In a Violent Nature (deutsch: „In einer gewalttätigen Natur“) ist ein kanadischer Backwoods-Slasher-Film aus dem Jahr 2024. Das Regiedebüt des Filmemachers Chris Nash handelt von einer Gruppe von Teenagern, die in der kanadischen Wildnis von einem Serienkiller verfolgt werden, erzählt die Geschichte aber genreunüblich aus der Sicht des Täters. Der Independentfilm feierte im Januar 2024 auf dem Sundance Film Festival seine Premiere, ehe er am 31. Mai in die US-amerikanischen und am 24. Oktober 2024 in die deutschen Kinos kam.

Handlung Eine Gruppe von Teenagern entdeckt in den Wäldern Ontarios ein altes Medaillon in einem eingestürzten Feuerwachturm. Einer der Freunde, Troy, nimmt es mit. Dadurch wird die verrottete Leiche des Serienkillers Johnny wieder zum Leben erweckt, der sich den Anhänger seiner Mutter zurückholen möchte. Auf der Suche streift er durch den Wald und trifft bald auf ein abgelegenes Farmhaus, wo er eine dem Medaillon ähnliche Kette erblickt. Der Anwohner Chuck flüchtet beim Anblick Johnnys in den Wald, tritt aber in ein Tellereisen und sieht sich dem tödlichen Angreifer ausgesetzt. Johnny erkennt, dass es sich bei der Kette nicht um das gesuchte Objekt handelt, bemerkt aber die Teenager in der Nähe.

Während Johnny die Gruppe belauscht, erzählt Ehren von der lokalen Legende über den Serienkiller. Demnach lebte Johnny vor mehreren Jahrzehnten in der Gegend und war in seiner geistigen Entwicklung hinter anderen Kindern zurück. Als er für neue Spielsachen in den Feuerwachturm gelockt und dort erschreckt wurde, stürzte er in den Tod. Sein Vater machte später die Täter ausfindig, kam aber selbst in einer Schlägerei ums Leben. Die Beteiligten starben später unter ungeklärten Umständen, was von der Bevölkerung dem Geist von Johnny zugeschrieben wurde.

Als die Teenager in der Nacht eine Waldhütte beziehen, wird Ehren von Johnny mit einem Zugmesser umgebracht. Die Leiche schleift er ins Büro des Parkrangers, wo sich Johnny eine alte Feuerwehrmaske, eine Axt und zwei Haken besorgt. Am nächsten Morgen beobachtet er Brodie, wie sie in einem nahegelegenen See schwimmt, zieht sie unter Wasser und tötet sie. Wenig später macht er auch ihre Freundin Aurora ausfindig, die gerade eine morgendliche Yoga-Einheit absolviert, bringt sie mit den Haken um und wirft ihre menschlichen Überreste von einer Klippe.

Die verbliebenen Teenager streiten darüber, was sie wegen ihrer vermissten Freunde unternehmen sollen. Nachdem Kris und Colt zum Parkranger aufgebrochen sind, tötet Johnny Evan mit seiner Axt und erschlägt Troy mit einem Stein. Die verbliebenen zwei Überlebenden kehren schon bald darauf zur Waldhütte zurück, wo Kris den Leichnam ihres Freundes Troy auffindet. Johnny erkennt, dass sie das gesuchte Medaillon um den Hals trägt, und nimmt die Verfolgung auf. Kris und Colt retten sich in die Obhut des Parkrangers, der Johnnys Körper im Feuerwachturm begraben möchte, um so den Fluch zu durchbrechen. Der Ranger schießt auf Johnny, wird aber selbst verwundet und schließlich mit einem Holzspalter getötet.

Kris und Colt versuchen Johnny eine Falle zu stellen und ihn so umzubringen. Der Plan misslingt jedoch und Kris muss mitansehen, wie Johnny ihren letzten verbliebenen Freund totschlägt. Schockiert hängt sie das Medaillon an einen Benzinkanister und flüchtet durch den Wald, bis sie eine Straße erreicht und von einer Frau mitgenommen wird. Der Fremden gegenüber spricht Kris von einem Tier, das sie angegriffen hat, und möchte ins Krankenhaus gefahren werden. Als die Frau anhält, um bei Kris einen Tourniquet wegen der stark blutenden Wunde anzulegen, schaut diese verängstigt in den Wald. Die letzte Einstellung zeigt im Wald den zurückgelassenen Benzinkanister, an dem aber das Medaillon fehlt.

Produktion Stab und Besetzung Beim Independent-Slasher-Film In a Violent Nature handelt es sich um das Spielfilmdebüt des kanadischen Regisseurs und Drehbuchautors Chris Nash. Dieser war seit seiner Kindheit ein bekennender Horrorfan, arbeitete jahrelang als Spezialeffektkünstler und sammelte mit mehreren Kurzfilmen und einer Sektion des Anthologie-Horrorfilms 23 Ways to Die (2013) erste Regieerfahrungen. Mit In a Violent Nature wollte Nash das von ihm geliebte Slasher-Genre dekonstruieren; der Film wurde dabei als Meta-Fortsetzung innerhalb einer fiktiven Horrorreihe konzipiert. Finanziert wurde das Filmprojekt vom Streamingdienst Shudder, während Shannon Hanmer und der für die „Midnight-Madness“-Sektion des Toronto International Film Festivals verantwortliche Programmleiter Peter Kuplowsky als Produzenten fungierten.

mini|200px|Eine alte Feuerwehrmaske wie von Johnny im Film getragen. Die Hauptrolle des Serienkillers Johnny, der vom Auftreten her an den Auftragsmörder Anton Chigurh aus No Country for Old Men angelehnt wurde, übernahm der kanadische Schauspieler Ry Barrett. In weiteren Nebenrollen – zumeist als Opfer fungierende Teenager – sind Andrea Pavlovic, Cameron Love, Reece Presley, Liam Leone, Charlotte Creaghan, Lea Rose Sebastianis, Sam Roulston, Alexander Oliver und Lauren-Marie Taylor zu sehen.

Dreharbeiten Erste vierwöchige Dreharbeiten erfolgten mit Kameramann Andrew Appelle von September bis Oktober 2021 rund um die Kawartha Lakes in Ontario. Bereits früh musste der ursprüngliche Johnny-Darsteller Matthew Ninaber die Produktion dabei aus medizinischen Gründen verlassen und wurde später durch verschiedene Komparsen ersetzt. Regisseur Chris Nash zeigte sich mit den von starken Regenfällen beeinflussten Aufnahmen nicht zufrieden und erachtete das Gebiet rund um die Kawartha Lakes nicht mehr als passenden Schauplatz. Daher entschloss er sich dazu, den Film mit dem eigentlich für die Postproduktion vorgesehenen Restbudget und privaten Ersparnissen neuzudrehen. Nach einer sechsmonatigen winterbedingten Pause erfolgten die neuen Filmaufnahmen im Mai 2022 und weitere Nachdrehs im August, ehe letzte Szenen im Dezember 2022 fertiggestellt wurden. Als Drehort diente die abgelegenen Wildnis in der Nähe von Nashs Heimatstadt Sault Ste. Marie im Algoma District, wo Filmsets an derart abgelegenen Orten errichtet wurden, dass sie teilweise erst nach 30-minütigen Wanderungen erreichbar waren.

Durch das nun verminderte Budget mussten nicht nur aufwendigere Aufnahmen aus dem Drehbuch gestrichen, sondern auch die Zahl der Produktionsmitglieder drastisch verringert werden. Als neuer Kameramann fungierte Pierce Derks, der ursprünglich nur für das Design von Lookbooks und den Dreh einer Making-of-Dokumentation verantwortlich war, da Andrew Appelle das Filmprojekt aus Termingründen verlassen musste. Auch die Ausrüstung konnte aus Kostengründen größtenteils nur geliehen werden, weshalb von einer Alexa-Mini-Kamera zu einer preisgünstigeren Canon-EOS-C70 gewechselt wurde. Derks drehte dabei zunächst im Widescreen, konvertierte die Aufnahmen später aber in Anlehnung an den Film Freitag der 13. ins 4:3-Format. So wollte er einen Look erschaffen, der weder zu vintage noch zu modern sei. Nash verzichtete gleichzeitig auf den Einsatz von Filmmusik.

Veröffentlichung Die Weltpremiere erfolgte am 22. Januar 2024 in der Midnight-Sektion des Sundance Film Festivals, wo In a Violent Nature zu einem der meistdiskutierten Filme avancierte. Ein Trailer wurde am 20. März 2024 veröffentlicht, bevor In a Violent Nature am 31. Mai im Verleih von IFC Films in die US-amerikanischen Kinos kam. Von der MPA wurde dabei eine NP-17-Freigabe vorgesehen, doch IFC entschied sich stattdessen dazu, den Film ungeprüft zu veröffentlichen. Der digitale Heimkinostart erfolgte bereits am 28. Juni 2024, ehe der Film am 13. September auch ins Programm von Shudder aufgenommen wurde.

In Deutschland kam In a Violent Nature hingegen erst am 24. Oktober 2024 für einen Tag in ausgewählte Kinos. Während er dort noch mit einer Altersbeschränkung ab 18 Jahren lief, verweigerte die FSK für den deutlich strenger regulierten Heimkinomarkt die Freigabe. Der deutsche Verleiher Capelight veröffentlichte In a Violent Nature stattdessen nur mit dem SPIO/JK-Siegel „keine schwere Jugendgefährdung“ im Dezember 2024 auf DVD, Blu-ray und Ultra HD Blu-ray. Das Bonusmaterial umfasst dabei auch die vom späteren Kameramann Pierce Derks gedrehte Making-of-Dokumentation Dead in the Water: The Attempted Making of the Original Film über die gescheiterten ersten Dreharbeiten.

Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Gordon Rijnders und unter der Dialogregie von Thomas Wolf bei Think Global Media.

Rolle Darsteller Synchronsprecher Kris Andrea Pavlovic Lin Gothoni Colt Cameron Love Karim El Kammouchi Troy Liam Leone Toni Michael Sattler Evan Alexander Oliver Rajko Geith Aurora Charlotte Creaghan Diana Ebert Brodie Lea Rose Sebastianis Stefanie Masnik Ehren Sam Roulston Tino Kießling Der Ranger Reece Presley Dennis Herrmann Die Frau Lauren-Marie Taylor Silke Matthias Chuck Timothy Paul McCarthy Thomas Schmuckert

Filmanalyse Dekonstruktion des Slasher-Genres In a Violent Nature greift auf viele bekannte Genreelemente des Slasher-Films zurück, darunter ein maskierter Mörder, eine abgelegene Hütte im Wald, eine Gruppe jugendlicher Opfer und das typische Final Girl. Auch durch eine für das Genre typische Prämisse erweist sich der Film als Hommage an die Freitag-der-13.-Reihe und vergleichbare filmische Serienkiller wie Michael Myers oder Freddy Krueger. Die vertraute Struktur wird jedoch durch einen unüblichen Perspektivwechsel gebrochen, indem die Handlung aus der Sicht des Täters Johnny erzählt wird. Diese Abwandlung ist nicht nur ein bloßes Gimmick oder eine einzelne tonangebende Sequenz, sondern der gesamte Film. In a Violent Nature untergräbt dadurch die Erwartungen der Zuschauer und verwendet einen Großteil seiner Laufzeit dafür, die Pausen zwischen den Morden einzufangen, was in konventionellen Slasher-Filmen normalerweise nicht zu sehen ist. Regisseur Chris Nash umgeht so auch den typischen Fallstrick, dass viele Genrevertreter zwischen den gruseligen Höhepunkten aufgrund der schwachen Handlung oft erlahmen.

Eine weitere Abkehr von typischen Horrormotiven stellt die Nutzung von Elementen des „Slow-Burn-Kinos“ innerhalb der Geschichte dar. Die langsame Erzählweise trägt dazu bei, Spannung und Angst aufzubauen, umgeht aber gleichzeitig die üblichen Feinheiten und psychologischen Details. Die Handlung liefert dabei nur die wichtigsten Informationen und bleibt absichtlich sehr bruchstückhaft und unklar bezüglich der Hintergrundgeschichte des Killers Johnny, was diesen umso faszinierender macht. Auch seine Opfer erhalten keine charakterfokussierten Expositionen, sondern gerade genug Dialoge, sodass einfache Charaktereigenschaften und Archetypen erkennbar sind. So haben die Teenager kaum Namen geschweige denn Persönlichkeit, wodurch eine menschliche Präsenz innerhalb der Handlung nebensächlich wird. Durch diesen Verzicht kann sich Regisseur Chris Nash insbesondere auf die technischen Aspekte des Films konzentrieren, während der Zuschauer zu einer anderen Art der Auseinandersetzung mit der vertrauten Geschichte bewegt werden soll.

Audiovisueller Stil und Atmosphäre