Die Liste von Schriften zur Rassenlehre bildet in Form einer chronologischen Liste von Veröffentlichungen die Geschichte des wissenschaftlichen Diskurses um „menschliche Rassen“ ab.

Gesammelt werden darin Publikationen der theoretischen und empirischen Rassenlehre, deren Aussagen über „Menschenrassen“ nach heutigen wissenschaftlichen Standards obsolet sind, die aber mit wissenschaftlichem Anspruch auftraten und in der zeitgenössischen wissenschaftlichen Community und in der Öffentlichkeit als valide wissenschaftliche Arbeiten rezipiert wurden.

Aufgeführt sind daneben auch Werke, die – ohne selbst rassenideologische Inhalte aufzuweisen – im wissenschaftlichen Diskurs um die Existenz von Rassen diskutiert worden sind, sei es, weil ihnen rassenideologische Inhalte zugeschrieben worden sind, sei es, weil der These von der Existenz von Rassen darin widersprochen wurde.

17. Jahrhundert

Boyle argumentierte, dass alle Arten von Menschen, unabhängig von ihrer Verschiedenheit, ein und denselben Ursprung haben, nämlich die Stammeltern Adam und Eva.

Gilt als eine der ersten Publikationen, in denen vorgeschlagen wurde, die Menschheit in „Rassen“ einzuteilen.

18. Jahrhundert Richard Bradley: A Philosophical Account of the Works of Nature […]. Mears, London 1721 (Digitalisat). Bradley unterschied fünf Arten von Menschen: 1. weiße Europäer mit Bärten, 2. weiße Amerikaner ohne Bärte (Indianer), 3. weiße Menschen mit kupferfarbener Haut, kleinen Augen und schwarzem Haar, 4. schwarze Menschen mit glattem schwarzen Haar, 5. schwarze Menschen mit lockigem Haar.Explaining the Use of the foregoing Remarks, with several Observations relating to Climates. In: A Philosophical Account of the Works of Nature […]. Mears, London 1721, S. 169 (online): „I proceed to take notice of the several Kinds of Men, whose Difference is remarkable. We find five Sorts of Men; the White Men, which are Europeans, that have Beards; and a sort of White Men in America (as I am told) that only differ from us in having no Beards. The third sort are the Malatoes, which have their Skins almost of a Copper Colour, small Eyes, and strait black Hair. The fourth Kind are the Blacks, which have strait black Hair: And the fifth are the Blacks of Guiney, whose Hair is curl’d, like the Wool of a Sheep, which Difference is enough to shew us their Distinctions; for, as to their Knowledge, I suppose there would not be any great Difference, if it was poffible they could be all born of the same Parents, and have the same Education, they would vary no more in Understanding than Children of the same House.“.

Linné unterschied nach ihren Hautfarben und ihrer geografischen Verbreitung vier Varietäten des Menschen: weiße Europäer, rote Indianer, gelbe Asiaten und schwarze Afrikaner.

Kames war Polygenist und davon überzeugt, dass Gott in verschiedenen Teilen der Erde verschiedene Spezies von Menschen geschaffen habe.

John Hunter († 1809): Disputatio inauguralis, quaedam de hominum varietatibus, et harum causis, exponens […]. Edinburgh 1775 (Digitalisat). Der schottische Arzt, der nicht mit dem bedeutenderen gleichnamigen Chirurg zu verwechseln ist, glaubte, dass die „Negriden“ weiß geboren werden und ihre dunkle Haut erst durch die Sonnenstrahlung erwerben.

Georges-Louis Leclerc de Buffon: Supplément à l’Histoire Naturelle. 14 Bände. Paris 1774–1789 (Digitalisat). Buffon war Monogenist, glaubte also, dass alle Menschenrassen denselben Ursprung haben. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Varietäten erklärte er mit einer „Degenerationstheorie“, d. h. er nahm an, Adam und Eva seien weiß gewesen, aber Umweltfaktoren wie Klima, Krankheiten und Ernährung haben zu einer Diversifizierung bzw. zu einer Verschlechterung bestimmter Populationen geführt.

Blumenbach teilte mit Buffon den Monogenismus und die Degenerationstheorie. Er postulierte fünf Rassen: eine kaukasische Rasse sowie eine mongolische, eine negride, eine amerikanische und eine malayische Rasse.

Kant hat den Begriff der Rasse nur mit Einschränkungen verwendet, anerkannte aber verschiedene Klassen von Menschen, die er an ihrer Hautfarbe unterschied.

Meiners, ein Zeitgenosse und Göttinger Kollege von Blumenbach, war als Autor rassenkundlicher Schriften weniger populär als dieser, aber weitaus produktiver. Meiners war überzeugt, dass menschliche Rassen nicht nur unterschieden und charakterisiert, sondern auch in eine Rangordnung gestellt werden können. An der Spitze der Rassen stand für ihn die kaukasische.

Der amerikanische Wissenschaftler, Politiker und Sklavenhalter beschrieb die Afroamerikaner als den Weißen körperlich und geistig unterlegen und bekannte sich damit zur White Supremacy.

Smith, ein amerikanischer presbyterianischer Pfarrer und Gelehrter, dem an der Gleichheit der Menschen gelegen war, argumentierte, dass die Dunkelhäutigen im Grunde Weiße seien, in tropischen Klimazonen als Folge einer Überproduktion von Galle aber von einer Art extrem großer Sommersprosse überzogen werden.

Der niederländische Chirurg erfand den Camper’schen Gesichtswinkel und gilt als erster, der Kraniometrie verwendete, um körperliche Unterschiede zwischen verschiedenen menschlichen Varietäten zu beschreiben.

White war ein weiterer Vertreter des Polygenismus und davon überzeugt, dass Gott die verschiedenen Varietäten des Menschen, die er als verschiedene Spezies sah, unabhängig voneinander geschaffen habe.

Rush, Arzt, Politiker und einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, war Abolitionist und argumentierte, die dunkle Haut der Afroamerikaner sei kein Kennzeichen einer menschlichen Rasse oder Varietät, sondern Symptom einer vererblichen, nicht ansteckenden Form der Lepra, die überdies sogar heilbar sei.

19. Jahrhundert 1801–1820

Der französische Zoologe war Polygenist und postulierte drei menschliche Rassen: eine weiße kaukasische, eine gelbe mongolische und eine schwarze äthiopische. Adam und Eva seien kaukasisch gewesen, was für ihn die – als höherwertig eingestufte – kaukasische Rasse zur ursprünglichen menschlichen Rasse macht.

1821–1840

Der Begründer der modernen Sozialstatistik hat die anthropometrische Methode popularisiert und in seinen Studien u. a. die „Rasse“ der Probanden erhoben.

Der deutsche Anatom und Physiologe war, obwohl ein Schüler Cuviers, einer der ersten Kritiker des Konzepts der menschlichen Rassen.

Morton hat große Zahlen von Schädeln vermessen, um jeweils das Gehirnvolumen zu bestimmen. Aus seinen Befunden schloss er, dass die europäische Rasse das größte Hirn und damit die größte Intelligenz besitze, während die Asiaten, die Indianer und insbesondere die afroamerikanischen Sklaven den Europäern in beiderlei Beziehung unterlegen seien. Unter anderem Stephen Jay Gould (The Mismeasure of Man, 1981) hat in Mortons Studie später schwerwiegende methodische Fehler aufgewiesen.

1841–1860 Deutsch: Der schwedische Anatom und Anthropologe Retzius war ein Pionier der Kraniometrie und vermaß archäologisch sichergestellte Schädel, um deren Charakteristik zu erfassen. Er gilt als Erfinder des „Schädelindexes“. Bei den langschädeligen Völkern („Dolichocephalæ“) mit geradem Kinn („Orthognathæ“) unterschied Retzius sechs Gruppen: Gallier, Kelten, Briten, Schotten, Germanen und Skandinavier.

Klemm, ein deutscher Anthropologe, der maßgeblich zur Einführung des Kulturbegriffs in den wissenschaftlichen Diskurs beigetragen hat, unterschied drei Stufen der Kulturentwicklung (Wildheit, Zähmung und Freiheit) und sah die Menschheit gegliedert in eine aktive und eine inaktive Rasse, denen er jeweils unterschiedliche Mentalitäten und Temperamente zuschrieb. Die Europäer, als Population, die sich über die Erde verbreitete, bildeten für ihn die „aktive Rasse“, der er männliche Eigenschaften zuschrieb, während deren Widerpart nach Klemm weibliche Züge trug.

Carus unterschied „Tagvölker“ und „Nachtvölker“. Allein den ersteren – gemeint waren damit die weißen Europäer – schrieb er eine „Befähigung zur höchsten geistigen Entwicklung“ und eine Berechtigung zu, ihre „Macht über alle Teile der bewohnten Erde“ einschließlich der schwarzen Kolonialvölker auszubreiten.

Der schottische Arzt und Gelehrte hielt Rasse für die Grundlage der Zivilisation und war überzeugt, dass die weiße Rasse allen anderen überlegen sei. Jede Rasse sei an ein bestimmtes Habitat angepasst und könne in anderen auf die Dauer nicht überleben. Die Britischen Inseln seien von vier Rassen bevölkert: einer sächsischen, einer keltischen, einer slavonischen und einer sarmatischen.

Der deutsche Philosoph war überzeugt, dass – abgesehen von den Alten Ägyptern und den Klassischen Hindus – nur die weißen Rassen höchste Zivilisation und Kultur erreichen können.

Gobineau postulierte eine weiße, eine gelbe und eine schwarze Rasse, von denen er die weiße, die aus Sibirien stamme, für die überlegene hielt. Im dritten Buch behandelte er die Arier, die innerhalb der weißen Rasse die „Herrenrasse“ (franz. race supérieure) und die vorrangig kulturschöpfende Gruppe bilden. Er war überzeugt, dass der gesamte Lauf der Weltgeschichte rassisch bedingt sei und dass eine Vermischung der Herrenrasse mit „minderwertigen Rassen“ zum Zusammenbruch von Kultur und Zivilisation führen werde. Seine Überlegungen hatten später entscheidenden Einfluss auf die Rassenideologie im Nationalsozialismus.

Nott und Gliddon, deren Positionen stark von denen Nortons beeinflusst waren, bewarben in diesem umfangreichen und viel gelesenen Buch die Idee, dass Gott die verschiedenen Rassen unabhängig voneinander geschaffen habe.

1861–1880

Broca, ein französischer Arzt, hat Schädel vermessen, um Unterschiede zwischen menschlichen Rassen nachzuweisen. Er hielt weiße Männer für allen anderen Menschen überlegen.

Der deutsche Arzt und Anthropologe schrieb den „Negern“ eine ausgeprägte Prognathie zu, die er, neben anderen körperlichen Merkmalen, als Beweis für ihre nahe Verwandtschaft zu den Affen darstellte.

Der deutsch-schweizerische Gelehrte und Politiker war ein Anhänger der Evolutionstheorie, glaubte aber, die „Neger“ gehören einer anderen Spezies an als die Weißen.

Haeckel war stark von Darwin beeinflusst (der selbst keine Menschenrassen anerkannt hat). Er postulierte, orientiert an der Stammbaumtheorie des Sprachwissenschaftlers August Schleicher, zehn „Menschen-Arten“, bei denen er wiederum verschiedene „Abarten“ unterschied. Die südwestasiatischen Arier, die Germanen, die Romanen und die Slaven sah er als Repräsentanten eines „indogermanischen“ Zweigs des „kaukasischen Menschen“ (Homo caucasicus); dessen „semitischem“ Zweig ordnete Haeckel die Araber, Berber, Abessinier und Juden zu. Die „kaukasische Menschenart“ hielt er für „die vollkommenste von allen“. Die Nationalsozialisten beriefen sich auf Haeckel später, um Rassismus, Nationalismus und Sozialdarwinismus zu rechtfertigen.

Galton, der später durch die Begründung der Eugenik hervorgetreten ist, behandelt in diesem Text vor allem die Frage der Erblichkeit von Intelligenz. Daneben legte er hier aber auch seine Auffassungen zu den menschlichen Rassen dar; die europäischen hielt er für die überlegenen, die „Neger“ zählte er zu den niedrigsten.

Peschel präsentiert in diesem Buch seine eigene Klassifikation, die sieben verschiedene Hauptrassen umfasst: 1. Australier, 2. Papuanen, 3. Mongolen, 4. Dravida, 5. Hottentotten und Buschmänner, 6. Neger und 7. Mittelländische Völker. Als eine Untergruppe der letzteren nennt er u. a. den „indoeuropäischen Stamm“, der neben anderen auch die „Germanen (Skandinavier, Gothen, Germanen)“ einschließt.