Metatypie ist eine Art morphosyntaktischer und semantischer Sprachwandel, die durch Sprachkontakt zwischen mehrsprachigen Sprechern zustande kommt. Der Begriff wurde vom Linguisten Malcolm Ross geprägt.

Beschreibung Ross gibt folgende Definition:

Ross (2002) identifiziert die folgenden metatypischen Veränderungen: "Neuorganisation der semantischen Muster und Ausdrucksweisen der Sprache" Umstrukturierung der Syntax, die Muster der Morpheme werden zu (i) Sätzen und Teilsätzen, (ii) Phrasen, (iii) Wörter

Ross stellt fest, dass die semantische Reorganisation vor der syntaktischen Umstrukturierung stattfindet. Die syntaktischen Änderungen erfolgen in der Reihenfolge (i) (Teil-)Satz, (ii) Phrase und (iii) Wörter.

Hier sind einige Sprachen, die einer Metatypisierung unterzogen wurden: Geänderte Sprache Intergemeinschaftliche Sprache Takia (Ozeanien) Waskia (Trans–Neuguinea) Anêm (Ost-Papua) Lusi (Ozeanien) Arvanitic (Albanisch, Indo-Europäisch) Griechisch (Indo-Europäisch) Mischung des Baskischen Gascon (Italisch) Phan Rang Cham (Malayo-Polynesien) Vietnamesisch (Vietisch) Asia Minor Greek (Indo-Europäisch) Türkisch Ilwana (Benien–Kongo) Orma (Kuschitisch) Kupwar-Kannada (Dravidisch) Kupwar-Marathi (Indo-Iranisch) Tariana (Maipureanisch) Tucanoanische Sprache Kupwar-Urdu (Indo-Iranisch) Kupwar-Marathi (Indo-Iranisch)

Beispiel Das von Ross (1999) angeführte Beispiel ist die „Papuanisierung“ des Takia (aus der ozeanischen Sprachfamilie, westlicher Zweig) aufgrund des Einflusses der benachbarten Waskia (aus der Madang-Sprachfamilie, Trans–Neuguinea). In Ross‘ Terminologie ist Takia die modifizierte Sprache und Waskia die Sprache zwischen den Gemeinschaften. Waskia scheint jedoch nicht wesentlich von Takia beeinflusst worden zu sein. Beide Sprachen werden auf der Insel Karkar gesprochen.

Das Endergebnis der metatypischen Änderung ist, dass Takia normalerweise eine wortwörtliche Waskia-Übersetzung wie die folgende hat: Übersetzung: "Der Mann schlägt mich." Takia: tamol an ŋai i-fun-ag=da man DET me he-hit-me=IMP Waskia: kadi mu aga umo-so man DET me hit-PRES.he

Die Kombination syntaktischer und semantischer Strukturen macht diese Wort-für-Wort-Übersetzung möglich. Einige der grammatikalischen Änderungen, die Takia vorgenommen hat, sind die folgenden: Metatypische Veränderung Frühes Westozeanisches   Papuanisiertes Takia Wortstellung: SVO → SOV nicht-deiktischer Determinator: Substantiv geht dem Kopf voran → Substantiv folgt dem Kopf attributives Substantiv: Substantiv geht dem Kopf voran → Substantiv folgt dem Kopf verbundene Nominalphrase: Nominalphrase + Konjunktion + Nominalphrase → Nominalphrase + Nominalphrase + Postposition Adposition: Präposition → Postposition

Die Diffusionsänderungen des Takia betreffen nur die Metatypie: Das Takia hat seine Phonologie nicht verändert und enthält praktisch keine aus dem Waskia entlehnten Lehnwörter.

Siehe auch Lehnübersetzung Mischsprache Interferenz (Linguistik) Relexifizierung

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Sprachwissenschaft