Franz A. Meyer (* 6. Juni 1868 in Hamburg; † 29. Mai 1933 in Jena) war ein Ingenieur und Konstrukteur optischer Instrumente. Der Vater Claus August Meyer (* 1831) war Maler in Hamburg. Seine Mutter war Anne Sophia Elisabeth Sievers (* 1832). mini|Franz A. Meyer (1924), Foto Zeiss Archiv Jena

Ausbildung Franz Meyer studierte an der Hamburger Staatlichen Gewerbeschule und war danach mehr als zehn Jahre in der Industrie und als freischaffender Ingenieur tätig. Peter Bussemer: 'Franz A. Meyer' in Jenaer Jahrbuch zur Technik- und Industriegeschichte, Band 24 (2021), S. 157

Erste Tätigkeiten Wichtig für seine weitere Entwicklung wurde die Mitarbeit in der Berliner Maschinenbaufirma Paul Hoppe: An der Konstruktion und dem Bau des großen Treptower Fernrohres war er maßgeblich beteiligt. Dieser Große Refraktor, auch Himmelskanone genannt, ist das längste bewegliche Fernrohr der Welt. Es bildet bis heute die Hauptattraktion der Archenhold-Sternwarte im Berliner Treptower Park. Diese Volkssternwarte entstand zur Berliner Gewerbeausstellung 1896 aus Anlass des 25. Jahrestages der Erhebung Berlins zur Reichshauptstadt.

Erster Ingenieur mit Hochschulbildung bei Carl Zeiss Jena (1902) Nach seinem Ausscheiden bei der Firma Hoppe befasste sich Franz Meyer mehrere Jahre mit allgemeinem Maschinenbau, vor allem mit Aufgaben aus der Hydraulik, bis ihn 1902 Ernst Abbe für das Jenaer Zeisswerk gewinnen konnte. Meyers besonderes Gefühl für die Dimensionierung und Leistungsgrenzen der Konstruktionen führte bei seinen Mitarbeitern zur geflügelten Bemerkung:

Auch deshalb erhielt er allerlei Spitznamen wie „Kugelmeyer“ oder „Kettenmeyer“.

Astroabteilung Im Jahr 1896 kündigte Abbe an, „daß, noch bevor das nächste Jahr vorübergeht, unsere Werkstätte beteiligt sein wird am Bau astronomischer Fernrohre“. Ernst Abbe, „Gedächtnisrede zur Feier des 50jährigen Bestehens der Optischen Werkstätte“, Gesammelte Abhandlungen. Bd. 3: Vorträge, Reden und Schriften sozialpolitischen und verwandten Inhalts, S. 60–101, Hildesheim, Georg Olms Verlag 1989. Im August 1897 wurde die Astro-Abteilung bei Zeiss gegründet. Zum einen brauchte man neue Methoden zur Fertigung und auch Ausrichtung der optischen Geräte, andererseits aber auch Antriebe für die Ausrichtung dieser Optik und für die Nachführung bei der Sternenbeobachtung. In der Folge wurden die unsichtbaren Zeichenbüros durch große Konstruktionssäle ersetzt – auch sprachlich wurde die „Optische Werkstatt“ durch die Bezeichnung „Das Zeisswerk“ ersetzt.

Beispiele für wesentliche Neuerungen und Beiträge mini|Metallschild an Bau 15, Ernst-Abbe-Platz 5, Jena, Foto: G. Herzog (2020) Fernrohr Uhrwerkantrieb (Regulator) Alfred Jensch: „Ungesteuerte Antriebe für Astrogeräte“. Jenaer Rundschau H.3,(1967), S. 182. Koordinaten-Meßapparat Manfred Steinbach : „Ernst Abbes Komparatorprinzip“, Jenaer Jahrbuch für Technik- und Industriegeschichte, Band 7,(2007), S. 9–69. Reinhard Schielicke: "Von Sonnenuhren, Sternwarten und Exoplaneten". Astronomie in Jena, Jena 2008 : Verlag Dr. Bussert &Stadeler. Interferenz-Längenteilmaschine Lambert Grolle, Manfred Steinbach: „Otto Eppensteins Längenmessmaschine“. Jenaer Jahrbuch für Technik- und Industriegeschichte, Band 13, (2010), S. 13–52.Lambert Grolle, (2014): „Dr. Otto Eppenstein und die Entwicklung der Feinmeßgeräte bei Carl Zeiss bis 1945“. Jenaer Jahrbuch für Technik- und Industriegeschichte, 17,(2014), 267-304. Parabolspiegel Harald Straubel:„Der Sonnen-Schmelzspiegel“. Zeitschrift für angewandte Physik 1, 542-545 (1949)

Entlastungsmontierung Franz Meyer verbesserte die astronomischen Fernrohre durch viele bedeutende Neuerungen. Carl Büchele, sein Nachfolger von 1933 bis 1945, schreibt dazu:

Joos-Versuch 1930 Durch die Herstellung hochauflösender Beugungsgitter in einem Kellerraum von Zeiss kam Franz Meyer in Kontakt mit Georg Joos, der seit 1924 Professor für theoretische Physik an der Universität Jena war. Joos wollte experimentell den Nachweis erbringen, dass Einsteins Relativitätstheorie exakt gültig ist trotz scheinbar widersprechender Resultate. Gleichzeitig ging es auch um die Ätherhypothese. Saller: "Gibt es einen Äther Wind?-Nein", Die Umschau, 35. Jg., 1931. Gefördert durch den wissenschaftlichen Leiter von Zeiss, Rudolf Straubel, unter Leitung von Franz Meyer und mit Unterstützung von C. Büchele und Ing. Köppen wurde eine Konstruktion erarbeitet, welche an die Grenze der damaligen Möglichkeiten ging. Das Gerät wurde in der Astrowerkstatt gebaut. Der Versuch mit einer wesentlich höheren Genauigkeit als die vorherigen Ergebnisse zum Michelson-Morley Experiment gilt heute als „Entscheidungsexperiment“ (experimentum crucis) für die moderne Physik.Peter Bussemer, Jürgen Müller: „Georg Joos‘ Experimentum Crucis in Jena 1930 and the Fall of the Ethereal Aether“, Annalen d. Physik, Volume 534, Issue10, October 2022

Würdigung Die Friedrich-Schiller-Universität Jena verlieh ihm 1930 wegen seiner Verdienste um den wissenschaftlichen Gerätebau die Würde eines Dr. h. c. – eine für einen in der Praxis stehenden Ingenieur sehr seltene Auszeichnung.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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