Die maltesisch-portugiesischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Malta und Portugal.

Die beiden Länder unterhalten traditionell gute Beziehungen, die insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert sehr eng waren, mit Beginn des 19. Jahrhunderts dann stark zurückgingen und erst seit dem späten 20. Jahrhundert wieder langsam zunehmen. Malta wurde mehrfach von Portugiesen regiert, und die langen Phasen ihrer zeitweise engen Beziehungen hinterließen zahlreiche Spuren in Malta, vor allem baulicher Art. Die portugiesische Denkmalliste SIPA führt gar ein portugiesisches Baudenkmal in Malta, den Palast des Antonio Manoel de Vilhena, der Malta ab 1722 besonders stark prägte. Dieser Palazzo Vilhena wurde 2002 durch portugiesische Hilfe umfangreich restauriert.Eintrag des Palácio de António Manuel de Vilhena in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 3. November 2024

Die wichtigsten heutigen Verbindungsglieder sind vor allem die gemeinsame Mitgliedschaft in der Europäischen Union und in internationalen Gremien und Organisationen wie der OSZE, dem Europarat, die Union für den Mittelmeerraum, die Arraiolos-Gruppe und die zahlreichen UN-Organisationen. Ihr wachsender bilateraler Handel, der Tourismus, ihr regelmäßiger Sport- und Kulturaustausch und die kleinen gegenseitigen Diasporas sind weitere Faktoren ihrer vielschichtigen und unbelasteten, jedoch nur langsam zunehmenden Beziehungen.

Im Jahr 2020 waren 109 maltesische Staatsbürger in Portugal gemeldet, während 284 portugiesische Staatsbürger konsularisch in Malta registriert waren.Übersicht zu den maltesisch-portugiesischen Beziehungen beim Diplomatischen Institut im Außenministerium Portugals (portugiesisch, englisch), abgerufen am 12. Dezember 2024

Geschichte Bis zum 13. Jahrhundert mini|Karthago und Rom am Anfang des Zweiten Punischen Kriegs 2018. Danach gehörten die heutigen Staaten Malta und Portugal erstmals einem gemeinsamen Herrschaftsbereich an, dem römischen Imperium. Die Insel Malta gehörte zum Machtbereich der Karthager, die bis nach Portugal Handelsposten unterhielten. Damit waren sie erstmals direkt miteinander verbunden, bevor sie beide auch zu den Handelsrouten der Griechen gehörten.

Der Zweite Punische Krieg ab 218 v. Chr. brachte römische Truppen auch auf die Iberische Halbinsel, so dass auch Malta und das heutige Portugal nun Teil des Römischen Reichs waren. Mit der Völkerwanderung ab dem 4. Jh. n. Chr. zerfiel der westliche Teil Roms, und sowohl Malta als auch Portugal wurden von Vandalen und anderen Germanenstämmen erobert.

Im Jahr 711 wurde Portugal von den Arabern eingenommen, 904 kam auch Malta zum islamischen Machtbereich. Während Portugal danach in der sogenannten christlichen Reconquista den Islam wieder vertrieb und ab 1143 seine Eigenständigkeit als christliches Königreich Portugal etablierte, wurde Malta 1090 von den Normannen erobert, seine muslimische Bevölkerung dabei aber erst nach einem Aufstand 1249 zu einem großen Teil zwangs-christianisiert. Am Zweiten Kreuzzug, der auch bedeutende Hilfe bei der entscheidenden Belagerung von Lissabon (1147) leistete, waren Ritter des Johanniterordens maßgeblich beteiligt. 1203 wurde Afonso de Portugal, Sohn des ersten portugiesischen Königs D. Afonso Henriques, zum 12. Großmeister des Johanniterordens, der später wesentlich für Maltas Geschichte wurde.

Vom 14. bis Anfang des 19. Jahrhunderts Portugiesen im späteren Malteserorden Nach der Auflösung des Templerordens 1312 war das beträchtliche Ordensvermögen den Johannitern, dem späteren Malteser-Ritterorden übertragen worden, nicht jedoch in Portugal. Hier wurde der neu gegründete Christusritterorden zum Erben der Templer, gleichwohl daneben der Johanniterorden in Portugal weiter einflussreich blieb. Die Eroberung von Ceuta 1415 durch Portugal, und dabei maßgeblich durch Ritter des Christusordens, war ein strategisch bedeutender Punkt in der damaligen bekannten Weltordnung: gelegen gegenüber des Johannitersitzes Rhodos, ermöglichte es den Portugiesen die Kontrolle über das westliche Ende des Mittelmeers und dessen Zugang zum Atlantik. Ceuta markierte damit den Aufbruch Portugals zu seinen Entdeckerfahrten und damit zum ersten globusumspannenden Weltreich der Geschichte. Die enge Verbindung zum späteren Malteserorden drückte sich dabei auch in den zahlreichen portugiesischen Ordensrittern aus, von dessen Stammsitz Rhodos aus auch Pêro da Covilhã und Afonso de Paiva ihre Forschungsreise nach Alexandria begannen und von dort ins Innere Afrikas, um Kenntnisse für die weitere Durchführung der portugiesischen Pläne für einen Seeweg nach Indien um Afrika herum zu sammeln. Zuvor waren sie tatkräftig beteiligt an der Verteidigung von Rhodos, Sitz des Ordens bis zum Umzug nach Malta. mini|Der Portugiese Antonio Manoel de Vilhena regierte Malta ab 1722 und gehört zu den prägendsten Regenten der Geschichte Maltas. Die Beziehungen Portugals zum späteren Malteserorden wurden noch enger, nachdem Portugal und Kastilien-León 1452 den Zungen des Malteserordens als achte „Zunge“ beitraten. Dabei halfen die Ritter der späteren Malteser auch den portugiesischen Plänen: so verhinderte die Niederlage der ägyptisch-türkischen Flotte, die ihnen vor Alexandretta (heute İskenderun) auch von Johannitern beigebracht wurde, eine Verstärkung ihrer Kräfte im Roten Meer, gegen die sich Afonso de Albuquerque durchsetzen und danach so entscheidende portugiesische Eroberungen wie Hormuz (1507), Goa (1510) und Malakka (1511) machen konnte.

Der Johanniterorden ließ sich um 1530 auf Malta nieder und wird seither Malteserorden genannt. Der Orden blieb vielfältig mit Portugal verbunden, und es wirkten nun immer zahlreicher Portugiesen in ihm. Sie spielten damit eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Ordens und damit Maltas. So war Cristóvão de Cernache, späterer Großkanzler der Malteser, nicht nur an wichtigen portugiesischen Militäroperationen ab 1513 im Orient (u. a. Belagerung Adens, Eroberung Qalʿat al-Bahrains) und der Verteidigung des Ordenssitzes auf Rhodos beteiligt, sondern gehörte mit mindestens zwei Dutzend anderer portugiesischer Ritter zu den Akteuren der erfolgreichen Verteidigung der Ordensinsel in der Belagerung von Malta (1565). Der portugiesische König D. Sebastião gehörte danach zu den wichtigsten Finanziers des Malteser-Großmeisters Jean de la Valette und seinem Bau der neuen Hauptstadt Maltas, das nach ihm benannte Valletta.Fernando Cristóvão (Hrsg.): Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon/Luanda/Praia/Maputo 2006, S. 834f (ISBN 972-47-2935-4)

Portugiesische Herrscher Maltas und gegenseitige maltesisch-portugiesische Einflüsse Mehrfach wurden portugiesische Adlige Großmeister des Malteserordens und damit zum Herrscher des Ordensstaat Malta, etwa Luís Mendes de Vasconcellos, der 1622 zum 55. Großmeister des Ordens wurde. 1741 wurde der Portugiese Manuel Pinto de Fonseca zum 68. Großmeister des Malteserordens und danach mit seiner 32 Jahren dauernden Regentschaft der am längsten amtierende Großmeister der Malteser. Er baute die imposante Herberge der Kastilier (Auberge de Castille et Leone) und auch die Ordensarmee maßgeblich aus und glich die Position des Großmeisters weitgehend der Position eines Königs an. Er war der letzte portugiesische Ordensgroßmeister und damit letzter portugiesischer Herrscher Maltas.

Besonders verdient um die Entwicklung Maltas machte sich zuvor Antonio Manoel de Vilhena, der ab 1722 der 66. Großmeister des Ordens wurde und als Herrscher Maltas wegweisende wirtschaftliche und städtebauliche Maßnahmen vornahm. Mit seinem Palazzo Vilhena (portugiesisch: Palácio Vilhena) befindet sich eines seiner Bauwerke sowohl unter maltesischem Denkmalschutz als auch in der portugiesischen Denkmalliste.Eintrag des Palácio de António Manuel de Vilhena in Mdina, Malta in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 12. Dezember 2024 Vilhena, der bereits mit seinen Verdiensten während des venezianisch-österreichischen Türkenkriegs (1714–1718) und da vor allem während der Seeschlachten am Kap Matapan 1717 und 1718 Anerkennung gewonnen hatte, wurde als erster Großmeister der Malteser mit dem päpstlichen Ehren stucco e piliere ausgezeichnet. Auch gab der gebildete und kulturell interessierte Vilhena bedeutende Impulse für das Kulturleben Maltas und setzte hier wegweisende städtebauliche und gesellschaftlich-soziale Akzente. Zu nennen sind Verstärkungen und Neubauten der Befestigung Maltas, insbesondere das Fort Manoel (ab 1722), der Wiederaufbau Mdinas ab 1722, mit dem er den französischen Baumeister Charles de Mondion beauftragte, der ihm ab 1726 auch seinen Palácio Vilhena errichtete. Auch der maßgebliche Aufbau Florianas ab 1724 und des Festungsortes Ras et-Tafal auf Gozo ab 1723 sind von Bedeutung, ebenso half sein Programm zum Bau von Windmühlen, die Nahrungsmittelsicherheit Maltas zu sichern, mit der Ta’-Kola-Windmühle auf Gozo als letzter erhaltener Mühle. Auf kulturellem Gebiet ist vor allem das Teatru Manoel von 1732 zu nennen, das heute als eines der ältesten Theatern Europas gilt, aber auch im Bereich der Hochschulen und des Bibliothekswesen setzte er Impulse und richtete soziale Hilfswerke wie das Altenpflegeheim Casa di Caritá (das heutige Ospizo in Floriana) oder ein Mütter- und Jugendhilfswerk (Conservatorio). Vilhenas Grab in der Ordenskathedrale St. John’s Co-Cathedral gilt als das größte und kostspieligste aller Malteser-Großmeister. mini|Innenraum des 1732 errichteten Teatru Manoel: es gilt als ältestes Theater Europas und gehört zum umfangreichen baulichen Erbe portugiesischer Regenten Maltas. Die engen Verbindungen Maltas zu Portugal äußerten sich auch in anderen Bereichen. So wirkte der maltesische Architekt Carlo Gimach (1651–1730) beim Bau des Palácio Nacional de Mafra, insbesondere beim großen Treppenaufgang, und er leitete Teile des von 1703 bis 1718 erfolgten Umbaus des Klosters Arouca. Auch das Kloster Salzedas und der unvollendet gebliebene Lissabonner Palast Palácio do Correio Velho (auch Palácio Marim-Olhã) gehören zu seinen Arbeiten in Portugal, das er 1721 wieder verließ, um an der Gesamtrestaurierung der Kirche Sant’Anastasia in Rom zu arbeiten. In der Gegenrichtung kam 1723 der italienische Architekt und Maler Nicolau Nasoni dank seiner Zeit in Malta und seinen dortigen Verbindungen nach Portugal, wo er seine bedeutendsten Arbeiten schuf.

Die von den Historikern bislang noch unzureichend aufgearbeitete Geschichte der Beziehungen zwischen Malta und Portugal erstreckte sich neben Politik, Militär, Handel und Architektur auch auf zahlreiche andere Gebiete, etwa der Wissenschaft. Das 1787 in Malta verlegte Werk Tratado das Cores (portugiesisch für: Traktat über die Farben) des portugiesischen Ordensritters Diogo de Carvalho e Sampayo (1750–1807), der als Diplomat und Politiker, aber auch als Wissenschaftler wirkte, war für seine Zeit eine besonders ernstzunehmende und wertvolle wissenschaftliche Arbeit. Doch blieben vor allem die militärischen und politisch-gesellschaftlichen Beiträge portugiesischer Ordensritter auf Malta bis heute die bedeutendsten Beiträge zu den historischen maltesisch-portugiesischen Beziehungen, die nach dem Niedergang des Malteserordens im 18. Jahrhundert immer weiter an Bedeutung verloren.

Entfernung nach 1798 1798 eroberte Napoleon Malta, wogegen die Bevölkerung jedoch Widerstand leistete. Der Marquês (Markgraf) von Nisa kommandierte danach die portugiesische Flottenbeteiligung bei Admiral Nelsons erster Vertreibung der französischen Besatzung Maltas. Danach gab es immer weniger bedeutende Berührungspunkte zwischen Malta und Portugal, bis Großbritannien 1800 im Zusammenhang mit dem Zweiten Koalitionskrieg die Franzosen endgültig vertrieb und Malta vollends unter britische Herrschaft kam.