mini|Karte der Colonia Ulpia Traiana im heutigen Archäologischen Park Xanten (Stand 2018); die spätantike Befestigung ist durch eine schwarze Linie markiert Die Colonia Ulpia Traiana (CUT) war eine römische Stadt (Colonia) auf dem Gebiet des heutigen Xanten (Nordrhein-Westfalen). Sie bestand etwa von 100 bis 275 n. Chr. und war ein Hauptort der Provinz Germania inferior. Heute befindet sich an der Stelle der Archäologische Park Xanten mit dem LVR-Römermuseum. Die Bodendenkmäler auf dem Gebiet werden nach und nach archäologisch erschlossen.

Die Colonia Ulpia Traiana wurde von Kaiser Marcus Ulpius Traianus gegründet und nach ihm benannt. Als Colonia gehörte sie zu den etwa 150 Städten im römischen Reich, die dieses Stadtrecht besaßen (ihre Einwohner besaßen das römische Bürgerrecht) und als „Abbilder Roms“ galten. Ulpia Traiana war nach der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (dem heutigen Köln) und Augusta Treverorum (Trier) die drittgrößte römische Stadt im heutigen Deutschland. Ihre öffentlichen Bauten repräsentieren den hohen Status der Stadt, die das Zentrum für ein weites Umland bildete.

Vorcoloniazeitliche Siedlungen mini|Erhaltene Fragmente des Mars-Cicollus-Weihesteins im LVR-RömerMuseum Xanten mit den Resten des Ortsnamens der Cugerner-Siedlung am rechten Ende der vorletzten erhaltenen Zeile mini|Gelände um die heutige Stadt Xanten mit der Colonia Ulpia Traiana und den beiden Kastellen Vetera I und II

Aufgrund archäologischer Funde kann die Entstehung des Ortes bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden. Weitere Funde stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.; aus dem 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert fehlen jedoch Belege für eine durchgängige Besiedlung. 13/12 v. Chr. ließ der Feldherr Drusus das Legionslager Vetera auf dem nahegelegenen Fürstenberg errichten, das auch als Basis für Feldzüge ins rechtsrheinische Germanien diente (Drusus-Feldzüge). Nach einem siegreichen Feldzug im Jahr 8 v. Chr. siedelte Drusus 40.000 Germanen, vor allem Sugambrer, in linksrheinische Gebiete um. Diese Germanen, nun als Cugerner bezeichnet, bildeten die Bevölkerung der nun gegründeten Siedlung, die später zur Colonia Ulpia Traiana erhoben werden sollte.

Der Name dieser Siedlung ist nicht überliefert. Eine Hypothese besagt, dass sie analog zum batavischen Hauptort Batavorum (dem heutigen Nimwegen) als Cugernorum bezeichnet wurde.Erstmals vorgeschlagen von Franz Oelmann: Bericht über die Tätigkeit des Landesmuseums in Bonn in der Zeit vom 1. April 1934 bis 31. März 1935. In: Bonner Jahrbücher. Band 140/141, 1936, S. 429–464, hier S. 431, doi:10.11588/bjb.1936.1.81350. Einen Hinweis auf den möglichen Ortsnamen bietet eine nur in Fragmenten erhaltene Weihinschrift an Mars Cicollus aus den 60er Jahren n. Chr., in der sich aller Wahrscheinlichkeit nach Teile der ersten drei Buchstaben des Ortsnamens erhalten haben (zu lesen als „Cib“, „Cip“, „Cir“, „Gib“, „Gip“ oder „Gir“).. Julianus Egidius Bogaers hat vorgeschlagen, diesen Namensrest zu „Cibernodurum“ zu ergänzen, was sich ebenfalls von dem Stammesnamen der Cugerner (auch als Cuberner bezeichnet) herleiten könnte.Julianus Egidius Bogaers: Zum Namen des „oppidum Cugernorum“. In: Naamkunde. Band 16, 1984, S. 33–39 (Digitalisat).

Aufgrund der Nähe zu Vetera I entwickelte sich Cugernorum/Cibernodurum innerhalb weniger Jahre zu einem vergleichsweise wohlhabenden Handelsplatz, bis es im Bataveraufstand 69/70 wohl das Schicksal Veteras teilte und niedergebrannt wurde. Ein Hinweis darauf könnte eine Brandschicht im Osten der späteren Colonia sein, in der auch der Mars-Cicollus-Altar, anscheinend schon in der Antike gewaltsam zertrümmert, gefunden wurde.Christoph B. Rüger: Vindex cum inermi provincia? Zu einer weiteren neronischen Marsinschrift vom Rhein. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Band 43, 1981, S. 329–336; Dirk Schmitz: Der Bataveraufstand im Kontext des römischen Bürgerkrieges 68–70 n. Chr. In: Martin Müller, Hans-Joachim Schalles, Norbert Zieling (Hrsg.): Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Philipp von Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7, S. 117–140, hier S. 134. Mit der Neuerrichtung des Militärlagers Vetera II im Jahr 71 wurde auch die Siedlung wiederbegründet. Sie besaß einen gut ausgebauten Hafen und bestand vorwiegend aus Lehmfachwerkhäusern, deren Baumaterial aus der näheren Umgebung stammte.

Colonia Ulpia Traiana Um 100 nach Christus wurde die Siedlung von Kaiser Trajan zur Colonia erhoben und erhielt nach dessen vollem Namen Marcus Ulpius Traianus die Bezeichnung Colonia Ulpia Traiana.Werner Eck: Die Gründung der Colonia Ulpia Traiana in ihrem politischen Kontext. In: Martin Müller, Hans-Joachim Schalles, Norbert Zieling (Hrsg.): Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Philipp von Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7, S. 243–255. Zu den ersten Baumaßnahmen gehörten die (zumindest teilweise) Errichtung der Stadtmauer und die Ergänzung des bestehenden Straßennetzes nach rechteckigem Grundmuster (Hippodamisches Schema). Größere Neubauten innerhalb des Stadtareals sind jedoch erst für die Zeit des Kaisers Hadrian (regierte 117–138) nachgewiesen, sodass unklar ist, ob die Neugründung unter Trajan mit einem Abriss der bisherigen Siedlungsstrukturen einherging.Martin Müller: Die städtebauliche Entwicklung von der Coloniagründung bis zur Spätantike. In: Martin Müller, Hans-Joachim Schalles, Norbert Zieling (Hrsg.): Colonia Ulpia Traiana. Xanten und sein Umland in römischer Zeit. Philipp von Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3953-7, S. 269–275. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Colonia Ulpia Traiana mit Wasserleitungen, einem Kanalsystem, Tempeln, Forum und Amphitheater ausgestattet. Auch bisher nicht bebaute Gebiete wurden bebaut. Daher findet man heute innerhalb der Colonia Gräber, obwohl die Gräberfelder immer außerhalb der Siedlung lagen.Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Denkmal an Natur. Schutz von Natur und Bodendenkmal im Archäologischen Park Xanten. Kleve 2003, S. 18. Innerhalb der Mauern lebten auf 73 Hektar etwa 10.000 Menschen. Die Bevölkerung bestand aus romanisierten Galliern und Germanen. Mit der Stadterhebung erhielten Veteranen der unter anderem in Vetera stationierten Legion Grundstücke und bildeten eine wohlhabende Einwohnerschicht.

Diverse Gewerbe sind in der Stadt bezeugt. Beim Hafen kamen 1993 zahlreiche Schichten römischer Keramik zu Tage, wobei es sich meist um Fehlbrände handelt, die eine Töpferei in der Stadt belegen.Ulrich Boelicke: Abfall einer neu entdeckten römischen Töpferei, in: Tatort CUT, Die Spur führt nach Xanten, Köln 1995, ISBN 3-7927-1503-1, S. 51–54. Weitere Abfälle einer Töpferei kamen unter dem Matronenheiligtum in Insula 20 zu Tage und bezeugen eine lokale Keramikproduktion in der Vorcolonialzeit.Dagmar Kroemer: Keramikproduktion in der vorcolonialzeitlichen Siedlung, in: Tatort CUT, Die Spur führt nach Xanten, Köln 1995, ISBN 3-7927-1503-1, S. 658–664. In der Insula 39 konnten Metallverarbeitungswerkstätten ausgegraben werden. Hier ist vor allem Silber bearbeitet worden.Norbert Zieling: Metallverarbeitung in der Colonia Uplia Traiana, in: Tatort CUT, Die Spur führt nach Xanten, Köln 1995, ISBN 3-7927-1503-1, S. 65–70.

Den archäologischen Befunden und Funden zufolge ging im Laufe des 3. Jahrhunderts die Besiedelung der Colonia Ulpia Traiana immer weiter zurück. Dies wird in der Forschung häufig mit den germanischen Raubzügen in den germanischen und gallischen Provinzen in Verbindung gebracht, die sich in dieser Zeit häuften (Reichskrise des 3. Jahrhunderts). In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verlandete zudem der Rheinarm vor der Stadt, wodurch ein natürlicher Schutzwall der Colonia wegfiel.Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Denkmal an Natur. Schutz von Natur und Bodendenkmal im Archäologischen Park Xanten. Kleve 2003, S. 20. Das einzige klare archäologische Indiz für eine eventuelle Zerstörung der Stadt stammt aus der Verfüllung eines Kellers der römischen Herberge, wo eine Brandschicht mit einer Silbermünze des Kaisers Aurelian (regierte 270–275) gefunden wurde. Daher geht man häufig davon aus, dass die historisch belegten umfangreichen Plünderungen der Franken in den Jahren 275/276 für die Zerstörung der Stadt sorgten. Bernd Liesen und Marcus Reuter kamen bei ihrer Auswertung der Grabungen im Herbergskeller allerdings zu dem Ergebnis, dass der einzelne dortige Fund nicht ausreicht, um die Zerstörung der gesamten Colonia Ulpia Traiana mit den fränkischen Raubzügen in Verbindung zu bringen oder auch nur eine gewaltsame Zerstörung der Herberge zu behaupten.Bernd Liesen, Marcus Reuter: Der Keller der mansio in Insula 38 und das Ende der Colonia Ulpia Traiana. In: Xantener Berichte. Band 15, 2009, S. 279–312 (online).

Nachcoloniazeitliche Siedlung

In den zentralen Bereichen der Colonia wurde im späten 3. Jahrhundert eine starke Befestigung errichtet, die das Areal von neun Insulae umfasste. Dies wurde in der Forschung zunächst auf die Jahre um 310 datiert, was in Verbindung mit der vermuteten Zerstörung der Stadt um das Jahr 275 zu der Annahme einer längeren Siedlungsunterbrechung führte.Christoph B. Rüger: Colonia Ulpia Traiana. In: Heinz Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Theiss, Stuttgart 1987, S. 637 f. Mittlerweile ist jedoch nachweisbar, dass der Bau der Befestigung wohl noch im letzten Viertel des dritten Jahrhunderts erfolgte.Clive Bridger: Das spätantike Xanten. In: Thomas Grünewald, Sandra Seibel (Hrsg.): Kontinuität und Diskontinuität. Germania inferior am Beginn und am Ende der römischen Herrschaft. Beiträge des deutsch-niederländischen Kolloquiums in der Katholieke Universiteit Nijmegen (27. bis 30. Juni 2001) (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsband 35). De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-090090-3, S. 12–36, hier S. 23 f. Umstritten ist weiterhin, ob diese Siedlung mit dem Ort Tricensimae gleichgesetzt werden kann, der in spätantiken Schriftquellen bezeugt ist und dessen Name auf die Legio XXX Ulpia Victrix zurückgeht, der Stammlegion des benachbarten Militärlagers Vetera II seit etwa 120 n. Chr. Damit verbunden ist die Frage, ob Vetera II im 3. Jahrhundert aufgegeben wurde und die verbleibenden Soldaten der Legion in die neue Befestigung auf dem Areal der Colonia Ulpia Traiana übersiedelten.Marcus Reuter: Legio XXX Ulpia victrix. Ihre Geschichte, ihre Soldaten, ihre Denkmäler (= Xantener Berichte. Band 23). Philipp von Zabern, Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4586-6, S. 28–30.

352 wurde die Siedlung von Franken eingenommen. Ab 359 wiedererrichtet, wurde sie in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts endgültig verlassen.

Nachrömische Zeit mini|Teilrekonstruktionen der Stadtmauer, des Amphitheaters und weiterer Bauten der Colonia Ulpia Traiana im Archäologischen Park Xanten Die Gebäude blieben zunächst erhalten, die verfallende Colonia diente jedoch, mit dem Beginn der Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Denkmal an Natur. Schutz von Natur und Bodendenkmal im Archäologischen Park Xanten. Kleve 2003, S. 23. der mittelalterlichen Stadt, auch vermehrt als Steinbruch. Die verwendbaren Materialien wurden zum Bau der Kirche und der Stadt Xanten verwendet oder nach Holland verkauft – die römische Stadt verschwand allmählich von der Oberfläche. Lediglich das Kapitol blieb bis nach 1839 eine sichtbare Ruine.Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Denkmal an Natur. Schutz von Natur und Bodendenkmal im Archäologischen Park Xanten. Kleve 2003, S. 24. Nachdem die Steine abgeräumt und auch der Untergrund nach Steinen durchwühlt worden war, wie es Einstiegslöcher in den Resten der großen Thermen belegen, wurde die Fläche zu Ackerland umfunktioniert.Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Denkmal an Natur. Schutz von Natur und Bodendenkmal im Archäologischen Park Xanten. Kleve 2003, S. 26.