Leopold Carl Reinicke (auch: Leopold Karl Reinecke) (* 13. Juli 1774 in Dessau; † 22. Oktober 1820 in Güsten) war ein Komponist, Violinist, Fagottist und Dirigent.

Leben und Wirken Leopold Carl Reinicke war der Sohn eines Kammermusikers († 1806), der zuletzt in der Dessauischen Hofkapelle wirkte.

Sein Vater hatte eigentlich ein Theologiestudium für ihn vorgesehen, erteilte ihm dann jedoch Unterricht auf mehreren Saiten- und Blasinstrumenten. Später wurde er ein Schüler von Friedrich Wilhelm Rust. Sein musikalisches Talent wurde durch Fürst Leopold III. von Anhalt-Dessau gefördert, der ihn 1796 zur Ausbildung nach Dresden schickte. Dort studierte er unter anderem bei Hofkapellmeister Johann Gottlieb Naumann und schuf verschiedene Instrumentalkompositionen. Naumann soll über ihn gesagt haben: „Wenn Himmel [= Friedrich Heinrich Himmel] Reinickes Fleiß und Reinicke Himmels Genie besäße, was für herrliche Künstler sollten mir aus beiden werden!“Nekrolog. In: Allgemeine musikalische Zeitung, Nr. 14, April 1821, Sp. 229–231; .

1798 kehrte Reinicke nach Dessau zurück und trat als Fagottist und Violinist in die dortige Hofkapelle ein. 1811 wurde er Nachfolger von Konrad Jacobi (1756–1811) Hofkapellmeister und Hofmusikdirektor und hatte diese Position bis zu seinem Tod inne. Zu seinen Kompositionen gehören neben zahlreichen Liedern auch mehrere Opern.

Reinicke starb am 22. Oktober 1820 an den schweren Verletzungen, die er am 13. Oktober bei einem Kutschenunfall erlitten hatte, als er sich auf der Rückreise von einer Aufführung des Oratoriums Das Weltgericht seines späteren Nachfolgers Friedrich Schneider befand.Wilhelm Hosäus: Aus den Briefen Friedrich Johann Rochlitz’ an Friedrich Schneider. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde. Band 4, 1884, Heft 2, S. 134–160, hier S. 138; . Er hinterließ seine Witwe mit acht Kindern.

Werke (Auswahl) Bühnenwerke

Adelheid von Schroffeneck (= Die Rückkehr). Libretto: Franz von Waldersee. UA: Dessau 29. Juni 1806Wilhelm Koehler: Zur Geschichte des Dessauischen Hof-Theaters von seinem Entstehen bis zur Gegenwart, und der Hof-Kapelle, so weit sie mit Ersterem in Verbindung stand. Fritsche, Dessau 1846, S. 49; .Charles H. Parsons: Opera Premieres: A Geographical Index. Band 1. E. Mellen Press, Lewiston 1989, ISBN 0-88946-407-3, S. 315; . Feodora. Singspiel in einem Akt. Libretto: August von Kotzebue. UA: Dessau 1812 Pervonte (= Die Wünsche). Libretto: August von Kotzebue. UA: Dessau 1814 Alfred der Große. Eine Oper in drei Akten. Libretto: August von Kotzebue. UA: Dessau 1818

Literatur Reinicke, Leopold Karl. In: Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 8. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1903, S. 182; (auch S. 177 unter Reinecke, Leopold Karl). Gustav Schilling: Encyclopädie der gesamten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst. 5. Band: Moritz – Ries. Köhler, Stuttgart 1841, S. 686 f.; . Dessauer Künstler-Lexikon. Die Theaterkünstlerinnen und Theaterkünstler seit 1794. Band 4: N – Sca (= Zwischen Wörlitz und Mosigkau. Heft 61). Dessau-Roßlau 2008, , S. 577 f.

Weblinks

Einzelnachweise

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