mini|Thélyson Orélien Thélyson Orélien (* 23. Mai 1988 in Gonaïves, Haiti) ist ein haitianisch-kanadischer Schriftsteller und Journalist. Sein Roman C’était ça ou mourir wurde 2026 unter anderem mit dem Prix du Roman Fnac ausgezeichnet, unmittelbar darauf aber aufgrund von Vorwürfen, er sei mittels generativer künstlicher Intelligenz verfasst worden, Gegenstand einer Kontroverse. In der Folge wurden Plagiatsvorwürfe bezüglich mehrerer von Orélien veröffentlichter Texte aus früheren Jahren geäußert. Die Nominierung für den Prix Goncourt wurde zurückgezogen.
Leben Orélien wuchs als drittes von fünf Kindern in einer protestantischen Familie in Gonaïves auf. Zu Hause wurde Haitianisch-Kreolisch gesprochen. Sein Vater war Buchhalter, seine Mutter Schneiderin. Er besuchte eine katholische Privatschule.
Er studierte Rechtswissenschaft an der Université d’État d’Haïti in Port-au-Prince. Nach dem Erdbeben in Haiti 2010 zog er nach Kanada, wo bereits Verwandte lebten. An der Universität Montreal studierte er Wirtschafts- und Politikwissenschaften.
Literarische und journalistische Tätigkeit Frühe Veröffentlichungen Zu Oréliens frühen lyrischen Veröffentlichungen gehören Au-delà du silence (2006), Les Couleurs de ma terre (2007), Poèmes déshabillés suivi de Fragments de voix (2011) und Le temps qui reste (2015).
2007 erhielt er beim schweizerischen Prix interrégional jeunes auteurs (PIJA) den ersten Preis in der Kategorie Langue apprise. Sein ausgezeichnetes Gedicht Les Couleurs de ma terre erschien in der Anthologie La Poésie bei den Éditions de l’Hèbe. 2009 war er mit L’Ombre qui colle à mes pas Finalist des Prix Arthur Rimbaud. Er wirkte an der Literaturplattform Parole en Archipel mit und veröffentlichte in Anthologien und Literaturzeitschriften.
Als Kolumnist schrieb Orélien unter anderem für AyiboPost und die Leserplattform Le Cercle von La Presse.
Für seinen damals unveröffentlichten Roman Le rêve de la mer Noire erhielt er den Prix Amaranthe 2024.
C’était ça ou mourir Der Roman C’était ça ou mourir erschien im März 2026 bei den Éditions du Boréal in Québec und am 19. August desselben Jahres bei Grasset in Frankreich. Er erzählt von Jonas Dorléon, einem haitianischen Lehrer, der vor der Bandengewalt in Port-au-Prince flieht. Seine Reise führt ihn über die Dominikanische Republik, Brasilien, Mexiko und die Vereinigten Staaten nach Kanada.
Boréal nahm den Roman nach einer unverlangten Manuskripteinsendung an. Bereits vor der Veröffentlichung in Québec waren die Rechte in 22 Länder verkauft worden. Für das Buch verarbeitete Orélien Gespräche mit Migranten und Eindrücke von Recherchereisen in die Vereinigten Staaten. Nach einem Aufenthalt in Florida 2017 begann er mit der Arbeit am Roman.
Das Buch erhielt 2026 den Prix Méduse, den Prix Strasbourg Espoir CIC (am 25. September aberkannt), den Prix Première Plume und den Prix Roman News. Am 21. September wurde Orélien dafür mit dem Prix du Roman Fnac ausgezeichnet. Der Roman stand außerdem auf den ersten Auswahllisten für den Prix Goncourt, den Prix Renaudot, den Prix Femina, den Prix Médicis und den Prix Décembre. Er wurde auch für den Prix du premier roman, den Prix André Malraux, den Prix Jean Giono und den Prix Renaudot des lycéens ausgewählt.
KI- und Plagiatsvorwürfe Am 21. September 2026 erhob der zunächst anonyme X-Account Balance ton Claude den Vorwurf, C’était ça ou mourir sei nahezu vollständig mithilfe generativer künstlicher Intelligenz geschrieben worden. Der Account berief sich auf die Ergebnisse des KI-Textdetektors Pangram.
Der öffentlich-rechtliche französische Rundfunksender France Info überprüfte anschließend selbst mehrere Passagen des Romans. Nach Angaben des Senders stufte Pangram sämtliche eingereichten Textpassagen als mit KI-Unterstützung verfasst ein. In Vergleichstests wurden zwei ältere Texte Oréliens als vollständig menschlich verfasst und Auszüge aus vier anderen zeitgenössischen Romanen zu 99 bis 100 Prozent als menschlich verfasst eingestuft. Der Sender betonte, dass solche Testergebnisse keinen unwiderlegbaren Beweis für den Einsatz von KI lieferten.
Orélien bestritt den Einsatz künstlicher Intelligenz. Er habe 2017 mit dem Roman begonnen und 2019 eine erste Fassung abgeschlossen. Die Bildsprache, Wiederholungen und Rhythmen seines Textes führte er auf haitianische und karibische Literaturtraditionen zurück. Zudem berichtete er von rassistischen Angriffen gegen seine Person. Grasset und Boréal bekräftigten zunächst ihr Vertrauen in ihn. ActuaLitté wies in seiner Berichterstattung darauf hin, dass die Detektorergebnisse den tatsächlichen Entstehungsprozess des Manuskripts nicht belegten. Am 24. September setzte Boréal die Werbeaktivitäten für den Roman aus.
Die kanadische Tageszeitung La Presse überprüfte zusätzlich Auszüge aus drei weiteren Büchern von Orélien, die zwischen 2023 und 2025 erschienen waren. Nach Angaben der Zeitung stufte Pangram alle Passagen als KI-unterstützt ein. Auch mehrere Kolumnen, die im gleichen Zeitraum in verschiedenen Medien erschienen waren, wurden so eingestuft.Ulysse Bergeron, Charles-Éric Blais-Poulin: « Peut-être qu’il faut que j’arrête d’écrire ». In: La Presse, 23. September 2026.
Im Zuge der Kontroverse wurden Plagiatsvorwürfe erhoben. La Presse zeigte in mehreren Texten, die Orélien zwischen 2012 und 2014 geschrieben hatte und die in verschiedenen Medien in Québec und Frankreich publiziert wurden, Übereinstimmungen mit zuvor veröffentlichten Beiträgen oder Werken anderer Autoren auf.Ulysse Bergeron, Charles-Éric Blais-Poulin: Thélyson Orélien rattrapé par un passé de plagiaire. In: La Presse, 23. September 2026.
Die Nominierung für den Prix Goncourt wurde am 25. September 2026 zurückgezogen. Die Académie Goncourt begründete dies mit aus ihrer Sicht belegten Plagiaten sowie dem übereinstimmenden Ergebnis mehrerer Analysen von Forschern und Journalisten, denen zufolge der Roman aller Wahrscheinlichkeit nach zum größten Teil das Produkt einer künstlichen Intelligenz sei.Communiqué. In: Académie Goncourt, 25. September 2026 (PDF).
Am 25. September vergab die Jury den ihm zunächst zuerkannten Prix Strasbourg Espoir CIC stattdessen an Amandine Agić.Accusé d’avoir utilisé l’IA et de plagiat, Thélyson Orélien suspendu du prix Strasbourg Espoir CIC. In: dna.fr, 25. September 2026.
Auszeichnungen 2007: Prix interrégional jeunes auteurs, erster Preis in der Kategorie Langue apprise. 2024: Prix Amaranthe für das unveröffentlichte Manuskript Le rêve de la mer Noire. 2026: Prix Méduse für C’était ça ou mourir. 2026: Prix Strasbourg Espoir CIC für C’était ça ou mourir (am 25. September aberkannt). 2026: Prix Première Plume für C’était ça ou mourir. 2026: Prix Roman News für C’était ça ou mourir. 2026: Prix du Roman Fnac für C’était ça ou mourir.
Werke Romane Éternels amants. Éditions des Marges, 2023, ISBN 979-10-359-8372-7. C’était ça ou mourir. Éditions du Boréal, Montréal 2026, ISBN 978-2-7646-2925-3. Ausgabe für Frankreich: Grasset, Paris 2026, ISBN 978-2-246-84706-9. vom Verlag im deutschen Buchhandel für den Juni 2027 angekündigte deutsche Ausgabe: Es war das oder sterben. Übersetzt aus dem Französischen von Romy Ritte und Jürgen Ritte. Rowohlt, Hamburg 2027, ISBN 978-3-498-00990-8, , Stand: 30. September 2026.
Lyrik Au-delà du silence. 2006. Neuausgabe: Éditions Rocheuses, 2023, ISBN 979-10-424-1684-3. Les Couleurs de ma terre. In: La Poésie. Éditions de l’Hèbe, 2007. Poèmes déshabillés suivi de Fragments de voix. 2011. Le temps qui reste. 2015. Tant que le silence saigne, je parlerai. Éditions Rocheuses, Ausgabe von 2025.
Essay Penser le mot en N : Cartographie d’une blessure vivante. 2024.
Weblinks
Website von Thélyson Orélien (Archiv; französisch) Blog (Archiv)
Einzelnachweise
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