mini|Currywurst in Pappschale

Die Currywurst [] () ist ein Gericht aus Brat- oder anderer Brühwurst, die ganz oder geschnitten mit einer tomatenhaltigen Sauce und Currypulver oder mit einem Curry-Ketchup serviert wird. Das Gericht wird der deutschen Küche zugerechnet.

Bei den Würsten handelt es sich meist um feine vorgegarte Brühwürste mit oder ohne Darm. Aber auch die Verwendung herkömmlicher Bratwürste ist weit verbreitet. Serviert wird das seit Ende der 1940er Jahre bekannte Gericht vor allem in der Imbiss­gastronomie, der es entstammt. Die Currywurst ist ein klassischer Vertreter der Deutschen Küchen und in entsprechenden Restaurants unter den einfachen Gerichten zu finden. Auch in Betriebskantinen zählt sie in Deutschland zu den beliebten Angeboten und ist im Handel als Fertiggericht für Privathaushalte erhältlich. Eine weitere davon zu unterscheidende Art von Currywurst beinhaltet das Curry als Zusatz im Wurstbrät.

mini|Currywurst mit Pommes frites

In Deutschland wurden 2013 rund 800 Millionen Currywürste verzehrt.Presseinformation: In: currywurstmuseum.com, Oktober 2014. Currywurst, in Kombination mit Pommes frites, war im Jahr 2020 zum 28. Mal in Folge beliebtestes Kantinenessen in Deutschland, wurde aber 2021 durch Spaghetti Bolognese abgelöst.Nachfolger der Currywurst – In deutschen Kantinen gibt es eine neue Nummer 1.

Geschichte mini|links|Gedenktafel für Herta Heuwer in Berlin-Charlottenburg

Weit verbreiteter Auffassung gemäß ist die Currywurst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in West-Berlin entstanden. Die Gastronomin Herta Heuwer, die seit dem Sommer 1949 einen Imbissstand an der Kant-/Ecke Kaiser-Friedrich-Straße im Bezirk Charlottenburg betrieb, nahm für sich in Anspruch, die typische Currywurstsauce am 4. September 1949 erstmals kreiert und zur gebratenen Wurst serviert zu haben. Damit habe sie die Currywurst erfunden.

Herta Heuwer versah ihr Berliner Geschäft später mit Anschriften wie „1. Currywurst-Braterei der Welt“ und „Eine von uns erdachte Berliner Spezialität“ und ließ sich 1959 die Wort-Bild-Marke „Chillup“ für ihre Sauce eintragen – eine Zusammenziehung von Chili und Ketchup, verzeichnet am 21. Januar 1959 auf Anmeldung vom 21. Februar 1958 unter der Nummer 721319 als Warenzeichen für „Spezial-Sosse“[sic!] in der Zeichenrolle des Deutschen PatentamtsWarenzeichenblatt. Nr. 4, 28. Februar 1959, Teil II, (eingetragene Zeichen), S. 327, (dpma.de); Die Schutzdauer betrug 20 Jahre ab dem Tag der Anmeldung, endete also am 21. Februar 1978. – Heuwer bezeichnete das unzutreffend als „Patent“. Das Unternehmen Kraft (→ Mondelēz) soll sich nach Darstellung Heuwers erfolglos bei ihr um das Rezept und das Markenrecht bemüht haben. Heuwer bestand zeitlebens darauf, weder Ketchup noch eine fertige Würzmischung verwendet, sondern die Sauce mit Tomatenmark angerührt und mit einzelnen Gewürzen sorgfältig abgeschmeckt zu haben. Im hohen Alter hatte sie zahlreiche Fernsehauftritte und ließ sich als „Erfinderin der Currywurst“ feiern. Das 2009 in Berlin eröffnete und bis Dezember 2018 bestehende Deutsche Currywurst Museum folgte dieser Sichtweise. Am 29. Juni 2003 wurde am ehemaligen Standort ihres Imbisses (Kantstraße 101) eine Gedenktafel von der damaligen Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen zu Ehren Herta Heuwers enthüllt.Fotos: Gedenktafel für Herta Heuwer. In: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, 2010, aufgerufen am 2. Mai 2019.   Torsten Berg: Herta – Einzig wahre Curry-Queen. In: Berliner Kurier, 30. Juni 2003.

Heuwer kann die Entwicklung der Currywurst jedoch nicht ganz für sich allein beanspruchen. Zum einen erscheinen gewisse Details ihrer Darstellung nicht plausibel. Sie wollte sich genau erinnern, dass es am 4. September 1949, als sie ihre Sauce zum ersten Mal anrührte, ausgiebig regnete, wogegen es nach den Wetteraufzeichnungen ein trockener Tag gewesen sein soll. Zum anderen ist vor allem die Rolle des Schlachters Max Brückner aus Johanngeorgenstadt im Erzgebirge zu berücksichtigen. Dieser war nach Kriegsende nach West-Berlin gekommen, hatte mit einigen Mitarbeitern aus der Heimat einen Betrieb in Berlin-Spandau gegründet und verfügte über ein selbstentwickeltes Verfahren zur Herstellung von Wurst ohne Darm, die als Spandauer ohne Pelle zu Bekanntheit gelangte. Er tat sich Anfang der 1950er Jahre mit dem ebenfalls aus dem Erzgebirge stammenden Frank Friedrich zusammen. Das von ihnen aufgebaute Unternehmen Maximilian besteht noch. Auf älteren Versionen der Website befanden sich ausführliche Darstellungen der Unternehmensgeschichte und der Zusammenarbeit mit Herta Heuwer. Demnach führten Heuwers „erste Saucenkreationen“ 1949 noch zu keinem großen Erfolg. Erst zusammen mit Frank Friedrich habe sie das endgültige Rezept entwickelt, das sie von da an in ihrem Imbiss verkauft habe. Allerdings wird in dieser Darstellung betont, dass die Currywurst als Gericht Heuwers Erfindung war, denn die Idee zur Saucenzugabe sei ihre gewesen.

mini|„Currywurst seit 1936“. Peter Pomm’s Pusztetten-Stube in Duisburg-Marxloh

Im August 2024 erschien das Buch Alles Currywurst – oder was? Die ganze Wahrheit über das Kultobjekt. Die Autoren vertreten die These, dass bereits 1936 in Duisburg-Marxloh ein gewisser Peter (Johann) Hildebrand, Betreiber der Peter Pomm’s Pusztetten-Stube, eine Art Vorläufer der Currywurst zubereitete – nämlich Tomatensauce mit Currypulver über der Wurst.

Als Indiz nennen sie unter anderem eine Bestätigung der damals existierenden Hamburger Gewürzmühle, Hildebrand damals beliefert zu haben und Hinweise darauf, dass Hildebrand im Duisburger Stadtgebiet Imbissbuden betrieben hätte. Die Autoren argumentieren weiter, dass Hildebrand als gebürtiger Niederländer in der NS-Zeit Einschränkungen bei der kommerziellen Vermarktung hatte, weshalb die Currywurst erst nach Kriegsende größere Verbreitung gewann.

Diese These wurde in Medien und lokalen Berichten aufgegriffen: So kündigte die Stadt Duisburg für 2025 eine Ehrentafel an und den 22. September als alternativen „Tag der Currywurst“ an – als Gegentermin zur Berliner Tradition am 4. September.

Varianten Currywurst wird regional unterschiedlich zubereitet. Teilweise wird die Soße erwärmt, teilweise mit Currypulver gewürzt. Die Konsistenz reicht von pastös bis dünnflüssig, in manchen Gegenden oder einzelnen Imbissbuden ist sie schlichter Ketchup.

Berliner Currywurst Bei der Berliner Currywurst als Element der Berliner Küche gibt es zwei grundlegende Varianten: mit oder ohne Darm. Die Würste ohne Darm sind walzenförmig und von weißlicher Farbe, vergleichbar den bayrischen Wollwürsten. Anforderungen zur Beschaffenheit der Berliner Currywurst wurden bereits 1951 zwischen den Berliner Behörden und der Fleischerinnung abgesprochen; daraus ergab sich eine sogenannte Berliner Verkehrsauffassung, die später von der zuständigen Landesbehörde festgeschrieben und am 20. August 1967 in der Allgemeinen Fleischer-Zeitung veröffentlicht wurde. Dieser Auffassung zufolge, die Jahrzehnte später in Berlin anerkannt war, muss als Wurst eine feine, nicht gepökelte und nicht geräucherte Bratwurst mittlerer Qualität mit einem maximalen Fremdwasserzusatz von fünf Prozent verwendet werden. Einfache Qualitäten oder andere Würste dürfen daher nicht als Currywurst angeboten werden, sondern beispielsweise als Bratwurst mit Curry oder Dampfwurst mit Curry.

Beide Varianten werden zuerst im Ganzen gebraten, wobei sie meist in einer Fettwanne etwa zur Hälfte mit heißem Fett bedeckt sind. Bei der Abgabe wird die Wurst von Hand in mundgerechte Stücke geschnitten – einige traditionelle Imbissstände wie Krasselt’s Imbiß in Berlin-Steglitz servieren Currywurst nur mit einem schrägen Schnitt. Dabei sind beide Wursthälften mit einem Holzpieker versehen. Abschließend wird die Wurst mit der Sauce übergossen und reichlich mit Currypulver bestreut (oder umgekehrt). Auf Wunsch werden noch Cayennepfeffer (Bestellung: „scharf“ oder „extra scharf“) oder zerstoßene getrocknete Chilischoten (Bestellung: „mit Körnern“) hinzugefügt. Die Zugabe von Worcestersauce oder „scharfen Zwiebeln“ (gehackten rohen Zwiebeln mit Chili) kann gewünscht sein. Ein spezielles Ketchup auf Basis von Tomatenmark und Gewürzen wird häufig von den Standmitarbeitern selbst hergestellt und oft warm über die Wurststücke gegeben.

mini|Konnopke’s Imbiß in der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg

In den 1960er Jahren wurde die Currywurst in Ost-Berlin bekannt – unter anderem durch Konnopke’s Imbiß. Angeboten wurde zu DDR-Zeiten nur Currywurst ohne Darm; Bratwürste wurden schon vorher ohne Darm hergestellt. Serviert wurde die Wurst ungeschnitten am Stück mit Currypulver und kaltem dünnflüssigen Ketchup (oder kalter dickflüssiger Tomatensauce). Für den Verzehr mit den Fingern wurde ein Wurstende ohne Sauce belassen.

Die typische Beilage ist ein kleines weiches Brötchen, mit dem sich die Sauce besonders gut tunken lässt, eine Schrippe oder eine Scheibe ungetoastetes Toastbrot. Andere typische Beilagen sind Pommes frites, oftmals mit Mayonnaise, oder Bratkartoffeln.

Am 6. März 2020 wurde die Berliner Currywurst ohne Darm vom Deutschen Patent- und Markenamt als Geografische Herkunftsangabe 31 2017 001 169.4 eingetragen.Auskunft zur Marke Berliner Currywurst ohne Darm im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA). Damit darf diese Art der Berliner Currywurst nur in Berlin hergestellt werden. Das Prüfverfahren dauerte dreizehn Jahre,Ulrike Kiefert: Richard Mischau hat darauf 13 Jahre gewartet. Kultwurst ohne Pelle jetzt mit Patent. In: Spandauer Volksblatt, 3. April 2020. da viele andere Produzenten auch von außerhalb produzieren wollten. In: rbb24.de, 24. März 2020.

Currywurst im Ruhrgebiet mini|Taxiteller (mit Currywurst und Portion Gyrosfleisch)

Im Gegensatz zur Berliner Currywurst wird im Ruhrgebiet meistens Bratwurst statt Brühwurst serviert. Beliebte Beilagen zur Currywurst sind Pommes frites oder Brötchen. Currywurst mit Pommes frites, Ketchup und Mayonnaise (auch genannt Pommes rot-weiß oder aufgrund der beiden Farben Pommes Schranke) ist im Ruhrgebiet umgangssprachlich auch unter den Namen Manta­platte oder Schimanski-Teller bekannt.

Taxiteller

Zusätzlich zur Pommes frites wird besonders im Ruhrgebiet manchmal auch noch Gyrosfleisch serviert. Das Gericht wird dann als Taxiteller bezeichnet. Der Ursprung dieses Namens soll der Legende nach auf einen Taxifahrer zurückgehen, der kurz vor Ladenschluss eines Imbisses eine Portion Gyros mit Pommes, Zaziki und Mayonnaise bestellte. Da jedoch nicht mehr genügend Fleisch für eine ganze Portion auf dem Spieß verblieben war, legte der Inhaber eine Bratwurst mit Currysauce dazu auf den Teller.

Volkswagen-Currywurst mini|Volkswagen-Currybockwurst und Curryketchup

Über die Werksgrenzen hinaus ist die Currywurst der Volkswagen-Kantinen in Wolfsburg bekannt. Die Currybockwurst wird seit 1973 zum Verzehr angeboten. In: Metallzeitung, 2009, Nr. 2. 2014 stellte die VW-Fleischerei 6,3 Millionen Stück her. Die Wurst hat rund 20 Prozent Fettanteil und enthält weder Phosphate noch Milcheiweiß. Bei dieser Wurst ist das Brät selbst mit Curry gewürzt. Dieses wird mit Pfeffer dem Fleisch schon vor dem Räuchern und Garbrühen beigemischt. Auch in Supermärkten in Teilen Niedersachsens sind VW-Currywurst und VW-Gewürzketchup erhältlich. In: WAZ Online, 16. Januar 2015.

Fertiggericht mini|Currywurst als erwärmtes Fertiggericht in geöffneter Kunststoffverpackung