Erasmus Johannis, auch „Erasmus Janssens“ oder „van Jan; Janson“, , (* um 1545 in Salzwedel in der Altmark, Markgrafschaft Brandenburg; † 17. März 1601 in Klausenburg,Angabe des Kirchenhistorikers Zoványi (Krausz) Jenő (1865–1958); nach Róbert Dán: Erasmus Johannis. „Világos bizonyítékai“. In: Irodalomtörténeti Közlemények 77 (1983), S. 120–129, bes. S. 129 Fürstentum Siebenbürgen im Königreich Ungarn) war ein unitarischer (sozianischer) Theologe, der in Salzwedel, Emden, Antwerpen, Leiden und Klausenburg als Lehrer und Pfarrer wirkte. In Frankfurt am Main und in Krakau arbeitete er zeitweise als Verlags-Korrektor für Hebräisch und Latein.
Leben Herkunft Erasmus Johannis aus der Familie Hanses (Abkömmlinge eines Johannes)V.b. „Hansensche Stamm-Tabelle“ (= Stammtafel der Familie Hanses) „jetzt auswärtig und von der Chüdenschen abstammend“ sowie C. Verzeichnis der Wappen einiger Salzwedeler Familien (… Hanses). In: Altmärkischer Geschichtsverein (Hrsg.): Inhaltsverzeichnis zu Band I bis IV der „großen Soltquellensien“ (Bd. II, Teil 3, S. 17 und Bd. II, Teil 4, S. 893–894) von Elias Hoppe (1691–1761) (altmark-geschichte.de) hatte einen Bruder Jakob Hansen († nach 1591), der 1584 als Kaufmann in Hamburg lebte,Karl Pagenstecher: Antitrinitarisches aus Nassau. In: Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung 41 (1912), S. 97–119, bes. S. 98. und einen Bruder Georg Hanses d. J. († um 1581).Vgl. Nikolaus Risleben: In obitum integerrimi viri Georgii Johannis filii Elegia. Michael Cröner, Uelzen 1581; nach Wilhelm Fehle: Eine Salzwedeler Schulkomödie aus dem 16. Jahrhundert. In: Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte 49 (1933), S. 4–18, bes. S. 6 (altmark-geschichte.de). Sein Bruder Jakob und sein Vater, Bürgermeister „Jürgen Hanß der Elter“ (* um 1512?; † nach 1591 oder 1584Johann Ulrich Mayer: Das erhöhete Himmels-Schlänglein … Herr Andreas Winckler auf Dölitz … Leichenpredigt … Johann Georg, Leipzig 1676, S. 713 (Google-Books).),Johann Friedrich Danneil: Kirchengeschichte der Stadt Salzwedel. Mit einem Urkundenbuch. Schwetschke, Halle 1842, S. 137 (Google-Books); Emil Sehling: Die Mark Brandenburg. Die Markgrafenthümer Ober-Lausitz und Nieder-Lausitz. Schlesien. (Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts 3): Reisland, Leipzig 1909 (Nachdruck Aalen 1970), S. 279 (digi.hadw-bw.de), S. 285 (digi.hadw-bw.de) und S. 297 (https://digi.hadw-bw.de/view/eko3/0317 digi.hadw-bw.de) u. ö.Schreiben von Levin I. von der Schulenburg an Graf Otto IV. von Holstein-Schaumburg in einer Schuldforderung gegen Georg Hans den Älteren zu Salzwedel, Dambeck, 27. Dezember 1563; Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Bückeburg (L 1 Schaumburger Samtarchiv, Nr. 8563). betrieben seit 1592 gemeinsam mit seinem Schwager, dem Salzwedeler „Handelsmann und Ratsherren“ Andreas Winckler aus Altenburg, seit 1580 verheiratet mit Margaretha Hansen,Tochter von Georg Hansen, 1579 bis 1584 Bürgermeister der Newen Stadt Salzwedel, 1579 Vorsteher des Elisabeth-Hospitals, und N. Saruth („Zareitsch“; vgl. dazu Johann Jüterbock: Der gerechten Gnaden-Lohn und Ehren-Kron/ oder Christliche Leich-Predigt … Joachim Hanses. Hynitzsch, Halberstadt 1678, Bl. F; staatsbibliothek-berlin.de).Wolf Hobohm: --Aus diesem Ursprunge--: Dokumente, Materialien, Kommentare zur Familiengeschichte Georg Philipp Telemanns. Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung, Magdeburg 1988, S. 29f und 33 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).Eltern von Georg Winckler, seit 1650 von Dölitz, und Benedictus Winckler; Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 130 (38. Allgemeine; 1962), S. 48 und 51; Bd. 137 (6. Pommern; 1964) S. 47. eine Kupfer- und Messinghütte in Neustadt i. Meckl.Herzog Johann (VII.) von Mecklenburg gestattet Jacob Hansen in Hamburg sowie Andreas Winckler und Georg Hansen (= Hanses) in Salzwedel die Errichtung einer Kupfer- und Messing-Mühle in Neustadt, 6. März 1591. In: Inhaltsverzeichnis zu Band I bis IV der „großen Soltquellensien“ (Bd. II, Teil 2, S. 345–351) von Elias Hoppe. Die Schwester Elisabeth („Ilse“) Hanses heiratete 1568 den Ratskämmerer Andreas Reiche d. Ä. (1531–1579) aus Goslar,Johannes Radebandt: Leich Predigt: Vber dem Begrebnis des Hochweisen … Herrn Andreae Reichen der Altmerckischen Landtsteur Rentmeisters vnd Buergermeisters der Altenstadt Soltwedel. o. O. 1580 (staatsbibliothek-berlin.de).Zum ältesten überlebenden Sohn Andreas d. J. († nach 1613) der beiden vgl. Schreiben des Goldmachers Andreas Reiche von Salzwedel an Herzog Friedrich I. von Württemberg über den Fortschritt seiner Versuche, jeweils mit der Bitte um Geld- und Holzvorschuß; 1601–1602, und Zusammenfassende Darstellung der Schicksale des Alchemisten Andreas Reiche von Salzwedel von Regierungsrat Günzler, November 1823; Hauptstaatsarchiv Stuttgart (A 47 Altwürttembergisches Archiv, Alchimisten 1549–1650, Bü 5/1 und 14) u. v. a. Bürgermeister der Altstadt Salzwedel.Lieselott Enders: Die Altmark: Geschichte einer kurmärkischen Landschaft in der Frühneuzeit. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, S. 859. Seinem Schwager Andreas Reiche widmete Erasmus Ioannis noch im selben Jahr das Gedicht Carmen in honorem filij Dei incarnati als Neujahrsjahrgruß auf das kommende Jahr 1569, seine erste bekannte Veröffentlichung.
Studium Am 12. Juni 1565 immatrikulierte sich „Erasmus Hanses Soltwedelen(sis)“ in Wittenberg,Otto Hartwig (Hrsg.): Album Academiae Vitebergensis, Bd. II. Maximilian Niemeyer, Halle 1894, S. 88 (ub.uni-duesseldorf.de). im Wintersemester 1566 als „Erasmus Johannes Solvedelgensis“Ernst Friedlaender (Hrsg.): Aeltere Universitäts-Matrikeln, Bd. I. Frankfurt Oder, Teilbd. 1: 1509–1648 (Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven 32). Leipzig 1887, S. 194 (archive.org). in Frankfurt an der Oder und im Wintersemester 1570 als „Erasmus Iohannes Soltwedelen(sis)“ in Leipzig.Georg Erler (Bearb.): Die Iüngere Matrikel der Universität Leipzig, Bd. I Die Immatrikulationen vom Wintersemester 1559 bis zum Sommersemester 1634. Gieseke & Devrient, Leipzig 1909, S. 290 und 666 (ub.uni-duesseldorf.de). Zwischen 1568 und 1572 erwarb er den Magistergrad.
Rektor in Salzwedel „Erasmus Johannis“, „ein Antitrinitarier“, war von 1572 bis 1576 Rektor der Altstädtischen Schule seiner Heimatstadt Salzwedel.Nikolaus Risleben: Προπεμπτικὸν in honorem doctissimi et ornatisimi viri Magistri Erasmi Johannis Soltuuedelensis, ad suscipiendum munus Ludi Rectoris ab inclyto Senatu in veteri Ciuitate Soltuuedel. Johannes Crato, Wittenberg 1572; August Wilhelm Pohlmann: Geschichte der Stadt Salzwedel seit ihrer Gründung bis 1810. Hemmerde, Halle 1811, S. 187 (Google-Books). Erasmus Johannis und sein Konrektor Matthias Plato (1545–1617)Aus Salzwedel; am 18. April 1563 immatrikuliert in Wittenberg, im Oktober 1566 in Rostock; 1572/73 Konrektor in Salzwedel, später Pfarrer, Kirchenrat und Inspektor in Amberg/Oberpfalz. veröffentlichten 1572 eine Gratulationsschrift zur Wahl des Wittenberger Pfarrers Magister Johann Cuno (* um 1542; † 1609)Aus Freiberg, wurde in Salzwedel des Kryptocalvinismus bezichtigt und 1596 vertrieben.Johann Friedrich Danneil: Kirchengeschichte der Stadt Salzwedel. Schwetschke, Halle 1842, S. 273–279 (Google-Books); siehe auch Gerhard Assenburg: Epithalamion in quo post factum gratulationum vtrique sponsorum … D. M. Iohanni Cunoni dioeceseos Soltuuedelensis Pastori & Superintendenti … & … Christinae Hartmannae. Andreas Gehne, Magdeburg 1583 (doi:10.25673/opendata2-647). zum Pfarrer und Superintendenten in der Altstadt Salzwedel. Für seinen ehemaligen Lehrer Magister Joachim Symmachus († 1571) gab Johannis nach dessen Tod eine Sammlung von „Beerdigungsgedichten“ heraus.
Namensähnlicher Lehrer in Salzwedel In einem Visitationsbericht von 1579 wird ein „Erasmus Lange, welcher in der alten Stadt bey der Schule dient,“ genannt, der die „Langen undt Schneider“ bei den Kirchenpatronen vertrat.Johann Friedrich Danneil: Kirchengeschichte der Stadt Salzwedel. Urkundenbuch. Schwetschke, Halle 1842, S. 144 (Google-Books); Julius Müller, Adolf Parisius: Die Abschiede der in den Jahren 1540–1542 in der Altmark gehaltenen ersten General-Kirchen-Visitation mit Berücksichtigung der in den Jahren 1551, 1579 und 1600 gehaltenen Visitationen, Bd. I. Baensch, Magdeburg 1889 (= Nachdruck Klaus Becker, Potsdam 2021), S. 272 (Google-Books); Emil Sehling: Die Mark Brandenburg. Die Markgrafenthümer Ober-Lausitz und Nieder-Lausitz. Schlesien. (Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts 3): Reisland, Leipzig 1909 (Nachdruck Aalen 1970), S. 283 (digi.hadw-bw.de). Ein Gildemeister der Schneiderinnung namens Berthold Lange in Salzwedel hatte 1536 ein Stipendium für das Studium an der brandenburgischen Universität Frankfurt gestiftet.Johann Friedrich Danneil: Kirchengeschichte der Stadt Salzwedel. Urkundenbuch . Schwetschke, Halle 1842, S. 138; Urkundenbuch, S. 76 u. ö. (Google-Books).
Der Namensvetter hatte sich am 12. September 1564 als „Erasmus Langius Soltwedelensis“ in Wittenberg und im Sommersemester 1566 als „Erasmus Lange Soltwedelensis“ in Frankfurt an der Oder immatrikuliert. „Erasmus Langius“ in der Inspektion Soldtwedel unterzeichnete wie andere Lehrer und Pfarrer die Konkordienformel von 1577,Caspar Huberius: Concordia. Christliche, Widerholete, einmütige Bekentnüs nachbenanter Churfürsten, Fürsten und Stende Augspurgischer Confession, und derselben zu ende des Buchs underschriebener Theologen Lere und glaubens. Stöckel u. Bergen, 1580, S. 25 (Google-Books). war also kein Antitrinitarier.
Aufenthalt in Bremen und Rektor in Emden Im Herbst 1576 kam Erasmus Johannis „ein bescheidener und äußerst gelehrter Mann“, der seine brandenburgische Heimat aus Abscheu vor der flacianischen Häresie verlassen habe, zu Johannes Molanus nach Bremen. Er berichtete Molanus, dass er dessen Schüler Henricus Saleburg und Antonius Lange,Aus Kronstadt (Brașov); am 26. Februar 1562 zusammen mit „Simon Massa“ († 1605) als „Antonius Lang Coronenses Transsyl(vani)“ immatrikuliert in Wittenberg. die seit Winter 1575/76 als Lehrer in Bremen lebten, in Wittenberg kennengelernt hatte.Brief von Johannes Molanus aus Bremen an Henricus Saleburg und Anton Lange in Bremen vom 15. Januar 1577. Molanus empfahl ihn seinen Emder Freunden, und Johannis „erwies sich vor allen als so ausgezeichnet, dass er zur Leitung der Schule befördert wurde“. Rektor der Emder Schule, die 1573 von Gräfin Anna von Ostfriesland in ein neues Gebäude (die alte Münze in der Steinstraße) verlegt worden war,„Nuper in Embdanis plantari collibus hortus coeperat (= Auf den Hügeln von Emden wurde kürzlich mit der Anlage eines Gartens (der Musen) begonnen)“. war seit 1564 Martin Berner († 1575 an der Pest) gewesen. „Erassmus Johannis“ wurde am 8. November 1576 vom Emder Stadtrat für ein Jahresgehalt von 250 Gulden als Rektor und fünfter Prediger (für die Katechismuspredigten) angestellt.