Die Coalition for Advancing Research Assessment (Koalition zur Reform der Forschungsbewertung, CoARA) ist ein weltweiter Verbund von Forschungseinrichtungen und -organisationen, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen Kulturwandel in der Forschungsbewertung zu erreichen. Dabei soll der Fokus auf einer qualitativen Bewertung mittels transparentem Peer Review liegen, die von einem „verantwortungsvollen Einsatz von quantitativen Indikatoren“ begleitet werden soll. Zur Anwendung kommen sollen neue Bewertungssysteme bei der Einstellung und Förderung von Forschern, bei der Frage, welche Forschungsprojekte finanziert werden sollen, bei der Ermittlung, welche Forschungsabteilungen und -einrichtungen zu fördern sind und bei der Vergabe von Preisen und Auszeichnungen. Statt auf die Länge von Publikationslisten oder die Höhe von Impact-Faktoren zu schauen, sollen vorab definierte, auf das jeweilige Stellenangebot oder Forschungsvorhaben bezogene Kompetenzen und Leistungen als Kriterien für die Qualität herangezogen werden. Die Unterstützer verpflichten sich dabei, die Vielfalt von Forschungsergebnissen und -tätigkeiten anzuerkennen und in den unterschiedlichen Bewertungskontexten angemessen zu berücksichtigen. Im September 2025 hatte CoARA 773 Mitglieder aus aller Welt, darunter Forschungseinrichtungen, Förderorganisationen und Forschungsverbünde.CoARA: CoARA Membership Overview. Abgerufen am 9. November 2025.

Am 8. Juli 2022 wurde das Agreement on Reforming Research Assessment (Vereinbarung zur Reform der Forschungsbewertung ARRA)Agreement on Reforming Research Assessment Volltext, Webseite von CoARA. Abgerufen am 6. Oktober 2024. veröffentlicht, das ab 28. September 2022 unterzeichnet werden konnte.Europäische Kommission: Agreement on Reforming Research Assessment: now open for signature Webseite Research and innovation der Europäischen Kommission. Abgerufen am 7. Oktober 2024. Das Agreement wurde bis Oktober 2024 bereits von 796 Einrichtungen und Organisationen unterzeichnet.

Die Mitglieder und Unterzeichner verpflichten sich, schrittweise neue Vorgaben zur Forschungsbewertung an ihrer Einrichtung zu implementierenSteffi Genderjahn: Forschungsbewertung zwischen Kompetenzfeststellung, Anerkennung und Gerechtigkeit. Laborjournal, 22. Juli 2024. Abgerufen am 5. Oktober 2024. und haben dazu zunächst ein Jahr nach Beitritt bzw. Unterzeichnung Zeit, einen Aktionsplan zu entwickeln. Für diesen wird den Organisationen relativ freie Hand gelassen, damit sie ihren individuellen Bedürfnissen Rechnung tragen können. Anschließend sollen sie über ihre Fortschritte berichten und mit anderen unterzeichnenden Organisationen darüber in Austausch treten. Spätestens 2027 oder fünf Jahre nach Unterzeichnung sollen sie ihre Bemühungen einem Reviewprozess unterzogen haben.

Im Dezember 2022 wurde CoARA offiziell gegründet und ein Lenkungsausschuss gewählt. Den Vorsitz des Ausschusses hatte Rianne Letschert, Präsidentin der Universität Maastricht, bis im Dezember 2024 Henk Kummeling, Präsident der Universität Utrecht, zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde.

Geschichte Seit der Einführung von Metriken wie dem Journal Impact Faktor wurden diese in immer stärkerem Maße zur Forschungsbewertung herangezogen. Zitationsindizes finden Verwendung bei der Bewertung individueller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sie sind Bestandteil der Universitätsrankings und dienen als Hinweis auf die Förderwürdigkeit von Forschungsprojekten.Matthias Koenig: Zur Reform der Forschungsbewertung: Initiativen und Perspektiven. Beiträge zur Hochschulforschung, 45. Jahrgang, 2/2023 Link zum Volltext

Seit etwa 2008 wird in der wissenschaftlichen Welt zunehmend über die Notwendigkeit diskutiert, die Bewertung von Forschungsleistungen zu reformieren und die Macht der Impakt-Faktoren zu reduzieren.Martin Paul Eve: It is no use trying to replace the Impact Factor, https://eve.gd, 17. November 2015, https://doi.org/10.59348/7nvzr-vsb06. Auch die UNESCO-Erklärung zu Open Science von 2021 nennt die Verankerung alternativer Anerkennungssysteme als einen wichtigen Schritt hin zu Open Access und Open Science.UNESCO: UNESCO Recommendation on Open Science. PDF. Webseite der UNESCO, 2021, https://doi.org/10.54677/MNMH8546Deutsche UNESCO-Kommission: Open Science. Perspektiven aus Deutschland auf die Erarbeitung der geplanten Empfehlung der UNESCO 2020. PDF, S. 22. ISBN 978-3-947675-01-2, abgerufen am 21. April 2025.

Der Prozess zur Reform der Forschungsbewertung, aus der CoARA hervorging, wurde 2021 von der EU angestoßen. Die Initiative sieht sich als eine Weiterentwicklung von DORA, der San Francisco Declaration on Research Assessment. An der Erstellung der ARRA-Vereinbarung waren mehr als 350 Organisationen aus 40 Ländern beteiligt. Die Rückmeldungen der Beteiligten wurden gesammelt und von einem Team aus Vertretern der European University Association (EUA), Science Europe und der Europäischen Kommission unter der Federführung von Karen Stroobants ausgewertet. Die Ergebnisse wurden 2021 in dem Zwischenbericht Towards a reform of the research assessment system veröffentlicht.Europäische Kommission: Directorate-General for Research and Innovation, Towards a reform of the research assessment system – Scoping report, Publications Office, 2021, https://www.doi.org/10.2777/707440

Anschließend arbeitete eine Kerngruppe von 20 Forschungsorganisationen, die die Vielfalt der Forschungsgemeinschaft in ganz Europa repräsentieren sollen, den Entwurf aus. Die EU-Mitgliedstaaten und die assoziierten Länder wurden im Rahmen eines EFR-Forums und des Ausschusses für den Europäischen Raum für Forschung und Innovation (ERAC) zu der Vereinbarung konsultiert.Helmholtz Open Science Office: Research Evaluation, Reputation Systems, and Openness. A Presentation Blueprint on the San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) and the Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA). August 2023, S. 16.

Das Sekretariat von CoARA ist bei der European Science Foundation (ESF) angesiedelt. Die ESF koordiniert auch das CoARA Boost-ProjektCoARA: 25 Projects Selected For the First Cascade Funding Call. 6. November 2024, abgerufen am 10. April 2025., in dem Projekte zur Implementierung von Forschungsbewertungsreformen durch Horizon Europe finanziert werden.Maxi Kindling, Maike Neufend, Julian Vuorimäki: Reform der Forschungsbewertung – Aktiv werden bei CoARA. Empfehlungen für Forschungseinrichtungen und Hochschulen in Berlin. Open Research Office Berlin, 20. Dezember 2024. https://doi.org/10.21428/986c5d43.9d0ae4c6

Forschungsbewertung Zur Forschungsbewertung zählt die Koalition die Bewertung von Forschungseinrichtungen durch Forschungsförderer und Behörden zwecks Mittelverteilung die Bewertung von Forschungsprojekten durch Forschungsförderer und Behörden zwecks Mittelverteilung sowie für die Entscheidung über Preise und Auszeichnungen die Bewertung einzelner Forscher und Forschungsteams durch Forschungseinrichtungen, Forschungsförderer und Behörden zum Zweck der Zuweisung von Fördermitteln, der Einstellung und Beförderung, der Überprüfung der beruflichen Entwicklung sowie Entscheidungen über Preise und Auszeichnungen

Zentrale Verpflichtungen der ARRA-Vereinbarung Die zentralen Verpflichtungen (im Sinne von Selbstverpflichtungen) der ARRA-Vereinbarung ist eine Liste von zehn Punkten, von denen zwei eine bessere Anerkennung der Diversität von Forschungspraktiken zum Ziel haben. Weitere Verpflichtungen sollen die bestmögliche Forschungsqualität fördern, und zwei Verpflichtungen ermöglichen die Loslösung von unsachgemäßer Anwendung von Metriken.

Erkennt die Vielfalt der Beiträge zur Forschung und der Karriereverläufe in der Forschung entsprechend den Erfordernissen und der Art der jeweiligen Forschung an. Forschungsevaluation soll in erster Linie auf der Grundlage einer qualitativen Bewertung erfolgen, bei der die Begutachtung durch Fachkollegen im Mittelpunkt steht, unterstützt durch die verantwortungsvolle Verwendung quantitativer Indikatoren. Vermeidet eine unangemessene Verwendung von zeitschriften- und publikationsbasierten Metriken in der Forschungsbewertung, insbesondere die unangemessene Verwendung des Journal Impact Factor (JIF) und des h-Index. Vermeidet die Verwendung von Rankings von Forschungseinrichtungen in der Forschungsbewertung. Stellt entsprechende Ressourcen bereit für die Reform der Forschungsbewertung, die zur Umsetzung der vereinbarten organisatorischen Veränderungen erforderlich sind. Überprüft die Kriterien, Instrumente und Prozesse für die Forschungsbewertung und entwickelt sie weiter. Sensibilisiert für die Reform der Forschungsbewertung und stellt transparente Kommunikation sicher, stellt Anleitungen und Schulungen zu den Bewertungskriterien und -prozessen sowie deren Verwendung bereit. Tauscht Praktiken und Erfahrungen aus, um gegenseitiges Lernen innerhalb und außerhalb der Koalition zu ermöglichen. Kommuniziert die Fortschritte bei der Einhaltung der Grundsätze und der Umsetzung der Verpflichtungen. Bewertet Praktiken, Kriterien und Instrumente auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse und des neuesten Stands der Wissenschaftsforschung, und stellt die Daten darüber bereit, um die Ermittlung von Evidenz und Forschung darüber zu ermöglichen.

Aktionspläne Die Forschungseinrichtungen und -organisationen haben die Möglichkeit, sich durch eine Mitgliedschaft in der Koalition sowie durch die Unterzeichnung des Agreements an CoARA zu beteiligen. Beide Beteiligungsformen sind mit der Erstellung von Aktionsplänen verbunden, die innerhalb eines Jahres erarbeitet werden sollen. Jährlich wird anschließend der Fortschritt dokumentiert. Diese Aktionspläne zeigen die Schritte auf, die unternommen werden, um die Forschungsbewertungsreform in der Institution oder Organisation umzusetzen. Die Aktionspläne werden auf dem Repositorium Zenodo öffentlich zugänglich gemacht. Mehrere deutsche Universitäten, Hochschulen und Verbünde haben bereits Aktionspläne veröffentlicht. Die Europäische Kommission hat ihren Action plan im April 2024 veröffentlicht,Europäische Kommission: Action Plan by the Commission to implement the ten commitments of the Agreement on Reforming Research Assessment (ARRA) Abgerufen am 6. Oktober 2024. die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Juni 2024.

Nationale Chapter Neben Arbeitsgruppen sind die CoARA-Mitglieder auch in nationalen Chaptern aktiv.CoARA: Call for National Chapters. Webseite von CoARA. Abgerufen am 6. Oktober 2024. Im März 2024 gründeten die deutschen Mitgliedsorganisationen der CoARA ein nationales Chapter, um deutschlandbezogene Themen der Forschungsbewertung zu diskutieren und praktische Unterstützung zu bieten. Für mitgliedsfähige Einrichtungen und Organisationen besteht die Möglichkeit, sich zunächst als assoziiertes Mitglied dem National Chapter anzuschließen.Deutsche Forschungsgemeinschaft: Deutsche CoARA-Mitgliedsorganisationen gründen National Chapter Webseite der DFG, 6. März 2024. Abgerufen am 6. Oktober 2024.

Rezeption Im 2025 erschienenen Strategiepapier der Allianz der Wissenschaftsorganisationen wird CoARA als Beispiel genannt, wie eine breite Initiative zur Reform der wissenschaftlichen Leistungsbewertung an Fahrt aufgenommen hat, und dass sich daraus unter anderem Folgen für das wissenschaftliche Publikationswesen ergeben werden.Alexander von Humboldt Stiftung, Deutscher Akademischer Austauschdienst, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Hochschulrektorenkonferenz, Leibniz-Gemeinschaft, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsrat: Strategie der Allianz für die Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Publikationswesens 2026-2030. 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.15853225