Dundo Maroje („Onkel Maroje“, in deutscher Übersetzung Vater Marojes Dukaten, Vater Marojes Geld, Auf Abenteuer in Rom) ist eine Komödie des ragusanischen Renaissance-Dichters Marin Držić (1508–1567) in kroatischer Sprache mit italienischen Einsprengseln, die vermutlich 1551 uraufgeführt, aber erst 1866 zum ersten Mal gedruckt wurde. Ihr Ende ist nicht überliefert. Dundo Maroje gilt als Držićs Hauptwerk und ist eines der bedeutendsten und beliebtesten Werke der kroatischen Literatur.
Handlung Die nachfolgende Zusammenfassung bezieht sich auf Držićs Original, wie es in der Handschrift aus dem 16. Jahrhundert überliefert ist. Dem Stück sind zwei Prologe vorgelagert.
Erster Akt Die Handlung spielt in Rom. Man schreibt das Jahr 1550, Papst Julius III. hat soeben das Heilige Jahr eröffnet und die Stadt wimmelt von Pilgern aus aller Welt. Auch der schwerreiche und ebenso geizige Kaufmann "Onkel" Maroje hat sich mit seinem Diener, dem Gastwirt und Trunkenbold Bokčilo, von Dubrovnik nach Rom begeben, nur führen ihn keineswegs religiöse Motive in die Ewige Stadt. Vor drei Jahren hat er seinen Sohn Maro mit 5000 Dukaten ausgestattet und nach Italien entsandt. Er sollte sich über die Hafenstadt Ancona nach Florenz begeben, daselbst edle Stoffe kaufen und reich beladen wieder zurückkehren. Hätte er den Auftrag zu des Vaters Zufriedenheit ausgeführt, würde ihm dieser sein ganzes Vermögen vermacht und ihn vermählt haben. Stattdessen ist Maro aber in das Babylon Rom entwischt, hat nichts mehr von sich hören lassen und verschleudert, wie seinem entsetzten Vater zu Ohren gekommen ist, das Geld für Huren (zle žene „schlechte Frauen“), insbesondere (was Maroje noch nicht weiß) für die Kurtisane Laura. Maroje will seinen missratenen Sohn nun ausfindig machen, ihm die Leviten lesen und retten, was von seinen Dukaten noch zu retten ist. mini|Figürliche Darstellung von Pomet als einer von Držićs beliebtesten Figuren im Marin Držić-Haus (Dom Marina Držića) in Dubrovnik Zu Beginn des Stücks treffen Maroje und Bokčilo auf ihren stark kurzsichtigen Landsmann Tripčeta aus Kotor, dem sie ihr Leid klagen. Dieser berichtet, Maro sei ein stadtbekannter Prasser, gebärde sich wie ein Adliger und nenne sich hochmütig "Signor Marin". Die drei begeben sich in ein Gasthaus und belauschen von da aus die folgenden Szenen. Es treten Ugo der Deutsche (Ugo Tudešak), ein reicher, grobschlächtiger Säufer aus dem Heiligen Römischen Reich, und sein verschlagener Diener Pomet Trpeza auf. Ugo ist unglücklich in die Kurtisane Laura (sie stammt aus Kotor und heißt eigentlich Mande) verliebt, die ihn trotz seiner teuren Geschenke ein weiteres Mal abblitzen lässt, denn ihre Gunst gehört Maro. Maros Diener Popiva gesellt sich zum Grüppchen und verspottet die fruchtlosen Bemühungen des Deutschen. Maroje muss ohnmächtig mit anhören, wie Popiva damit prahlt, wie viel Geld sein Meister für Laura schon aufgewendet und wie er deswegen auch mehr Erfolg bei ihr habe. Pomet beschimpft Popiva und Laura als geldgierige Blutegel, die den Jüngling noch in den Ruin treiben. Schließlich kommt Maro selbst. Auch er renommiert ausschweifend, schickt dann seinen Diener aus, um Edelsteine im Wert von 200 Dukaten für seine Geliebte zu holen, und betritt ihr Haus. Als alle verschwunden sind, platzt Maroje wutschnaubend mit seinen Begleitern aus der Taverne. Bokčilo gelingt es, ihn zu beruhigen und davon zu überzeugen, dass ein überstürztes Vorgehen alles verderben könnte. Vielmehr solle er auf seinen Sohn warten und ihm dann mit Bedacht ins Gewissen reden. Sie ziehen sich wieder zurück.
Zum Schluss treten Pera, der Maro vor drei Jahren die Ehe versprochen hat, und ihr Cousin Dživo auf. Pera gibt sich als Diener ihres Cousins aus und ist als Mann verkleidet, es handelt sich also um eine Hosenrolle. Sie hat sich von Dživo überreden lassen, ihrer reichen alten Tante 300 Dukaten zu stehlen, um damit die Überfahrt nach Rom zu bezahlen, wo sie den treulosen Maro zur Besinnung bringen will. Sie ist verzweifelt und bangt um ihre Ehre, müsste sie ohne ihn nach Dubrovnik zurückkehren. Die beiden treffen auf den Schiffsmann Dživulin von der Insel Lopud, von dem sie erfahren, dass auch Maroje hinter Maro her ist. Dživo versichert, genau zu wissen, was zu tun sei.
Zweiter Akt Auch Pomet hat inzwischen vernommen, dass Maroje nach Rom gekommen ist, und wittert Morgenluft, Maro, den Rivalen seines Herrn, endlich aus dem Feld zu schlagen. Es kommt Lauras Dienerin Petruniella (Petrunjela). Wie ihre Herrin stammt auch sie aus Dalmatien hat sich ein italienisches Pseudonym zugelegt, denn sie heißt eigentlich Milica und war in Dubrovnik als leichtes Mädchen bekannt. Pomet macht ihr den Hof und bittet sie, ihrer Herrin zu berichten, dass der um sie werbende Ugo 50’000 Dukaten besitze und Maro hingegen bald von seinem Vater nach Dubrovnik zurückgebracht werde. Es treten Niko und Piero (Pijero), zwei alte Saufkumpane Maros, auf. Sie sind vor zwei Tagen von Florenz her in Rom angekommen und suchen nun ihren Freund, um sich an seiner Spendierfreudigkeit zu laben. Sie werden vom integren Vlaho verspottet. Als der Jude Sadi mit einer wertvollen Perlenkette erscheint, tritt Laura auf den Balkon und ruft ihn und ihre Dienerin ins Haus. Maro tritt hinzu und begrüßt seine Freunde. Damit ist die außergewöhnlich lange Exposition abgeschlossen: Die handlungsrelevanten Figuren sind eingeführt und die wesentliche Vorgeschichte wurde rekonstruiert.
Nun kommt es zum erregenden Moment: Maroje kann sich nicht länger beherrschen, stürzt mit gezücktem Degen aus dem Gasthof und will seinen Sohn entleiben. Dieser stellt sich, als würde er ihn nicht kennen und sei der Heranstürmende ein Wahnsinniger, und ruft die Wachen herbei, die den vergeblich protestierenden Vater augenblicklich verhaften. Maro eilt hinfort. Vlaho ist entsetzt über das Gesehene, prophezeit Maro eine böse Zukunft und macht sich mit Niko und Piero auf, dem Vater zu helfen. mini|Inszenierung am Slowenischen Nationaltheater Maribor 1964, zweiter Akt, siebte Szene, links Jože Samec in der Rolle des Juden Sadi mit antisemitischer Zeichnung, auf dem Balkon Milena Muhič als Kurtisane Laura Laura tritt auf den Balkon und überredet den Juden Sadi, ihr die Perlen im Wert von 150 Scudi bereits auszuhändigen, auch wenn Maro sich aus dem Staub gemacht und noch nicht bezahlt hat. Nach langem Hin und Her willigt er ein und kündet an, in einer Stunde wieder zurückzukommen, um das Geld zu holen.
Tripčeta tritt aus dem Gasthof, verflucht den Geizhals Maroje, der ihn auf dem Trockenen sitzen gelassen hat, und geht seiner Wege. Auch Bokčilo kommt heraus, verfolgt vom schimpfenden Wirt, der die Zeche haben will und schließlich die von Maroje zurückgelassenen Habseligkeiten als Bezahlung einbehält und den Diener zum Teufel jagt.
Unterdessen hat Pomet Maroje aus den Fängen der Polizei gerettet und sich mit ihm wider Maro verbündet. Schließlich, so sagt er, werde sein Herr freie Bahn haben, wenn der Vater Maro nur erst aus Rom entfernt habe. Pomet belauscht wütend, wie Popiva und Petruniella, um die auch er wirbt, anzüglich flirten. Als Bokčilo kommt, stiftet er ihn dazu an, Popiva anzulügen, Maros Vater sei mit den besten Absichten und reicher Fracht gekommen und wolle gerne seinen Sohn wiedersehen, er solle ihn nur ins Haus holen und auf ihn aufpassen, bis Maro komme. Bokčilo führt den Auftrag gewissenhaft aus und wird von Popiva freudig bewillkommnet und zu einem Trunk eingeladen. Pomet macht sich auf zu Maroje, um ihn für alles Weitere zu instruieren.
Der Akt schließt mit einem Monolog des verzweifelten Maro, dem das Geld ausgegangen ist und der seinen Vater, der sein Tod sei, verflucht. Mittellos, wie er nun dasteht, fürchtet er, Laura zu verlieren. Ihr sein Unglück zu gestehen, traut er sich aber nicht. Dritter Akt Bokčilo und Popiva haben kräftig gebechert und machen sich taumelnd auf den Weg, um Maroje zu holen. Bokčilo hat dem nichtsahnenden Diener einen weiteren Bären aufgebunden: Maroje habe nebst der teuren Ware auch eine große Truhe voller Dukaten bei sich. Dživo wandelt über die Bühne und teilt seine Sorgen um sich und seine Cousine mit.
Dann kommt Sadi zurück und bittet Laura darum, ihm endlich sein Geld zu geben. Sie vertröstet ihn bräsig. Sadi beginnt bereits, sich über seine Leichtgläubigkeit zu ärgern, da naht Maro, der ihn mit dem Versprechen abwimmelt, das Geld sogleich im Haus zu holen. Er besitzt aber nur noch die 200 Dukaten, die er eigentlich für die Edelsteine schuldig ist. Laura begrüßt ihn freudig und erzählt ihm die angeblich frohe Botschaft, sein Diener bringe ihm bald seinen Vater herbei. Sadi drängt weiter und Maro zahlt ihn zähneknirschend aus, damit Laura nicht misstrauisch wird. Diese bittet ihn, ihr auch noch einen Halskettenanhänger für 200 Scudi zu kaufen. Er verspricht, sich sogleich darum zu kümmern, und sie zieht sich zufrieden zurück.
Popiva kommt und erzählt Maro, dass der Vater nahe. Er ist bass erstaunt, als sein Herr ihn beschimpft und die Wahrheit über seinen Vater offenbart, und schlussfolgert, dass sie dem schlauen Pomet auf den Leim gegangen sind. Popiva heckt nun seinerseits eine Intrige aus: Maro müsse Laura gestehen, sein ganzes Geld ausgegeben zu haben, sie aber mit der Aussicht auf noch weitaus mehr Reichtümer gewogen machen, die ihrer harren, wenn der Vater zufrieden gestellt wird. Da dieser Einsicht in seine Geschäftsführung verlangen werde, müsse Maro bei Sadi Stoffe im Wert von 3000 Dukaten bestellen, für die Laura, die mit ihren Liebesdiensten weitaus mehr Geld eingenommen habe, als er ahne, pro forma bürgen solle. Maro solle seine Prachtrobe ablegen, sich stattdessen ein einfaches härenes Gewand besorgen, seinem Vater in Demut gegenübertreten, die Stoffe zeigen und ihn wegen der verbleibenden 2000 Dukaten anlügen, er habe sie anderweitig investiert. Was den früheren Zwischenfall anbelange, solle er einfach behaupten, der Vater habe ihn mit einem ähnlich aussehenden Römer verwechselt. Vermache ihm der zufriedene Vater dann endlich sein Vermögen, könne man die Stoffe einfach wieder zurückgeben. Maro ist von diesem Plan begeistert und eilt zu Sadi, um alles in die Wege zu leiten. Popiva soll indessen die Edelsteine holen gehen, obwohl sie gar kein Geld mehr haben.
Petruniella tritt auf und erzählt, wie ihre Herrin seit der Nachricht von der Ankunft des reichen Vaters noch verschwenderischer geworden sei und Schulden häufe. Der immer noch erboste Tripčeta kommt und die beiden schäkern eine Weile. Ihre Zweisamkeit wird jäh vom volltrunkenen Ugo gestört, der in blinder Rage Laura eine Hure schimpft und Händel mit Tripčeta sucht. Laura kommt heraus und weist ihn zurecht, worauf er sich fluchend davonmacht. Popiva tritt zu ihr und überzeugt sie geschickt von der Notwendigkeit, dass sie die Bürgschaft über 3000 Dukaten übernimmt. Der Vater habe Maro längst vergeben, schließlich sei er auch einmal jung gewesen. Außerdem warnt er sie vor Pomet, der ihr, um seinen Herrn weiter im Spiel zu halten, sicherlich die Lüge auftischen werde, der Vater zürne und wolle Maro nach Dubrovnik zurückschicken. Mit dem winkenden Gewinn vor Augen und durch das Versprechen der bald eintreffenden Edelsteine zusätzlich gefügig gemacht, willigt Laura in alles ein. Maro kommt mit Sadi, dem er seine letzten 100 Dukaten als Anzahlung auf die Stoffe gegeben hat. Die vier verschwinden in Lauras Haus, um die Sache unter Dach und Fach zu bringen.
Pomet tritt auf, der soeben Maroje instruiert hat, wie er sich Zugang in Maros Haus verschaffen kann. Er will Laura warnen und bittet Petruniella, ihn vorzulassen. Die anderen erscheinen, verhöhnen ihn und schicken ihn fort. Die bereits vorbereitete Laura glaubt ihm kein Wort. Unter vier Augen bittet Maro Sadi, die Stoffe unbedingt in seinem Lager zu belassen und ihm den Schlüssel dazu bereits auszuhändigen. Der will aber zuerst die Zusicherung des Geldes von Lauras Bankier abwarten. Maro bestellt eine einfache Kleidung.