Das Beethoven-Haus in Bonn ist zugleich Gedächtnisstätte, Museum und Kulturinstitut mit vielfältigen Aufgaben. 1889 vom Verein Beethoven-Haus gegründet, verbindet es die Person von Ludwig van Beethoven mit der Pflege seiner Musik und der Erforschung von Leben und Werk des Komponisten.
Im Zentrum steht das Geburtshaus Beethovens in der Bonngasse Nr. 20 mit dem Museum. In den umliegenden Gebäuden (Bonngasse Nr. 18 und 24–26) sind das Forschungszentrum (Beethoven-Archiv) mit Sammlung, Bibliothek, Vereinsarchiv und Verlag sowie der Kammermusiksaal untergebracht, gegenüber (Bonngasse Nr. 21) befinden sich ein Seminar- und Vortragsraum sowie Serviceeinrichtungen und Shop. Das Ensemble Beethoven-HausLadenburger, Talbot, Bettermann, Das Ensemble Beethoven-Haus, Nuess 2008. dient Musikfreunden und Fachleuten aus aller Welt zur Zusammenkunft und zum Austausch. Das Beethoven-Haus wird vom Verein Beethoven-Haus und von der öffentlichen Hand getragen und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.Satzung 2024, Präambel, § 3 Gemeinnützigkeit.
Das Haus in der Bonngasse Geschichte des Hauses { "type": "FeatureCollection", "features": [
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mini|hochkant|Portal des Hauses (Foto: 2005) Das Haus Bonngasse 20 (bis 1870: 515Adressbuch der Stadt Bonn und der Gemeinde Poppelsdorf, Bonn 1870, S. 22 (Bonngasse). In: digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de, abgerufen am 5. Mai 2026., zu Beethovens Zeit: 363Plan zum Häuser-Verzeichnis der Stadt Bonn von 1773. Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn, Ba 080, wiedergegeben in: Christian Schlöder, Die Bevölkerungsentwichlung Bonns im 18. Jahrhundert. In: rheinische-geschichte.lvr.de, abgerufen am 6. Mai 2026.) mit barocker Steinfassade wurde um 1700 auf einem älteren Kellergewölbe errichtet. Es ist eines der wenigen erhaltenen Bürgerhäuser aus der kurfürstlichen Zeit. Das Gebäude lag in dem von den Bediensteten des Hofes bevorzugten Viertel im Herzen der Stadt, zwischen dem Stadtschloss, dem alten Rathaus mit dem Marktplatz und dem Rheinufer. Heute befindet sich hier eine Fußgängerzone, unweit davon die Bonner Beethovenhalle und die Oper. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde auf dem Grundstück hinter dem Haus ein weiteres, etwas kleineres Fachwerkhaus angebaut. Zeitweise bewohnten fünf Familien das mehrgeschossige Vorder- und Hinterhaus, außerdem hatten drei Schneider und ein Schustermeister hier ihre Werkstätten.
1836 wurde die Eingangstür zu einem Toreingang verbreitert. Nachdem der rückwärtige Teil erst um 1840 von Beethovens Freund, dem Arzt Franz Gerhard Wegeler, und dem Lehrer Carl Moritz Kneisel als Geburtsstätte Ludwig van Beethovens eindeutig identifiziert worden war, eröffnete 1873 der neue Eigentümer im Erdgeschoss eine Gastwirtschaft mit dem Namen Beethoven’s Geburtshaus. Sie wurde 1887 durch eine Bier- und Concerthalle im Hof erweitert. Da die Eigentümer kein Interesse am Erhalt des Gebäudes hatten, und auch die Stadt Bonn sich nicht dafür einsetzte, wurde es 1888 versteigert. Ein Kolonialwarenhändler übernahm das Haus, verkaufte es aber schon ein Jahr später an den Verein Beethoven-Haus Bonn, der sich am 24. Februar 1889 zur Erhaltung und Einrichtung einer Gedenkstätte an Ludwig van Beethoven gegründet hatte. So blieb es vor dem Abriss bewahrt.
Die nächsten Jahre standen im Zeichen der Renovierung und des Ausbaus zur Gedenkstätte. Im Mai 1893 wurde das Museum offiziell eröffnet. Wesentliche Teile des Gebäudes befanden sich damals noch im Zustand der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Um großzügige Museumsräume zu erhalten, wurden die Grundrisse im Haupthaus verändert sowie ein Vereinsbüro, eine Bibliothek und eine Hausmeisterwohnung eingerichtet. Die baulichen Veränderungen in der Beethoven-Wohnung beschränkten sich aber weitgehend auf die Treppe und die Durchgänge zum Vorderhaus; sie erfolgten unter Leitung des Bonner Architekten und Regierungsbaumeisters Anton Zengeler, eines der zwölf Stifter des Vereins Beethoven-Haus.1889–1989. Verein Beethoven-Haus. [Festschrift zum 100-jährigen Bestehen]. Der Innenhof erhielt den noch heute bestehenden Sandsteinplattenbelag und eine Gartenanlage an Stelle der abgerissenen Bierhalle.
Um den Charakter des Beethoven-Geburtshauses in seinem zeitgenössischen Umfeld zu erhalten und den Bestand bautechnisch zu sichern, erwarb der Verein 1893 das Nachbarhaus Nr. 22, das er nach Einzug einer Brandmauer wieder verkaufte. 1907 wurde mit dem Ankauf des Hauses Nr. 18 das Gebäudeensemble zur Rechten hin ergänzt. Dieses Haus ist eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert in Bonn. Hier wohnte die Taufpatin Ludwig van Beethovens, Gertrud Baum, mit ihrer Familie. Der Überlieferung nach wurde hier am 17. Dezember 1770 Beethovens Taufe gefeiert. Das Haus beherbergte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Kolonialwarenhandlung. Aus dieser Zeit stammen das Hauszeichen und der Beiname Im Mohren. Die Figur ist nach den Vorstellungen des 19. Jahrhunderts von den Menschen in den Kolonien Zentral- und Südafrikas, der Karibik oder Südamerikas gestaltet. Die dunkle Hautfarbe, das gekräuselte Haar, Federschmuck und Pfeife vereinen Stereotypen des außereuropäischen Menschen. Im Zuge der Kolonialgeschichte im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Begriff des Mohren, von der Bezeichnung der nordafrikanischen Mauren abgeleitet, zu einer mit negativen Eigenschaften belegten, abwertenden Beschreibung und ist unter heutiger Sichtweise rassistische konnotiert. Das Haus wurde zunächst teils für die Bibliothek genutzt, teils war es vermietet. 1927 zog das neu gegründete Beethoven-Archiv in die Bonngasse 18 ein. Mitte der 1930er-Jahre wurde eine umfangreiche Instandsetzung beider Häuser durchgeführt.Theodor Wildeman: Die Instandsetzung von Beethovens Geburtshaus und der Umbau des Beethovenarchivs in Bonn in den Jahren 1935–1937. 1938, S. 540–545. Wie das Geburtshaus Bonngasse 20 steht auch dieses Gebäude mit der Fassade seit 1985 unter Denkmalschutz. Mit einer kritischen Auseinandersetzung und Beiträgen gegen Diskriminierung und Rassismus stellt sich das Beethoven-Haus der Historie und ihres Auftrags.
Beide Weltkriege überstand das Beethoven-Haus fast unbeschadet. Im Zweiten Weltkrieg sorgte der spätere Vereinsvorsitzende, Oberbaurat Theodor Wildeman, als stellvertretender Provinzialkonservator dafür, dass die Sammlungen rechtzeitig in einem Stollen bei Siegen im Siegerland verwahrt wurden und es zu keinen Kriegsverlusten kam. Während des Angriffs auf die Bonner Innenstadt am 18. Oktober 1944 fiel eine Brandbombe auf das Dach des Geburtshauses. Durch den Einsatz des Hausmeisters Heinrich Hasselbach und Wildemans, die dafür später das Bundesverdienstkreuz erhielten, sowie Franz Rademachers vom Rheinischen Landesmuseum konnte jedoch größerer Schaden verhindert werden.Ortwin Wildeman: Das Beethovenhaus Bonn am 11. Mai 1945. 2001, S. 491–498. Diese Kriegsschäden wurden Anfang der 50er Jahre behoben. Ende der 60er-Jahre erfolgte die dritte Renovierung. Für die vierte, grundlegende Restaurierung der Gebäude 1994–1996 erhielt das Beethoven-Haus 1998, als erste Institution in Deutschland, den seit 1978 vergebenen „Europa Nostra-Denkmalschutzpreis“.Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute (Hrsg.): Kulturberichte. 2/1999, S. 36 (anlässlich der Preisverleihung am 3. September 1999).Bonner Rundschau, 29. Januar 1999Rheinische Heimatpflege, Jg. 37, 2000, S. 154. Zum Juläumsjahr von Beethovens 250. Geburtstag 2020 wurden die denkmalgeschützten Gebäude erneut saniert.Appassionato 43, November 2019, S. 9–11Maria Rößner-Richarz: Das Beethoven-Haus in Bonn. 130 Jahre Denkmalpflege im Zeichen Ludwig van Beethovens, in: Wo Musik entsteht. Musikergedenkstätten in Niederösterreich (Denkmalpflege in Niederösterreich, 63), St. Pölten 2020, S. 50–53.
Im Januar 2003 gab die Deutsche Post AG in der Dauermarkenserie Sehenswürdigkeiten eine Briefmarke mit dem Motiv des Beethoven-Hauses heraus.
Wohnungen der Familie Beethoven mini|hochkant|Reiner Beißel: Beethovens Geburtszimmer (Zeichnung/1889) mini|hochkant|Beethovens Geburtszimmer bis 2019 – mit einer Beethoven-Büste von Josef Danhauser (1827 / Gipsabguss)
Den Gartenflügel des Hauses Bonngasse 20 bezog 1767, nach seiner Heirat mit der aus Koblenz/Ehrenbreitstein stammenden Maria Magdalena Keverich (1746–1787), der kurfürstliche Hofsänger Johann van Beethoven (1740–1792) als Dienstwohnung.Joseph Schmidt-Görg: Beethoven. 1964, S. 85–90Margot Wetzstein: Familie Beethoven im kurfürstlichen Bonn. 2006, S. 31ff. Hier auch Näheres zur Genealogie der Familie. Sein Vater, der Kapellmeister Ludwig van Beethoven (1712–1773), der Großvater des Komponisten, zog in eine Wohnung im Haus schräg gegenüber. Im Vorderhaus wohnte der Hofmusiker Philipp Salomon mit seiner Familie, dessen Sohn Johann Peter Salomon später als Freund Joseph Haydns auch für Beethoven wichtig werden sollte. Im Erdgeschoss der Beethoven-Wohnung befanden sich eine Küche und ein unterkellerter Wirtschaftsraum. Im ersten Stock bewohnte die Familie zwei kleinere und eine etwas größere Stube.
Darüber im Dachgeschoss befand sich das Elternschlafzimmer, eine winzige Kammer, in der, so die Tradition, am 16. oder 17. Dezember 1770 Sohn Ludwig geboren und am 17. Dezember 1770 am Taufbecken der Bonner der damaligen St. Remigiuskirche getauft wurde. Pate und Namensgeber war Großvater Ludwig van Beethoven (1712–1773), der angesehene Hofkapellmeister, Sänger und Weinhändler. Das Ereignis wurde bei der Taufpatin Anna Gertrud Baum geb. Müller im Nachbarhaus Im Mohren gefeiert.Norbert Schloßmacher, Der erste Auftritt … Ludwig van Beethovens Taufe im Kirchenbuch von St. Remigius. Faksimile und Kommentar (Veröffentlichungen des Beethoven-Hauses Bonn, Jahresgabe des Vereins Beethoven-Haus 2019). Die Familie wuchs rasch. Doch von den sieben Kindern erreichten neben Ludwig nur zwei Brüder das Erwachsenenalter: Kaspar Anton Karl (1774–1815) und Nikolaus Johann (1776–1848).
Wohl schon 1774 zog die Familie Beethoven in die Rheingasse Nr. 24, in das Haus Zum Walfisch des Bäckermeisters Fischer, in dem schon der Vater bzw. Großvater Ludwig van Beethoven zeitweise gewohnt hatte.Silke Bettermann u. a.: Von der Bonngasse ins Schwarzspanierhaus. 2005, S. 43 ff.Margot Wetzstein: Familie Beethoven im kurfürstlichen Bonn. 2006, S. 27, 37–51 und 151. Die Aufzeichnungen des Bäckermeisters Fischer gewähren einen guten Einblick in das Leben des jungen Ludwig van Beethoven und seiner Familie. Ihren Unterhalt bezog die Musikerfamilie vom kurfürstlichen Hof, in dessen Orchester ab 1784 auch der junge Beethoven mitwirkte. Ebenso trugen Vater und Sohn durch privaten Musikunterricht, vor allem in den Familien der adligen Hofbeamten, zum Einkommen bei. In diesen Bonner Jahren entstanden Freundschaften zu adligen und bürgerlichen Familien wie zu der Hofrätin-Witwe Helene von Breuning und ihren Kindern Stephan, Christoph, Eleonore und Lorenz, zur Familie des Violinisten Franz Anton Ries und zu Franz Gerhard Wegeler. Viele dieser Beziehungen bestanden ein Leben lang und haben Beethovens Bildung mehr als der nur wenige Jahre dauernde Schulunterricht geprägt. 1785 erfolgte ein weiterer Umzug in die Wenzelgasse 25.Silke Bettermann u. a.: Von der Bonngasse ins Schwarzspanierhaus. 2005, S. 46 ff. Von diesen Wohnstätten der Familie Beethoven ist jedoch nur das heute denkmalgeschützte Geburtshaus in der Bonngasse erhalten geblieben.
Das Museum Das Museum wurde am 10. Mai 1893, während des zweiten Kammermusikfestes eröffnet, mehrfach erweitert und beherbergt heute die größte Beethoven-Sammlung weltweit.Im November 2012 wurde das Beethoven-Haus dafür von der Initiative des Landes NRW „Germany at its best“ ausgezeichnet.
Museumsgebäude mini|hochkant|Blick in den Garten aus dem 1. Stock (2005)