Freimaurerei in Österreich gibt es mit Unterbrechungen seit 1742, wobei die Freimaurerlogen durch den Staat zeitweise stark eingeschränkt oder überhaupt verboten waren. Da es in der weltweit verbreiteten Freimaurerei keine einzelne zentrale, alle Logen umfassende oder repräsentierende Organisation gibt, existieren auch in Österreich verschiedene freimaurerische Vereinigungen nebeneinander.
Geschichte 1742 bis 1795 mini|hochkant|Albert Joseph von Hoditz, der 1742 die erste Loge auf österreichischem Staatsgebiet gründete Die Freimaurerei gelangte über mehrere Zwischenstationen nach Österreich. Nach der Gründung der Großloge von England 1717 in London erfolgte 1737 von London aus die Gründung der Loge d'Hambourg. Sie nahm 1738 in einer Deputationsloge in Braunschweig den preußischen Kronprinzen Friedrich in die Freimaurerei auf, der 1740 den Thron bestieg. Unter seinem Protektorat stand die 1741 in Berlin gegründete Loge Aux Trois Globes („Zu den drei Weltenkugeln“), Berlin wiederum rief im selben Jahr in Breslau die Loge Aux Trois Squelettes („Zu den Drei Totengerippen“) ins Leben. Auf Anweisung des Meisters der Breslauer Loge, Philipp Gotthard von Schaffgotsch, gründete Albert Joseph von Hoditz 1742 die erste Loge auf österreichischem Staatsgebiet, die Loge Aux Trois Canons („Zu den drei Regelwerken“) in Wien. Das Protokoll ihrer ersten Versammlung vom 17. September 1742 ist erhalten. Nach kaum einjähriger Tätigkeit wurde die Loge Aux Trois Canons auf Anordnung Kaiserin Maria Theresias durch die Polizei geschlossen, ihre Mitglieder wurden verhaftet.Walter Koschatzky (H.g.): Maria Theresia und ihre Zeit. Zur 200. Wiederkehr des Todestages, Katalog zur Ausstellung vom 13. Mai bis 26. Oktober 1980 Wien, Schloss Schönbrunn, Salzburg/Wien 1980, S. 428.
Im Jahre 1754 sowie von 1763 bis 1770 bestanden in Wien erneut Logen.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 118. Trotz der früh einsetzenden Verfolgungen setzten die Freimaurer in Österreich ihre Tätigkeit weiter fort, wobei der Schutz, den die Bruderschaft durch einflussreiche Persönlichkeiten genoss, eine Rolle spielen mochte. So zählten zu den Freimaurern am Wiener Hof neben dem 1731 durch eine Deputationsloge der Großloge von England in Den Haag aufgenommenen Kaiser Franz I. Stephan auch Albert von Sachsen-Teschen, Joseph von Sonnenfels und Ignaz von Born. Die gemischten Erfahrungen dieser Epoche bildeten später die Voraussetzung für eine kurze, aber eindrucksvolle Blüte in der sogenannten „klassischen Epoche der österreichischen Freimaurerei“ während der Regierungszeit von Kaiser Joseph II., in der die „Königliche Kunst“ ihren damaligen Höhepunkt erlebte.Walter Koschatzky (H.g.): Maria Theresia und ihre Zeit. Zur 200. Wiederkehr des Todestages, Katalog zur Ausstellung vom 13. Mai bis 26. Oktober 1980 Wien, Schloss Schönbrunn, Salzburg/Wien 1980, S. 428.
mini|Ignaz Unterberger, Zeremonien in einer Wiener Freimaurerloge zur Zeit Josephs II.; auch Mozart soll hier abgebildet sein 1780 übernahm Joseph II. nach dem Tod seiner Mutter Maria Theresia bis zu seinem eigenen Tod 1790 die Regentschaft der habsburgischen Erblande. 1784 erfolgte die Gründung der „Großen Landesloge von Österreich“ unter ihrem Großmeister Karl Johann Fürst von Dietrichstein. Im Dezember 1785 erließ Joseph II. das Freimaurerpatent, das die Logen zwar der staatlichen Kontrolle unterwarf, ihre Anzahl beschränkte und die behördliche Meldung der Mitglieder verlangte, die Freimaurerei in den habsburgischen Erblanden aber auch legalisierte.Freimaurerei von den Anfängen bis in die Gegenwart (online-Beitrag des Österreichischen Freimaurermuseums, abgerufen am 10. Oktober 2024) Infolge des Freimaurerpatents waren die Brüder gehalten, sich in „Sammellogen“ zusammenzuschließen, von denen es nur wenige gab, in Wien z. B. nur zwei.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 118. Eine von ihnen war die Loge Zur Neugekrönten Hoffnung, der z. B. auch Wolfgang Amadeus Mozart angehörte und die aus dem behördlich betriebenen Zusammenschluss der Logen Zur gekrönten Hoffnung, Zur Wohltätigkeit und Zu den drei Feuern hervorgegangen war.Walter Koschatzky (H.g.): Maria Theresia und ihre Zeit. Zur 200. Wiederkehr des Todestages, Katalog zur Ausstellung vom 13. Mai bis 26. Oktober 1980 Wien, Schloss Schönbrunn, Salzburg/Wien 1980, S. 431. Infolge der staatlichen Eingriffe ging die Anzahl der Bauhütten kontinuierlich zurück. In Wien z. B. blieb nach dem Niedergang der Loge Wahrheit 1787 nur mehr eine einzige Freimaurerloge übrig.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 141.
1795 bis 1867 Unter dem seit 1792 regierenden Kaiser Franz II. wurde die Freimaurerei in den habsburgischen Erblanden unter dem Eindruck der Französischen Revolution als Inbegriff liberaler Ideen verfolgt.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 149. Das Kriminalpatent vom 2. Jänner 1795Nr. 209, Patent vom 2ten Januar 1795, „Das Verbrechen des Hochverrathes begehet derjenige …“, in: Seiner Majestät des Kaisers Franz Gesetze und Verfassungen im Justitz-Fache für die Deutschen Staaten der Oesterreichischen Monarchie. Kaiserlich-königliche Staats-Druckerey, Wien 1817, S. 177. bildete die Handhabe zum gänzlichen Verbot aller geschlossenen Gesellschaften im Habsburgerreich und damit auch der Freimaurerei.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 141. Die Revolution von 1848 bot zwar eine kurze Gelegenheit zur freimaurerischen Arbeit, danach wurden die Logen aber sofort wieder verbotenMuseumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 149. und blieben es in den österreichischen Ländern bis zum Ende der Monarchie 1918.
1867 bis 1918 mini|Länder der ungarischen Krone innerhalb Österreich-Ungarns Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 wurde die Freimaurerei im ungarischen Teil der Monarchie staatlich anerkannt, während sie in den österreichischen Ländern verboten blieb. Vor allem die Wiener Freimaurer beschritten ab 1869 den Ausweg, ihre Logen jenseits der Grenze in Transleithanien zu errichten. Diesen „Grenzlogen“ entsprachen in Wien gewöhnliche Vereine nach österreichischem Gesetz, die meist den gleichen Namen wie die nach ungarischem Gesetz organisierten Logen trugen. Die Wiener Freimaurer trafen sich fortan in Wien zu Diskussionen und administrativen Tätigkeiten und fuhren regelmäßig nach Ungarn, um die entsprechenden rituellen Tempelarbeiten durchzuführen.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 149. 1871 gründeten Wiener Freimaurer auf ungarischem Boden die Loge Humanitas in Neudörfl. Weitere Logen, besonders in Ödenburg und Pressburg, folgten. Im Osten Österreichs nahm die Freimaurerei in der Folge trotz aller Einschränkungen einen neuen Aufschwung und umfasste 1914 bereits 13 Logen mit insgesamt rund 1000 Mitgliedern.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 149.
1918 bis 1930 mini|Palais Gatterburg in der Wiener Dorotheergasse 12 Nach dem Ende der Monarchie und der Ausrufung der Republik im November 1918 bezogen 14 bisherige „Grenzlogen“ das Palais Gatterburg in der Dorotheergasse 12 in Wien und gründeten mit Hilfe der Großloge von Ungarn am 8. Dezember 1918 die Großloge von Wien.
Im Oktober 1925 wurde in Österreich das Hochgradsystem des Schottischen Ritus eingeführt, wobei Eugen Lennhoff erster Vorsitzender des Obersten Rates für Österreich wurde.Eugen Lennhoff, auf freimaurer-wiki.deMuseumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 155. Der 1893 in Frankreich gegründete und sowohl für Frauen als auch für Männer offene Freimaurerorden Le Droit Humain kam 1922 nach Österreich,Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 48. auch entstand eine österreichische Sektion der Universellen Freimaurer Liga (UFL). Im Dezember 1930 erlangte die Großloge von Wien ihre formelle Anerkennung durch die Vereinigte Großloge von England.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 155.
1930 bis 1945 Zu Beginn der 1930er Jahre wurden in Österreich die staatlichen Widerstände gegen die Freimaurerei immer größer, besonders unter dem seit Frühjahr 1933 mittels Verordnungen autoritär regierenden Bundeskanzler Dollfuß und seinem Nachfolger Schuschnigg. In der Zeit des autoritären Staates (siehe Ständestaat, Austrofaschismus) wurde die Tätigkeit der österreichischen Logen polizeilich kontrolliert und zunehmend behindert, Staatsbeamte zur Distanzierung von der Freimaurerei aufgefordert und im Staatsdienst stehende Freimaurer zum Austritt genötigt. Die Mitgliederzahl der in der Großloge von Wien organisierten Logen ging von über 2000 auf etwa 1200 Brüder zurück, allein zwischen 1934 und 1937 mussten sechs Logen der Großloge von Wien ihre Arbeit einstellen. Sozialreformerische Vereine mit freimaurerischer Beteiligung wurden aufgelöst oder konnten ihre Arbeit nur in bescheidenem Maße aufrechterhalten.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 167–168.
Mit dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich im März 1938 wurde das dort schon 1935 verfügte Verbot der Freimaurerei auch auf Österreich ausgedehnt. In Wien wurde bereits am 13. März 1938 das Palais Gatterburg von Nationalsozialisten gestürmt und geplündert, zahlreiche Freimaurer wurden in der Folge verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.
1945 bis 1955 Am 28. Juli 1945 fand in Wien die erste offizielle Versammlung österreichischer Freimaurer seit dem „Anschluss“ im März 1938 statt, wobei die Gründung der bis 1950 bestehenden Loge Humanitas Renata als Sammelloge für die nach der Zeit des Nationalsozialismus verbliebenen Mitglieder beschlossen wurde; von den bis 1938 tätigen Freimaurern waren die meisten verschleppt oder ermordet worden, in Gefangenschaft geraten, ausgewandert oder inzwischen verstorben.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 169. Auch die österreichische Sektion der Universellen Freimaurer Liga (UFL) wurde wieder begründet.Museumsverein Schloß Rosenau (H.g.): Österreichisches Freimaurer-Museum Schloss Rosenau bei Zwettl, Katalog zur Dauerausstellung, Wien 2005, S. 48.
mini|Freemasons’ Hall, Sitz der Vereinigten Großloge von England