Gerd Hergen Lübben (* 31. Mai 1937 in Sillenstede, Landkreis Friesland) ist ein deutscher Autor sowie Kultur- und Bildungsarbeiter.
Leben Gerd Hergen Lübben wurde 1937 in Sillenstede, Landkreis Friesland, geboren. Er ging in Jever und Oldenburg zur Schule. Danach absolvierte er an der Georg-August-Universität Göttingen und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ein Magisterstudium mit den Fächern Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft, Dramaturgie, Vergleichende Religionswissenschaft und Völkerkunde, das er mit dem Grad Magister Artium (M.A.)Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2004/2005. Band I: A – O. K. G. Saur, München 2005, S. 720 abschloss.
Beschäftigung fand er unter anderem als Bauarbeiter, Regisseur, Journalist, Volkshochschul-Dozent in Wuppertal (1970–1972) Kulturamtsleiter in Unna (1972–1974), Volkshochschuldirektor in Unna (1974–1978) und Essen (1978–1995) und als Lehrbeauftragter an den Gesamthochschulen Wuppertal (Literatur) und Essen (Weiterbildung).
Lübben gründete die „Bühne für sinnliche Wahrnehmung – KONZIL“ (Bonn, 1961–1963).Georg Müller, Lübben und Konzil – Konzil und Lübben. In: „Das Sägeblatt 13“ (S. 16 f; München, 1963).Gerd Hergen Lübben, Bühne für sinnliche Wahrnehmung – KONZIL (Bonn, 1961–1963) / INFORMATIONEN · MATERIALIEN: Programme · Plakate · Register; Bonn 1961/2012. (Aufgerufen am 9. Januar 2016.) Er nahm teil am „Frankfurter Forum für Literatur“ (1966Vgl. Karl Heinz Bohrer, „Ein Forum für Literatur. Rückblick auf einen Versuch, junge Schriftsteller zu sammeln“; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. November 1966; hierin wird dem parabolischen Stück „Kakerlak“ (= „oder: Der Eingriff“) des Autors Lübben szenarische Pracht, allegorischer Erfindungsreichtum zugeschrieben. und 1967Vgl. Karl Heinz Bohrer, „Die Engagierten und die Dandys. Literatur und Kritik auf dem zweiten Frankfurter Forum“; in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. November 1967), an der Frankfurter „Literarischen Messe“ (1968) und am „Ersten Kongress der Theaterautoren“ (Essen; 1993Vgl. Erster Kongress der Theaterautoren; hrsg. von „Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen“; Berlin 1993), wirkte mit beim Zusammenschluss bundesdeutscher Literatur-Werkstätten zum „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“ (Köln 1970) und bei der Gründung der „Kulturpolitischen Gesellschaft“ (Dortmund 1975), und er half mit bei der Organisation interkommunaler Kulturfestivals („URBS '71“ in Wuppertal, „KULTUR '90“ in Essen).
mini|Gerd Hergen Lübben: Kultur ist-Transparent — „aus dem Fenster gehängt“.Vgl. Gerd Hergen Lübben; Essen/Ruhr 1988: „Kultur '90“. (Aufgerufen am 18. September 2014.)
Lübben hat Mitte der 70er Jahre das kulturelle Leben in der Stadt Unna geprägt,Vgl. Wolfgang Althaus, Das kulturelle Leben in Unna maßgeblich geprägt / szene-Nr. 189; in: Hellweger Anzeiger / Kultur-Magazin, 24. Dezember 1977. in deren Dienst er von 1972 bis 1978, nach umfassender Bestandsaufnahme,Vgl. Neuer Kulturamtschef arbeitet an langfristigem Fahrplan! Umfassende Bestandsaufnahme als Basis für Mobilisierung; in: Westfälische Rundschau, 5. Mai 1972 ein Gesamtkonzept für Bildung, Kultur und Freizeit mitentwickelte und vorantrieb. Im Februar 1974 verabschiedete der Kulturausschuss des Rates der Stadt Unna seine ersten, von Lübben vorgelegten „Kulturpolitischen Grundsätze“ und das Konzept für einen kommunalen „Kulturentwicklungsplan“. Unter Lübben’s Leitung wurde für die Volkshochschule als kommunaler Weiterbildungseinrichtung mit den Nachbargemeinden Fröndenberg und Holzwickede eine Vereinbarung erarbeitet und in den Ratsversammlungen verabschiedet. – Ab 1978 war Lübben Direktor der Volkshochschule der Stadt Essen„Kulturelles Angebot solider Rahmen und Test auf Publikumsgewohnheiten“. Lübben: „Erwachsenenbildung eng mit kultureller Arbeit verbunden“; in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 14. September 1973 erarbeitete eine Kooperation mit den TheaternVgl. Zwei Medien, die sich ergänzen. VHS und Theater arbeiten zusammen; in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 27. September 1986 und den Museen.Vgl. hierzu Die Aufgaben der kommunalen Kulturarbeit müssen neu bestimmt werden, Gespräch zum Projekt „Kultur 90“ u. a. mit Gerd Hergen Lübben, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Sonderseite „Das Thema“), Juni 1987
Im Zuge der kulturpolitischen Aufbruchstimmung in UnnaVgl. beispielsweise Notenschränke der Chöre von alten Beständen geräumt; in: Hellweger Anzeiger, 13. November 1972; darin: Lübben, dessen überall spürbarer Versuch, das Kulturleben der Stadt mit neuen Impulsen zu versehen, auch vom Sängerkreis mit Freude vermerkt wird. konnte das städtische Kulturressort professionell ausgestattet und gemäß Lübbens Motto „Weniger ‚Veranstalteritis│Kultur für Räume‘, mehr ‚Offenheit│Raum für Kultur‘!“ mit KindermalfestenMalfest soll Bedürfnisse der Kleinen verdeutlichen. Bürgerschaft von morgen braucht heute Spielplätze; in: Hellweger Anzeiger, 18. August 1972Rainer Zunder, Toller Erfolg beim Kindermalfest auf Unnas buntbekleckstem Markt. Dem Tatendrang der Kleinen konnten auch Reporter nicht entfliehen. Aber: Vielfach Unverständnis seitens der Erwachsenen und Lehrer; in: Westfälische Rundschau, 21. August 1972 ausgestaltet werden, sowie Ausstellungs-, Film-, Theater- und Konzertreihen fördern, darunter die legendär gewordene Reihe JAZZ AKTUELL.Vgl. Jazz soll kulturelles Angebor bereichern, in: Hellweger Anzeiger, 24. Mai 1972; weiter heißt es: Der Kulturausschuß konnte sich der Güte dieses Angebots nich verschließen und gab Lübben nach intensiver und den Experten beeindruckender Diskussion das Startzeichen.Vgl. Jazzmusiker Gunter Hampel denkt an Kinder-Musikfest als Pendant zum Kinder-Malfest auf dem alten Markt, in: Hellweger Anzeiger, 13. Dezember 1972; weiter heißt es: Die Idee wurde nachts auf dem Unnaer Markt geboren: Gunter Hampel und die übrigen Mitglieder seiner „Galaxie Dream Band“ streiften nach ihrem Konzert (...) mit Kulturamtsleiter Gerd Hergen Lübben durch die Innenstadt... In der Reihe traten auf – teils solistisch, teils in jeweils aktueller Gruppierung –: Dollar Brand (= Abdullah Ibrahim), Peter Brötzmann, Han Bennink und Fred Van Hove, „Wolfgang Dauner etcetera“, Gunter Hampel und Jeanne Lee, Albert Mangelsdorff, Dave Pike, Alexander von Schlippenbach, Peter Kowald und Manfred Schoof, Tomasz Stańko, Ralph Towner und Detlef Schönenberg/Günter Christmann+Pina Bausch:Vgl. Programmblatt Jazz aktuell der Stadt Unna, 12. Juni 1974: Total Music + Free Dance; dazu das von Lübben initiierte und redigierte Programmblätter-Projekt der Stadt Unna InformationKulturUnna│iku : „AUF DER ANDEREN SEITE • Texte Grafik Konzepte Noten“ (20 Blätter, 1972–1974) mit Beiträgen u. a. von Wilhelm Buschulte, Franz Josef Degenhardt, Frank Göhre, Carl Heuer, Hans-Wolfgang Lingemann, Wilhelm Meinecke, Klaus Naumann, Fred Viebahn.
Lübben ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS); er war zeitweise Sprecher des VS-Bezirks Ruhr. Lübben hat u. a. wissenschaftliche und berufsfachliche Beiträge, Gedichte und Logorhythmen, FilmtexteVgl. Kurzfilme Flucht (1961) und Morgengrauen (1963) und Theaterstücke (Emphasen für Bühne) veröffentlicht.
Unter seinen literarischen Werken sind wiederholt publizierte und zitierte Gedichte wie die auf eine von Heinrich Heine im Romanfragment Rabbi von BacherachVgl. Text bei: , abgerufen am 3. September 2024. verwendete Ritualmordlegende sich beziehende Ballade Textfund zu Bacherach,Vgl. Gerd Hergen Lübben, Der Textfund zu Bacherach [Vorsatz / »vom Heiligen Werner und Pogrom in Bacherach am Rhein« / Nachklang] in: Die Brücke – Forum für antirassistische Politik und Kultur, Heft 140, 2/2006 (Saarbrücken), S. 126–128; zudem in Deutsche Balladen. Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen, 2012 (München) und in Versionen III │»Vom Essener Marcus«, »Fund zu Bacherach • Natürliche Grablegung«, »Ydby opak ahoi • Jahr um Jahr« und andere Texte, 2014 (E-Book). der auch als Kantate vertonte und aufgeführte Sonettenkranz Jahr um JahrHeinz Ufer, Jahr um Jahr: I. Auf's Neue; II. Lullaby-Elegien; III: Unbeschwert; IV. In unserer Mitte. / Kantate nach Texten von Gerd Hergen Lübben; auf CD „Jahresverläufe“ (LC 02570 / CM 6.40008; Horse records 2002). auf das Basis-Sonett krokus im märzU.a. in: Jahr um Jahr│logorhythmen · verlies. Gedichte, 1998 (Essen); Jahr um Jahr, Kantate-Text, 2002 (CD); Das deutsche Gedicht - Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2005 (Frankfurt/Main); Versionen III │»Vom Essener Marcus«, »Fund zu Bacherach • Natürliche Grablegung«, »Ydby opak ahoi • Jahr um Jahr« und andere Texte, 2014 (E-Book). sowie die als LogorhythmenU.a. in: AusBruchVersuche, 1984 (Essen); „Die Brücke – Forum für antirassistische Politik und Kultur“, Heft 146, 4/2007 (Saarbrücken); Rhein! Zeitschrift für Worte, Bilder, Klang, Nr. S 2, 2013 (Köln); Versionen (ISBN 978-3-95577-773-9, ISBN 978-3-95577-800-2 und ISBN 978-3-95577-835-4). bezeichneten Texte Vom Rolandsystem und Vom Essener Marcus.
Seit 1999 lebt Gerd Hergen Lübben wieder in Bonn. Er ist mit der Schauspielerin und Marionettentheatergründerin Karin Lübben verheiratet; sie haben zwei gemeinsame Söhne; Jörn Felix Lübben (* 1966) ist Hochschullehrer und Tobias Lübben (* 1973) ist Journalist.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Einzelpublikationen Feuerfuß. Emphase für Bühne; 1960 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 15. Februar 1961) Memento. Emphase für Bühne; 1961 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 30. Juni 1961) Sieben verschriebene Lieder. Sangstück; 1961 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 8. Dezember 1961) Um nop. Emphase 3; 1962 (Bühnentext; Bonn, Erstaufführung: 2. Februar 1962) Tau. Emphasis 4; 1963 (Bühnentext; Erstaufführung: 8. Februar 1963) Sieben verschriebene Lieder und Texte. München 1966 Kakerlak oder Der Eingriff. Stück (Bühnentext); Stuttgart 1967 Religiosität im Marxismus? Beitrag zu einer religionswissenschaftlichen Erörterung; Sonderdruck (aus „Religion und Religionen“; Bonn 1967) Ernst Marcus. Ausgewählte Schriften, Band II. Nachwort; Sonderdruck; Bonn 1981 AusBruchVersuche. Logorhythmen und Versionen. Essen 1984. ISBN 3-922507-25-5. Grüße aus Lübben. Vergessen Herz · Vergossen Blut. Gedichte. Berlin (1991). ISBN 3-89009-197-0. YDBY│zeit nächte zu wachen. Gedichte. Essen 1993. ISBN 3-89206-510-1. Feuerfuß meinetwegen oder Die Zebattu-Pentade. Fünf Stücke – Emphasen für Bühne (Dodola; Memento oder Grüß Gott Zebattu; Julietta; Zebattu oder Der Eingriff; Trissire). Essen 1993. ISBN 3-89206-511-X. Jahr um Jahr│logorhythmen · verlies. Gedichte. Essen 1998. ISBN 3-89206-880-1. Versionen: I - »Aus dem Logbuch eines Seelenverkäufers«, »Thinka kann tanzen • Kleists Emphasen«, »Zueignungen • Daimonion« und andere Texte; E-Book 2014; ISBN 978-3-95577-773-9. II - »Lübbener Vortex • Wurten • Ins Freie«, »Etwas zu schreiben • Celan • Old Ez«, »RWE Olé • Delische Körper • Matwich« und andere Texte; E-Book 2014; ISBN 978-3-95577-800-2. III - »Vom Essener Marcus«, »Fund zu Bacherach • Natürliche Grablegung«, »Ydby opak ahoi • Jahr um Jahr« und andere Texte; E-Book 2014; ISBN 978-3-95577-835-4. im lidschlag die drosseln : gedichte. Bamberg 2015. ISBN 978-3-935167-11-6.
Herausgeberisches Ernst Marcus: Ausgewählte Schriften. 2 Bände (Mitherausgeber mit Gottfried Martin). Bd. I (Bonn 1969; ISBN 3-416-00642-9) u. Bd.II (Bonn 1981; ISBN 3-416-01385-9). Ihr aber tragt das Risiko. Reportagen aus der Arbeitswelt (Mitherausgeber mit Peter Fischer, Günter Hinz und Heinrich Pachl im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt). Reinbek 1971. ISBN 3-499-11447-X. Augustus Buchner: Deutsche Gedichte (Mitherausgeber mit Wulf Segebrecht). Bamberg 2020. ISBN 978-3-935167-12-3.
Texte in Sammelpublikationen Religiosität im Marxismus? Beitrag zu einer religionswissenschaftlichen Erörterung. In: „Religion und Religionen“; hrsg. von Rudolf Thomas. Bonn 1967 Neues Museum. Ein Konzept. Wuppertal 1970 (Mitverfasser)