Der Geizhals (serbokroatisch Skup) ist eine Komödie und eine Satire des ragusanischen Renaissance-Dichters Marin Držić, die Plautus’ Aulularia nachgebildet ist. Ihr Ende ist nicht erhalten. Zusammen mit Dundo Maroje und Novela od Stanca gehört sie zu Držićs erfolgreichsten Stücken.
Handlung Prolog mini|Der Geizhals (links) und der Satyr (rechts) in figürlicher Darstellung mit authentischen Kostümen im Marin Držić-Haus Der Prolog wird von einem Satyr gesprochen, einer Figur, die dem Publikum aus Schäferspielen bekannt war, als deren Autor sich Držić mit Tirena (1548) und Venus und Adonis (1551) bereits einen Namen gemacht hatte. Der Satyr entschuldigt sich denn auch, dass heute kein Schäferspiel, sondern eine Komödie gegeben wird. Eigentlich habe eine Nymphe einen Prolog in Versen aufsagen sollen, sie sei aber von ihm davongelaufen. Ferner habe das Stück von der Schauspielertruppe der „Njarnasen“ gegeben werden sollen. Als die aber vernommen habe, dass eine böse Schwiegermutter im Stück vorkomme, habe sie Reißaus genommen, weswegen die Gäste nun mit Laien vorlieb nehmen müssten. Zum Schluss führt er ins Stück ein: Er habe dem alten Geizhals (Skup) den Weg zu einem verborgenen Schatz gewiesen. Geizhals hat diesen Schatz bei sich zuhause versteckt und bewacht ihn seither mit ständigem Argwohn.
Erster Akt Das junge hübsche Dienstmädchen Gruba („die Grobe, Hässliche“) wollte soeben in Geizhalsens Küche Feuer holen, als plötzlich der Hausherr auftauchte, sie wild als Diebin beschimpfte und sie vor Schreck die Treppe hinunterfiel. Diese Begebenheiten erzählt sie nun entsetzt Variva (von variti „kochen“), der alten Magd des Geizhalses. Die beklagt sich über die unhaltbaren Zustände im Hause: Der Herr gibt sich arm wie ein Bettler, lässt niemanden eintreten und verhält sich feindselig gegen alle Welt. Feuer gibt es ohnehin keins, weil er kein Geld für Holz ausgeben will. Außerdem habe seine Tochter Andriana (Andrijana) soeben vernehmen müssen, dass er sie an einen alten reichen Mann zu vermählen gedenke, weil der sie auch ohne Mitgift nehmen würde. Gruba erzählt, dass Andriana sich bereits heimlich mit dem jungen Adligen Kamilo verlobt habe, der vor Liebeskummer schier verschmachte. Da tritt zeternd und tobend Geizhals auf und beschuldigt Variva, eine Schnüfflerin auf ihn gehetzt zu haben und ihn bestehlen zu wollen. Variva fragt ironisch, welchen Schatz sie denn im leeren Haus rauben sollte, woraufhin er argwöhnt, dass sie etwas von seinem Reichtum wisse. Als Variva Holz hacken geht, erschrickt er gleich wieder zu Tode und vermutet Räuber im Haus. Er verlangt den Schlüssel zur Küche von ihr und will sie verprügeln. Andriana geht dazwischen. Er bleibt allein zurück und klagt darüber, wie elend es ihm geht, seit er den Schatz gefunden hat. Panisch wird er gewahr, dass er schon zu lange aus dem Haus ist, und fragt misstrauisch, was Variva und Andriana treiben. Die Tochter bestätigt, dass sie oben seien. Es ist das letzte Mal, dass sie etwas im Stück sagt. Geizhals instruiert die beiden, die Tür verriegelt zu halten und niemanden einzulassen. Er muss bei einem Schuldner Geld eintreiben gehen, kann sich aber nur schwer dazu entschließen, den Schatz unbewacht zu lassen. Ständig hat er Angst, jemand könnte etwas davon mitbekommen haben. Menschen, die ihn um Geld bitten, weist er ab, er brauche keine Freunde. Murrend macht er sich auf den Weg.
Kamilo tritt auf. Er will die seltene Abwesenheit von Geizhals nutzen, um seine Geliebte zu sehen, und besticht Gruba mit Süßigkeiten, damit sie Variva herbeiholt. Die berichtet ihm vom Unglück der Heiratspläne des geizigen Vaters. Der entsetzte Kamilo lässt Andriana ausrichten, ruhig Blut zu bewahren und auf seine weiteren Anweisungen zu warten.
In der letzten Szene treten Kamilos Mutter Dobre („die Gute“) und deren Bruder, der Hagestolz Zlatikum („Gevatter Gold“) auf. Sie versucht ihn zu bereden, sich endlich eine Frau zu nehmen, damit ihr Geschlecht nicht erlösche. Sie habe bereits ein Mädchen aus reichem Hause mit großer Mitgift im Blick. Zlatikum will wegen seines vorgerückten Alters eigentlich nicht mehr heiraten und wenn, dann nur ein armes, unprätentiöses Mädchen ohne Mitgift, dessen Herr und Gebieter er sein könnte. Geizhals habe ihm bereits seine Tochter angetragen und ihm versprochen, falls er doch noch in den Ehestand treten wolle, dass er darauf zurückkommen werde. Dobre überredet ihn, ihm nun seine Zusage zu erteilen.
Zweiter Akt Kamilos Diener Munuo tritt auf und beklagt sich über das ständige Liebesgesülze seines Herrn. Er selbst ist in Gruba verliebt und versucht kurz sein Glück bei ihr, sie weist ihn aber ab. Kamilo eilt atemlos herbei und zieht Munuo mit sich fort.
Geizhals hat es nicht übers Herz gebracht, seinen Schatz alleine zu lassen, und kommt unverrichteter Dinge zurück. Zlatikum tritt herbei und hält um die Hand seiner Tochter an. Geizhals mutmaßt sogleich, dass er sich so nur seines Geldes bemächtigen will, als er aber hört, dass keine Mitgift entrichtet werden muss, willigt er schließlich ein. Zlatikum geht überglücklich ab, um sogleich Anweisungen zur Hochzeitsfeier zu geben. Geizhals trägt Variva auf, die nötigen Vorkehrungen für das Fest im Haus zu treffen, und geht ebenfalls ab.
Kamilo und Munuo, die alles belauscht haben, treten wieder hervor. Kamilo ist untröstlich über die Neuigkeit, dass ausgerechnet sein Onkel sein Rivale ist. Munuo heckt einen Plan aus. Sein Meister solle sich zuhause verschanzen, und er werde überall erzählen, er sei todkrank und werde vor Liebeskummer bald sterben. Das werde seine Mutter bestimmt erweichen und sie könne dann ihrem Bruder die Heiratspläne wieder ausreden. Variva bietet sich als Zeugin der Verlobung von Kamilo und Andriana an und verspricht, mit ihr zu sprechen. Sie werde ihm gewiss treu bleiben.
Zum Schluss tritt Pasimaha, der aus Kotor stammende Diener von Zlatikum, auf. Er wurde von seinem Herrn mit reichlich Geld ausgestattet und kauft nun alles Nötige für die Hochzeitsfeier ein. Er flirtet kurz mit Gruba, die ihn wie zuvor schon Munuo, aber nicht ganz so resolut zurückweist.
Dritter Akt Dobre äußert gerade ihre Befürchtungen, dass ihr Bruder und Geizhals sich nicht einigen könnten, da kommt ihr Bekannter Dživo, Grubas Herr, und sagt, ihm sei zu Ohren gekommen, Kamilo habe sich mit Andriana verlobt. Dobre gerät in große Wut und schimpft über den Leichtsinn ihres Sohnes und die heutigen Schwiegertöchter. Gruba eilt herbei und berichtet, Kamilo liege im Sterben. Dživo macht sich auf, einen Arzt zu holen, die wehklagende Dobre geht mit Gruba ab.
Pasimaha und der Koch Drijemalo kommen mit Speisen und Wein und begehren Einlass in Geizhalsens Haus. Sie setzen sich über Varivas Bedenken, dass sie doch niemanden einlassen sollte, unbefangen hinweg.
Munuo berichtet in einem Monolog, dass Dobre verzweifelt sei und bereits viele Ärzte am Krankenlager Kamilos ihre Aufwartung gemacht haben. Als Geizhals naht, versteckt er sich. Der kommt vom Schlachter, wo er nolens volens etwas für das Fest gekauft hat, und ärgert sich maßlos über die anstehenden Ausgaben. Er will am liebsten gar nichts ausrichten. Als er den Lärm der Köche in seinem Haus hört und Pasimaha auch noch mit einem Messer in der Hand heraustritt, wird er rasend, beschuldigt sie, ihn im Auftrag Zlatikums ermorden und bestehlen zu wollen, und prügelt und verjagt die beiden. Als Zlatikum kommt, versteckt auch er sich und vernimmt mit wachsendem Wohlwollen dessen monologische erzkonservative Erörterungen über die perfekte Hausfrau. Als er sich zur Genüge versichert hat, dass Zlatikum nicht hinter seinem Schatz her ist, tritt er aus seinem Versteck und bekräftigt die Hochzeit am Abend. Zlatikum macht sich zum Barbier auf. Geizhals ist so weit zufrieden, will angesichts des unausweichlichen Rummels in seinem Haus aber seinen Schatz in der nahen Kirche in Sicherheit bringen. Munuo folgt ihm heimlich und sieht (in einer Teichoskopie), wie Geizhals den Krug in einem Grab versteckt und Knochen darüberlegt. Als Geizhals sich zum Küster aufmacht, um die Schlüssel zur Kirchentür zu erbitten, schleicht Munuo in die Kirche.
Vierter Akt Munuo hat den Schatz gefunden und gestohlen und macht sich damit davon. Es treten Kamilos Freund Pjerić („Peterchen“) und sein Onkel Niko auf. Pjerić möchte Niko eigentlich um Hilfe für den angeblich todkranken Kamilo bitten, dieser ergeht sich aber ausschweifend über die nichtsnutzige, verderbte Jugend von heute und verweigert jegliche Unterstützung.
Geizhals hat sich mit dem Küster verplaudert. Er will rasch nachschauen, ob sein Schatz noch an Ort und Stelle ist, und dann die Kirche abschließen. Inzwischen berichtet Pasimaha seinem Herrn von der schmachvollen Behandlung, die ihnen im Hause des Geizhalses zuteilgeworden ist. Zlatikum ist empört und sagt die Hochzeit ab. Geizhals stürmt schreiend aus der Kirche und beschuldigt Zlatikum, ihm den Schatz gestohlen zu haben. Der sieht sich nur in seiner Haltung bestätigt und geht kopfschüttelnd ab.
Munuo kommt frohen Mutes zu Gruba und will sie davon überzeugen, ihn zu heiraten. Er verheißt ihr eine goldene Zukunft, darf aber natürlich nichts Genaueres vom geraubten Schatz verlauten lassen. Sie bekundet Interesse und vertröstet ihn auf später, wenn er tatsächlich Geld habe. Variva berichtet in einem Monolog, dass Andriana sich seit der Nachricht von der Krankheit ihres Geliebten mit Selbstmordgedanken trage, und will schleunig zu ihr.
Dživo kann den Starrsinn von Kamilos Mutter, die ihrem Kind den Segen verweigert, nicht nachvollziehen und will Geizhals und Zlatikum überreden, die Hochzeit abzusagen. Er begegnet Niko, der ein weiteres Mal misanthropische Reden schwingt und jede Hilfe verweigert. Zum Schluss begegnet er seiner Dienstmagd Gruba, die ihm von Munuos Heiratsantrag erzählt. Dživo findet das lächerlich und ermahnt sie, nicht darauf einzugehen.
Fünfter Akt Kamilo berichtet in einem Monolog von seinen Qualen und verflucht seinen Diener Munuo, der ihm zuerst Hoffnung gemacht hat und sich nun nicht mehr blicken lässt. Als er Geizhals gewahr wird, geht er mutig auf ihn zu. In einem langen Dialog – einem Höhepunkt von Držićs Komik – reden die beiden beständig aneinander vorbei. Kamilo möchte sich dafür entschuldigen, dass er das Herz der Tochter geraubt hat, Geizhals meint am Ende, Kamilo habe zusammen mit Andriana den Schatz gestohlen, und geht wutschnaubend, mit der Ankündigung, vor Gericht zu ziehen, ab. Kamilo folgt ihm aus sicherer Distanz.
Munuo weiß nicht, was er nun tun soll. Er würde sich gerne mit dem Geld aus dem Staub machen, die Aussicht auf Gruba hält ihn aber zurück. Kamilos Freund Pjerić kommt und macht ihm Vorwürfe, seinen Herrn im Stich zu lassen, und will wissen, was Munuo unter seinem Gewand versteckt. Als der sich in Ausflüchte verstrickt und behauptet, es gehöre Kamilo, ergreift er ihn und zerrt ihn zu diesem fort.
Geizhals kommt wieder mit Kamilo im Schlepptau. Der eröffnet ihm endlich, dass er sich mit Andriana verlobt hat. Geizhals höhnt, er habe es nur auf seinen Schatz abgesehen, seine Tochter werde aber Zlatikum heiraten. Just in diesem Moment tritt auch der hinzu und macht klar, dass es nicht zur Heirat kommen wird. Geizhals ist entrüstet und bringt immer wildere Anschuldigungen vor. Die beiden anderen halten ihn für verrückt. Auch Dživo gesellt sich zu ihnen und dringt in Geizhals, Kamilo als Schwiegersohn zu akzeptieren. Schließlich kommt auch Pjerić mit Munuo. Munuo bittet die Umstehenden, sich zu beruhigen, er habe gute Nachrichten zu verkünden. Gerade als er beginnt, die Lage zu entwirren, bricht die Überlieferung ab.
Mögliche Lösungen Ausgehend von überlieferten Fragmenten des Schlusses vermutete der Slavist Jiří Polívka, dass „Munuo den gestohlenen Schatz herausgegeben und der Geizige das liebende Paar gesegnet und mit seinem Schatze beschenkt hat“.Georg Polivka: Der Geizige in Ragusa. 1888, S. 442.