mini|Abteikirche des Klosters Santa Maria di Arabona, Abruzzen Als Zisterzienserarchitektur wird die Baukunst des römisch-katholischen Zisterzienserordens bezeichnet. Dazu zählen die Kirchen, Klöster und Abteien des Ordens. Ihre Architektur zeichnet sich durch Schlichtheit und Schmucklosigkeit aus, damit sie die Gläubigen nicht von Kontemplation und Gebet ablenkt. In den Kirchen des Ordens spiegelt sich die Einfachheit des monastischen Lebens wider. Einige Zisterzienser-Bauwerke zählen zu den bedeutendsten Bauten des Mittelalters.

Historische Einordnung mini|Die Architektur der Zisterzienser wurde nach rationalen Grundsätzen umgesetzt mini|Klosterplan Maulbronn; Kreuzgang ist unüblicherweise auf Nordseite der Kirche; die räumliche Trennung der Laienbrüder und der Chormönche ist erkennbar mini|Plan der Kirche der Abtei Fontenay

Der Zisterzienserorden wurde im Jahr 1098 als Benediktinischer Reformorden gegründet. Im selben Jahr wurde das erste Zisterzienserkloster, das Kloster Cîteaux, eingerichtet. Der Orden wurde nach dem lateinischen Namen des Ortes, „Cistercium“, benannt. Unter Bernhard von Clairvaux erlebte der Orden eine Blütezeit. Bis ca. 1150 wurden sehr viele Zisterzienserklöster, die auch Zisterzen genannt werden, gebaut. Der Orden breitete sich auch im 13. Jahrhundert weiter aus. Ein erster Niedergang bahnte sich während der Reformation mit der Auflösung der englischen Klöster um 1540 an und setzte sich mit anderen Bewegungen bis hin zur Säkularisation im 19. Jahrhundert fort. Heute gehören dem Orden etwa 3000 Mönche und Nonnen an. mini|Die Lichtarchitektur im Kloster Acey zeigt den reinen Stil der Zisterzienserarchitektur.

Die theoretischen Grundlagen der Zisterzienserarchitektur gehen auf Bernhard von Clairvaux zurück. Er betrachtete überflüssigen Schmuck in Kirchen als Ablenkung.Rolf Toman (Hrsg.): The Art of Gothic: Architecture, Sculpture, Painting. Könemann, Köln 2007, ISBN 978-3-8331-4676-3, S. 10. Die Architektur der Zisterzienser sollte die Ideale des Ordens verkörpern. Sie sollte zweckmäßig sein und auf überflüssige Verzierungen verzichten. Zisterzienserkirchen unterstehen alle dem Patrozinium der Gottesmutter Maria. Die Bauhütten des Ordens waren auch am Bau von Kirchen und Kathedralen beteiligt, die nicht dem Zisterzienserorden gehörten, wie etwa die Marienkirche in Reutlingen.

Architektur Mittelalter

Die Zisterzienser erarbeiteten sich einen guten Ruf beim Bau von Klöstern und Kathedralen. Bernhards Vertrauter Achard von Clairvaux überwachte den Bau mehrerer Klöster, darunter das Kloster Himmerod im Rheinland. In der Byland Abbey aus dem 12. Jahrhundert in Yorkshire wurden die ersten Architekturzeichnungen gefunden. Die Zisterzienser griffen die technischen Neuerungen der Gotik auf und trugen so zu ihrer Verbreitung in ganz Europa bei. Die Bauprojekte des Hochmittelalters zeichnen sich häufig durch ihre monumentale Größe aus. So war die Zisterzienserabtei in Foigny beispielsweise 98 Meter und die in Vaucelles sogar 132 Meter lang. Auch Durchgänge oder Küchen wurden oft eindrucksvoll gestaltet. Die Klostergebäude wurden meistens aus Stein errichtet, nur einige Provisorien bestanden aus Holz. Die Einfachheit drückt sich unter anderem darin aus, dass Säulen, Pfeiler und Fenster das gleiche Sockelniveau haben und nur gelegentlich Putz verwendet wurde. Neben Stein und Holz gehörte auch Metall zu den verwendeten Baumaterialien. Viele europäische Zisterzienserabteien verwendeten das gleiche „rationale, integrierte Schema“, um den gemeinsamen Bedürfnissen des Ordens mit architektonisch gerecht zu werden.

Klosteranlagen Die Zisterzienser bevorzugten rechteckige Klosteranlagen. Mittelpunkt war der Kreuzgang, der sich meistens an der Südseite der Kirche befand. Dieser sollte im Winkel zwischen dem Mittel- und Querschiff angebaut werden. Von dort aus waren alle anderen Räume zu erreichen. Der Kapitelsaal und die darüber liegenden Schlafsäle waren auf der Ostseite des Kreuzgangs angeordnet und manchmal über eine Nachttreppe mit dem Querschiff der Kirche selbst verbunden. Die späteren Erweiterungen wurden um den Kreuzgang herum erstellt. Die Anlagen orientierten sich am Sonnenverlauf sowie am Tagesablauf der Mönche. Das Refektorium wurde beispielsweise so geplant, dass es zur Mittagszeit vom Sonnenschein hell erleuchtet wurde. Die Architektur der Zisterzienserklöster strebte die Trennung von Chormönchen und Laienbrüdern an. Diese wurden auch Konversen genannt und hatten einen eigenen Klausurbereich in Form einer Klostergasse, um Begegnungen mit den Chormönchen zu vermeiden.

Für gewöhnlich besteht ein Zisterzienserkloster aus folgenden Gebäuden: Pforte, Klausur, Dormitorium, Kirche, Kreuzgang, Kapitelsaal, Parlatorium, Durchgang, Brudersaal, Wärmstube, Brunnenhaus, Refektorium, Küche, Laienrefektorium, Keller, Laiendormitorium, Kollationsgang, kleiner Kreuzgang, Bibliothek, Krankenhaus, Latrinen, Abtsgebäude, Wirtschaftsgebäude, Tore und Mauer und Teiche. Nicht alle diese Bauten sind in jedem Kloster vorhanden.

Je nach örtlichen Gegebenheiten wurde die Planung angepasst. Beispielsweise wurde der Kreuzgang mancher Klöster im Norden der Kirche angelegt. Beispiele dafür wären die Klöster in Fontfroide, Eberbach oder Melrose. Bis auf einige Wirtschaftshöfe außerhalb der Klosteranlage waren alle Gebäude in den Klosterkomplex integriert. Die Gärten dienten sowohl der Erholung als auch der Wirtschaft.

Kirchen Zisterzienserkirchen haben in der Regel den Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Der kurze Chor ohne runde Apsis genügte für die liturgischen Bedürfnisse der Zisterzienserbrüder. Das Kirchenschiff war in der Mitte durch eine Trennwand geteilt, die Lettner hieß. Sie trennte die Mönche von den Laienbrüdern. Im Querschiff gab es auf der Ostseite kleine Kapellen für private Gebete.

Der Orden verbot große Türme sowie überflüssige Glocken und Kreuze. Nur ein kleiner Dachreiter für eine kleine Glocke, die zu den Gebetszeiten läutete, war erlaubt. Das Verbot wurde allerdings schon bald durch repräsentative Dachreitertürme umgangen. Im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Kirchen gab es keine großen Portale im Westen, da außer den Mönchen, den Gästen und den weltlichen Angestellten des Klosters niemand die Kirche berat. Für gewöhnlich betraten die Mönche die Kirche über einen Zugang vom Kreuzgang aus. Zisterzienserkirchen haben meist keine Krypta, keine Laterne über der Vierung und keinen Chorumgang für Prozessionsumläufe.

In den Anfängen des Ordens gab es keine schmückenden Statuen, verziertes Pflaster, farbige Glasfenster, Ornamente, Skulpturen, Gemälde oder Bildnisse, mit Ausnahme von Christus- und Marienbildnissen. Die Wände waren ebenfalls schmucklos und unverputzt. Im 12. und 13. Jahrhundert hatten Zisterzienserkirchen eine Steinfassade. Die Klosterkirche Altfriedland aus dem 13. Jahrhundert beispielsweise war eine Quaderbasilika ohne Turm und mit schmucklosen Werksteinfassaden.

Die Zisterzienser schätzten die Reinheit des einfachen Lichts höher ein als die mystischen Effekte bunter Glasfenster. In der Klarheit des reinen Lichts erblickten sie die Schönheit der Schöpfung. Daher gab es keine bunt verglasten Kirchenfenster.

Die Akustik in Zisterzienserkirchen ist auffallend gut. Da die Mönche einen großen Teil ihres Tages schweigend verbrachten, war es von besonderer Bedeutung, wenn sie sprachen oder sangen. Sie gestalteten den Kirchenraum als riesiges Musikinstrument, einen „Hörsaal Gottes“.

Wirtschaftsgebäude Zu Beginn seiner Geschichte verzichtete der Orden auf eine Finanzierung durch Pfründe, weshalb eine erfolgreiche Wirtschaft für sein Fortbestehen notwendig war. Der Orden betrieb Stallungen und Mühlen. In den Werkräumen der Klöster arbeiteten meistens Laienbrüder. Die ursprünglichen Wirtschaftsgebäude waren vermutlich aus Holz. Ab 1180 wurden sie vor allem in Nord- und Zentralfrankreich durch Gebäude aus Stein ersetzt. Dort wurde der Bau gotischer Großscheunen und steinerner Lagergebäude für Klöster und Grangien üblich. Grangien waren landwirtschaftliche Gutshöfe, die zu Klöstern gehörten. Sie lagen in der Umgebung des Mutterklosters und waren zwischen 50 und 400 Hektar groß.

In den Städten rund um die Klöster unterhielten die Zisterzienser Pfleghöfe. Im späten Mittelalter wurden diese Pfleghöfe wirtschaftlich sehr einflussreich. Sie lagen nicht weiter als drei bis vier Tagesritte vom jeweiligen Kloster entfernt. Die Stadthöfe enthielten unter anderem repräsentative Quartiere für den Abt, Stifter oder Gäste des Klosters.

Renaissance, Barock und Säkularisierung Klosteranlagen Die oben beschriebene mittelalterliche Bauweise wurde nach und nach durch eine neuere ersetzt. Die Klosteranlagen veränderten sich: Sie wurden von abgeschotteten Anlagen zu geistlichen Zentren. Bei Erweiterungen in späteren Epochen, wie dem Barock, oder auch beim Wiederaufbau nach Bränden entstanden auch aufwendige, schlossähnliche Räumlichkeiten. In dieser Zeit wurden auch Heizungen installiert und einzelne Zellen für die Mönche gebaut, die zuvor in Schlafsälen wohnten. Dies geschah allerdings in den meisten Fällen maßvoll und passte sich an die bereits vorhandenen Baustrukturen an.

Zum anderen wurden viele Zisterzienserklöster während der Zeit der Reformation oder während späterer Phasen der Säkularisierung, wie beispielsweise im Zuge der Napoleonischen Kriege, aufgelöst. Aufgrund ihrer Nachnutzung wurden sie teilweise umgebaut. So wurden die ehemaligen Klostergebäude vielmals nachgenutzt oder abgerissen. Im Kloster Neuzelle wurde nach seiner Säkularisierung 1817 beispielsweise ein preußisches, evangelisches Lehrerseminar und im Kloster Lehnin wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts ein Jagdschloss als Sommerresidenz des Markgrafen von Brandenburg eingerichtet. Die Primärabtei Clairvaux wurde nach ihrer Auflösung als Gefängnis genutzt.

Kirchen mini|Wallfahrtskirche Maria Straßengel, untypisch für die Zisterzienserarchitektur sind der runde Chor und die beiden Türme Auch die Kirchen wurden im Barock prunkvoller ausgestaltet und der Bau von Kirchtürmen wurde erlaubt. Die Ausstattung blieb aber auch im Barock vergleichsweise maßvoll, obwohl es auch Ausbrüche aus dieser Bescheidenheit gab, wie den Altenberger Dom oder Royaumont, die sich an monumentalen Bauten wie dem Kölner Dom oder der Kathedrale von Saint-Denis orientierten. Die Wallfahrtskirche Maria Straßengel weicht so stark von den ursprünglichen Regeln des Ordens ab, dass kaum noch erkennbar ist, dass sie von Zisterziensern erbaut wurde. Bei ihr ist das einzige wirkliche zisterziensische Element die abgekragten Wanddienste im Inneren der Kirche. Die prunkvolle Ausstattung der Kirche und der Turm sind weit entfernt von zisterziensischer Einfachheit.

Einige Kirchen wurden umgestaltet, um sie neuen Nutzungsformen anzupassen. Als die Kirchen für Besucher geöffnet wurden, entstanden auch repräsentative Westportale.

Moderne John Pawson war am Bau einiger moderner Zisterzienserbauten beteiligt. Seine Bauten spiegeln noch heute den minimalistischen Geist und den Hang zur Funktionalität wider, beispielsweise beim Kloster Nový Dvůr in Tschechien. Die freitragenden Tonnengewölbe, insbesondere im Kreuzgang, wurden in Anlehnung an die Abtei Le Thoronet errichtet. John Pawson bezog sich bei seinem Bau direkt auf die Vorstellungen von Bernhards von Clairvaux „mit seiner Betonung auf Licht, schlichten Proportionen und Klarheit des Raumes“.

Das Kloster Maria Friedenshort ist seit dem Mittelalter der erste geplante Klosterneubau im deutschsprachigen Raum. Das neue Kloster wird abseits größerer Siedlungen im Wald errichtet. Die Architektin Tatiana Bilbao bezieht sich bei der Planung direkt auf die historische Zisterzienserarchitektur, so beispielsweise in der Verwendung von Stein und dem quadratischen Bau der Klosteranlage.

Lage der Klöster