mini|Das Landschaftshaus – Sitz der Ostfriesischen Landschaft in Aurich

Die Ostfriesische Landschaft ist ein höherer Kommunalverband mit Sitz in Aurich (Niedersachsen). Ihre Aufgabe ist die Förderung von Kultur, Wissenschaft und Bildung in Ostfriesland. Demokratisch kontrolliert wird sie von der Landschaftsversammlung, deren Mitglieder von den ostfriesischen Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden entsandt werden.

Als Nachfolgerin der ostfriesischen Landstände blickt die Landschaft auf eine über 500-jährige Geschichte zurück. Gestützt auf ausgeprägte ständische Privilegien besaß sie bis ins 19. Jahrhundert weitreichende politische Rechte, ehe sie sich mit ihrer Neugründung 1949 vom ständischen Landtag zum regionalen Kulturparlament entwickelte. Sie zählt zu den sieben historischen Landschaften Niedersachsens.

Seit 1678 besitzt die Ostfriesische Landschaft ein eigenes Wappen, das ihr von Kaiser Leopold I. in einem für das Alte Reich einmaligen Vorgang verliehen wurde und das sie, wie auch die Flagge Ostfrieslands, bis heute führt.

Zuständigkeitsbereich mini|Lage inmitten der modernen Landschaften und Landschaftsverbände Niedersachsens Ostfriesland umfasst nach Definition der Landschaft die kreisfreie Stadt Emden sowie die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund.Verfassung der Ostfriesischen Landschaft. In: ostfriesischelandschaft.de, abgerufen am 14. Februar 2012. Diese Pflichtmitglieder bilden – von kleineren Grenzkorrekturen abgesehen – das Gebiet der ehemaligen Grafschaft Ostfriesland, das ab 1744 als Fürstentum Ostfriesland innerhalb des Königreichs Preußen, dann als Landdrostei Aurich innerhalb Hannovers, als Regierungsbezirk Aurich wiederum innerhalb Preußens und später Niedersachsens bis 1978 fortbestand. Unter all diesen wechselnden Herrschaften blieb die Ostfriesische Landschaft bestehen.

Mitglieder Ostfriesland umfasst nach der Verfassung der Ostfriesischen Landschaft die kommunalen Gebietskörperschaften Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie die Stadt Emden. Sie ist Nachfolgerin der ostfriesischen Landstände, also der Ostfriesische Ritterschaft, den Bauern sowie den Vertretern der Städte. Diese Landstände waren eine Art Parlament und vertraten die politischen Interessen ihrer Mitglieder gegenüber den Grafen (später Fürsten) Ostfrieslands. Heute vertritt die Landschaft im Rahmen ihrer Ziele und Aufgaben als demokratisch verfasste Körperschaft die in Ostfriesland lebende Bevölkerung und ihre Belange.

Seit 1949 hat sie keine ständische Binnenstruktur mehr. An die Stelle der Landstände sind nach Art. VIII der Verfassung der Ostfriesischen Landschaft die drei ostfriesischen Landkreise und die Stadt Emden getreten, deren Kommunalparlamente die Mitglieder der Landschaftsversammlung wählen.

Aufgaben und Ziele Die Landschaft nimmt für die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund und die kreisfreie Stadt Emden kommunale sowie für das Land Niedersachsen dezentrale staatliche Aufgaben auf den Gebieten der Kultur, Wissenschaft und Bildung wahr, unterstützt entsprechende Anliegen und arbeitet mit den in ihrem Zuständigkeitsbereich tätigen Organisationen zusammen. Sie setzt sich dabei für den Gebrauch der Regionalsprache in Ostfriesland ein.

Die Ostfriesische Landschaft unterhält dazu verschiedene Einrichtungen der Wissenschaft und Forschung, Bildung, Kunst und Kultur. Diese sind für die wissenschaftliche Literaturversorgung, die historische Landesforschung, die archäologische Denkmalpflege, die Weiterentwicklung und Verbesserung des allgemeinen Kulturlebens (Museumsverbund, Regionalsprache, Orgelkultur), die Unterstützung von Schule und Unterricht sowie die Lehrerfortbildung in Ostfriesland zuständig.

Zudem sieht sich die Landschaft laut ihrer Verfassung als Hüterin der friesischen Überlieferung und setzt sich für eine Wahrung der geschichtlichen und kulturellen Zusammenhänge des friesischen Küstenraumes und eine Pflege der Verbundenheit mit allen Friesen innerhalb und außerhalb Europas ein.

Um den 10. Mai herum organisiert die Ostfriesische Landschaft in jedem Jahr eine Fachtagung zu einem ihrer Aufgabengebiete, mit dem sie an den Oll’ Mai, dem ehemaligen Landrechnungstag, erinnert.

Als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist die Ostfriesische Landschaft heute ein unabhängiger Selbstverwaltungskörper. Sie ist durch Artikel 72 der Niedersächsischen Verfassung in ihrem Bestand sowie in ihrer Organisation und ihren Aufgaben geschützt. Die Verfassung gibt darüber hinaus dem Staat wie den kommunalen Gebietskörperschaften damit vor, alles zu unterlassen, was die autonome und selbstverantwortliche Arbeit der Landschaft beeinträchtigen könnte; sie haben diese vielmehr zu unterstützen und zu fördern.Ostfriesische Landeschaft: Vom ständischen Landtag zum regionalen Kulturparlament. In: ostfriesischelandschaft.de, abgerufen am 2. November 2011.

Wappen, Flagge und Dienstsiegel

Die Farben der Flagge der Ostfriesischen Landschaft sind in drei gleich breiten Querstreifen schwarz-rot-blau. Diese Farben sind der Helmzier des gräflichen Wappen entnommen: Schwarz ist die Grundfarbe des Cirksena-Wappens, das Rot entstammt dem Wappen der Grafen von Rietberg und Blau steht für das Harlingerland.Die rote Helmzier im gräflichen Wappen wird oft auf die tom Brok zurückgeführt. Dies kann nach Ansicht von Hayo van Lengen jedoch nicht stimmen, da diese einen gekrönten Adler als Wappentier führten.

Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift „Ostfriesische Landschaft Aurich“.

Organisation Die Organe der Ostfriesischen Landschaft sind die Landschaftsversammlung, das Landschaftskollegium und der Landschaftsdirektor.

Landschaftsversammlung mini|Auch die moderne Landschaftsversammlung tagt im historischen Ständesaal. Die Landschaftsversammlung besteht aus 49 ordentlichen Mitgliedern, die von den Kreistagen der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie dem Rat der Stadt Emden nach dem Verhältnis ihrer Einwohner zur Zahl der Gesamtbevölkerung bestimmt werden. Die Amtszeit der Mitglieder entspricht dabei der Wahlperiode der Kreistage in Niedersachsen. Maximal dürfen zwei Drittel der ehrenamtlichen Mitglieder Landschaftsversammlung auch einem der Kreistage oder dem Stadtrat angehören. Hinzu kommen das sechsköpfige Landschaftskollegium, sowie der Landschaftspräsident als Leitungsgremium. Die Landschaftsversammlung kann die Verfassung ändern und ist darüber hinaus für die Finanzen zuständig. Zudem ist sie das Organ, in dem Grundsatzentscheidungen, die Ostfriesland betreffen, beschlossen werden.

Die Landschaftsversammlung kommt zweimal jährlich zu ordentlichen Tagungen in Aurich zusammen, von denen die Frühjahrsversammlung um den Oll’ Mai als Landrechnungsversammlung stattfindet. Außerordentliche Tagungen können durch den Landschaftspräsidenten einberufen werden, wenn mindestens ein Drittel der Mitglieder der Landschaftsversammlung dies wünscht.

Landschaftskollegium Das Landschaftskollegium ist oberste Dienstbehörde und höherer Dienstvorgesetzter der Bediensteten der Ostfriesischen Landschaft sowie Dienstvorgesetzter des Landschaftsdirektors. Es besteht aus sieben Landschaftsräten und dem Landschaftspräsidenten. Die Landschaftsräte werden von der Landschaftsversammlung auf vier Jahre mit zwei Drittel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder der Landschaftsversammlung gewählt. Laut Verfassung müssen drei Mitglieder der Landschaftsversammlung aus dem Landkreis Aurich, zwei aus dem Landkreis Leer und jeweils einer aus dem Landkreis Wittmund und aus der Stadt Emden stammen. Das Gremium soll mindestens sechsmal im Jahr zusammentreten und bereitet alle Entscheidungen der Landschaftsversammlung vor.

Landschaftspräsident mini|Rico Mecklenburg Der Landschaftspräsident wird von der Landschaftsversammlung mit 2/3-Mehrheit gewählt. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre. Seit 2014 ist Rico Mecklenburg der sechste Nachkriegspräsident der Landschaft, 2020 wurde er für eine weitere Amtszeit wiedergewählt.

Landschaftsdirektor Der Landschaftsdirektor – der eine wissenschaftliche Qualifikation nachweisen muss – wird vom Landschaftskollegium gewählt. Er bereitet die Beschlüsse des Landschaftskollegiums vor und setzt die Beschlüsse der Landschaftsversammlung und des Landschaftskollegiums um. Des Weiteren ist er mit der Führung der Geschäfte der laufenden Verwaltung betraut. Auch vertritt er die Ostfriesische Landschaft in Rechtsgeschäften sowie in gerichtlichen Verfahren.Landschaftsdirektor der Ostfriesischen Landschaft. In: ostfriesischelandschaft.de, Stand 29. August 2014. Landschaftsdirektoren waren:

Heinz Ramm (1970–1979) Hajo van Lengen (1. Oktober 1979–2005) Walter Schulz (2005–2008) Rolf Bärenfänger (1. Mai 2008–31. Dezember 2020) Matthias Stenger (seit 1. Januar 2021)

Beschäftigte, Tätigkeitsfelder und Abteilungen Bei der Ostfriesischen Landschaft oder bei ihren Einrichtungen arbeiten etwa 60 Angestellte, dazu kommt eine große Anzahl an freiwilligen Helfern und Ehrenamtlichen. Die Ostfriesische Landschaft gliedert sich in sieben Abteilungen: Archäologische Forschungsstelle, Landschaftsbibliothek, Regionales Pädagogisches Zentrum, Regionale Kulturagentur, Regionalsprachliche Fachstelle Plattdüütskbüro, Landschaftsforum sowie die Fachstelle Museen und Volkskunde. In ihrer Verantwortung stehen auch der Kostümfundus, das Steinhaus Bunderhee als Denkmal und Veranstaltungsort sowie das Organeum (Orgelakademie Ostfriesland) in Weener und das Wallhecken-Schutzprogramm Ostfriesland. Das Haushaltsvolumen betrug 2024 etwa 5,7 Mio. Euro.

Archäologische Forschungsstelle Die Archäologische Forschungsstelle ist für die archäologische Denkmalpflege in Ostfriesland zuständig. Dazu führt sie in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden Baustellenbeobachtungen und Ausgrabungen durch, wertet diese wissenschaftlich aus und publiziert die Grabungsergebnisse. Dabei arbeitet die Archäologische Forschungsstelle mit Fachbehörden ebenso zusammen wie mit interessierten Laien. Sie erstellt denkmalpflegerische Stellungnahmen sowie Gutachten und informiert durch Vorträge, Ausstellungen und Veranstaltungen in der Jugend- und Erwachsenenbildung über seine Arbeit. Leiterin des archäologischen Dienstes ist Sonja König.

Landschaftsbibliothek mini|Die Landschaftsbibliothek in Aurich Die Landschaftsbibliothek ist die größte wissenschaftliche Bibliothek in Ostfriesland und gleichzeitig eine der kleinsten geisteswissenschaftlichen Bibliotheken Niedersachsens. Themenschwerpunkte der Bestände der Landschaftsbibliothek sind Ostfrisica, also Veröffentlichungen aus und über Ostfriesland von wissenschaftlichen Darstellungen bis zu informativen Faltblättern, eine Umfangreiche Sammlung von Werken zu deutscher, europäischer und Weltgeschichte sowie zur Geistes- und Kulturgeschichte, eine umfangreiche Sammlung aus dem Bereich der Pädagogik zum Schulunterricht – allgemein und nach Schulfächern sowie das Ostfriesische Zeitungsarchiv, das Zeitungen aus dem Bereich Aurich sind seit etwa 1750 und aus dem übrigen Ostfriesland in der Regel aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg umfasst. Zu dem weiteren Beständen gehören Werke aus den Bereichen Philosophie, Religion, Literatur, Kunst, Musik, Geographie, Recht, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Leiter der Bibliothek ist Heiko Suhr.

Regionales Pädagogisches Zentrum