mini|Paul v. Schönthan (vor 1905) mini|Grabmal von Paul von Schönthan Paul von Schönthan, eigentlich: Paul Schönthan Edler von Pernwaldt, (* 19. März 1853 in Wien, Kaisertum Österreich; † 4. August 1905 ebenda) war ein österreichischer Journalist und Dramatiker.
Leben Schönthan stammte aus einer alten Kaufmannsfamilie; sein älterer Bruder war der Schriftsteller Franz von Schönthan (1849–1913), mit dem er auch ein brüderliches Autorenduo bildete. Auf Wunsch seiner Familie ging er – gleich seinem Bruder – als Kadett zur k.k. Kriegsmarine. Aber bereits nach kurzer Zeit verließ er sie aus gesundheitlichen Gründen wieder. Angeleitet von seinem Bruder wurde Schönthan Journalist.
Zwischen 1887 und 1890 wirkte er als Redakteur der Berliner Wochenschrift Lustige Blätter, wo er u. a. mit seinem Bruder und dem Schriftsteller Alexander Moszkowski zusammenarbeitete. 1892 kehrte Schönthan nach Wien zurück und bekam dort eine Anstellung beim Wiener Tagblatt. Bereits nach kurzer Zeit avancierte er dort zum Leiter des Feuilletons und des Kunst- und Hofburgtheater-Referats. Mit 1. Juli 1902 wechselte er zur Wiener Zeitung, wo er bis zu seinem Tod in verschiedenen Abteilungen arbeitete und am 12. April 1905 seinen letzten größeren Beitrag lieferte.
Schönthan lebte in den letzten Lebensjahren zurückgezogen in Wien-Landstraße, Ölzeltgasse 3. An den Nerven leidend, suchte er kurzzeitig Besserung durch einen Aufenthalt bei Verwandten in Mödling, begab sich jedoch danach in Svetlin’s Privat-Heilanstalt für Gemütskranke, wo er nach zweieinhalbmonatigem Aufenthalt im Alter von 52 Jahren an einem Gehirnödem starb. Seine letzte Ruhestätte fand er in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Dornbacher Friedhof (Gruppe 6, Nummer 4) in Wien.
Als Schriftsteller hatte Schönthan 1885 mit der gemeinsam mit seinem Bruder Franz geschriebenen Komödie Der Raub der Sabinerinnen seinen größten, bis heute wirkenden Erfolg erlebt.
Im Jahr 1961 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) den Schönthanplatz nach ihm und seinem Bruder Franz von Schönthan benannt.
Werke Franz von Schönthan, —: Kleine Humoresken. Erzählungen. (4 Bände). 1882–87 Franz von Schönthan, —: Der Raub der Sabinerinnen. Lustspiel. 1884 – Volltext online Der Maskenball und andere heitere Geschichten. 1885 Otto Bütow, Franz von Schönthan, —: Wie ein Schwank entsteht! oder Der Raub der Sabinerinnen. 1885 Franz von Schönthan, —: Frau Director Striese. Schwank in vier Acten. 1886 Kindermund. Aussprüche und Scenen aus dem Kinderleben. 1886 Zimmer Nr. 18. Schwank in einem Akt. 1886 – Der Kuss. Gereimtes und Ungereimtes. 1887 In Sturm und Not. Lustspiel in einem Aufzug. 1888 Welt- und Kleinstadt-Geschichten. 1889 Hans Olden, —: Die Geigenfee. Lustspiel in drei Akten. 1890 Neue Geschichten. Ernstes und Heiteres. 1890 „O dieser Meier“ und andere wunderliche Leute. 1890 Die Tragödie des Weihnachtsmärchens. 1890 Aus der grossen und kleinen Welt. Novellen. 1891 Die Königin der Luft und andere Erzählungen. 1891 Franz von Schönthan, —: Das gelobte Land. Schwank in vier Akten. 1892 Ringstrassenzauber. Bilder aus dem Wiener Leben. 1894 Schlechte Rasse. Novelle. 1894 Stille Liebe. 1894 Geberden der Liebe. Zwei Novellen. 1895 —, Leo Stein, Adolf Müller junior (Musik): Lady Charlatan. Operette in 3 Acten. 1895 —, Carl Zopf (Ill.): Prinzessin Turandot. 1895 Gelegenheitskauf. Lustspiel in einem Akt. 1896 Jahreszeiten der Feder. Allerlei. 1896 Stickluft. Roman aus der Großstadt. 1896 —, H. Albrecht (Ill.): Die zwei Grazien und andere Geschichten. 1896 Edi und Fredi. Episoden aus dem Leben zweier Musterknaben. 1897 —, Carl Zopf (Ill.): Enfant terrible. 1897 Wiener Luft. Stimmungen und Geschichten. 1897 Aus der lachenden Radlerwelt. 1899 Benimm dich anständig und andere anständige Sachen. (2. Aufl.) . 1899 — (Hrsg.): Die elegante Welt. Handbuch der vornehmen Lebensart im gesellschaftlichen und schriftlichen Verkehr. Mit zahlreichen Briefmustern, Lexikon des guten Tones, Denksprüchen, Toastentwürfen und Fremdwörterbuch. (7. Aufl.). 1899 Humoresken und Skizzen. 1899 Ernst bei Seite. Humoristisches und Ironisches. 1900 —, Leo Stein, Georg Verö (Musik): Der Löwenjäger. Operette in 3 Acten (nach einer fremden Grundidee). 1900 Frau Lot. Roman. 1900 —, Leo Stein, Ferdinand Baumgarten (Musik): Gräfin Kuni. Operette in drei Acten. 1900 Das junge Paar. Ein Leitfaden der Ehe von —. 1900 Kinder von heute. Humoristisches aus dem modernen Kinderleben. 1901 Der Klavierlehrer. Lustspiel in einem Akt. 1902 „Pariser Modell“. Roman. 1902
Literatur
Otto Bütow: Wie ein Schwank entsteht! oder „Der Raub der Sabinerinnen“ von Paul und Franz von Schönthan. Ein Briefwechsel. Lemme, Leipzig 1885, OBV. Volker Klotz: Bürgerliches Lachtheater. Komödie, Posse, Schwank, Operette. Winter, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8253-5100-7. Alain Michel: Der Militärschwank des kaiserlichen Deutschland. Dramaturgische Struktur und politische Funktion einer trivialen Lustspielform. Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, Band 110, . Akademischer Verlag Heinz, Stuttgart 1982, ISBN 3-88099-114-6.
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