mini|Hollander Dyed Furs (Logo, 1938) Das Unternehmen A. Hollander & Sons, Inc., Hauptsitz zeitweilig im New Yorker Pelzviertel, wurde 1889 von den Brüdern Joseph und Adolph Hollander (gest. 1918) als Hollander Brothers gegründet.Tom Miller: The stories behind the buildings, statues and other points of interest that make Manhattan fascinating.. (englisch). Abgerufen am 21. September 2024. Es bezeichnete sich 1948 als der weltgrößte Färber und Blender von Pelzfellen, 1963 als der Welt größter Färber aller Farben auf Pelz. Das Unternehmen betrieb neben dem Werk in New Jersey noch viele weitere Fabriken, bis zum Zweiten Weltkrieg auch im Ausland. Es war das einzige Unternehmen in der Pelzindustrie, dessen Aktien an der New Yorker Börse notiert waren. Hollander gehörte zudem zu den wenigen Firmen der Pelzindustrie, deren Namen auch den Endverbrauchern bekannt waren.

Weitere, im Lauf der Unternehmensgeschichte in Inseraten veröffentlichte Firmennamen waren Joseph Hollander, Inc. (1922), Hollander Furs (1946), A. Hollander & Son., Inc. (1963) und für das Schwesterunternehmen Hollanderizing Corp. of America (1963).

Allgemein Vor dem Ersten Weltkrieg waren die deutschen Farbstoffhersteller und Pelzveredler fast konkurrenzlos führend. Versuche amerikanischer oder anderer Hersteller, auf diesem Gebiet zu experimentieren, hatten sich bis dahin als unwirtschaftlich erwiesen. Wie man zumindest in den USA meinte, sobald jemand woanders versuchte einen Pelzfarbstoff zu vermarkten, würden die Leipziger ihre Produkte zu Selbstkosten oder darunter abstoßen (siehe Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl). Das Label „Leipzig-gefärbt“ verlieh daher allen gefärbten Pelzen Prestige und war bei Herstellern und Verbrauchern begehrt. Als der Erste Weltkrieg Deutschland vom Rest der Welt abschottete, nutzten amerikanische Pelzverarbeiter die Chance. Von einer aus 96 Firmen bestehenden Branche, die in der US-Pelzfärberei einen Umsatz von 2.875.036 US-Dollar erwirtschafteten, war sie bis 1919 auf 141 Fabriken angewachsen, die Produkte im Wert von 20.394.569 US-Dollar verarbeiteten. Der Qualitätsbegriff „Leipzig-gefärbt“ für hervorragende Pelzveredlung wurde in Nordamerika bald durch „Hollander gefärbt“ abgelöst.

Unternehmensgeschichte mini|hochkant|Mantel aus von Joseph Hollander zu „Hudson-Seal“ veredelten Bisamfellen, gearbeitet von Franklin Simon & Co. (Ausschnitt eines Inserats des Jahres 1922)

A. Hollander & Sons, 1889 in der Polk Street 90 gegründet, war eines der ältesten Handelshäuser in Newark, New Jersey, eine Großstadt sechs Kilometer westlich von New York. Adolph Hollander war bereits in Polen im Pelzhandel tätig gewesen. In Newark begann die Familie Hollander mit vier Arbeitern und einigen einfachen Maschinen, die von einem Maultier über ein Laufband angetrieben wurden. Unter Adolph Hollanders Leitung wuchs das Unternehmen stetig, bereits unter ihm wurde es zu einem der größten Pelzzurichtungs- und Färbebereibetriebe der Welt. Pelze, die landesweit in Kaufhäusern angeboten wurden, wurden in Anzeigen groß als „A. Hollander gefärbt“ vermarktet.

Der Hauptsitz mit 14 Gebäuden, wie in Newark häufig zumeist aus Backstein, auf mehr als 300.000 Quadratmeter genutzter Grundfläche befand sich 1912 in der East Kinney Street 127–159. Branchenüblich variierte die Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter je nach Saison. In arbeitsreichen Zeiten waren bis zu 450 Personen beschäftigt. Zu der Zeit wurde der Maschinenantrieb von zwei Motoren mit 400 PS geliefert, zwölf Pferde und acht Wagen waren im Einsatz. Mitglieder der Firma waren jetzt Adolph Hollander, seine Söhne Harry Hollander, Michael Hollander und Benjamin W. Hollander sowie sein Schwiegersohn Albert Hollander. Harry Hollander war bereits bei der Gründung des Unternehmens dabei, Michael Hollander kam 1897 dazu und Benjamin 1902, Albert Hollander war 1907 Mitglied der Newark Board of Trade, sowie Mitglied anderer lokaler Organisationen.A. Hollander & Sohn. Newark Business, Newark 1998. Aus: Newark, The City of Industry, 1912: (englisch). Abgerufen am 18. September 2024.

Im April 1915 kam es bei mehrere Tage andauernden Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Streikbrechern von A. Hollander Sons zu einem Zusammenstoß, wobei zwei Männer starben.2 Killed, 3 Wounded in a Newark Strike; New Employes of A. Hollander & Sons, Fur Finishers, Clash with Men Who Quit. Another Person May Die. Police Reserves Quell Crowd in Turmoil After Shots Are Fired -- Only One Arrest Made. In: The New York Times, 12. April 1915, S. 1 (englisch). Abgerufen am 21. September 2024. Laut einer Meldung des Daily Worker wurde im Februar 1933 der junge Streikanführer Natale Ballero beim A.-Hollander-&-Sons-Streik von einem Streikbrecher des Unternehmens gejagt und erschossen.I. Potash: Hollander Fur Scab Murders Leading Striker. In: Daily Worker (Chicago, Ill.) (Chicago, Ill.), 28. Februar 1933 (PDF, englisch). Abgerufen am 23. September 2024. Im Jahr 1937, gegen Ende der Zeit großteils auch militanter Unruhen unter den Beschäftigten der New Yorker Pelzindustrie, rief die Gewerkschaft unter ihrem Vorsitzenden Ben Gold sämtliche Mitarbeiter der New Yorker Pelzbranche auf, gegen die „miserablen“ Arbeitsverhältnisse bei A. Hollander & Sons zu demonstrieren: „Der Streik der Hollander-Arbeiter ist UNSER Streik. Indem wir den Hollander-Arbeitern helfen, helfen wir uns selbst“ (siehe auch: Ben Gold#Arbeitskampf der Pelzarbeiter).All out for the Hollander Demonstration, Hollander & Sons. International Fur Workers Union of U. S. & C., 1937 (englisch).

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1918 übernahm Michael Hollander die Unternehmensführung in Newark. 1922 beschäftigte man über 2500 Mitarbeiter und verfügte über eine Fläche von 125.000 Quadratfuß, ein neues vierstöckiges Fabrikgebäude mit einer Grundfläche von 40.000 Quadratfuß kam im selben Jahr noch hinzu. Die neuen Räumlichkeiten ermöglichten es, Fellarten zu bearbeiten, bei denen dies bis dahin nicht in ausreichend guter Qualität möglich gewesen wäre, etwa Persianer und Breitschwanz. Auch besserten sich die Arbeitsbedingungen bei gleichzeitiger Erleichterung der Arbeiten dadurch deutlich.

In Middletown, New York ging Hollander 1926 eine Kooperation mit der Atlas Fur Company ein, die als Tochtergesellschaft übernommen wurde. 1947 wurde sie als Atlas Division des Hauptunternehmens bezeichnet. Die angestrebte Durchschnittsleistung lag bei „magischen“ 10.000 pro Tag. Zu der Zeit bearbeitete Hollander etwa zwei Millionen Felle jährlich.James C. Harrison: Hollander Firm Handles 2 Millian Furs Annually. In: Middletown Times Herald, Middletown, 18. September 1947, S. 21 (englisch). Abgerufen am 24. September 2024. Im Middletown Times Herold erschien im Oktober 1949 ein überschwänglicher Artikel, in dem Hollander als der Henry Ford von Middletown bezeichnet wurde, der, anders als andere Betriebe, höchste Löhne bezahle. Anlass war der Ankauf von zehn Hektar Land durch das Unternehmen und die Erwartung, dass „Middletown bald die größte Pelzfabrik in den Vereinigten Staaten bauen wird, und eine Lohnliste, welche die Fantasie zum Wanken bringt“.A. Hollander & Son. In: Middletown Times Herald, Middletown, 6. Oktober 1949, S. 23 (englisch). Abgerufen am 26. September 2024.

Kleidung aus Bisamfellen, als Sealfell-Imitat veredelt, wurde 1936 in Inseraten unter dem erhofft verkaufsfördernden Namen „A. Hollander & Son Hudson Seal“ angeboten, „gestempelt mit dem berühmten A. Hollander & Son Label – die Garantie für beständigen Glanz und dauerhafte Schönheit“.Inserat Coyle & Richanson. In: The Charleston Gazette, 18. Dezember 1936, S. 13 (englisch). Abgerufen am 26. September 2024. Die Kleidungsstücke daraus waren leichter, das Fell war dehnbarer und in der Regel kostete das Teil weniger als die Hälfte eines echten Sealspelzes. Erst 1951 wurde in den USA solche verschleiernden Warenbezeichnungen verboten. Der Siegeszug der Sealmode und ihrer Nachahmungen war jedoch bereits zuvor zu Ende gegangen.Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 30 (englisch). 1944 bot ein Bekleidungshaus im Washington Evening Star „zobelgeblendete Bisammäntel von A. Hollander & Son“ an.Inserat „The Newer Jellef's“. In: The Evening Star, Washington, D.C., 3. Februar 1944, S. B–2 (englisch). Abgerufen am 26. September 2024. Ähnliche Inserate finden sich über die Jahre hinweg in vielen Orten der USA und Kanadas.

A. Hollander und Son, Inc. unterhielt, wie andere große Pelzfärber auch, ein Forschungslabor zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Farbprozesse. 1957 hieß es, dass neue Farbstoffe in den vorangegangenen Jahren perfektioniert und neue Farben hinzugekommen waren. Für Persianer und Biberfelle war ein wasserfestes Finish entwickelt worden, für andere Fellarten eine breite Palette von Pastellfarben. Trotzdem ging der Umsatz, wie in der Branche allgemein, in der Zeit stetig zurück. Im selben Jahr schloss sich die A. Hollander & Son Inc. in Delaware mit der Philips Electronics Inc. zusammen. Es hieß, dort würde „hermetic glass“ produziert, und der Zusammenschluss beträfe nicht das Werk in Middletown.Delford Company Purrchases Plant. In: Middletown Times Herald, Middletown, 18. September 1957, S. 9 (englisch). Abgerufen am 26. September 2024

Hollander erlitt in den Jahren 1953, 1954, 1955 und im ersten Halbjahr 1956 schwere Verluste mit seinem Pelzverarbeitungsbetrieb. Im ersten Halbjahr 1956 empfahl Paul Utermohlen, Mitglied eines Industrie-Expansionskomitees, das sich mit der Übernahme anderer Unternehmen durch Fusionen befasste, dem Unternehmen Hollander, die Dienste eines Anwalts in Anspruch zu nehmen. Collins war bei einer früheren Fusion Rechtsberater der Philips-Gruppe gewesen. Ebenfalls im ersten Halbjahr 1956 entließ Hollander seine alte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und engagierte die Firma, die auch als Wirtschaftsprüfer für die gesamte amerikanische Philips-Gruppe fungierte. Hollanders unrentables Pelzgeschäft wurde abgespalten und Hollander blieb ohne Betriebsvermögen zurück, besaß jedoch noch Immobilien und andere Vermögenswerte im Wert von etwa anderthalb Millionen Dollar. Die um die Zeit vorgenommenen Umgestaltungen des Unternehmens bedeuteten faktisch das Ende seiner unabhängigen Geschäftstätigkeit.448 F.2d 141, 71-2 USTC P 9631, PEPI, INC., Appellant, v. Commissioner of Internal Revenue, Appellee. No. 357, Docket 34678. United States Court of Appeals, Second Circuit. Argued Jan. 7, 1971. Decided Sept. 7, 1971.. (englisch). Abgerufen am 29. September 2024.

Hollanderizing Corp. of America mini|„Hollanderizing“ (Anzeige, 1963) Der Firmenzweig, das Pelzreinigungsunternehmen Hollanderizing Corp. of America, gegründet 1930, war zeitweilig so marktführend, dass in Nordamerika „Hollanderizing“ über die Pelzbranche hinaus ein Synonym für die Reinigung von Pelzen wurde. Der Firmensitz in New York befand sich in der Seventh Avenue 330, daneben gab es um 1963 Zweigstellen in Philadelphia, Chicago, Los Angeles, San Francisco, Saint Petersburg, Montreal und Toronto. Der Schutz der US-Marke „Hollanderized“ lief im Jahr 2007 ab.