Die Choriner Straße in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg ist eine Wohn-, Geschäfts- und Fahrradstraße. Ihr südlicher Teil gehört zu den ältesten Verkehrswegen im Norden Berlins. Sie ist vornehmlich bebaut mit Häusern aus der Gründerzeit, benannt wurde sie 1863 nach der Gemeinde Chorin im Landkreis Barnim.

Lage Gut 800 Meter nördlich des Hackeschen Markts und 100 Meter nördlich der Torstraße beginnt die Choriner Straße an der Kreuzung mit der Zehdenicker Straße und verläuft zunächst in nördlicher Richtung stadtauswärts durch den Kiez am Teutoburger Platz. Sie passiert die Lottumstraße und schwenkt an der Kreuzung mit der Fehrbelliner Straße auf nordnordwestliche Richtung. In geradem Verlauf kreuzt sie Zionskirchstraße und Schwedter Straße und endet nach etwa 880 Metern an der Oderberger Straße, wenige Meter vor der Schönhauser Allee.Karte Flurstücke. Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem, Geoportal Berlin.

mini|hochkant|links|Ecke Fehrbelliner Straße, 2024 Die Kreuzung mit der Schwedter Straße teilt die Choriner Straße in zwei gleich große Abschnitte, ihre südliche Hälfte verläuft entlang einer Ortsteil- und Bezirksgrenze: das Straßenland und die westlichen Hausnummern 65–85 liegen im Ortsteil Berlin-Mitte (Bezirk Mitte), die östlich gelegenen Hausnummern 1–18 liegen in Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow). Nördlich der Schwedter Straße befindet sich die Choriner Straße vollständig in Prenzlauer Berg. Die Hausnummern wurden erstmalig 1872 geändert und erneut 1913 in die heutige Nummerierung, sie verlaufen in Hufeisenform, beginnend an der Zehdenicker Straße.

Die Choriner Straße beginnt wenige Schritte nördlich der Tal- und Dünensande des Berliner Urstromtals und erklimmt in nördlicher Richtung die aus Geschiebemergel bestehende Grundmoräne der Hochfläche des Barnim, entstanden vor gut 20 Tausend Jahren während der Weichsel-Kaltzeit. Der Höhenunterschied vom tiefsten Punkt an der Zehdenicker Straße (40 Meter NHN) bis zum höchsten an der Choriner Straße 33 (52 Meter NHN) beträgt rund 12 Meter.

Fahrbahn und Straßengrün Im April 1968 wurde die Choriner Straße in nördlicher Richtung zur Einbahnstraße und zugleich zu einer Hauptstraße erklärt.Die Volkspolizei meldet – Rosenthaler Platz ohne Kreisverkehr. In: Berliner Zeitung, 18. April 1968, S. 8. Auf der nun vom Kraftverkehr „stark befahrenen“ zweispurigen Straße kam es Anfang der 1970er Jahre zu mehreren schweren Unfällen, bei denen ein Kind starb.Schwere Verkehrsunfälle. In: Neues Deutschland, 7. Juli 1971, S. 8. 1973 wurde zum Schutz der Fußgänger an der Kreuzung Schwedter Straße eine Ampelanlage installiert.Die Volkspolizei meldet. In: Berliner Zeitung, 4. November 1973, S. 8.

Die Einbahnstraßenregelung wurde aufgehoben, als die Choriner Straße Ende 1994 Teil des Sanierungsgebiets Teutoburger Platz wurde. Einige Gehwegvorstreckungen wurden angelegt und zunächst eine Tempo-30-Zone eingerichtet.Abgeordnetenhaus von Berlin: Drucksache 17/0846. Verordnungen über die förmliche Festlegung von Sanierungsgebieten vom 12. Feb. 2013. Anlage 1: Bericht zur Begründung der Aufhebung des Gebietes. Ziele der Sanierung 1. 3. IV. Seit 2012 ist die Choriner Straße in voller Länge eine Fahrradstraße.

Ab 1993 pflanzte die Stadt südlich der Zionskirchstraße zahlreiche Lindenbäume (Tilia euchlora), im nördlichen Teil blieb das Straßengrün etwas spärlicher, dort wurden 2004 neben einigen Buchen und Linden ein Paar Ginko biloba gesetzt sowie 2017 eine Baumreihe Apfeldorn (Crataegus lavallei).Karte Baumbestand Berlin. Geoportal Berlin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stand November 2024.

Geschichte 16. bis 18. Jahrhundert: „Hinter dem Weinberg“ mini|Ort der Choriner Straße, 1685

Nördlich der mittelalterlichen Stadt Berlin, zwischen heutiger Choriner Straße und dem Weinbergsweg, lag seit dem 16. Jahrhundert ein Weinberg, 1685 erstmals kartiert als Blumenthals Weinberg. Der Eigentümer Freiherr von Blumenthal ließ im Nordosten des Grundstücks, nahe der heutigen Choriner- Ecke Fehrbelliner Straße, einen Aussichtsturm errichten, einen dreigeschossigen Fachwerkbau mit kleiner Dachlaterne.Stadtansicht Berlins von Norden. Zeichnung, Berlin um 1700. Landesdenkmalamt Berlin / Bildarchiv Marburg, Bild-Nr. mi03478b08; bildindex.de

Bis 1700 war der Weinberg mit der Stadt verbunden über einen Weg, der vom damaligen Stadttor Spandauer Tor nordwärts entlang der heutigen Rosenthaler- und Gormannstraße und weiter den Hang hinauf als Hohlweg entlang der heutigen Choriner Straße verlief.Plan von Berlin mit Umgebung. Copirt in der städtischen Plankammer, nach dem im Jahre 1685 durch den Ingenieur la Vigne, aufgenommenen u. gezeichneten Plane, Berlin, im Jahre 1890 durch Rieck u. Beck. Im Landesarchiv Berlin: F Rep 270: A 2003.Stadtbefestigung von Berlin 1698. Federzeichnung auf Transparentpapier. stadtmuseum.de Diese Verbindung wurde 1705 durch dem Bau der Circumvallation der Spandauer Vorstadt – der späteren Akzisemauer – abgeschnitten. Es entstanden zwei neue Wege zum Weinberg: westlich der heutige Weinbergsweg vor dem Rosenthaler Tor, östlich ein Feldweg, genannt: „Hinter dem Weinberg“, der vom Schönhauser Tor in einem Bogen entlang der heutigen Zehdenicker- und Choriner Straße bis zur Schwedter Straße führte, im oberen Verlauf später bekannt als Verlorener Weg.Samuel Graf von Schmettau: Plan de la Ville de Berlin. Berlin 1748 (korrigierte Fassung von 1750).

1780 wurde nördlich an den Weinberg angrenzend der langgezogene Acker Tractus des Vorwerks Niederschönhausen separiert, er verlief oberhalb der heutigen Fehrbelliner Straße in einem kilometerlangen, geraden Streifen nordostwärts.Mencelius (Menzel): Plan der Berliner Hufen im Jahre 1822. Konig. Lith. Institut, Berlin 1823. stadtmuseum.de Entlang der Ostgrenze des Ackers war 1809 ein erster Feldweg kartiert,Jean Chrétien Selter: Plan de Berlin et de ses plus proches Environs par I.C. Selter. Schopp, Berlin 1809. der gerade Verlauf der heutigen nördlichen Choriner Straße liegt parallel zur Grenze alten Acker Tractus, etwa 50 Meter ostwärts versetzt.

19. Jahrhundert: Ausbau der Straße mini|Ecke Fehrbelliner Straße, 1828

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts endete der Weg der heutigen Choriner Straße im Norden an einer damals neuangelegten Kreuzung mit dem Verlorenen Weg (Schwedter Straße), der mit vier Ruthen Breite (gut 15 Meter) als südliche Begrenzung des Berliner Hufelandes angelegt wurde. 1822 gehörte das Land entlang der heutigen Choriner Straße im Süden zu den Weinberg-Stücken, um den Verlorenen Weg war es von Erbpächtern des Königs bewirtschaftet, weiter nördlich gehörte das Feld dem Großgrundbesitzer Friedrich Wilhelm Bötzow. Von den 1840er bis in die 1880er Jahre befanden sich zwischen der heutigen nördlichen Choriner Straße und der Kastanienallee größere Plantagen der Baumschule von Heinrich Lorberg.

mini|hochkant|Hohlweg (schwarz), Planstraße (weiß), 1863 Am 23. September 1863 bekam die Straße ihren Namen, per Kabinettsordre wurde „der von Süden nach Norden gerichtete Theil des sogenannten Hohlweges mit der an demselben sich anschließenden Straße Nr. 58, Abtheilung XI. des Bebauungsplanes“ als Chorinerstraße benannt.Magistrat zu Berlin: Communal-Blatt der Haupt- und Residenz-Stadt Berlin. Sittenfeld, Berlin 1863, S. 318; zlb.de Die Schreibweise in einem Wort blieb bis etwa 1906 üblich. Ein von Stadtplaner James Hobrecht zunächst vorgesehener Schmuckplatz zwischen Choriner Straße und Kastanienallee (Platz B, Abt. XI) wurde nicht realisiert.Städtebauliches Gutachten für das Gebiet „Teutoburger Platz“. Planungsgruppe Werkstadt, Berlin 2006, Karte 3: Hobrecht-Plan 1862 (Abteilung XI) eingetragen auf Sineck-Plan 1856. Später wurde dort die 15. Gemeindeschule errichtet.

Ab 1889 wurde die Choriner Straße nordwärts verlängert, eine Kabinettsordre erteilte der Stadt Berlin das Recht zur Enteignung der Grundstücke zwischen Schwedter und der Oderberger Straße.Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten 1889. Band Nr. 1. Berlin 1889, S. 138. Der neue Straßenabschnitt lag auf der Grenze zweier Kanalisationssysteme, nördlich der Nummer 34 lief das Abwasser in das Radialsystem X, südlich in das Radialsystem IV.Magistrat von Berlin: Übersicht der Radial-Systeme I bis XII nach den Stadtbezirken. In: Personalnachweisung der Berliner Gemeindeverwaltung. Stankiewicz, Berlin 1892, S. 174–75. 1892 wurde der Abschnitt gepflastert und ab der gleichen Zeit mit Mietskasernen bebaut. Da die nördlichsten Grundstücksparzellen weiterhin zur Schönhauser Allee ausgerichtet blieben, verlaufen die dortigen Grundstücksgrenzen schräg zur Choriner Straße, die Grundrisse zahlreicher Häuser sind rautenförmig, die Grundrisse vieler Loggien markant dreieckig.

Am südlichen Ende der Straße wurden 1893 neue Fluchtlinien festgesetzt und 1898 als Verlängerung der Choriner Straße die Gormannstraße über die Lothringerstraße hinweg Richtung Hackescher Markt durchgelegt.Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin 1898/1899: Bericht über die städtische Bau-Verwaltung. Berlin 1899, Nr. 31 S. 11. Der Straßenzug folgt seitdem wieder dem alten Weg zum Weinberg, wie von La Vigne im 17. Jahrhundert kartiert.

Bebauung Die Bebauung mit Mietshäusern erfolgte von Süden nach Norden, 1870 waren fünf Häuser an der Straße registriert, 1890 bereits 40 und 1900 gut 70 Häuser – um 1915 war die Bebauung mit mehr als 80 Gebäuden abgeschlossen.

mini|hochkant|Choriner Straße 4, 2024 Eines der ersten Gebäude an der Straße errichtete um 1845 der Kaufmann Franz Carl Heinrich Bohnhoff mit seiner Fischbein- und Stuhlrohrfabrik hinter Wollanks Weinberg am Verlorenen Weg. Das Bohnhoff’sche Haus bekam später die Adresse Choriner Straße 86-90, es stand etwa gegenüber der heutigen Ecke zur Lottumstraße. Ab 1853 hatte der Zimmermeister und spätere Stadtverordnete J. J. MeyerStadtverordneten-Versammlung zu Berlin: Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung. Berlin 1877, S. 8. ein Haus hinter dem Wollanks’schen Weinberge, gelegen an der heutigen Kreuzung zur Zehdenicker Straße. Das älteste erhaltene Gebäude ist die heutige Choriner Straße 4, erbaut 1851/1875 Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank. hinter Wollanks Weinberg vom Ackerbürger Schindler, genannt Schindler’sches Haus, später Wolff’sches Haus.

Östlich des Verlorenen Wegs stand bereits ab 1801 eine erste Bockwindmühle, errichtet vom Lohgerbermeister Christian Gottlieb Herz.Heinrich Herzberg u. a.: Mühlen und Müller in Berlin. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1986, S. 174f. Ab 1817 hieß sie nach dem neuen Besitzer auch Siebertsche Mühle,Koen. Pr. Grosser Generalstab: Grundriss von Berlin mit nächster Umgegend. Winkler’sches Adressbuch, Berlin 1835 sie lag gut vierzig Meter entfernt, oberhalb der heutigen Lottumstraße.J. F. Schneider: Plan von Berlin nebst denen umliegenden Gegenden im Jahr 1802. Berlin 1802. Mitte der 1820er Jahre folgten weiter nördlich zwei weitere Bockwindmühlen vis-à-vis dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee,Dannhauer: Plan von der Gegend bei Berlin. Handzeichnung, koloriert. Blatt D7. Berlin 1827; stadtmuseum.de eine am heutigen Hofspielplatz Choriner Straße 21, eine weitere, die Haubner’sche Mühle, am Hof des heutigen Hauses Choriner Straße 33.C. Birk: Neuester Bebauungs-Plan von Berlin mit nächster Umgebung und Angabe des Weichbilds u. Polizei-Bezirksgrenzen. Simon Schropp, Berlin 1863.Heinrich Herzberg u. a.: Mühlen und Müller in Berlin. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1986, S. 179–181.

Brauereien Ley (ca. 1845–1885) mini|Aussichtspavillon, 1861