Die Leyes de Ayllón (ˈleʝez ðe ajˈʎon) (deutsch: Gesetze von Ayllón), auch bekannt als „Zweite Verordnung von Valladolid“ (), wurden am 2. Januar 1412 von Königin Katharina von Lancaster für das Königreich Kastilien erlassen. Sie sind nach der Stadt Ayllón benannt und beinhalteten strenge Maßnahmen für die jüdische und muslimische Bevölkerung, unter anderem die Einführung von Bekleidungsregelungen und das Verbot zur Ausübung von öffentlichen Ämtern und verschiedenen Berufen.
Entstehungsgeschichte Als Gattin Heinrichs III. und damit Königin von Kastilien und León (1393–1406) übernahm Königin Katharina von Lancaster nach dessen Tod im Jahre 1406 die Regentschaft. Damit vertrat sie als weibliches Familienmitglied des Hauses Anjou-Plantagenêt ihren minderjährigen Sohn Johann II. So konnte der Prediger Vicente Ferrer im Namen Johanns II. das Gesetz mit 24 Klauseln initiieren. Höchstwahrscheinlich wurden die Gesetze von Ayllón auf Initiative von Pablo de Santa María, dem Bischof von Burgos, und unter dem Einfluss von Vicente Ferrer nach seinem Aufenthalt in der Stadt AyllónHistoria de Ayllón, Abschnitt: „Judíos en Ayllón: El milagro de las cruces.“ (online) kurz vor dem Compromiso de Caspe ausgearbeitet.
Inhalt Während ihrer politischen Einflussphase stellte die Regentin eine Reihe restriktiver Gesetze gegen Juden und MudéjarenMaría Florencia Mendizábal: Restricciones, privilegios y violencias: algunos aspectos sobre los mudéjares hispánicos (ss. XII-XV). Estudios de Historia de España, XI (2009), S. 85–108, auf erevistas.uca.edu.ar online S. 97.Balbino Lozano: Pragmática de Catalina de Lancaster in La Opinión vom 9. September 2018. auf, die insgesamt weitaus restriktiver waren als frühere Gesetze, die das Ziel verfolgten, ihre Konversion zum Christentum zu erreichen.
Die Gesetze von Ayllón sahen für die jüdische Bevölkerung die Verpflichtung vor, ein auf der Kleidung aufgenähtes rotes Schild zu tragen, ihre Bärte und ihr Haar lang zu tragen, damit sie leicht von Christen unterschieden werden konnten, sowie bescheidene Kleidung zu tragen. Darüber hinaus wurden darin die Verwendung großer Umhänge und Kopfbedeckungen bei jüdischen Frauen geregelt und Juden von Steuerpachtverträgen ausgeschlossen.Carolina M. Losada: Ley divina y ley terrena: antijudaísmo y estrategias de conversión en la campaña castellana de San Vicente Ferrer (1411–1412). October 2013, Hispania Sacra 65 (132):603-640 DOI:10.3989/hs.2013.031Horst Pietschmann: Die Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492. APuZ 37/1992, Bundeszentrale für politische Bildung, 30. April 1993, (online, Abschnitt „V. Die Juden in der innerspanischen Auseinandersetzung“) Zudem brachten die Gesetze einen Verlust der richterlichen Autonomie, die die AljamasIn Al-Andalus nahm die rechtliche Autonomie, die die Juden als Dhimmis genossen, in der Organisation ihrer Gemeinden in Form der Aljamas Gestalt an, siehe auch Muslimische Eroberung der Iberischen Halbinsel genossen, mit sich.
In den Artikeln 2, 5 und 20 der „Pragmatik“ wurde eine Liste von Berufen aufgeführt, deren Ausübung den betroffenen Bevölkerungsgruppen verboten war: Sie durften nicht länger als Ärzte, Chirurgen, Apotheker, Steuerverwalter, Almojarifes (Schatzmeister), Geldwechsler, Hufschmied, Tischler, Schneider, Tundidores (Stoffschneider), Metzger, Kürschner oder Schuhmacher arbeiten. Weiterhin durften sie einem Christen jedoch Brot, Wein, Mehl, Butter oder andere Dinge zum Essen verkaufen. Den Juden war verboten, den Titel „Don“ zu führen, und ihnen wurde die Verpflichtung auferlegt, in exklusiven und geschlossenen Vierteln zu leben, die sie nur unter bestimmten Bedingungen verlassen konnten. Damit wurde ihnen zudem das Recht auf freie Wohnortwahl entzogen. Seitdem entstanden in verschiedenen Städten jüdische Viertel oder Juderías.Forma de vestir de los judíos en Segovia. In: turismodesegovia.com (spanisch)
Auswirkungen und Folgen Diese Gesetze wurden auch in anderen Städten angewendet und waren Vorbilder für ähnliche Gesetze, darunter eine Bulle von Benedikt XIII. von 1415 (Valencia). Die Gesetze wurden 1418 aufgehoben.
Weblinks Balbino Lozano: Pragmática de Catalina de Lancaster in La Opinión vom 9. September 2018. Catalina de Lancaster y las leyes de Ayllón bei Sfarad Portal Del Judaísmo En España
Einzelnachweise
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