Israels Bezirke Haifa und Nord; Israel physisch
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Die Metropolitankirche St. Georg (; ; ) in Akkon ist die Kirche des Metropoliten von Ptolemais in Phoenicia, d. h. Akkon. Dieser wiederum ist Suffragan des griechischen Patriarchen von Jerusalem.N.N., “Metropolis of Ptolemais”, auf: Orthodox World: World’s Largest Orthodox Christian Online Directory; abgerufen am 2. Oktober 2024. Die Kirche erstand im 16. Jahrhundert auf Resten einer byzantinischen KircheN.N., „St.-Georg-Kirche – Akkon“, auf: Genieße Israel; abgerufen am 2. Oktober 2024. im Zuge der einsetzenden Wiederbesiedlung der Altstadt Akkons, die in Gesamtheit seit 2001 UNESCO-Welterbe ist.
Lage Die Metropolitankirche St. Georg liegt inmitten von Akkons Altstadt,Jaʿel Fuhrmann[-Naʿaman, ] und Adi Kitov () im Auftr. der Abteilung Denkmalpflege der israelischen Altertümerbehörde (Hrsg.), Nomination of the Old City of Acre for the World Heritage List, (= WHC Nomination Documentation; Nr. 1042), Paris: UNESCO, 2001, No. 30 ‹Saint George’s Church› des Monument Appendix. etwas westlich von deren Mittelpunkt, im ehemaligen Genuesenviertel. Vor dem Südwesteck der Kirche weitet sich die westwärts führende Gasse auf etwa 60 Metern Länge zur Kikkar Genuʾa (). Bis zur Ecke mit dem Rechov haHagannah (), wo die Baháʼí-Pilgerstätte Haus Abbud steht, ist es dann gen Westen strebend noch mal soweit. Der Rechov haHagannah ist eine der wenigen für Autos freigegebenen Straßen der Altstadt, direkt parallel zur westlichen Stadtmauer. Die Stadtmauer ist das Werk des arabischen Regionalpotentaten Ẓāhir al-ʿUmar (1690–1775) und seines Nachfolgers, des osmanischen Statthalters Ahmad ‹al-Dschazzār› Pascha (1722–1804).Seʾev Goldmann, “The Hospice of the Knights of St. John in Akko”, in: Archeological Discoveries in the Holy Land, Archeological Institute of America (Kompil.), New York: Thomas Y. Crowell Co., 1967, S. 199–206, hier S. 200.
Die Gassen und Straßen um St. Georg liegen heute ein paar Meter über dem mittelalterlichen Straßenniveau, da man bei Wiedererschließung der Kreuzfahrerruinen im 18. Jahrhundert herabgestürzte Trümmer und Schutt der einst imposanten, 1291 zerstörten oberen Etagen in den Gassen beließ und sich damit begnügte, mit Sandaufschüttungen ein neues, höheres Straßenniveau zu ebnen.Jack Bocar, « La Commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », auf: L’Orient Latin: La Terre Sainte à l’époque Romane – L’Orient au Temps des Francs, abgerufen am 25. Februar 2019. Entsprechend nahm man nur auf dieser Höhe Baureste in Nutzung bzw. baute auf erhaltenen Untergeschossen, die auf dem höheren Niveau noch herausragten, neu.
Geschichte Christen bildeten in Ptolemais früh eine Gemeinde, der Paulus von Tarsus einen Besuch abstattete .Sophrone Pétridès, “Ptolemais” (Eintrag), in: Catholic Encyclopedia: 15 Bde., 1907–1914, hier Bd. 12 ‘Philip–Revalidation’ (1911), S. 553. Erste Episkopoi sind bekannt aus den Listen der Teilnehmer verschiedener Konzilien.190 n. Chr. war Episkopos Clarus auf einem Konzil über Einhaltung der Osterriten; Aeneas war 325 auf dem Ersten Konzil von Nicaea, der Synode von Antiochia (341) und 381 auf dem Ersten Konzil von Konstantinopel; Nectabus war 381 ebendort. Antiochus war bekannt als Freund und späterer Gegner von Johannes Chrysostomos sowie Autor einiger Schriften; Helladius war 431 beim Konzil von Ephesos; Paulus war 445 in Antiochia und auf dem Konzil von Chalcedon, 451; Johannes ist für 518 belegt; Georg war auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel (553). Vgl. Michel Le Quien, Oriens christianus in quatuor patriarchatus digestus, in quo exhibentur Ecclesiae patriarchae caeterique praesules totius Orientis: 3 Bde., Paris, 1740, hier Bd. II, S. 813, und Sophrone Pétridès, “Ptolemais” (Eintrag), in: Catholic Encyclopedia: 15 Bde., 1907–1914, hier Bd. 12 ‘Philip–Revalidation’ (1911), S. 553. Der Metropolit war ein Suffragan von Tyrus, das wiederum dem Patriarchat von Antiochien unterstand.
Die kirchlichen Granden, die sich 451 n. Chr. auf dem Konzil von Chalcedon besprachen, beschlossen ebenfalls und erstmals ein Patriarchat in Jerusalem zu gründen, das ortsgemäß in griechisch-byzantinischer Staatstradition, nicht in römischer, stand. Doch Akko blieb im Einzugsgebiet Antiochias. Die Hochzeiten des Christentums endeten im 7. Jahrhundert, als erst Persern und dann muslimischen Arabern die Eroberung der byzantinischen Levante gelang. Mit der Eroberung durch die Kreuzfahrer 1104 kamen Akko und das Hinterland ans Königreich Jerusalem und die dort lebenden orthodoxen Melkiten kirchlich unter die Jurisdiktion des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem.
Mit der mamelukischen Einnahme und Zerstörung Akkos 1291 ging auch der lateinische Metropolitensitz unter. Akko blieb weithin unbewohntes Ruinenfeld, der sichere natürliche Hafen ließ wenige See- und Kaufleute dort anlanden, es ließen einige sich nieder, als Handelspunkt und Schiffsversorger entstand eine kleine Ansiedlung in Teilen der Ruinen. St. Georg gilt als die erste christliche Gebetsstätte, die nach Beginn der osmanischen Herrschaft in der Levante 1516 in der Stadt gebaut wurde. Die Kirche wurde 1545 fertiggestellt. Der Franziskanerfrater Eugène Roger, Leibarzt des Drusenemirs Fachr ad-Dīn II., besuchte Akko 1631 und berichtete daraufhin von der griechisch-orthodoxen Kirche,Eugène Roger, La Terre Sainte, Ou Description Topographique très-particulière des saints Lieux, & de la Terre de Promission, Paris: A. Bertier, 1664, S. 52seqq. Hier nach Bernhard Dichter mit Salman Baumwoll (Bearb.), Alex Carmel (Bearb.) und Ejal Jakob Eisler (Bearb.), עַכּוֹ - אֲתָרִים מִיָּמֵי הַתּוּרְכִּים / (Zusatztitel: Akko, Bauten aus der türkischen Zeit / Akko, sites from the Turkish period), Universität Haifa / (Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Hrsg.), Haifa: , 2000, S. 52 und 54, Fußnote 1. wobei er die Ansicht vertrat, dass sie eine der ältesten Kirchen in der Stadt sei, heute die älteste erhaltene am Ort.
mini|Haupteingang an der Südseite St. Georgs, 2024 Der Arzt Gabriel Brémond aus Marseille besuchte St. Georg 1666 und urteilte, es sei die schönste Kirche in der Levante, seit Fachr ad-Dīn II. sie hatte renovieren lassen.N.N., „Kirchen des alten Akkos: Sankt-Georgs-Kirche“, auf: Old Akko: One of a Kind Experience; abgerufen am 2. Oktober 2024. Fachr ad-Dīn II. hatte auch 1620 den Franziskanern erlaubt, sich wieder in Akko niederzulassen. Brémond behauptete, das Patrozinium sei einst Nikolaos von Myra gewesen. Jaʿel Fuhrmann-Naʿaman und Adi Kitov bemerken, dass St. Georg auf den Resten der Kirche St. Laurentius des Genuesenviertels der Kreuzfahrerzeit stehe. Gemäß anderen Quellen ruhe St. Georg auf Resten einer byzantinischen Kirche.
Vor 1672 richtete der griechische Patriarch wieder eine Metropolie mit Sitz in Akko ein, als er Joasaph auf einem Konzil in Jerusalem zum Metropoliten erhob. Seither ist St. Georg die Kathedrale der Heiligen Metropolie Ptolemais in Phoenicia (,Patriarchat Jerusalem, “”, auf: Πατριαρχεῖον Ἱεροσολύμων; abgerufen am 2. Oktober 2024. auch , umgangssprachlich auch ). Ẓāhir al-ʿUmar, dessen nach Galiläa eingewanderte beduinische Familie sich als Kaufleute und Steuerpächter etabliert hatte, übernahm nach dem Tod seines Vaters die Aufgabe des Multasims (Steuerpächters), wobei er kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge setzte, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (= History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie hinter der Fußnotenzahl angegeben, ISBN 0-231-12327-2.
Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die sich die Einwohner verlassen konnten. Ẓāhir al-ʿUmar erhob sich zum autonomistischen Regionalpotentaten, geflissentlich dem osmanischen Fiskus die geforderten Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, sondern deren Anerkennung suchend.
mini|Tafel von 1846 mit Wappen des Patriarchen zum Andenken der Reparatur der 1840 beschädigten Kirche, 2011 Ẓāhir al-ʿUmar erkannte Akkos Potential und begann ab den 1740er Jahren den Ausbau der Ruinen Akkos zu seiner befestigten Residenz und Verwaltungszentrale.Eliʿezer Stern, « La commanderie de l’Ordre des Hospitaliers à Acre », in: Bulletin Monumental, Bd. 164 (Nr. 1, 2006 mit dem Titel ‹L’architecture en Terre Sainte au temps de Saint Louis›), S. 53–60, hier S. 53Israel, Theodor Friedrich Meysels (1899–1963) et al. (= Nagels Enzyklopädie-Reiseführer. Deutsche Reihe), verb. Ausg., überarb. von S.F.G. Nathan, Genf: Nagel, 21967, S. 219. Bis Ende 1750 ließ er Akkos schadhafte Mauern reparieren und ausbauen, um einen sicheren Platz zur Abwehr von Beduinenbanden, maltesischen Korsaren oder anderen Invasoren aus dem näheren Umfeld zu haben, die seine Errungenschaften und aus eigener Kraft erreichte Position an sich reißen wollten. Danach nahm Akko für etwa 80 Jahre einen beeindruckenden Aufschwung, neue Kirchen entstanden, doch keine war im 18. Jahrhundert größer als St. Georg.
Die Kirche nahm 1831 Schaden im Ersten Ägyptisch-Osmanischen Krieg (1831–1833), als Ibrahim Pascha im Zuge seiner Eroberung von Heiligem Land und Syrien Akko beschießen ließ, bevor sie nach dem Krieg repariert wurde. Im Zweiten Ägyptisch-Osmanischen Krieg (1839–1841) eroberte das Osmanische Reich die ägyptisch besetzten Gebiete zurück und 1840 trafen wieder Geschosse die Kirche, von deren Reparatur ein Gedenkstein mit patriarchalem Doppelkopfadler von 1846 zeugt. Um 1910 zählte die Metropolie Ptolemais in Phoenicia 36 Priester, 30 Kirchen oder Kapellen, 17 Schulen, drei Waisenheime und ein Kloster mit 23 Mönchen. Die Mönche stammen oft aus Griechenland und beten in der Regel auf Griechisch, während einheimische Laien meist Arabisch, aber in Akko und an der Nikolauskirche in Migdal haʿEmeq oft auch Russisch als Hauptsprache nutzen.
mini|Das Obergaden der Kirche sticht als Lateinisches Kreuz im Dach hervor, 2022
Kirche und Dayr alAntasch Neben dem eingangs wiedergegebenen offiziellen Namen kursieren in der Umgangssprache auch andere Bezeichnungen, wie , wobei Ǧirǧis sich zu verhält wie sonst Georg zu Georgios. Auch die gängige hebräische Bezeichnung schert sich nicht um den kirchlichen Namen, sondern leitet sich mit Knessijjat Sent Dschordsch / vom englischen Begriff her.Genauso wird der kirchliche Begriff für Metropolie oft ersetzt durch , mit für Metropolit.
Im Inneren wirkt der Raum nach Art eines Lateinischen Kreuzes gegliedert. Langhaus und Querhäuser, die sich in der Vierung schneiden, überragen die Seitenschiffe, was sich im Dach deutlich abzeichnet. Ein großes steinernes Kreuz auf dem Dach markiert den Schnittpunkt der Vierung. Das Dach über Querhäuser und Langhaus besteht aus einem flachen Tonne, die Seitenschiffe sind flachgedeckt. Obwohl also Platz dazu wäre, ist das Obergaden dennoch an den Längsseiten fensterlos.
mini|links|Blick von der Kanzel ostwärts durchs gewölbte Innere zur Ikonostasis, 2024 mini|Blick vom Südwesteck der Kirche übers Dach mit Kreuz auf der Vierung vor Glockenturm und Obergeschoss des Dayr alAntasch, 2020 mini|links|Ikonostasis mit Kathedra (angeschnitten rechts), 2022