Der Ford Mustang GT3 ist ein von Ford und Multimatic Motorsports entwickelter Rennwagen, der seit 2024 von verschiedenen Teams bei diversen Wettbewerben in der Gruppe GT3 eingesetzt wird, darunter der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), der IMSA WeatherTech SportsCar Championship und der DTM.

Entwicklungsgeschichte und Technik

Seit dem Verkaufsstart des ersten Ford Mustang im Jahr 1964 wurden die verschiedenen Generationen des Wagens sowohl mit Werksunterstützung als auch eigenverantwortlich von Privatfahrern und Teams insbesondere in den Wettbewerben des SCCA, NASCAR und IMSA zu zahllosen Rennen gemeldet und erzielten auch weltweit Erfolge. Im September 2022 gab Ford offiziell den Bau eines neuen GT3-Rennwagens sowie die Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans bekannt. Mit dem Ford Mustang FR500 hatte der Konzern bereits in im Jahr 2007 ein Fahrzeug dieser Klasse rein für Kundenteams konstruiert, dessen Einsätze allerdings auf lokale Rennserien bei kleineren Teams begrenzt blieben und dessen Entwicklung nur mit geringer Priorität vorangetrieben wurde.

links|mini|Teilweise demontierter Mustang GT3 im Jahr 2024, der Stahlrahmen des Basisfahrzeugs tritt im Türbereich deutlich hervor Der neue Mustang GT3 wird von Ford in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Motorsportunternehmen Multimatic Motorsports entwickelt und gebaut, die bereits 2016 am Projekt Ford GT LM GTE beteiligt waren, mit dem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2016 in der Klasse LMGTE Pro gewonnen werden konnte. Basis des Wagens ist der seit 2023 produzierte Ford Mustang VII in der Sonderausstattungsvariante Dark Horse, der durch ein völlig neu entwickeltes Aerodynamik-Paket, renntaugliche Teile wie neue Aufhängungen etc. sowie vorgeschriebene Sicherheitssysteme wie einen Überrollkäfig umfangreich modifiziert wurde. Die serienmäßige Karosserieverkleidung aus Stahl und Aluminium wurde durch neue Elemente aus deutlich leichterem und widerstandsfähigerem kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) ersetzt, die am beibehaltenen Stahlrahmen des Chassis montiert sind. Zum Motorsportjahr 2026 erarbeiteten Ford und Multimatic mit dem Mustang GT3 Evo eine neue Entwicklungsstufe des Fahrzeugs, die insbesondere durch verbesserte Aerodynamik fortlaufende Probleme mit dem Anpressdruck an der Fahrzeugfront beheben soll.

Für den Antrieb entwickelte Ford mit dem britischen Unternehmen M-Sport auf Grundlage der seit 2010 produzierten Coyote-Serie einen 5,4-Liter-Achtzylinder-Saugmotor mit Motorsteuerung von Bosch, einer Kupplung von AP Racing und einem sequentiellen Sechsganggetriebe von Xtrac Limited, das aus Gründen der Gewichtsverteilung an der Hinterachse montiert ist und halbautomatisch ohne Kupplungspedal über Wippen am Lenkrad geschaltet wird. Der Antrieb leistet rund 550 PS bzw. 410 kW bei bis zu 8.250 Umdrehungen pro Minute. Die ursprünglich von Alcon Brakes bezogene Bremsanlage wurde bei der ab 2026 eingesetzten Evo-Variante durch ein System von Brembo ersetzt. Schmiermittel, Treibstoff und Bereifung werden von verschiedenen Zulieferern, in der Regel den Rahmenpartnern der jeweiligen Rennserien, bezogen. In der WEC beispielsweise sind es TotalEnergies bzw. Goodyear und in der IMSA VP Racing Fuels und Michelin.

Renngeschichte 2024: Schwieriges Debütjahr mini|Proton-Mustang #88 von Olsen/Pedersen/Roda in Le Mans mini|Multimatic-Mustang #64 von Rockenfeller/Tincknell in der IMSA Zum Motorsportjahr 2024 trat Ford mit dem neuen Mustang GT3 sowohl in die IMSA WeatherTech SportsCar Championship als auch FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft ein. Insgesamt fünf Wagen wurden eingesetzt, zwei davon bei Multimatic in Eigenregie und drei vom deutschen Rennstall Proton Competition, die zuvor langjähriger GT3-Partner von Porsche gewesen waren. Beide Teams erhielten Werksunterstützung von Ford Racing. Multimatic trat mit den Mustangs #64 und #65 ausschließlich in der IMSA in Nordamerika an, während Proton in beiden Rennserien an den Start ging und die beiden WEC-Fahrzeuge #77 und #88 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans durch den IMSA-Wagen #55 ergänzte, der für dieses Rennen die #44 erhielt. Zudem meldete Proton einen Wagen als #64 für einzelne Läufe der GT World Challenge Europe.

Die erste Saison mit dem neuen Wagen gestaltete sich schwierig: Bedingt durch Mängel in der Konstruktion des Fahrzeughecks kam es wiederholt ohne Fremdeinwirkung bei voller Fahrt zum Versagen der Heckklappe und des Diffusors, die teilweise komplett vom Rahmen abrissen, weshalb der Motorsport-Weltverband FIA dem Hersteller im Frühsommer eine Ausnahmegenehmigung erteilte, das bereits homologierte Fahrzeugmuster zu überarbeiten. Auch der seit diesem Jahr aus Gründen der Balance of Performance (BoP) für die Klasse GT3 vorgeschriebene Drehmomentsensor stellte Ford vor Probleme und wirkte sich negativ auf die Konkurrenzfähigkeit der Wagen aus. Die Fahrzeugfront generierte zu wenig Anpressdruck und die Vorderreifen neigten zur Überhitzung, was die Kurvengeschwindigkeit der bereits konzeptionell eher auf Maximalgeschwindigkeit auf den Geraden ausgelegten Konstruktion weiter einschränkte.

Die beste Platzierung in der WEC war der 3. Platz für den Proton-Mustang #88 von Dennis Olsen, Mikkel Pedersen und Giorgio Roda beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2024 in der Klasse LMGT3, was dem 30. Rang des Gesamtklassements entspricht. Das beste Gesamtergebnis des Jahres war der 21. Platz bzw. 6. Platz in der Klasse LMGT3 beim 6-Stunden-Rennen von Austin von Ben Barker, Ryan Hardwick und Zacharie Robichon im Proton-Mustang #77. In der Teamwertung belegte Proton am Jahresende den 13. bzw. 17. Platz, die Fahrermannschaft der #88 war somit erfolgreicher als die der #77. Beste IMSA-Platzierung war der zweite Gesamtrang beim nur für GT-Fahrzeuge ausgeschriebenen 2:40-Stunden-Rennen von Virginia, herausgefahren von Mike Rockenfeller und Harry Tincknell im Multimatic-Mustang #64. Beim folgenden 6-Stunden-Rennen von Indianapolis gelang es Rockenfeller und Tincknell erneut, in ihrer Klasse GTD Pro den zweiten Platz zu erreichen. Am Jahresende konnte Ford mit den beiden Multimatic-Mustangs in der Herstellerwertung der GTD Pro den fünften Rang erreichen, während die Ergebnisse des Proton-Mustangs, der in der für Nachwuchsfahrer vorgesehenen Klasse GTD startete, nur für den zehnten Platz reichten.

2025: Konsolidierung und erste Klassensiege Für das zweite Einsatzjahr des Wagens wurde die bestehende Teamkonstellation teilweise geändert: Proton Competition beschränkte sich auf den Betrieb der #77 und #88 in der WEC, während der IMSA-Drittwagen von nun an vom US-Team Gradient Racing betreut wurde und die #66 erhielt. Multimatic trat dort weiter als Ford Multimatic Motorsports mit den zwei Wagen #64 und #65 an. Neu dazu kamen Engagements in Deutschland bei den ADAC GT Masters, in der DTM und in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS), für deren Durchführung eine Partnerschaft mit dem Haupt Racing Team geschlossen wurde. Der Rennstall übernahm auch das bisherige Proton-Engagement in der GT World Challenge Europe und weitete es auf zwei Wagen aus. Für die erstmalige Teilnahme an der GT World Challenge America wurde das US-Team Dollahite Racing verpflichtet, die einen Wagen meldeten.

IMSA mini|Multimatic-Mustang #65 von Mies/Vervisch in der IMSA Bereits das erste Rennen des Jahres, das 24-Stunden-Rennen von Daytona 2025 als Eröffnungslauf der IMSA, verlief sehr vielversprechend. Von Plätzen im Mittelfeld gestartet gelang es den Multimatic-Mustangs über die Renndauer bis an die Spitze vorzufahren und der #65 von Christopher Mies, Frédéric Vervisch und Dennis Olsen das Rennen in der Klasse GTD Pro zu gewinnen. Die #64 von Sebastian Priaulx, Mike Rockenfeller und Austin Cindric kam auf dem dritten Rang ins Ziel und erreichte somit einen zusätzlichen Podiumsplatz. Diese Ergebnisse entsprachen den Plätzen 16 bzw. 18 im Gesamtklassement. Über das Jahr gelangen letzterer Mannschaft zwei zusätzliche Klassensiege, einmal beim 1:40-Stunden-Rennen von Detroit und einmal beim 6-Stunden-Rennen von Indianapolis, sowie als Zweite ein weiterer Podiumsplatz beim 2:40-Stunden-Rennen von Road America. Der Sieg in Detroit bedeutete zudem mit dem 12. Rang das beste Gesamtergebnis der IMSA-Saison, die Ford in der GTD-Pro-Herstellerwertung und die Multimatic-#64 in der Teamwertung jeweils als Dritte abschließen konnten.

WEC mini|Proton-Mustang #88 von Gattuso/Levorato/Olsen in Le Mans In der WEC-Saison 2025 tat sich Proton mit seinen beiden Mustang GT3 schwerer und konnte kein Rennen gewinnen, es gelang allerdings der #88 mit Stefano Gattuso, Giammarco Levorato und Dennis Olsen, als Zweite der Klasse LMGT3 beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps einen Podestplatz zu erzielen und als 16. im Gesamtklassement das beste Jahresergebnis zu erreichen. Der Saisonhöhepunkt in Le Mans verlief unbefriedigend; Die #88 fiel aus und die #77 kam auf dem siebten Platz der Klasse LMGT3 und somit dem 41. Gesamtrang ins Ziel. Mit diesen Ergebnissen gehörte Proton nur zu den Schlusslichtern und belegte in der Teamwertung den 14. (#77) und 16. (#88) Rang von insgesamt 18 Plätzen. Eine Konstrukteursmeisterschaft wurde für die Klasse LMGT3 nicht ausgeschrieben.

ADAC GT Masters, DTM und NLS mini|Haupt-Mustang #36 von Arjun Maini in der DTM Die ADAC GT Masters 2025 verliefen für Haupt und seine drei Mustang-Mannschaften sehr erfolgreich. Insbesondere die #1 von Salman Owega und Finn Wiebelhaus tat sich hervor und konnte vier Rennen sowie mit fast 50 Punkten Vorsprung vor den Verfolgern auch die Meisterschaft gewinnen. Vier zusätzliche Podestplätze der #3 mit Niklas Kalus und Max Reis bzw. David Schumacher sowie weitere Punkteplatzierungen der #2 mit Jonathan Cecotto und Dennis Fetzer bedeuteten zudem mit 351 Gesamtpunkten auch den klaren Sieg in der Teamwertung. Für die DTM-Saison 2025 meldete Haupt Arjun Maini (#36) und Fabio Scherer (#64) als Stammfahrer. Im Angesicht zu den GT Masters deutlich stärkerer Konkurrenz taten sich die beiden Fahrer deutlich schwerer und kamen kaum aus dem Mittelfeld heraus, das beste Jahresergebnis war ein fünfter Platz von Maini beim zweiten Rennen der Veranstaltung auf dem Norisring. Haupt belegte den 9. von 12 Plätzen in der Teamwertung, Ford wurde bei den Konstrukteuren Sechster. In der NLS-Saison 2025 brachte Haupt einen Wagen über die komplette Saison (#6) sowie zu vereinzelten Läufen einen Zweitwagen (#2 bzw. #9) an den Start. Der Mustang GT3 erwies sich insbesondere in der zweiten Jahreshälfte als sehr konkurrenzfähig. In den Händen von Vincent Kolb und Frank Stippler gewann die Haupt-#9 den achten Lauf, das über eine Dauer von vier Stunden ausgetragene 64. ADAC Reinoldus-Langstreckenrennen, und erzielte drei zusätzliche Podestplätze in der Klasse SP9 Pro.

GT World Championship Für die GT World Championship Europe 2025 meldete Haupt dem Wagen #64 in der höchsten Klasse, dem Pro Cup, sowie zu einzelnen Läufen die #65 in der Nachwuchsklasse Silver Cup. Das Saisonhighlight war das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps mit den begleitenden 6- bzw. 12-Stunden-Läufen. Die erste Mannschaft blieb über die meiste Saison chancenlos und konnte allein als Sechste beim Lauf auf dem Nürburgring Punkte erzielen. Die Nachwuchsfahrer im Silver Cup schlugen sich besser, kamen bei allen ihrer Rennen ins Ziel und erzielten mit dem vierten Platz der Klasse ebenfalls auf dem Nürburgring ihr bestes Ergebnis. In der GT World Championship America 2025 meldete Dollahite seinen einzelnen Mustang zunächst in der Klasse Pro-Am, wechselte dann aber schon zum zweiten Saisonrennen in die Amateurklasse Am. Scott Dollahite fuhr mit Anthony Lazzaro, Stefano Gattuso und Eric Powell, die sich abwechselten, alle verbliebenen Saisonrennen, erreichte sechs Klassensiege und verlor den Am-Titel nur knapp an die von AF Corse unterstützte Mannschaft von Oswaldo Negri und Jay Schreibman im Ferrari 296 GT3.

Statistik Einzelergebnisse in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft