Die Zusatzweiterbildung Medizinische Informatik ist eine in der Musterweiterbildungsordnung der deutschen Bundesärztekammer von 2018 (MWBO) aufgeführte Zusatzweiterbildung im Bereich Medizinische Informatik für Ärzte aller Facharztbezeichnungen.

Definition Die Zusatzweiterbildung Medizinische Informatik umfasst die systematische Verarbeitung von Informationen in der Medizin durch die Modellierung und Realisierung von informationsverarbeitenden Systemen.

Mindestanforderung Um die Zusatzbezeichnung Medizinische Informatik führen zu dürfen, müssen Ärzte über 24 Monaten ärztliche Tätigkeit verfügen und zusätzlich einen Weiterbildungskurs in Medizinischer Informatik mit einem Umfang von 240 Stunden absolviert haben (die Kurs-Weiterbildung kann durch 12 Monate Weiterbildung in einer an die Patientenversorgung angeschlossenen Einrichtung der Medizinischen Informatik mit der Befugnis zur Weiterbildung ersetzt werden) sowie 480 Stunden in einer Einrichtung der medizinischen Informatik oder in einer IT-Abteilung im Gesundheitswesen tätig gewesen sein (ersetzbar durch eine Projektarbeit bei einem Weiterbildungsbefugten für Medizinische Informatik) Nachweis der Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in Medizinischer Informatik gemäß den Anforderungen der Weiterbildungsordnung.

Bei der Anmeldung zur Weiterbildungsprüfung müssen der zuständigen Ärztekammer sämtliche Nachweise über die erfüllten Mindestanforderungen vorgelegt werden. Dazu gehören auch die Logbuch-Dokumentationen über alle durch die MWBO vorgegebenen Inhalte der Weiterbildung.

Inhalte der Weiterbildung Zur Weiterbildungsprüfung muss man darlegen können, dass man Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten unter anderem in folgenden Bereichen erlangt hat: Angewandte Informatik IT-Infrastrukturkomponenten, z. B. Rechnernetze, Betriebssysteme, Telematikinfrastruktur Programmiersprachen und Webservices z. B. XML, JSON, Java, SOAP IT-Servicemanagement Planung, Entwicklung und Auswahl von Anwendungssystemen Einsatz von Vorgehensmodellen im Software Engineering Modellierung von Daten und Prozessen Anwendung und Abfrage von relationalen Datenbanken Anwendung von Methoden der Anforderungsanalyse Datenschutz und Datensicherheit Rechtliche Grundlagen, z. B. Datenschutzgrundverordnung, Medizinproduktegesetz, Arzneimittelgesetz Prinzipien und Maßnahmen zur Gewährleistung des Datenschutzes Umsetzung datenschutzkonformer Lösungen in Versorgung und Forschung Erstellung eines Datenschutzkonzeptes Medizinische Dokumentation Planung und Entwicklung von Dokumentationssystemen, z. B. medizinische Register, Krebsregister, Infektionsschutzmeldungen, Qualitätssicherungssysteme Anwendung von Ordnungssystemen, Klassifikationen oder Ontologien, davon im Rahmen der medizinischen Dokumentation, z. B. Arztbrief, Medikationsplan, Notfalldaten, Impfplan, SNOMED, LOINC, UCUM, TNM, ICD-O im Rahmen der administrativen Dokumentation, z. B. OPS, ICD-10-GM, EBM, DRG, Qualitätssicherung nach §137 SGB V im Rahmen von Public Health (Big Data), z. B. Todesursachen, Infektionsschutz, Pharmakovigilanz Informations- und Kommunikationssysteme Medizinische Informations- und Kommunikationssysteme, insbesondere Krankenhausinformationssysteme und klinische Arbeitsplatzsysteme Arztpraxisinformationssysteme Informationssysteme von Funktionsabteilungen wie Radiologie, Labor, Endoskopie IT-Standards und Interoperabilität, z. B. ISO, DIN, HL7 Telemedizin und Telematik Elektronische Akten und patientenzentrierte Anwendungen (Consumer Health Care IT), z. B. APP-Anwendungen, Ambient Assisted Living (AAL) Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte Organisatorische, juristische, ethische und technische Aspekte von telemedizinischen Anwendungen Informationsmanagement Nutzung von Routine- und Registerdaten in der Versorgungsforschung Datenmanagement, Datenintegration, z. B. Algorithmen, Datenstrukturen E-Learning, Blended Learning Entscheidungsunterstützung Präzisionsmedizin Wissensbasen und Systeme zur Therapiesicherheit, z. B. Wissensmanagement Health Technology Assessment (HTA) Management in der Gesundheits-IT Etablierte Verfahren der Qualitätssicherung, z. B. Medizin-Controlling Prozessmanagement, z. B. Organisation von Behandlungspfaden Qualitätsmanagement, z. B. IT-Qualitätssicherung, Qualitätssicherung nach § 137 SGB V Mitarbeit an Qualitätsmanagementprojekten, z. B. im Rahmen von Zertifizierungen.

Die Inhalte der Musterweiterbildungsordnung sind allerdings nur eine Empfehlung für die rechtsverbindlichen Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die hiervon abweichende Regelungen treffen können.

Siehe auch Ärztliche Weiterbildung in Deutschland Liste ärztlicher Weiterbildungsbezeichnungen in Deutschland

Einzelnachweise

Medizinische Informatik