mini|hochkant|Stubenberg-Wappen aus dem Scheiblerschen Wappenbuch
Die Herren und Grafen von Stubenberg sind ein bedeutendes Adelsgeschlecht in der Steiermark. Sie verfügten über großen Grundbesitz und bekleideten hohe Ämter u. a. als Landeshauptmänner, Bischöfe, Erbmundschenk und Kämmerer. Die Familie Stubenberg zählt außerdem zu den Apostelgeschlechtern von Österreich ob und unter der Enns.
Ausbreitung in der Steiermark Die Familie stammt ursprünglich aus der damals noch steirischen Grafschaft Pitten. Namensgeber der Familie war Otto von Stubenberg, der um 1160 die Burg Stubenberg auf dem Kögerl über Stubenberg (Steiermark) errichtete. Ottos Vater war Wulfing von Prosset (auch Wuluinch de Brozzeth) aus der Gegend der Prosset-Schlucht bzw. der Neuen Welt westlich von Wiener Neustadt. Er war wie alle Stubenberger Gefolgsmann (Ministeriale) der Otakare aus dem Traungau. Das „Castrum Prozath“ wird in der aktuellen Forschung auf dem Gebiet der heutigen Schafflersiedlung in Winzendorf am Rande des Steinfelds lokalisiert.Ronald Woldron: Prosset. In: Wehrbauten und Adelssitze in Niederösterreich. Das Viertel unter dem Wienerwald. Band 4. Hrsg.: Institut für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten (in Vorbereitung). Von hier aus besiedelten und erwarben Mitglieder der Familie weite Landstriche in der Steiermark, woraus 4 Zweige der Familie entstanden: Stubenberg, Neidberg, Landesere und Stadeck. Alle Zweige nannten sich wechselnd nach ihrem Sitz oder den Familienbezeichnungen Stubenberg und Kapfenberg, wodurch mit dem sehr häufigen Leitnamen Wulfing die genealogischen Angaben oft unsicher sind. Ottos zweiter Sohn Ulrich nahm am Kreuzzug von Damiette teil und fiel 1218 bei Damiette. Sein Sohn Wulfing war mit ihm 1218 und 1228 auf Kreuzzug. Laut Loosert hatte Ottos Großvater bereits am Ersten Kreuzzug teilgenommen und die Schwester eines Habsburger Kampfgefährten geheiratet.
Burg Stubenberg Die Burg Stubenberg wurde 1269 im steirischen Adelsaufstand zerstört, da Wulfing von Stubenberg sich an dieser Revolte gegen Přemysl Ottokar II., der das Land besetzt hielt, beteiligt hatte. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, Wulfing von Stubenberg wurde für 26 Wochen arretiert und die Burg Stubenberg von den Truppen Ottokars so stark devastiert, dass sie nicht wieder aufgebaut wurde.
Als Ersatz erbauten die Stubenberger um 1350 in der Nähe die Burg Neuhaus (siehe unten). Außerdem wurde ein alter Meierhof am Ostrand von Stubenberg zum Verwaltungssitz für die umliegenden Besitzungen umgestaltet und es entstand das sogenannte Schloss Stubenberg.
Zweihundert Jahre später beteiligten sich die Stubenberger erneut an einem Aufstand gegen den Landesherrn, diesmal an der Seite des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Die Folgen war ähnlich wie zuvor, jedoch zog der siegreiche Kaiser Friedrich III. diesmal die Lehen des Stammsitzes endgültig ein und übergab sie der bisherigen Verwalterfamilie Drachsler.
Burg Oberkapfenberg mini|Burg Oberkapfenberg
Im 13. Jahrhundert hatten die Stubenberger sich die Burg Oberkapfenberg errichtet, welche dann über vier Jahrhunderte lang zum Wohnsitz und Verwaltungszentrum ihrer Herrschaft wurde. Die Familie spielte bei der Übernahme der Regierung durch Rudolf von Habsburg eine bedeutende Rolle, beteiligte sich aber auch 1292 am Aufstand des Landsberger Bundes gegen den Nachfolger Rudolfs, Herzog Albrecht I.
Die Burg Oberkapfenberg wurde um 1550 zur Renaissance-Festung ausgebaut. Nachdem die Grafen von Stubenberg im Jahr 1739 ihren Wohnsitz ins Schloss Wieden an der Mürz verlegt hatten, stand die Burg leer und verfiel zur Ruine. Letzte Vertreterin dieser Familienlinie war Johanna Gräfin von Stubenberg (* 1819), Tochter des Pius Herrn und Grafen von Stubenberg (1783–1824) und der Barbara von Kerekes; Johanna wurde 1844 vermählt mit Graf Julius von Hoditz und Wolframitz.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1894, 67. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1893, S. 1057.
Erst 1953 begann die Familie mit dem Wiederaufbau zu einem Burghotel unter Einbeziehung der Ruinen der alten Burg. Aber im Jahr 1985 ging der Pächter in Konkurs, und die Burg stand erneut leer und begann zu verfallen, weshalb sie 1992 – nach über 700 Jahren – an die Stadtgemeinde Kapfenberg verkauft wurde.
Schloss Gutenberg mini|Schloss Gutenberg
Auch Schloss Gutenberg, das auf einem vorspringenden Felsen an der Raabklamm in Gutenberg-Stenzengreith steht, kam 1286 oder 1288 in den Besitz der Stubenberg. Dem ältesten Bauteil aus dem 12. Jahrhundert wurde im Jahre 1490 eine zweigeschoßige Vorburg beigestellt, welche von zwei Halsgräben gesichert war; der äußere Graben ist heute überbrückt, der innere Graben wurde zugeschüttet. Die Kapelle wurde im Jahre 1365 dem hl. Pankraz geweiht. Ab 1567 wurde das Schloss umgebaut und erweitert. Es entstand ein unregelmäßiger viergeschossiger Gebäudekomplex mit beinahe fünfeckigem Grundriss und gleichfalls fünfeckigem Hof. Schloss Gutenberg wird bis heute von der Familie Stubenberg bewohnt und gilt seit dem Verlust der Burg Stubenberg als Stammsitz der Familie.
Burg Neuhaus mini|Burg Neuhaus in Stubenberg am See
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts errichteten die Herren von Stubenberg unweit ihres Stammsitzes bei Stubenberg die Burg Neuhaus. 1375 wird das „Neue Haus“ mit Hans von Neuhaus erstmals als Adelssitz urkundlich erwähnt. Die Burg Neuhaus wurde zumeist von Dienstleuten der Stubenberger verwaltet, 1455 wird Hans Drachsler, zuvor stubenbergischer Verwalter auf Kapfenberg, als neuer Besitzer erwähnt. Auch diese Burg verfiel später zur Ruine und wurde, wie Oberkapfenberg, erst in jüngster Zeit wieder rekonstruiert.
Schloss Wieden mini|Schloss Wieden in Kapfenberg
Nach Verlassen der Burg Oberkapfenberg zog der dort ansässige Zweig 1739 in das Schloss Wieden in Kapfenberg. Bereits 1431 befand sich hier ein herrschaftlicher Hof, der als Sammelstelle für die Getreidezehente und sonstigen Abgaben der bäuerlichen Untertanen diente. Der 1668 verstorbene Wolf von Stubenberg gilt als Bauherr des ersten schlossähnlichen Gebäudes. Georg Graf Stubenberg ließ nach 1739 Schloss Wieden in seiner heutigen Form als zweigeschoßigen Vierflügelbau mit Hofarkaden und Sgraffito-Dekorationen erbauen. Die Errichtung erfolgte zur Zeit, als die Burg Oberkapfenberg baufällig geworden war und die Verwaltung ins Tal verlegt wurde. Auch das Landgericht übersiedelte von der Burg hierher. Zur Herrschaft Wieden-Oberkapfenberg gehörten Untertanen in 66 Ortschaften der oberen Steiermark. 1750 nahm Kaiserin Maria Theresia im Schloss die Huldigung des steirischen Adels entgegen. 1782 übernachtete Papst Pius VI. auf seiner Reise nach Wien hier. 1952 verkaufte Graf Josef von Stubenberg das bereits verwahrloste Schloss.
Stubegg und Passail Die Burg Stubegg in Arzberg wurde im 14. Jahrhundert von den Herren von Stubenberg erbaut. Sie bildete lange den Mittelpunkt einer Grundherrschaft. Im 18. Jahrhundert wurde die Herrschaft nach Gutenberg verlegt und die Burg Stubegg dem Verfall preisgegeben. Im benachbarten Passail befand sich ebenfalls eine heute abgegangene Burg, die im Erbgang an die Stubenberger kam. Unter der Kanzel der Pfarrkirche hl. Veit in Passail befindet sich eine Gruft der Familie. Es gibt einen Grabstein von Hans von Stubenberg aus dem Jahre 1400.
Wurmberg mini|Schloss Wurmberg (Anfang des 20. Jhdts.)
Schloss Wurmberg (heute Vurberk) in der Untersteiermark (im heutigen Slowenien), das sich an der Straße von Pettau (Ptuj) nach Marburg (Maribor) befindet, kam durch Agnes von Pettau an ihren Gemahl Leutold von Stubenberg, nachdem ihr Bruder, der Letzte seines Geschlechts, 1438 verstorben war. Die Nachkommen blieben bis 1616 im Besitz von Wurmberg. Das Schoss wurde 1945 ausgebombt und ist bis heute Ruine. Zum Besitz gehörte auch Ebensfeld (heute Groblje bei Domžale).
Die Familie im 16. bis 18. Jahrhundert Im 16. Jahrhundert nahmen Mitglieder der Familie, die sich in die Kapfenberger und die Wurmberger Linie teilte, das protestantische Bekenntnis an. Wolfgang von Stubenberg († 1597) und dessen einziger, ihn überlebender Sohn Georg von Stubenberg (* 1560 † 1630) hatten trotzdem enge Kontakte zum Hof des katholischen Erzherzogs Karl II. († 1590), zu dessen Sohn Ferdinand sowie zu den Kaisern Rudolf II. und Matthias, denen sie viel Geld liehen.
1614 übernahm Georg von Stubenberg, dessen Tochter Anne (* 1594, † 1624) verheiratet war mit Georg Christoph von Losenstein, von seinem hoch verschuldeten Schwiegersohn die Schallaburg in Niederösterreich, die von 1641 in den Besitz des Johann Wilhelm von Stubenberg kam und 1660 von diesem verkauft wurde.
Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Ferdinand II. im Jahre 1619 verschärfte sich die Verfolgung der Protestanten in Innerösterreich und in der Steiermark. 1628 wurde allen protestantischen Adeligen in der Steiermark der Besitz von Gütern verboten, sofern sie sich weigerten, zum Katholizismus zu konvertieren. Einige Mitglieder der Familie Stubenberg wurden daraufhin katholisch und übernahmen die steirischen Güter von denen, die als Protestanten emigrieren mussten. Mit der Übernahme verpflichteten sie sich vertraglich, die Emigranten, deren Nachkommen oder hinterbliebene Ehefrauen in der Emigration finanziell abzusichern. Diese Situation führte über Jahre hinaus zu einer Vielzahl von Gerichtsprozessen in den österreichischen Erblanden.
mini|100px|Palais Stubenberg Graz. Linker Atlant 1691 erbaute Georg von Stubenberg in der Grazer Hans-Sachs-Gasse das Palais Stubenberg, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde.
1742 wurde durch Kaiser Karl VII. der Staatsminister Wilhelm August von Stubenberg und Kapfenberg, evangelisch und aus der Österreichischen Linie stammend, in den Reichsgrafenstand nobilitiert. Er war auch Herr auf Neundorf bei Plauen im Vogtland und blieb ohne Nachfahren.
Die Familie im 19. und 20. Jahrhundert In der Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte Anna von Stubenberg (1821–1912) als Komponistin, Mäzenin und Wohltäterin Bedeutung. Nachdem es mit Josef Felix Adolf Graf von Stubenberg (1824–1896) nur mehr einen einzigen männlichen Stammhalter gab, drohte das alte Geschlecht auszusterben. Dieser hatte neben der Tochter Theresia, vermählte Freifrau Wrażda von Kunwald, jedoch noch vier männliche Nachkommen,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil A (Uradel) 1938. 111. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1937, S. 562 f. aus denen sich die drei heute noch bestehenden Linien der Familie verzweigten: Die Gutenberger Linie, die Gleichenberger Linie und die Niederösterreichische Linie.
Die heutige Familie sind u. a. die Nachfahren des Wolfgang von Stubenberg-Gutenberg (* 1857; † 1896) und seiner ersten Ehefrau Adelheid Gräfin Oppersdorf († 1893), und die seines mittleren Bruders Camillo Graf von Stubenberg a.d.H. Gutenberg (* 1861; † 1950).Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen Thiedicke von Flotow: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel) 1955. Band II, Band 10 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1955, S. 440 f. Aus Wolfgangs zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Mathilde Berger-Stubenberg, geborene Freiin von Tinti, gingen keine Kinder hervor. Camillo von Stubenberg heiratete 1901 in Wien Gabriele Gräfin Breuner, die als Mitgift das Weingut Schloss Walkersdorf in Grafenegg bei Krems erhielt, welches von diesem Zweig vom Sohn Wolfgang von Stubenberg (* 1938) und dessen Erben Carl-Wolfgang von Stubenberg (* 1972), noch bewirtschaftet wird. Der zweitälteste Bruder Karl Herr und Graf zu Stubenberg-Nimptsch (* 1860; † 1928, siehe Geiersberg) hatte keine Kinder. Alle drei zuerst genannten Brüder trugen aber den Titel Oberst-Erblandmundschenk. Der jüngste der vier Brüder war Joseph Philipp von Stubenberg (* 1865; † 1932), er wurde dagegen erbliches Mitglied des ungarischen Magnatenhauses und hatte mit seiner Frau Paula von Gudenus sechs Kinder.