Der Panzerzug 1 (kurz: Eisb. Pz. Zug Nr. 1 oder PZ 1) war ein deutscher Panzerzug aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde ab September 1939 von der Wehrmacht eingesetzt.

Geschichte 1937 hatte das Oberkommando des Heeres entschieden, keine neuen Panzerzüge zu bauen. Man empfand diese Art der Waffe als veraltet und zu teuer. Aus diesem Grund griff man mit einer Verfügung vom 23. Juli 1938 auf ältere Bahnschutzzüge der Reichsbahn zurück. Somit wurde der Bahnschutzzug Frankfurt/Oder der Reichsbahndirektion Osten zum neuen Panzerzug 1. Zu dieser Zeit waren die Panzerzüge nur infanteristisch ausgerüstet und verfügten neben zwei Abstoßwagen über sechs gepanzerte, ehemalige gedeckte Güterwagen.

Technische Daten Lokomotive mini|Ungepanzerte Preußische T 14 Die erste Dampflokomotive des Panzerzuges, damals noch Bahnschutzzug, war eine Preußische T 14. Diese wurde 1917 bei der Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern mit der Werksnummer 3786 hergestellt. Von 1917 bis 1925 lief sie bei der Reichsbahn mit der Bezeichnung Erfurt 8543. Mit der Einführung eines neuen Baureihenschemas erhielt die Dampflokomotive nun die Nummer 93 285. Sie wurde komplett mit Stahlplatten gepanzert. Ab Ende 1937 wurde sie durch eine andere Dampflokomotive ausgetauscht.

mini|Die entgleiste Panzerzuglokomotive G 10 Die neue Dampflokomotive des Panzerzuges, der nun Panzerzug 1 hieß, war eine Preußische G 10. 1919 wurde diese Dampflokomotive bei Hanomag mit der Werksnummer 9112 hergestellt. Bei der Reichsbahn erhielt sie bis 1925 die Bezeichnung Hannover 5433, und mit der Einführung des Baureihenschemas erhielt sie die Nummer 57 2043. Bis zum 10. Mai 1940 wurde diese ebenfalls komplett gepanzerte Dampflokomotive eingesetzt. An diesem Tag kam es zu einer Entgleisung des Panzerzuges, und die Lokomotive wurde so schwer beschädigt, dass sie aufwendig repariert werden musste. Ende 1941 kam sie erneut zum Einsatz, diesmal beim Panzerzug 24.

Die neu eingesetzte Dampflokomotive kam vom bereits aufgelösten Panzerzug 5 und war ebenfalls eine komplett mit Stahl und Panzerplatten gepanzerte preußische G 10. Diese war 1923 bei Orenstein & Koppel mit der Werksnummer 10025 hergestellt worden. Ab 1925 erhielt sie die Baureihennummer 57 3301 und wurde bis zum Ende der Dienstzeit des Panzerzuges eingesetzt.

Artilleriewagen Um den Panzerzug 1 aufzuwerten, wollte man diesen mit einer artilleristischen Komponente erweitern. Man entschied sich jedoch nur kurze Zeit später dagegen und beließ den Panzerzug vorerst in seinem ursprünglichen Zustand. Die ersten zwei Artilleriewagen erhielt der Panzerzug im Winter 1940/41. Dies waren zwei zweiachsige Flachwagen vom Typ Augsburg, welche rundum mit einer niederbordigen Panzerung versehen waren. In jedem Wagen befanden sich vorn eine 2-cm-Flak 38 und hinten eine 4,7-cm-PaK Böhler. Beide Waffen wurden auf Drehlafetten montiert, welche nach vorne nur durch die Schilde der Waffen selbst geschützt waren. An den Seiten und hinten wurden schulterhohe Panzerzungen angebracht, um den Schutz der Besatzung zu verbessern. Nach oben hin waren die Geschütze offen.

Später wurde auf einem vierachsigen, russischen Fahrgestell eines Flachwagens ein komplett neuer Aufbau für einen Artilleriewagen entworfen. Beim Panzerzug 1 besaß dieser einen geschlossenen Panzerkasten mit höhenversetzten Geschütztürmen deutscher Bauart an den Stirnseiten. Der vordere Geschützturm war etwas niedriger und mit einer 7,62-cm-Feldkanone 295/1 (r) ausgestattet. Der hintere war etwas höher gelegen und mit einer 10-cm-Feldhaubitze 14/19 (p) ausgestattet. Zwischen den beiden Geschütztürmen, nahe am niedrigeren, befand sich ein erhöhter Kommandostand für den Artillerieführer des Wagens.

Sturmwagen mini|Ungepanzerter Einheits-Durchgangswagen der 3. Klasse Der alte Bahnschutzzug verfügte über sechs gepanzerte Wagen. Drei davon waren ehemalige zweiachsige Einheits-Durchgangswagen der 3./4. Klasse der Bauart 1928. Zwei weitere Wagen waren dreiachsige Länderbahn-Durchgangswagen der 4. Klasse mit Endbühnen und Oberlichtern. Die Wagen wurden außen mit Stahlplatten gepanzert, und fast alle Fenster wurden zugeschweißt. Die noch verfügbaren Fenster wurden mit gepanzerten und verschließbaren Stahlplatten versehen. Bei den drei Einheitswagen wurden die verbliebenen Fenster verkleinert und zu Schießscharten oder Beobachtungsluken umgebaut. Sie verfügten über sechs Maschinengewehre 08, welche erst im Jahr 1940 durch Maschinengewehre 34 ausgetauscht wurden. Der Infanteriesturmzug selber verfügte über Gewehre, Pistolen, leichte und schwere Maschinengewehre und einige wenige Maschinenpistolen.

Kommandowagen Der sechste Wagen des alten Bahnschutzzuges war ein zweiachsiger Güterwagen, welcher zum Kommandowagen mit Rahmenantenne umgebaut wurde. Im späteren Verlauf wurde einer der Einheits-Durchgangswagen der Bauart 1928 in gleicher Weise umgebaut.

Flakwagen Schon bei der Aufstellung des Panzerzug 1 sollten 2-cm-Flak 38 zur Sicherung gegen Flugzeuge verwendet werden. Die Ausstattung unterblieb jedoch vorläufig, und so erhielt der Panzerzug zwei Zwillingssockel Typ 36 mit je zwei Maschinengewehren 34. Sie wurden in die Dächer von zwei Sturmwagen eingebaut. Diese verblieben auch dann noch beim Panzerzug, als dieser im März 1941 mit zwei 2-cm-Flak 38 ausgerüstet wurde. Die Flak wurde dabei auf den Artilleriewagen montiert und erhielten eine leichte Panzerung an den Seiten und nach hinten. Ab Mai 1942 wurde die 2-cm-Flak 38 durch die 2-cm-Vierlingsflak 38 ausgetauscht.

Panzerjägerwagen Im Winter 1943/44 wurden beim Panzerzug 1 in Eigeninitiative Panzerjägerwagen gebaut. Während eines Aufenthaltes zur Wartung im Eisenbahnausbesserungswerk Dünaburg Ende 1943 wurde diese Idee durch die dortigen Techniker umgesetzt. Man setzte hierbei den Turm eines T-34-Panzers auf einen eigens dafür hergerichteten Flachwagen. Der Turm saß direkt auf dem Wagenboden. Unterhalb des Wagenbodens befand sich ein spezieller Panzerkasten, welcher das Schwenkwerk, die Besatzung und Munition aufnahm. Zwei dieser Wagen wurden gebaut und jeweils am Anfang und Ende des Zuges verwendet. Somit war der Panzerzug 1 der erste Panzerzug, welcher Panzerjägerwagen mit T-34-Türmen nutzte. Aufgrund der erfolgreichen Einsätze mit diesen Wagen wollten alle anderen Panzerzugkommandanten, welche im Bereich des Panzerzuges 1 operierten, ebenfalls mit solchen Wagen ausgerüstet werden.

Panzerträgerwagen Im Winter 1942/43 erhielt der Panzerzug zwei Panzerträgerwagen vom ehemaligen Panzerzug 26. Diese Wagen dienten zum Transport eines Kampfpanzers, welcher entweder vom Wagen aus den Panzerzug unterstützen oder schnellstmöglich den Wagen verlassen und zusammen mit der Infanterie einen Gegenangriff oder Verfolgung einleiten konnten. Ein schnelles Verlassen des Wagens war möglich, da der Wagen über eine feste Rampe verfügte, auf welcher der Panzer schnell hinabfahren konnte. Hauptsächlich wurden dafür Kampfpanzer vom Typ Panzerkampfwagen 38 (t) genutzt, so auch beim Panzerzug 1.

Abstoßwagen An beiden Enden des Zuges befand sich jeweils ein zweiachsiger Flachwagen, welche als Abstoßwagen dienten. Sie dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern und mehr.

Einsatz 1938 mini|Einsatz des Panzerzug 1 im Jahr 1938 Am 2. und 3. Oktober 1938 wurde der Panzerzug 1 bei der Besetzung des der Randgebiete der Tschechoslowakei eingesetzt. Hierbei fuhr er zusammen mit der Heeresgruppe 3 in das Gebiet von Rumburk und Reichenberg. Die Besetzung verlief ohne Zwischenfälle, weshalb der Panzerzug 1 am 14. Oktober 1938 wieder zurück nach Berlin fuhr, seinem damaligen Heimatstandort.

1939 mini|Einsatz des Panzerzug 1 in Polen 1939 Während der Besetzung der sogenannten „Rest-Tschechei“ wurde der Panzerzug 1 erneut eingesetzt. Dieser stieß ohne Gegenwehr von Norden ins Elbtal ein und drang bis nach Prag vor. Nach wenigen Tagen später fuhr er wieder zurück nach Berlin.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, dem Überfall auf Polen am 1. September 1939, war der Panzerzug nicht besetzt. Erst am 7. September waren alle Posten bemannt und der Panzerzug einsatzbereit. Da er über keine schwere Artillerie verfügte, wurde er lediglich für Sicherungsaufgaben vorgesehen. Von Mitte September an sicherte er die Eisenbahnstrecke zwischen Schneidemühl, Bromberg, Laskowitz, Dirschau und Danzig. Ab November wurde er dem XXXVI. Armeekommando in Radom unterstellt. Hier führte er weitere Sicherungsaufgaben in ganz Polen durch und fuhr Patrouillen in Kutno und Warschau im Norden oder auch Kielce und Tschenstochau im Süden.

Vor dem Jahresende 1939 wurde der Panzerzug in den Westen von Deutschland verlegt. Neuer Stationierungsort für den Panzerzug 1 wurde Düsseldorf-Eller.

1940 mini|Einsatz des Panzerzug 1 im Jahr 1940 mini|Zwei Entgleiste Wagen, im Hintergrund die Panzerzuglokomotive Mit dem Eintreffen in Düsseldorf-Eller wurde der Panzerzug 1 der Heeresgruppe B unterstellt. Am 3. Mai 1940 wurden die Kommandanten von sechs Panzerzügen zu einer Einsatzbesprechung in Dinslaken beordert. Hier wurden ihnen die die Befehle und Aufgaben für die kommenden Operationen erläutert. Ab dem 10. Mai sollten sie in einem raschen Vormarsch Brücken über die Vechte, IJssel und Maas nehmen, in die feindlichen Stellungen vordringen und diese durchstoßen.

Als am 10. Mai 1940 die Wehrmacht in die Niederlande einmarschierte, wurden die Befehle umgesetzt. Den ersten Angriff übernahmen die Brandenburger, welche getarnt als Baulehr-Bataillon z. b. V. 800 vor Ort waren. Diese stießen, getarnt in niederländischen Uniformen, in Richtung Gennep vor. Es gelang ihnen, die Wachen der Eisenbahnbrücke bei Gennep zu überraschen, auszuschalten und die Brücke unbeschädigt zu sichern. Um 5:28 Uhr setzte sich der Panzerzug 1 in Bewegung, welcher in Hassum auf seinen Einsatz gewartet hatte. Direkt hinter ihm folgte ein Transportzug, auf dem das III. Bataillon des Infanterie-Regiment 481 der 256. Infanterie-Division aufgesessen war. Um 6:07 Uhr rollte der Panzerzug dicht gefolgt vom Transportzug über die Maas-Brücke. Beide Züge fuhren in schneller Fahrt weiter und durchbrachen bei Mill die Peel-Raam-Stellung. Die Niederländer waren so überrascht, dass beide Züge ohne Widerstand bis vor den Bahnhof von Zeeland vordringen konnten.

Dort traf der Panzerzug das erste Mal auf Widerstand, und die Panzerzuglokomotive erhielt einen Treffer in die Luftleitung, worauf der Panzerzug anhalten musste. Der nachfolgende Transportzug blieb ebenfalls stehen, die Infanterie bootete aus und begann mit der Sicherung der umliegenden Umgebung. Hierbei kam es zu mehreren Gefechten mit wechselnden Siegern. Nachdem man die Panzerzuglokomotive repariert und gedreht hatte, stieß der Panzerzug zurück auf die Peel-Raam-Stellung vor. Dort hatten niederländische Pioniere eine Sperre geschlossen und die Gleise vermint. Dies bemerkte die Besatzung des Panzerzuges nicht und fuhr auf diese Sperre auf. Dabei entgleiste die vordere Hälfte des Panzerzuges samt Panzerzuglokomotive. Da der Panzerzug nun bewegungsunfähig war, geriet er unter heftiges Feuer aus den benachbarten niederländischen Bunkern.