat Mississippi liegen bei 4,2 und 4,0 kg. Das Verhältnis ist jedoch bei Tieren aus Nicaragua mit 4,8 zu 5,1 kg umgekehrt. Insgesamt liegen die Größenmaße innerhalb der Variationsbreite des Neunbinden-Gürteltiers (Dasypus novemcinctus). Wie alle Gürteltiere besitzt das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier einen charakteristischen Rückenpanzer. Dieser besteht aus einem festen Schulter- und Beckenschild sowie acht bis zehn, durchschnittlich neun beweglichen Bändern dazwischen, welche durch Hautfalten miteinander verbunden sind. Der Panzer besteht aus einzelnen, in Reihen angeordneten Knochenplättchen, auch Osteoderme genannt. Durch die Überdeckung der Knochenplättchen mit kleinen Hornschildchen wirken diese in den festen Panzerabschnitten aber nicht immer symmetrisch angeordnet. Die Knochenplättchen am Schulter- und Beckenschild weisen eine rundliche Form auf, die der beweglichen Bänder sind dagegen viereckig geformt, jedoch mit einer dreieckigen Musterung mit nach hinten zeigender Spitze versehen. Der Schulterschild wird rund 9,7 cm lang, der Beckenschild 13,1 cm. Das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier weist damit verhältnismäßig den längsten Panzer unter den Angehörigen aus der Nahverwandtschaft des Neunbinden-Gürteltiers auf. Zusätzlich zum Rückenpanzer ist der lange Schwanz in seinen ersten beiden Dritteln von 12 bis 15 Knochenringen umgeben. Auf dem Kopf befindet sich des Weiteren ein Schild von im Mittel 9,8 cm Länge. Der Kopf selbst zeigt eine konische Form, wobei die Schnauze lang ausgezogen ist. Die gleichfalls kegelförmigen Ohren ragen 3,5 bis 4,3 cm auf. Die Beine sind kurz, die Vorderfüße besitzen vier und die Hinterfüße fünf Zehen, die alle scharfe Krallen tragen. Jene der zwei mittleren Vorderfußzehen sind am längsten. Der Hinterfuß erreicht eine Länge von 5,1 bis 12,0 cm, durchschnittlich sind es 9,7 cm.

Skelettmerkmale mini|Skelett des Neunbinden-Gürteltiers Der Schädel ist 8,6 bis 10,5 cm lang und am Hirnschädel 2,9 bis 4,2 cm breit, Die Jochbögen stehen 3,6 bis 4,6 cm auseinander, während der Bereich hinter der Orbita auf 2,1 bis 2,7 cm einzieht. Allgemein besitzt der Schädel eine konische Form mit spitz zulaufendem und rund 6 cm langem Rostrum, das dadurch deutlich verlängert ist. Markant sind des Weiteren der langgestreckte Mittelkieferknochen und der generell schlank gebaute Jochbogen. Der Gaumen endet etwa auf Höhe des Abschlusses der Zahnreihe und liegt leicht unterhalb der Ebene der Schädelbasis. Die Stirnhöhlen sind abweichend von Dasypus guianensis nur moderat entwickelt. Der Zahnbau unterscheidet sich wie bei allen Gürteltieren auffallend von dem anderer Säugetiere und folgt nicht der gängigen Gebissformel. Die Zähne sind molarenartig gebaut und besitzen nur eine Wurzel. Sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer finden sich jeweils je Kieferhälfte 7 bis 9 Zähne, also insgesamt 28 bis 36. Allerdings scheint es innerhalb der einzelnen Populationen deutliche Unterschiede zu geben, da bei Tieren aus Nicaragua nur jeweils 7 Zähne je Kieferbogen beobachtet wurden. Die Gesamtlänge der oberen Zahnreihe beträgt 2,0 bis 2,8 cm, die der unteren 2,1 bis 3,0 cm. Der Unterkiefer wird 6,6 bis 8,3 cm lang.

Sinnesleistungen und Lautäußerungen Das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier hat einen eher schlechten Sehsinn, dafür aber einen ausgesprochen guten Geruchssinn, den es vor allem bei der Nahrungssuche einsetzt. Mehrere Lautrufe sind bekannt. Grabende und sich wehrende Tiere geben ein keuchendes Grunzen von sich, ängstliche ein Quieken. In der Paarungszeit sind auch niederfrequente Kontaktrufe nachgewiesen. Zudem ist die Gürteltierart ein sehr geräuschvolles Tier, welches ein beständiges Schnauben oder Grunzen bei der Suche nach Futter ausstößt.

Verbreitung und Lebensraum Allgemein mini|Verbreitungsgebiet des Neunbinden-Gürteltier-Artkomplexes, das Vorkommen des Mexikanischen Neunbinden-Gürteltiers ist blau markiert Das Verbreitungsgebiet des Mexikanischen Neunbinden-Gürteltiers umfasst den größeren Teil des kontinentalen Mittelamerikas und den südlichen Teil Nordamerikas. Es erstreckt sich somit von Costa Rica im Süden nordwärts bis in den südlichen bis mittleren Teil der USA. Am Südrand des Vorkommens besteht ein sympatrisches Auftreten mit Dasypus fenestratus. Die Tiere bewohnen verschiedene Landschaften von feuchten tropischen Regenwälder des Tieflands über Savannen und Trockengrasgebieten bis hin zu kühleren Bergwäldern. Die Höhenverbreitung reicht vom Meeresspiegelniveau bis in höhere Berglagen um 3400 m, letzteres wurde am Irazú in Costa Rica dokumentiert. Die Populationsdichte variiert über den Lebensraum. Für eine Flussuferlandschaft im San Patricio County im US-Bundesstaat Texas wird sie mit 1,45 Individuen je Hektar angegeben, für die küstennahen Offenlandschaften ebenfalls in Texas mit 0,5 Tieren auf einer ähnlich großen Fläche.

Ausbreitung nach Nordamerika mini|Verbreitungsgebiet in den USA mit gegenwärtiger Verbreitung (rot) mit der Darstellung verschiedener Verbreitungsgrenzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, die roten Punkte sind Neubeobachtungen Das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier ist der Vertreter der Gürteltiere mit der nördlichsten Verbreitung. Als einziger Angehöriger der Gruppe kommt er in den USA vor, dessen Ausbreitung dorthin erst in jüngerer Zeit stattfand und immer noch anhält. Dieser Prozess ist relativ gut untersucht. Die ersten Tiere wurden im südlichsten Texas am Rio Grande im Jahr 1854 beobachtet. Bereits rund 25 Jahre später hatte die Gürteltierart den Nueces River im Südosten des US-Bundesstaates erreicht. Die Westexpansion stoppte etwa 1905 am Pecos River in New Mexico, gegenwärtig sind nur selten vereinzelte Tiere westlich des Flusses zu finden. Nach Osten hin erschien das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier erstmals im Jahr 1921 in Arkansas. Schon zwei Jahre zuvor wurden mehrere Tiere in Florida durch Marinesoldaten freigelassen, gleichzeitig entwichen einige Exemplare aus einem Zoo, beide Gruppen begründeten die Population in diesem Bundesstaat. Im weiteren Verlauf der Ostausdehnung des Verbreitungsgebietes trat das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier im Jahr 1925 erstmals in Louisiana auf, den Mississippi überschritt es knapp zehn Jahre später, weitere Neumeldunmgn kamen im Jahr 1939 aus Alabama an und im Jahr 1942 aus Georgia. Weiterhin erfolgte auch eine Nordausdehnung, so wird über das erste Auftreten der Art in den Jahren 1936 in Oklahoma, 1943 in Kansas, 1947 in Missouri, 1966 in Colorado, 1970 in Nebraska, 1974 in South Carolina und schließlich 1992 in Illinois berichtet. Gegenwärtig umfasst die Verbreitung den ganzen Südosten der USA, im Westen ist die Ausdehnung weitgehend durch die trockenen Wüstengebiete mit heftigen Wintereinbrüchen abgeschlossen, im Norden geht sie jedoch weiter und schreitet mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 7,8 km pro Jahr voran, in den Großen Ebenen liegt sie sogar bei 11 km, im Vergleich dazu erreichte sie an der Golfküste bis zu 17,2 km pro Jahr. Allerdings wird die Expansion nach Norden durch die kalten Winter gebremst, da das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier kaum kälteresistent ist. Ein weiterer limitierender Faktor ist das weniger reichhaltige Nahrungsangebot in der kalten Jahreszeit dort.

Warum das Mexikanische Neunbinden-Gürteltier erst so spät in den USA auftrat, ist unbekannt, da es schon wesentlich früher, seit einigen tausend Jahren, in Mexiko nachgewiesen ist und keine klimatischen Unterschiede zum südlichen Teil der heutigen USA bestehen oder geographische Barrieren vorliegen. Möglicherweise hat es mit der Größe und Dichte der Populationen in Mexiko zu tun oder aber mit dem Überwinden eines physiologischen Hemmfaktors. Letzteres wäre nur mit einer evolutiven Weiterentwicklung des Mexikanischen Neunbinden-Gürteltiers zu erklären. Untersuchungen zufolge besitzen die Populationen in Nordamerika vergleichsweise eine nur geringe genetische Variabilität, im Gegensatz zu denen in Südamerika. Erklärt wird dies mit einer nur kleinen Gründergruppe, die Nordamerika Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte.

Lebensweise Territorialverhalten mini|Mexikanisches Neunbinden-Gürteltier in Oklahoma