Sukkal (𒈛 LUHBorger (2003) MZL 494 sumerisch sukkal akkadisch sukkallu) üblicherweise aus dem Sumerischen mit Wesir, Minister, Sekretär oder Bote übersetzt, bezeichnete im alten Mesopotamien sowohl eine Art von BeamtenSharlach 2005, S. 18. als auch eine Gruppe von GottheitenLitke 1998, S. 7.. Historisch waren Sukkals für die Überwachung der Ausführung verschiedener königlicher Befehle zuständig und fungierten als diplomatische Gesandte sowie Übersetzer für ausländische Würdenträger. In der Mythologie erfüllten die als Sukkals bezeichneten Gottheiten eine ähnliche Rolle, indem sie als Diener, Berater und Gesandte der Hauptgötter des mesopotamischen Pantheons, wie Enlil oder Inanna, agierten. Sie konnten als Fürsprechergottheiten fungieren, die zwischen den Anbetern und den Hauptgöttern vermittelten.

Der Sukkal als Beamter Sukkal bezeichnete eine bestimmte Klasse von Beamten im alten Mesopotamien, die für die Ausführung königlicher Befehle verantwortlich waren. Diese Beamten erfüllten verschiedene Funktionen, darunter die Rolle von Minister, Sekretär oder Bote. Sukkals waren nicht nur für administrative Aufgaben zuständig, sondern agierten auch als diplomatische Gesandte und Übersetzer für ausländische Würdenträger. Das Amt des Sukkal war nicht auf Mesopotamien beschränkt, sondern findet sich auch in anderen Regionen, wie dem hurritischen Königreich Arrapha,Wilhelm 1989, S. 46. in AlalakhWiggermann 1987, S. 9. und Mari in Syrien sowie in ElamSharlach 2017, S. 117. im heutigen Iran wieder.

Ein weiterer wichtiger Begriff, der mit dem Sukkal in Verbindung steht, ist "sukkalmah" (sumerisch: GAL.SUKKAL, sukkalmaḫḫu groß Wesir), der in den Verwaltungstexten der dritten Dynastie von Ur sowie im frühdynastischen Girsu belegt istPotts 1999, S. 161.. Tonia Sharlach schlägt vor, diesen Titel als Äquivalent eines modernen Staatssekretärs zu verstehen, da ein sukkalmah für eine Gruppe von sukkals verantwortlich war. In Elam wurde der Titel als königlicher Titel übernommen, möglicherweise aufgrund der Nähe der Sukkalmahs des Staates Ur zu elamitischen Gebieten. Die Sukkalmah-Dynastie herrschte im frühen zweiten Jahrtausend v. Chr. über ElamEdzard S. 192.

In eblaitischen Dokumenten wird der Begriff "sukkal" ebenfalls erwähnt, wobei er dort anscheinend eine Art Geistlichen bezeichnetArchi 2015, S. 105..

Einige lexikalische Texte erklären sukkal als pašišu = "Salbungspriester", obwohl der Grund für die Gleichsetzung dieser beiden Begriffe nicht bekannt ist.

Der Sukkal in der Mythologie In der mesopotamischen Religion wurden einige Gottheiten als Sukkals bezeichnet und fungierten als göttliches Gegenstück zu den menschlichen BeamtenHundley 2013, S. 91.. Aufgrund der direkteren Belege in den Mythen im Vergleich zu den Wirtschafts- und Verwaltungstexten sind ihre Funktionen besser bekannt als die ihrer menschlichen NamensvetterWiggermann 1987, S. 16f. Sie agierten als hochrangige Mitglieder im Gefolge eines Gottes, in Götterlisten können Sukkals sogar vor den Kindern der Gottheiten erscheinen, sind jedoch nicht die einzigen Diener, die eine Gottheit haben kann. Es gibt drei Klassen von göttlichen Dienern: Berater und Vertreter (einschließlich der Sukkals, von denen es auch mehr als einen geben konnte), Gottheiten, die sich um die persönlichen Bedürfnisse eines Gottes kümmern, und schließlich diejenigen, die mit der Instandhaltung ihres Haushalts beauftragt sind, wie göttliche Köche oder Gärtner.

In den Mythen agieren Sukkals sowohl als Gesandte als auch als Berater ihrer Herren, wobei Weisheit und Besonnenheit oft als charakteristisches Merkmal dieser Götterklasse angesehen wirdLambert 2013, S. 254.. Nur die mächtigsten Gottheiten im Pantheon hatten Sukkals, wobei die Sukkals der großen Stadtgötter vermutlich die ältesten warenWiggermann 1987, S. 22.. Es gibt auch Fälle, in denen ein Sukkal einen eigenen Sukkal hatte. Beispielsweise hatte Niĝgina, ein Sukkal des Sonnengottes Utu, ihren eigenen SukkalLitke 1998, S. 133., ebenso wie Alammuš, der Sukkal des Mondgottes NannaKrebernik 1997, S. 360.. Grundsätzlich war dies jedoch eine seltene AusnahmeLitke 1998, S. 133.

Ninšubur als Sukkal der Göttin Inanna gilt als die früheste und wichtigste Sukkal und stellt quasi den Archetyp des Gotteswesirs darWiggermann 1998, S. 497.

Die Rolle der Sukkals als Fürsprecher und Gesandte lässt Parallelen zu Engeln zu. Dementsprechend bezeichnen Jan van Dijk and Frans Wiggermann das Studium der Sukkals als „sumerische AngelologieAsher-Greve; Westenholz 2013, S. 194.“.

Literatur

Asher-Greve, Julia M.; WESTENHOLZ, Joan G. (2013). Goddesses in Context: On Divine Powers, Roles, Relationships and Gender in Mesopotamian Textual and Visual Sources (PDF; 8,0 MB). In: "Antiquarian Theology in Seleucid Uruk". Acta Sumerologica. 14. Archi, Alfonso (2015). Ebla and Its Archives. De Gruyter. Borger, R. (2003), Mesopotamisches Zeichenlexikon (MZL), Münster. Edzard, D. O. (2004). Geschichte Mesopotamiens von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen. Hundley, Michael B. (2013). "Here a God, There a God: An Examination of the Divine in Ancient Mesopotamia". Altorientalische Forschungen. 40 (1). Krebernik, Manfred (1997), "Mondgott A. I. In Mesopotamien", Reallexikon der Assyriologie Lambert, Wilfred G. (2013). Babylonian creation myths. Winona Lake. Litke, Richard L. (1998). A reconstruction of the Assyro-Babylonian god lists, AN:dA-nu-um and AN:Anu šá Ameli (PDF; 5,7 MB). New Haven Potts, Daniel T. (1999). The Archaeology of Elam. Cambridge University Press. Sharlach, Tonia (2005). "Diplomacy and the Rituals of Politics at the Ur III Court". In: Journal of Cuneiform Studies. 57. Sharlach, Tonia (2017). An Ox of One's Own: Royal Wives and Religion at the Court of the Third Dynasty of Ur. Wiggermann, Frans A. M. (1987). "The Staff of Ninšubura: Studies in Babylonian Demonology II". Ex Oriente Lux. 29. BRILL. Wiggermann, Frans A. M. (1998), "Nin-šubur", Reallexikon der Assyriologie Wilhelm, Gernot (1989). The Hurrians. Warminster.

Einzelnachweise

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