mini|Spätes Stammwappen derer von Biedersee (1816) Biedersee (auch Biedersehe) ist der Name eines Adelsgeschlechts aus dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt, das aus einer nicht namentlich überlieferten alten adeligen Familie mit Sitz westlich von Halle an der Saale hervorging. Diverse Mitglieder der Familie hatten Ämter in preußischen und anhaltischen Diensten inne.
Geschichte Der Name leitet sich vom einstigen Wohnsitz „bei der See“ ab, vermutlich in der Nähe des Petersbergs beim Ort Beidersee/Morl gelegen. Die nicht namentlich überlieferte, ursprünglich im hallischen Raum ansässige, alte Adelsfamilie wurde ab dem 14. Jahrhundert mit dem Namen Biedersee erwähnt. Werner, Hans und Heinrich von Biedersee treten urkundlich 1391 auf. 1393 besiegelte Heide (Heidenreich) von Biedersee eine Urkunde. Gleiches tat Evert von Biedersee im Jahr 1412.Mülverstedt (1905), S. 74.
1466 war Friedrich von Biedersee Zeuge für Fürst Bernhard von Anhalt. Später erscheinen Mitglieder des Geschlechts als Geheimräte, Pagen, Hofräte, Militärs, Gesandte und Regierungspräsidenten für verschiedene Dienstherren. 1645 wurde Matthias von Biedersee in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Für Victor Friedrich Gottlieb Freiherr von Biedersee scheint um 1817 eine Erhebung in den preußischen Freiherrnstand stattgefunden zu haben.
Das Geschlecht wird in manchen Quellen als im 19. Jahrhundert erloschen aufgeführt, was aber unbelegt ist. So erscheint 1852 ein Rittergutsbesitzer Louis von Biedersee zu Ilberstedt, der an den Besitzer der dortigen Zuckerfabrik, den Kupferschmied F. A. Römer zu Bernburg und Genossen, aktenkundig ein Ackerstück, das Krosigk’sche Gewende genannt, abtratLandesarchiv Sachsen-Anhalt, H 110, Nr. 45., 1854 lebte ein Fräulein Aurora von Biederseevgl. Kneschke, Bd. 1 (1859), S. 418. in Berlin, und noch 1945 lebten Namensträger in Ilberstedt.
Besitz mini|Straße in Bullenstedt, im Hintergrund links alte Gebäude des Gutshofes Vertreter der Familie Biedersee siedelten sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in der Nähe des späteren Leopoldshall (heute Staßfurt) an. In Staßfurt ist das Wappen der Familie auf dem Stadtpalais von Werdensleben (ehemaliges Rathaus) über der Eingangstür zu finden. Im 16. Jahrhundert wurde die dortige Familie mit einem freien Sattelhof in Edderitz und drei Rittergütern in Ilberstedt belehnt, die als Ober-, Mittel- und Unterhof bezeichnet wurden. Außerdem erwarb die Familie 1710 das nahegelegene Gut in Bullenstedt als Lehen von Anhalt-Bernburg. Andere Zweige erwarben Rittersitze in Ballenstedt.
Im Jahr 1786 fiel der Oberhof als erledigtes Lehen an die Landesherrschaft zurück. Den Mittelhof veräußerte die Familie von Biedersee 1792 an den Kriegs- und Domänenrat Braunbehrens zu Halberstadt. 1833 gelangte auch dieses Gut in den Besitz des Fiskus und wurde mit dem Oberhof zur Domäne Ilberstedt vereinigt. Nach dem Tod von Ottomar von Biedersee (1848–1926) erfolgte die Teilung des in Ilberstedt und Bullenstedt verbliebenen Grundbesitzes auf dessen Söhne Oskar und Erich, die bis zur Enteignung 1945 Eigentümer blieben. Oskar von Biedersee lebte bis zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie auf dem Gutshof in Ilberstedt.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, H 110 Gutsarchiv Ilberstedt, PDF, S. 168, auf lha.sachsen-anhalt.de (Abgerufen am 3. Dezember 2024)
Wappen Blasonierung des späten Stammwappens: In Silber ein grüner Laubkranz, belegt mit einem aus vier silbernen Rosen gebildeten Kreuz. Bekrönter Helm mit einem Bund aus fünf weißen Pfauenfedern, darauf erneut der Kranz. Helmdecken silbern-grün.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preussisches Adels-Lexicon: oder genealogische und ..., Band 1: A – D. Leipzig 1836, S. 237.
Dieses Wappen bildete sich erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts heraus. Zuvor zeigten die Siegel verschiedener Familienmitglieder andere Wappen. Die 1391er Siegel von Wener, Hans und Heinrich von Biedersee zeigen ein altdeutsches E (für ihren mutmaßlichen Vater Evert?), das an sechs Ecken mit einem Tannenreisern besteckt ist. Heide von Biedersees Wappen dagegen ein altdeutsches H (für Heide?) in einem ringsum mit pfeilartigen Blättern besetzten Kreis. Das Siegel von Evert von Biedersee von 1412 wiederum zeigt einen Ring, der ringsum mit Tannenreisern besetzt ist. Aus dieser Form scheint sich schließlich das spätere Stammwappen mit dem Laubkranz entwickelt zu haben.Mülverstedt (1884), S. 17.
Stammbaum (Auszüge) Die bei Johann Christoph Becmann 1710 erwähnte Stammliste beginnt mit einem Hans von Biedersee, der fünf Söhne (Eberhard, Friedrich, Heido, Albrecht und Hans) hatte, die großteils keine Erben hinterließen.
Literatur und Weblinks George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter): 6. Abt.: Ausgestorbener preußischer Adel, Provinz Sachsen (exl. die Altmark), Nürnberg 1884, S. 17 (uni-goettingen.de) u. Tfl. 11 (uni-goettingen.de). 11. Abt.: Ausgestorbener anhaltischer Adel, Nürnberg 1905, S. 74 (uni-goettingen.de) und Tfl. 42 (uni-goettingen.de). Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon, Band 1: A – D. Leipzig 1836, S. 237 (Digitalisat bei books.google.de) Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 1: Aa – Boyve. Leipzig 1859 (S.417, 418 in der ULB Düsseldorf). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der preussischen Monarchie. Band 1: A–K (Berlin 1855), S. 63 Digitalisat Johann Christoph Becmann: Historie des Fürstenthums Anhalt, Band 6 (Druck Gottf. Zimmermann, 1710), S. 199 ff. (Digitalisat bei Google-Bücher) Adolf Hildebrandt (Hrsg.): Sterberegister der Kirche zu Staßfurt; in: Vierteljahrsschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde (Berlin 1892) Band 20 S. 528 und weitere Fundstellen darin (v. a. siehe S. 192 Trauregister der Kirche zu Staßfurt) Konrad Tyroff: Neues Adeliches Wappenwerk: Geschlechts- und Wappenbeschreibungen zu dem Tyroffischen Neuen Adelichen Wappenwerk. Bd. 3, 1816, S. 26 (Digitalisat books.google.de)
Einzelnachweise
Kategorie:Adelsgeschlecht (Sachsen-Anhalt) Kategorie:Adelsgeschlecht (Mittelalter) Kategorie:Ersterwähnung 1391