Die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD) war eine Blockpartei in der DDR. Sie wurde 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet und unterstützte die Politik der SED. Nach der Wende ging sie 1990 zunächst im Bund Freier Demokraten und kurz darauf mit diesem in der gesamtdeutschen FDP auf.

Geschichte Gründung mini|links|Gedenktafel am Gründungsort der NDPD in Potsdam, Lindenstraße 44Erhart Hohenstein: Wie aus Wache Wachtel wurde. In: Der Tagesspiegel. 14. August 2009. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) ließ im Sommer 1945 vier Parteien zu: die KPD, die SPD, die CDU und die LDP. Die SPD wurde im April 1946 mit der KPD zur SED zwangsvereinigt. Auf Grund des guten Abschneidens von CDU und LDP bei den Landtagswahlen in der SBZ 1946 bemühte sich die SED, diesen Parteien künstliche Konkurrenz zu bereiten. Dazu gründete sie im April 1948 auf Weisung und in Abstimmung mit der SMAD eine Bauernpartei (DBD) und am 25. Mai 1948 die National-Demokratische Partei Deutschlands. An diesem Tag trafen sich die Vorsitzenden der Gründungsausschüsse; das wurde später als Gründungsdatum festgelegt.Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2. Rowohlt, Hamburg 1994, s. v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 714.

Stalin äußerte im März 1948, es sei an der Zeit, „die Trennlinie zwischen ehemaligen Nazis und Nichtnazis aufzuheben“.Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990. 2. Auflage. Propyläen, München 2000 (1998), S. 42. Bereits am 26. Februar 1948 hatte der SMAD-Befehl Nr. 35 die Entnazifizierung in der Sowjetzone beendet; dadurch war es fortan „nichtbelasteten“ NSDAP-Mitgliedern möglich, „an der Sicherung der Einheit und der demokratischen Entwicklung Deutschlands ehrlich mitzuarbeiten“. Am 22. März 1948 erschien erstmals die neue National-Zeitung, das spätere Zentralorgan der NDPD. mini|Werbetext der Partei im Adressbuch Leipzig 1949 Neben alten NSDAP-Mitgliedern sollten auch ehemalige Offiziere und Vertriebene von der neuen Partei aufgefangen werden. Der SED-Vorstand erläuterte auf seiner Tagung im Mai 1948, „diese politisch unklaren Menschen“ sollten bei der nächsten Wahl nicht „das Stimmvieh“ für die bürgerlichen Parteien CDU und LDP abgeben.Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990. 2. Auflage. Propyläen, München 2000 (1998), S. 41–42.

Erster Vorsitzender der NDPD wurde Lothar Bolz, seit 1928 KPD-Mitglied und später Mitarbeiter beim Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD, 1943–1945) in der Sowjetunion. Die Partei trat im September 1948 dem Demokratischen Block bei. Klaus Schroeder zufolge waren in die SED wesentlich mehr ehemalige NSDAP-Mitglieder eingebunden als in die NDPD.Klaus Schroeder: Der SED-Staat. Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990. 2. Auflage. Propyläen, München 2000 (1998), S. 42–43.

Politische Arbeit in der DDR mini|Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht und Heinrich Homann (1968) In ihrem Parteiprogramm forderte die NDPD unter anderem die Förderung des Mittelstands, die Eingliederung der einstigen Berufsbeamten, ein Ende der Diskriminierung der einfachen NSDAP-Mitglieder und der Offiziere der Wehrmacht, eine vollständige Bodenreform und die Enteignung der Konzerne. Die nationalkonservativen Angehörigen des Mittelstands und Heimkehrer aus der KriegsgefangenschaftBeispielsweise Wolfgang Rösser. stellten den überwiegenden Anteil der Mitglieder. Die NDPD war nach dem Muster der SED und dem Prinzip des Demokratischen Zentralismus organisiert. Höchstes Gremium war der im fünfjährigen Rhythmus zusammentretende Parteitag, der einen Hauptausschuss wählte. Ein Sekretariat erledigte die laufenden Geschäfte. Neben der werktäglich erscheinenden National-Zeitung gab der Parteivorstand die Zweimonatszeitschrift Die Nation („Zeitschrift für Theorie und Praxis nationaler Politik“) heraus. Der parteieigene Verlag der Nation spezialisierte sich „auf sogenannte ‚Wandlungsliteratur‘“ für die Parteiklientel ehemaliger Nazis, Offiziere und Berufssoldaten.

Die NDPD entsandte 52 Abgeordnete in die Volkskammer und stellte je einen Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats und des Vorsitzenden des Staatsrats der DDR (letzteres Amt hatte von 1960 bis 1989 Heinrich Homann inne). Regierungsmitglieder waren Lothar Bolz als Außenminister, Wilhelm Feldmann und später Gunter Halm als Minister für Leichtindustrie sowie Manfred Flegel als Minister für Materialwirtschaft bzw. Handel und Versorgung. Das Parteimitglied Ferdinand Graf von Thun und Hohenstein war ein hochrangiger Diplomat der DDR (Botschafter im Iran). mini|hochkant|Haus der NDPD in Ost-Berlin, Friedrichstraße 65 (1959) Zu weiteren prominenten Mitgliedern der Partei gehörten die ehemaligen Wehrmachtsoffiziere Arno von Lenski, Vincenz Müller (einer der ersten NVA-Generäle), Rudolf Petershagen, Egbert von Frankenberg und Proschlitz und Herbert Stößlein, die Schriftsteller Vilmos Korn, Günther Deicke, Ulrich Grasnick und Franz Fühmann, der Architekt Hans Gericke, der Rostocker Parteifunktionär Artur Pommerenke, die Komponistin und Organistin Ruth Zechlin, der Schauspieler und Entertainer Lutz Jahoda, der Theaterregisseur Erwin Leister, der Bildhauer Jo Jastram, die Schauspielerin Regina Jeske, der Theaterkritiker Klaus Baschleben, die Schlagersängerin Regina Thoss sowie der Quedlinburger Bürgermeister und spätere FDP-Landespolitiker Rainhard Lukowitz.Günter Hartmann, Gert Walter (Hrsg.): NDPD – Auskünfte zur Zeit von Mitgliedern der NDPD aus vier Jahrzehnten. Verlag der Nation, Berlin 1988.

Wendezeit 1989/90 Am 7. Dezember 1989 trat die Partei aus dem „Demokratischen Block“ aus. Die Partei war mit drei Vertretern am Runden Tisch beteiligt.

Auf dem 14. Parteitag am 20./21. Januar 1990 wurde Wolfgang Glaeser mit 32 Prozent Gegenstimmen zum Vorsitzenden gewählt; er vertrat in seinem Schlusswort einen stark reformorientierten Standpunkt. Führungskräfte und Teile der Mitgliederschaft distanzierten sich davon, und Glaeser trat zwei Tage später zurück.Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2. Rowohlt, Hamburg 1994, s. v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 717. Auf dem Parteitag am 11. Februar 1990 wurde Wolfgang Rauls zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt.

Ein von der NDPD vorgeschlagener Wahlverbund der nationalen und liberalen Parteien in der DDR wurde von den im Bund Freier Demokraten zusammengeschlossenen Parteien abgelehnt. Die NDPD erhielt bei der freien Volkskammerwahl vom 18. März 1990 nur 0,39 Prozent der Stimmen und zwei Mandate.Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2. Rowohlt, Hamburg 1994, s. v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 717 f. Sie trat im Wahlkampf für eine soziale Marktwirtschaft, einen Stufenplan zur deutschen Einheit über eine Wirtschafts- und Währungsunion und den Beitritt der DDR zur Europäischen Gemeinschaft ein.

Die beiden NDPD-Abgeordneten schlossen sich in der Volkskammer mit den für den BFD gewählten Volksvertretern zur Fraktion Die Liberalen zusammen. Ende März 1990 fusionierte die NDPD mit der LDP zur Partei Bund Freier Demokraten. Diese ging am 12. August 1990 gemeinsam mit der Deutschen Forumpartei und F.D.P. der DDR in der Freien Demokratischen Partei (FDP) auf.

Mitgliedschaft mini|hochkant|Ehrenzeichen der NDPD Nach eigenen Angaben hatte die NDPD folgende Mitgliederzahlen:

Jahr Anzahl Mitglieder Quelle 1949 17.000 Peter Joachim Lapp: Die Staatsparteien der DDR. In: Andreas Kost, Werner Rellecke, Reinhold Weber (Hrsg.): Parteien in den deutschen Ländern. Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60650-2, S. 49–70 (hier: S. 54). 1953 232.605 1975 85.961 Andreas Malycha: Der Schein der Normalität (1971 bis 1982). In: Informationen zur politischen Bildung. Nr. 312: Geschichte der DDR. Ausgabe 3/2011, Bundeszentrale für politische Bildung, , S. 49–65 (hier: S. 59). 1977 ca. 85.000 Walter Völkel: Nationale Front, Blockparteien, Gesellschaftliche Organisationen. In: Günter Erbe, Gert-Joachim Glaeßner (Hrsg.): Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der DDR – Studientexte für die politische Bildung. 2. Auflage, Westdeutscher Verlag, Opladen 1980, ISBN 3-531-11486-7, S. 112–120, hier: S. 118. späte 1980er ca. 110.000 Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Band 2. Rowohlt, Hamburg 1994, s. v. „National-Demokratische Partei Deutschlands“, S. 715.

Medien Das Zentralorgan der NDPD war die in Berlin erscheinende National-Zeitung.

Weitere NDPD-Zeitungen waren die: Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten (ab dem 14. Juli 1952 mit einer Auflage von 18.500 Exemplaren in den Bezirken Halle, Leipzig und Magdeburg) Sächsischen Neuesten Nachrichten (in den Bezirken Dresden und Karl-Marx-Stadt) Thüringer Neuesten Nachrichten Brandenburgischen Neuesten Nachrichten Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Parteitage mini|Parteitag der NDPD (1950)

1. Parteikonferenz im September 1948 in Potsdam 1. Parteitag im Juni 1949 in Halle 2. Parteitag im Juni 1950 in Leipzig 3. Parteitag im Juni 1951 in Leipzig 4. Parteitag im Juni 1952 in Leipzig 5. Parteitag im Oktober 1953 in Leipzig 6. Parteitag im September 1955 in Leipzig 7. Parteitag im Mai 1958 in Leipzig 8. Parteitag im Mai 1963 in Erfurt 9. Parteitag im September 1967 in Magdeburg 10. Parteitag im April 1972 in Potsdam 11. Parteitag im April 1977 in Leipzig 12. Parteitag im April 1982 in Leipzig 13. Parteitag im Mai 1987 in Leipzig 14. Parteitag im Januar/Februar 1990 in Ost-Berlin Letzte Parteikonferenz im März 1990 in Ost-Berlin

Parteiführung Parteivorsitzende 1948–1972: Lothar Bolz 1972–1989: Heinrich Homann, bereits seit 1967 geschäftsführend 1989–1990: Günter Hartmann 1990: Wolfgang Glaeser 1990: Wolfgang Rauls

Vorsitzende der Landesverbände 1948–1952 Berlin Alfred Wunderlich (1949) Egbert von Frankenberg und Proschlitz (1951–1952) Brandenburg Oswald Koltzenburg (1948–1951) Hans Lohrisch (1951–1952) Mecklenburg Jonny Löhr (1948–1950) Gustav Siemon (1950–1951) Sachsen Vilmos Korn (1949) Wilhelm Adam (1949–1952) Kurt Lachner (1952) Sachsen-Anhalt Jakob-Adolf Heilmann (1949) Otto Rühle (1949–1952) Thüringen Rudi Reinwarth (1948–1949) Günther Ludwig (1949) Walter König (1949–1952)

Vorsitzende der Bezirksverbände Berlin Egbert von Frankenberg und Proschlitz (1952–1953) Friedrich Pfaffenbach (1953–1984) Gustav Adolf Schlomann (1984–1989) Ralph Reiner Günter (1989–1990) Cottbus Horst Mohr (1952–1953) Gerhard Schumann (1953–1962) Friedrich Kos (1963–1967) Rupprecht Weidle (1967–1972) Gustav Siemon (1972–1984) Karsten-Olaf Müller (1984–1990) Dresden Otto Rühle (1952–1953) Kurt Hähling (1953–1960) Horst Winkler (1960–1989) Christian Schmidt (1989–1990) Erfurt Hans Luthardt (1952–1953) Rudolf Schindler (1953–1955) Helmut Schaefer (1955–1965) Bernhard Bendt (1965–1981) Siegfried Theuß (1981–1990) Frankfurt (Oder) Hans Rüdiger (1952–1954) Heinz Laßen (1954–1957) Wilhelm Funder (1957–1960) Heinz Laßen (1960–1964) Hans Möller (1964–1985) Uwe Laßen (1985–1989) Hermann Koß (1989–1990) Gera Gustav Siemon (1953–1955) Harry Dumke (1955–1966) Edgar Neupert (1966–1972) Rüdiger Ruddigkeit (1977–1989) Halle Friedrich Pfaffenbach (1952–1953) Horst Kreter (1953) Heinz Kohls (1953–1960) Max Schneider (1960–1966) Erhard Lonscher (1966–1973) Karl-Hein Döring (1973–1979) Georg Altkuckatz (1979–1989) Lothar Müller (1990) Karl-Marx-Stadt Rudolf Wolf (1952–1953) Martin Richter (1953–1975) Karl Blau (1975–1989) Wolfram Hoschke (1989–1990) Leipzig Kurt Lachner (1952–1953) Helmut Mertins (1954) Hans Rüdiger (1954–1964) Klaus Werner Jacobs (1965–1982) Harry Hegler (1982–1983) Siegfried Krause (1983–1990) Magdeburg Helfried Grope (1952–1959) Rudolf Vasel (1959–1961) Otto Nique (1961–1966) Gerhard Schumann (1966–1968) Wilhelm Bischoff (1969–1972)