Ephraim Gottlieb (; geboren 7. Januar 1921 in Munkatsch, Tschechoslowakei, seit 1946 Ukraine; gestorben 13. Oktober 1973 in Israel) war Professor für die Literatur und Geschichte der Kabbala sowie der Religionsphilosophie an der Hebräischen Universität Jerusalem und der Universität Tel Aviv und zionistischer Aktivist. Schwerpunkt seiner Forschung war die Geschichte der Kabbala in Italien und Spanien vom 13. bis 16. Jahrhundert.

Leben und Wirken Ephraim Gottlieb wurde als siebtes Kind einer jüdischen Familie mit neun Kindern geboren. Seine Mutter war Baila Gottlieb, geborene Riff (1883–1944), sein Vater Rabbi Chaim Eliezer Zvi Gottlieb (1978–1944). Mütterlicherseits war er in der siebten Generation ein Abkömmling des Rabbiners Menachem Mendel von Rimanov (1745–1815).Biografische Daten auf www.maapilim.org.il

Früh wurde er von seinem Vater in der Gemara unterrichtet. Ab seinem achten Lebensjahr lernte er in der Jeschiwa und besuchte auch eine tschechoslowakische staatliche Schule. Ab seinem fünfzehnten Lebensjahr studierte er am Zionistischen Hebräischen GymnasiumThe Story of Munkács. A Jewish Community in the Carpathian Mountains, auf yadvashem.org in Munkatsch, das von Chaim Kugel, dem späteren ersten Bürgermeister von Cholon, gegründet worden war. Im Sinne von Ephraims Vater studierte er, neben seinem Unterricht am Gymnasium, mit seinem Großvater den Sohar.

Ab 1938 wurde Ephraim Gottlieb zionistischer Aktivist in der Bnei Akiva -Bewegung der Misrachi und wurde 1939 in den Nationalrat der Bewegung gewählt. Im Jahr 1940 wurde im Rahmen der Jugendeinwanderung eine Gruppe von zweihundert Jugendlichen zur Einwanderung nach Eretz Israel organisiert. Nach einer langen Reise mit Zügen, Schiffen und Bussen kam er im Viertel Bat Galim in Haifa an. Gottlieb studierte zwei Jahre lang an der Mikwe Israel, um sich auf die Arbeit an einer landwirtschaftlichen Siedlung vorzubereiten. Ab 1941 bis 1955 unterrichtete er dort zunächst an der Landwirtschaftsschule. Im Jahre 1942 wurde der tschechische Kern von Bnei Akiva gegründet, zu dessen Anführern Gottlieb gehörte. Die Gruppe reiste zum Training in den Kibbuz Tirat Zvi in Emek Bet Scheʾan, wo sie zwei Jahre blieben. Er arbeitete auf der Dattelpalmen-Plantage und las u. a. Yosef Haim Brenner, Uri Zvi Greenberg und Ahad Ha'am aus der modernen hebräischen Literatur. 1944 verließ er Tirat Zvi und errichtete unter der Schirmherrschaft von Rabbi Moshe-Zvi Neria eine Gemeinschaft in der Nähe von Kfar Haroeh.Biografische Daten auf www.maapilim.org.il Gottlieb, Ephraim. Encyclopaedia Judaica, auf encyclopedia.com

Von 1945 bis 1947 war er im Auftrag der Berihah (Alija Bet), die von der Jewish Agency organisiert wurde, in Ungarn. Im Juli 1945 nahm er seine Aktivität im Rahmen der Bricha auf, einer organisierten Untergrundbewegung, die zwischen 1944 und 1948 Juden aus Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien und der Sowjetunion die Flucht und die Einwanderung in das post-osmanische Völkerbundsmandat für Palästina ermöglichen sollte. Am 25. Oktober 1945 nahm er in diesem Rahmen an einer Konferenz im Kibbuz Schafiim teil, um sich darauf vorzubereiten, weitere auswanderungsbereite Überlebende der Schoah in das britische Mandatsgebiet zu holen. Sie fuhren mit dem Schiff „Dolphina“ nach Italien und reisten von dort nach Ungarn, wo sie mittellose Kinder trafen. Dort fand er auch seine beiden Schwestern und erfuhr von ihnen, dass seine gesamte übrige Familie, durch den nationalsozialistischen Antisemitismus, in den Gaskammern ermordet wurde. Ephraim wurde mit der Organisation der Kinder in Schulen und Sommerlagern beauftragt. In Budapest arbeitete er an der Organisation von Bildungsunternehmen für Überlebende jeden Alters.Biografische Daten auf www.maapilim.org.il Gottlieb, Ephraim. Encyclopaedia Judaica, auf encyclopedia.com In Ungarn lernte er seine spätere Frau Simcha kennen, eine Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz. Gemeinsam wanderten sie im Mai 1947 aus und ließen sich in den Messuʾot Jitzchaq nieder.Gottlieb, Ephraim. Encyclopaedia Judaica, auf encyclopedia.com Michal Oron (), “” („Lines for the Character and Biography of the Late Prof. Ephraim Gottlieb“), in: , 1994-, .

Von 1955 bis 1965 unterrichtete er jüdische Fächer an einem städtischen Gymnasium mit einer religiösen Ausrichtung in Tel Aviv. In den Jahren 1952 bis 1963, er hatte sich an der Hebräischen Universität eingeschrieben, studierte Gottlieb den Talmud, jüdische Philosophie und die Kabbala, auf die er sich dann spezialisierte.Yeshayahu Tashvi (), “” („Der Beitrag des verstorbenen Prof. Ephraim Gottlieb zum Studium der Kabbala.“), in: (Bulletin der World Association for Jewish Studies 8), Nr. 8 (), S. 16–18. Er beendete sein erstes Studium 1955, im Jahre 1957 schloss er sein Masterstudium ab. Gottlieb wurde einer der bedeutendsten Schüler von Gershom Scholem.Ezra Brand: Towards Decoding Ha-Yeriah Ha-Gedolah (The Great Parchment), A Cryptic 14th Century Italian Kabbalistic Text. July 7, 2019, auf seforimblog.com Er reichte seine Dissertationsschrift, (ungefähre ) ein. Im Mai 1963 wurde er promoviert. Das Thema einer weiteren Dissertation war „Kabbala in den Schriften von Rabbi Chai Ben Ashe“, sie erschien 1970 als Buch. Ab diesem Jahr hielt er Vorlesungen über Kabbala an der Bar-Ilan-Universität, ab 1964 an der Universität Tel Aviv und ab 1965 an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er 1966 Dozent und 1970 außerordentlicher Professor wurde.Rivka Schatz Uffenheimer (), , , -1986, S. 5–10.

Gottlieb verstarb plötzlich, einen Monat nach seiner Ernennung zum Leiter des Instituts für Jüdische Studien an der Hebräischen Universität.Gottlieb, Ephraim. Encyclopaedia Judaica, auf encyclopedia.com

Veröffentlichungen in Hebräisch (Die hebräischen Schriften von Baʿal Tiqqunej Sohar und Raʿja Mehimna), Ephraim Gottlieb (kombiliert und annotiert), Mosche Idel (Hrsg. und Einleiter), Jerusalem: האקדמיה הלאומית הישראלית למדעים, Das Jahr 5763 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 7. September 2002 bis 26. September 2003 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.-2003. Joseph Hecker (, ) (Studien zur kabbalistischen Literatur, Wertvorstellungen und Exegese), Tel Aviv: (Chaim-Rosenberg-Schule für Jüdische Studien der Universität Tel Aviv), Das Jahr 5763 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 6. September 1975 bis 24. September 1976 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.-1976 “” (Leuchte der Welt von Rabbi Elchanan Segi-Nehor), Ephraim Gottlieb (Hrsg.), [ (Michael, Eine Sammlung zur Geschichte der Juden in der Diaspora), Band 1; Nachdruck], Tel Aviv: (Institut für Diasporastudien, Universität Tel Aviv), Das Jahr 5733 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 9. September 1972 bis 26. September 1973 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.-1972, Einträge רידעתג– (Kabbala in den Schriften unseres Gelehrtens Bachja ben Ascher), Jerusalem: , Das Jahr 5730 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 13. September 1969 bis 30. September 1970 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.-1970 (Kabbala am Ende des dreizehnten Jahrhunderts), Vorlesungen Yehuda Liebes’ (Hrsg.), Jerusalem: , Das Jahr 5729 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 23. September 1968 bis 12. September 1969 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.-1969. (Ein Buch, das auf die korrekten Aussagen von Rabb. Jakob ben Scheschet Gerondi antwortet, zusammengestellt nach Manuskripten und ergänzt um Verweise und Schlüssel von Jehuda Arjeh Vajda), Einleitung von Jehuda Arjeh [György] Vajda und Ephraim Gottlieb, Jerusalem: , Das Jahr 5729 () des jüdischen Kalenders dauerte vom 23. September 1968 bis 12. September 1969 des gregorianischen Kalenders, jeweils zum Sonnenuntergang.-1968. Maamare ha-Matnitin weha-Tossefta scheba Sohar. (Übersetzung: „Die Texte ‘Mischna’ und ‘Tossefta’ im Sohar“) In: Joseph Hacker (Hrsg.): Mechqarim be-Sifrut ha-Sohar. (Studien zur soharischen Literatur.) Tel Aviv 1976, S. 163–214

Literatur Rivka Schatz Uffenheimer (), , , -1986, S. 5–10. Michal Oron, Amos Goldreich (Hrsg.): Messuʾot: Studies in Kabbalistic Literature and Jewish Philosophy in Memory of Prof. Ephraim Gottlieb. Mossad Bialik, Jerusalem 1994

Weblinks Fotografien von Ephraim Gottlieb, אפרים גוטליב; Bibliografische Liste auf Judaica-Portal, auf judaica.kobv.de

Einzelnachweise

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