300px|rechts|Moto Guzzi LogoDer italienische Motorradhersteller Moto Guzzi konzentrierte sich bereits kurz nach der Unternehmensgründung im Jahr 1921 auf den Rennsport, um durch Erfolge den Namen und die Qualität der Maschinen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dazu wurde eine Abteilung gebildet, die im allgemeinen Sprachgebrauch meist einfach nur Moto Guzzi Corse genannt wurde, und als offizielles Werksteam galt.

Geschichtlicher Hintergrund Ein erstes Zeichen setzte die noch junge „Firma“wobei „Firma“ – vom umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes abgesehen – der Name ist, unter dem ein Geschäft bzw. Unternehmen betrieben wird, also eigentlich kein Synonym für „Unternehmen“ oder „Betrieb“... mit dem ersten Titel bei der erstmals im Jahr 1924 ausgetragenen 500-cm³-Europameisterschaft durch Guido Mentasti. Beim in Monza ausgetragenen EM-Rennen belegte man mit der C4V (Corsa Quattro Valvole, auf Deutsch etwa „Renn-Vierventiler“), Moto Guzzis erster reiner Straßenrennmaschine, neben Rang eins auch die Plätze zwei und fünf.

Bis zum aufsehenerregenden Rückzug aus dem internationalen Motorsport im Jahr 1957 konnte das Unternehmen mit Moto Guzzi Corse eine Vielzahl von Erfolgen in nationalen Wettbewerben, sowie bei der Europa- und Weltmeisterschaft erzielen: Insgesamt waren das 3329 bestätigte Rennsiege, 28 italienische und 8 Europameisterschaften, sowie 15 Weltmeistertitel (8 × Fahrer / 7 × Konstrukteur), und 11 Siege bei der Isle of Man Tourist Trophy.

Moto Guzzi Corse startete lange Jahre in der Farbe Rot, die traditionell Italiens Rennfarbe ist, erst in den letzten Jahren waren die Maschinen grün lackiert, der eigentlichen „Hausfarbe“ des Unternehmens.BLICK.de: Sachsenring: Vor 100 Jahren wurde Moto Guzzi geboren

Nachdem sich Moto Guzzi Corse am Ende der Rennsaison 1957 aus dem Straßenrennsport zurückgezogen hatte, wurden zur Teilnahme an Enduro-Wettbewerben (in Italien bis ca. Ende der 1960er Jahre Regolarità genannt) Werksmaschinen auf Basis der Moto Guzzi Lodola Sport gebaut. Die straßenzugelassene Version wurde ab 1958 unter der Bezeichnung Lodola Regolarità angeboten. 1959 stattete Moto Guzzi das italienische Team mit Regolarità-Werksmaschinen für die Internationale Sechstagefahrt (ISDT) in Gottwaldov (Tschechoslowakei) aus. Das italienische Team gewann damit die „Silbervase“ in der Gesamtwertung, vier Fahrer holten Goldmedaillen. Im selben Jahr kam die Lodola Gran Turismo auf den Markt, ihr Motor hatte mehr Hubraum. Bei der ISDT 1960 in Bad Aussee (Österreich) gewannen Fahrer mit 235er Regolarità-Werksmaschinen sechs Goldmedaillen.

Technische Innovationen Der Windkanal

mini|Modell im Moto-Guzzi-Museum Ab 1950 baute Moto Guzzi als weltweit erster Motorradhersteller einen eigenen Windkanal (Italienisch: „galleria del vento“) für Motorräder, in dem Prototypen im Maßstab 1:1 auf dem Werksgelände in Mandello del Lario getestet werden konnten. Der Windkanal wurde am 12. April 1954 eingeweiht und ermöglichte es den Rennfahrern, reale Fahrbedingungen nachzuahmen und ihre Sitz- und Körperhaltung bei unterschiedlichen Renngeschwindigkeiten zu optimieren – ein beispielloser Vorteil für Renn- und Serienmotorräder. Beim Prototypenbau von Motorrädern konnte Moto Guzzi den Luftstrom um das Motorrad selbst verfeinern, eine Hülle aus ruhiger (verwirbelungsarmer) Luft um den Fahrer herum entwickeln, die Frontfläche verringern, und so den Luftwiderstand und den Kraftstoffverbrauch optimieren. Dadurch konnte das Unternehmen auch eine integrierte Verkleidung bei den kommerziellen Straßenmodellen vermarkten.

Der erste DOHC-V8-Motorradmotor mini|Der 500-cm³-V8-Rennmotor von Moto Guzzi Die 1955 eingeführte Grand-Prix-V8 war ein 500-cm³-Rennmotorrad, bei dem weltweit erstmals ein V8-Motor in einem Motorrad, noch dazu mit vier obenliegenden Nockenwellen (zwei je Zylinderbank = DOHC), eingesetzt wurde. Der Motor wurde kurz nach dem Monza-Grand-Prix 1954 entwickelt und von Chefingenieur Giulio Carcano entworfen. Bohrung und Hub des Motors betrugen 44,0 mm × 40,5 mm (1,73 Zoll × 1,59 Zoll): Es gab zwei Ventile pro Zylinder. Die Leistung lag bei etwa 80 PS (60 kW) bei 12.000/min, also etwa 10 bis 15 PS (7,5–11,2 kW) mehr als bei den konkurrierenden 4-Zylinder-Motorrädern von MV Agusta und Gilera.

Der Motor und das Motorrad waren beispiellos. Das Motorrad erreichte 280 km/h – dreißig Jahre, bevor diese Geschwindigkeit im Motorrad-Grand-Prix-Rennen wieder erreicht wurde. Allerdings war die „Otto Cilindri“ schwierig zu fahren und zudem komplex und teuer in der Herstellung und Wartung – die Motorräder litten unter gebrochenen Kurbelwellen, Überhitzung und Blockieren – und das alles zusätzlich zu den Gefahren, die der Motorradsport ohnehin schon für die Rennfahrer jener Zeit mit sich brachte. 1957 waren zwar zwei Motorräder verfügbar, aber niemand war bereit, damit ohne weitere Tests Rennen zu fahren.

Menschen und Maschinen Einige bedeutende Persönlichkeiten und Motorräder in der Rennsport-Historie von Moto Guzzi:

Rennfahrer Giuseppe Guzzi (14. August 1882 – 6. Juni 1962): Der Bruder des Unternehmensgründers Carlo Guzzi fuhr die GT Norge bei der vielbeachteten „Polarkreis-Tour“ 1928, um die erste Ausleger-Dreiecksschwinge (Cantileverschwinge) für Motorräder zu testen. Stanley Woods: bekannter irischer Motorradrennfahrer, der als „Mannschaftskapitän“ Moto Guzzi zu den Siegen bei der Isle of Man TT führte. Omobono Tenni: feierte zwischen 1933 und 1948 47 Siege auf Moto Guzzi. Bill Lomas: gewann 1955 und 1956 die 350-ccm-Weltmeisterschaft für Moto Guzzi, indem er mit seinem aerodynamisch günstigen (siehe Windkanal) Einzylinder-Motorrad die gegnerischen Mehrzylindermaschinen besiegte. Das Guzzi Museum hat eine Abteilung, die Lomas‘ beiden Weltmeistertiteln und auch seinen Einsätzen mit der legendären Moto Guzzi Grand Prix 500 cc V8 gewidmet ist. Remo Venturi: bildete 1969 zusammen mit den Fahrern Silvano Bertarelli, Vittorio Brambilla, Guido Mandracci, Alberto Pagani, Roberto Patrignani, Angelo Tenconi und Franco Trabalzini das Team, das mit einem, von Lino Tonti entwickelten, experimentellen Prototypen auf Basis der Moto Guzzi V7 insgesamt 19 Weltrekorde aufstellte.Ian Falloon, The Moto Guzzi Sport & Le Mans Bible, Veloce Publishing, Poundbury, 2007. Seite 15 Unter anderem wurden neue Weltrekorde für die 750- und 1000-cm³-Klasse über die Distanz von 100- und 1000 km aufgestellt, mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 218,426 bzw. 205,932 km/h. John Wittner (27. Oktober 1945 – 15. Februar 2024): Amerikanischer Zahnarzt, hochqualifizierter Amateur-Rennfahrer und Mechaniker, der maßgeblich an der Entwicklung der Moto Guzzi Daytona beteiligt war.

Bild 1: Terzo Bandini im Jahr 1925 mit einer Moto Guzzi C4V. Bild 2: Enrico Lorenzetti auf der 1952er Version der Moto Guzzi Gambalunghino, die er größtenteils selbst entwickelt hatte Bild 3: Von links Duilio Agostini, Ken Kavanagh, Bill Lomas als Werksfahrer bei Moto Guzzi Corse (vor dem Windkanal), ca. 1954 Bild 4: Stanley Woods fährt während der TT-Rennen 1935 den Bray Hill hinunter. Bild 5: Eine Moto Guzzi 250 cm³ „Albatros“, hier gefahren von dem Privatier Raccagni beim Rennen Sanremo-Ospedaletti (1949) Bild 6: TT Assen 1953 / 250 cm³ / Letzte Runde: links Fergus Anderson (Guzzi Nr. 3) und rechts Werner Haas, Bild 7: Hein Thorn Prikker auf einer Guzzi Gambalunghino 250 cm³ beim Leipziger Stadtparkrennen (1953)

Motorräder

Bild 8: Moto Guzzi 500 cm³ „C4V“ (Corsa Quattro Valvole). Guzzis erste reine Straßenrennmaschine. Hier die erste Version von 1924, die den Europameistertitel gewann: die Vorderradbremse entfernt, der Öltank oben auf dem Kraftstofftank und ohne Kotflügel Bild 9: Moto Guzzi, Einzylinder 500 cm³ „Dondolino“ (1946) Bild 10: Die Moto Guzzi 500 cm³ „Bicilindrica“ von Omobono Tenni, in der ersten Version (1946) – ähnlich dem Vorkriegsmodell Bild 11: Moto Guzzi 500 cm³ GP „Bicilindrica“ in der letzten Ausbaustufe (1951) Bild 12: Modell der Moto Guzzi V8 500 cm³ „Quattro Cilindri“ (1952): Die teilweise abgenommene Verkleidung zeigt den längs eingebauten Vierzylinder-Reihenmotor mit Kardanantrieb Bild 13: Moto Guzzi V8 500 cm³ „Ottocilindri“ (1954) mit quer eingebautem V8-Motor. Kraftübertragung durch Kette Bild 14: Moto Guzzi 350 cm³ „Monocilindrica“ GP (1956). Die Maschine ist hier mit der „All enveloping dustbin fairing“ für optimale Aerodynamik auf Hochgeschwindigkeitskursen abgebildet. Diese Vollverkleidungen wurden zum Saisonende 1957 verboten, das hatte aber keinen Einfluss auf die Ausstiegs-Entscheidung von Gilera, Moto Guzzi und F.B Mondial. Bild 15: Quasi ein Sonderfall: Die Moto Guzzi MGS-01 Corsa wurde nicht für das (nicht mehr bestehende) Werksteam entwickelt, sondern auf Kunden-Bestellung angefertigt.

Liste der Werksmaschinen von Moto Guzzi Corse Kurzer Überblick mit Basis-Informationen über die, von Moto Guzzi Corse entwickelten, und eingesetzten, Maschinen.

Anmerkung: Die Zahl in spitzen Klammern ⟨X⟩ gibt die Bildnummer (in den oberen Galerien) an ModellHubraumEinsatzzeitBemerkungenC2V ⟨8⟩498,4 cm³1922 bis 1923Sie entstand auf Basis des ersten Serienmodell Normale als Rennmaschine für den WettbewerbseinsatzC4V ⟨1⟩ 498,4 cm³1924 bis 1927Die erste Maschine von Moto Guzzi, die explizit als reines Rennmotorrad entwickelt wurde250 SS246,8 cm³1928 bis 193320 PS bei 6500/min – 125 km/h. Dank ihrer obenliegenden Nockenwelle wurde sie zu einem der erfolgreichsten Motorräder ihrer Klasse.Quattro Cilindri 500492,2 cm³1930 bis 193145 PS bei 7800/min – 175 km/h. Vierzylinder mit 2 Nockenwellen (schon 1930!), erste Testfahrten im Sept. 1931 in Monza. Wegen vieler Motorprobleme und eines der Motorleistung nicht gewachsenen Fahrwerks ohne Renneinsatz eingestellt.GT2VT500 cm³1931 bis 1934Die Moto Guzzi „2VT“ („valvole in testa“ Also: „Ventile im Kopf“) war das erste Rennmotorrad des Unternehmens mit zwei obenliegenden Ventilen.Cicogna500 cm³1933Die „Cicogna“ (Storch) waren Prototypen, die sowohl für den Rennsport (Motor), als auch für den militärischen Einsatz getestet und modifiziert wurden. (Kein Renn-Einsatz)Bicilindrica 500 ⟨10⟩ frühe Vers.

⟨11⟩ späte Vers.494,8 cm³1933 bis 1951Die „Bicilindrica“ (Zweizylinder) wurde von Carlo Guzzi entworfen, der angeblich zwei 250-Motoren miteinander verband und so einen 120-Grad-V-Twin schuf, ganz ähnlich wie Phil Irving es einige Jahre später tat. 1935 erhielt sie als erste Moto-Guzzi-Werksmaschine eine Hinterradfederung. In diesem Jahr gewann Stanley Woods das IOM Tourist Trophy Senior-Rennen. Von 1933 bis Mitte der 1950er Jahre errang sie 64 GP-Siege und gewann sieben italienische Meisterschaften.250 Gerolamo Compressore250 cm³1938 bis 1939Als Gegenstück zu den GP-Maschinen von Benelli und DKW entwickelte Guzzi die aufgeladene 250er Gerolamo mit Cozette Kompressor. Nello Pagani gewann 1938 die italienische Meisterschaft und belegte bei Mailand-Taranto den 3. Platz. Beim deutschen GP 1939 belegten Pagani und Sandri den ersten und zweiten Platz. Neben den Rennerfolgen erzielte die Gerolamo auch 34 Geschwindigkeitsweltrekorde.Condor (Basis: V-Serie)494,4 cm³1938 bis 1940Die Condor siegte gleich bei ihrem ersten Rennen in der Produktionsklasse beim Circuito del Lario. Nello Pagani wiederholte diesen Sieg im folgenden Jahr in der Profiklasse, und schlug die Gilera, die doppelt so viel PS hatte. Es gab mehrere Siege im Jahr 1939 sowie in Lausanne und Mailand-Taranto im Jahr 1940. Von 1938 bis 1940 wurden nur 69 Maschinen gebaut.Albatros ⟨5⟩