Die 413. Infanterie-Division, anfangs 413. Landesschützendivision, war eine deutsche Infanteriedivision im Zweiten Weltkrieg.

Geschichte

Erste Aufstellung Die 413. Landesschützen-Division wurde am 25. Oktober 1939 in Nürnberg im Wehrkreis XIII als Stab für besondere Aufgaben aufgestellt und in Fürth stationiert. Diese Divisionskommandos zur besonderen Verwendung waren kleine Stabsabteilungen des Ersatzheeres, welche die Milizeinheiten (Landesschützen) des jeweiligen Wehrkreises verwalteten. Die Sollstärke lag bei 6 Offizieren, 3 Beamten, 6 Unteroffiziere, 13 Mannschaftsdienstgrade und man verfügte über ein Fahrrad und zwei Pkw.Niehorster, L. W. G. (2010). Military Government, Security, and Provost Marshal Forces; Prisoner-of-War Administration (22.06.1941). The Military Press. S. 56. Die Landesschützeneinheiten wurden normalerweise von diesen Stäben betreut, weshalb sie oft auch als Landesschützendivisionen bezeichnet wurden. Neben den Milizeinheiten selbst kontrollierten sie das Landesschützen-Ersatz-Bataillon des Wehrkreises. Sie stellten die Einheiten für verschiedene Aufgaben wie die Bewachung von Kriegsgefangenen. Am 10. Juni 1942 wurde sie wieder aufgelöst.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Zehnter Band. Die Landstreitkräfte 371–500. Biblio-Verlag, Osnabrück 1975, ISBN 3-7648-1002-5, S. 120+121.Samuel W. Mitcham: German Order of Battle. Volume Two: 291st–999th Infantry Divisions, Named Infantry Divisions, and Special Divisions in WWII. Stackpole Books, PA; United States of America 2007, ISBN 978-0-8117-3437-0. Die Division umfasste zunächst ein Regiment (das 131.) sowie sieben eigenständige Bataillone. Am 10. Juni 1942 wurde die Division aufgelöst.

Zweite Aufstellung Die Division wurde als 413. Ersatz-Division am 11. Juli 1943 in Nürnberg im Wehrkreis XIII erneut aufgestellt, diesmal als Ersatz- und Ausbildungs-Division Nr. 413, um die nach Kroatien verlegte 137. Infanterie-Division zu ersetzen.Frh. v. Schacky, S. (1946). Division Nr. 413, 22.3. - 3.5.1945 (ZA 1/454). Operational History (German) Section der Historical Division der US-Army, Studiengruppe Wehrmachtführung und Heer. Freiburg: Bundesarchiv.Frh. v. Schacky, S. (1946). Die Ersatz- und Ausbildungs-Division Nr. 413, Organisation und Ausbildung (ZA 1/1725). Operational History (German) Section der Historical Division der US-Army, Studiengruppe Wehrmachtführung und Heer. Freiburg: Bundesarchiv. In der Lagebesprechung am 25. Januar 1945 wies Hitler an, dass Bezeichnungen wie „Reserve-Division“, „Ausbildungs-Division“ und „Ersatz-Division“ entfallen sollten. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Division 413 nur noch mit ihrer Nummer geführt.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Erster Band. Die Landstreitkräfte 371–500. Biblio-Verlag, Osnabrück 1975, S. 99.

Schlacht um Aschaffenburg 26. März–3. April 1945

Ende März wurde per Führererlass (Aktion Leuthen) das Ersatzheer mobilisiert. Die 413. wurde daraufhin der 7. Armee unterstellt. Aufgrund der von Westen vorrückenden US-Amerikaner wurde die Division am 24. März 1945 nach Aschaffenburg verlegt. Zu dieser Zeit verfügte sie über rund 10.000 Soldaten.Alois Stadtmüller: Maingebiet und Spessart im Zweiten Weltkrieg. Überblick - Luftkrieg - Eroberung. Stadt- und Stiftsarchiv, Aschaffenburg 1987, ISBN 3-87965-045-4. Dort sollte sie die Main-Linie um die Stadt sichern. Feindliche Übergänge sollten durch vorbereitete Sprengungen der Brücken und den Einsatz von Panzerabwehr verhindert werden. Die Einheiten verfügten jedoch weder über das notwendige Personal, noch über die erforderlichen Waffen oder Infrastruktur, um diese Linie zu verteidigen. Der Kontakt zu untergebenen oder benachbarten Einheiten war oft gar nicht oder nur über Telefonämter möglich.Division Nr. 413. (1945, 26. März). Divisionsbefehl Nr. 1 für die Mainverteidigung. Archivdokument.Division Nr. 413. (1945, 26. März). Befehl für Divisionsstab 413. Archivdokument. Die Amerikaner trafen am 26. März am Main ein. Zügig konnten diese über eine unzerstörte Brücke zwischen Obernau und Aschaffenburg den Fluss überqueren und am östlichen Ufer einen Brückenkopf errichten. Diesen konnte die 413. nicht mehr auflösen. Zur Unterstützung wurde die 36. Volksgrenadier-Division herangeführt. Nach einem anfänglichen Erfolg wurde die Gegenoffensive jedoch schnell zurückgeschlagen. Die Abwehrlinien waren aufgrund Kräfte- und Materialmangels nie durchgehend. Die Bedrohung der eigenen Flanken zwangen die 413. fortlaufend zur Zurücknahme der Front und letztlich zum Absetzen über den Spessart.

Gefechte bei Coburg Im weiteren Verlauf zog sich die 413. in den Raum Coburg zurück. Hier sollte sie die Flanke der vorgestoßenen alliierten Einheiten angreifen, um diese vom Nachschub abzuschneiden. Die Angriffe blieben jedoch erfolglos. Bis zum 10. April 1945 war die Division durch Vorstöße mehrerer feindlicher Panzerspitzen in kleine Gruppen aufgespalten. Diese standen ohne Verbindung zur Division im Abwehrkampf gegen starke alliierte Kräfte. Am Mittag dieses Tages wurde die Kampfgruppe des Divisionsstabes durch einen Panzerangriff auf den Ostrand des Callenberger Forstes zurückgedrängt. Gegen Abend musste sich die Kampfgruppe auf Coburg zurückziehen. Von den der Division unterstellten Einheiten waren nach den Kämpfen um Coburg im Allgemeinen nur noch die Führungsstäbe mit unbedeutenden Truppenteilen übrig. Die Division bildete daraus drei Kampfgruppen, welche jedoch nur noch in der Lage waren, die Rückzugsstraßen gegen schwache feindliche Kräfte zu sperren, um den feindlichen Vormarsch zu verlangsamen. Am 12. April 1945 wurden Teile der Schatten-Division Infanterie-Division Donau in die 413. und die 26. Volksgrenadier-Division eingegliedert.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Erster Band. Die Landstreitkräfte 371–500. Biblio-Verlag, Osnabrück 1975, S. 101.

Rückzug und Kapitulation Die Kampfgruppen zogen sich vom Thüringer Wald hinter die Saale und nach Posseck zurück. Dort sammelten sich die versprengten Einheiten. Neu zugeteilte Sturmgeschütze verbesserten die Panzerabwehr. Sie verzögerten den Vormarsch bei Bad Elster bis zum 19. April. Danach verlagerte sich der Feinddruck auf Bergen-Arnsgrün. Am 22. April wurde die Verteidigungslinie zurückgenommen. Der Feind durchbrach am 4. Mai die Verteidigung, woraufhin sich die Reste der Division bis zur Linie Sauersack-Frühbuss zurückzog. Am 8. Mai kapitulierte die 413. schließlich gegenüber Generalmajor Frank L. Culin der 87th US Infantry Division und ging bei Jägersgrün in Gefangenschaft. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die 413. nur noch über 5.000 Mann inklusive der Aufstockung durch die Schatten-Division.

Unterstellte Einheiten

Erste Aufstellung +BataillonAufstellungStationiertSonstigesLS-Btl 80101.04.40PrachwitzLS-Btl 804 01.04.40TachauLS-Btl 80501.04.40SchweinfurtStalag XIII D LS-Btl 80601.04.40RotheburgStalag XIII D LS-Btl 80701.04.40NürnbergLS-Btl 81001.04.40TachauLS-Btl 81401.04.40WollsteinLS-Btl 81901.04.40WürzburgLS-Btl 82001.04.40SchwabachStalag XIII D LS-Btl 82301.06.40 NürnbergLS-Btl 82401.01.41Neumarkt/ObpfLS-Btl 82501.01.41BayreuthLS-Btl 82601.01.41SaazLS-Btl 82701.01.41BambergLS-Btl 82801.01.41HammelburgLS-Btl 829 01.01.41Neumarkt/ObpfLS-Btl 84001.06.40 MarktredtwitzLS-Btl 841 10.06.40StraubingQuelle: Niehorster, L. W. G. (2010). Military Government, Security, and Provost Marshal Forces; Prisoner-of-War Administration (22.06.1941). The Military Press.

Ein Landesschützen-Bataillon bestand aus

1× Stabskompanie (2 Offizieren, 1 Unteroffiziere und 7 Mannschaften; Fuhrpark 8 Fahrräder sowie einem leichten Pkw)

1× Verwaltungseinheit (2 Beamte, 2 Unteroffiziere und 6 Mannschaften; Fuhrpark 2 Fahrräder sowie einem leichten Lkw)

Bataillone bestanden normalerweise aus drei bis fünf Kompanien; Einheiten zur Bewachung von Kriegsgefangenenlagern hatten angeblich sechs Kompanien. Bataillone, die für den Schutz von Eisenbahnlinien eingesetzt wurden, verfügten über bis zu acht Kompanien.

Eine Landesschützen-Kompanie bestand aus

1× Kompanie-Stab (1 Offizier, 1 Unteroffizier, 7 Mannschaften, Fuhrpark 6 Fahrräder) 3× Zügen 1× Stab (1 Offizier, 1 Unteroffizier, 4 Mannschaften, Fuhrpark 3 Fahrräder) 4× Gruppen (1 Unteroffizier, 12 Mannschaften); 1 Leichtes Maschinengewehr 1× Nachschubeinheit (3 Unteroffiziere, 2 Mannschaften; Fuhrpark 1 Fahrrad, 1 Pferdewagen für allgemeine Zwecke mit 2 Zugpferden)

Zweite Aufstellung

Dezember 1943

Grenadier-Ersatz-Regiment 113 Artillerie-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 17 Aufklärungs-Ersatz-Abteilung 17 Fla-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 47 Pionier-Ersatz-Bataillon 46 Bau-Pionier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 13 Kraftfahr-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 13 Kraftwagen-Transport-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 50 Feldpost-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung Karlsbad

10. August 1944

Grenadier-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 113 Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 2 für Infanterie-Reiterzüge Landesschützen-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 13 Aufklärungs-Ersatz-Abteilung 17 Fla-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 47 Artillerie-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 17 Pionier-Ersatz-Bataillon 46 Bau-Pionier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon 13 Kraftfahr-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 13 Kraftwagen-Transport-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 50 Feldpost-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung Karlsbad

Ende März 1945

Divisionsstab Grenadier-Ausbildungs-Regiment 113 (Stab) Grenadier-Ausbildungs-Bataillon 42 Ausbildungs-Bataillon (M) 283 Granatwerfer-Ausbildungs-Bataillon 21 Fla-Ausbildungs-Bataillon 47 Artillerie-Ausbildungs-Regiment 17 (Stab) Artillerie-Ausbildungs-Abteilung 10 Artillerie-Ausbildungs-Abteilung 53 Kavallerie-Ausbildungs-Abteilung 20 Infanterie-Reiter-Ausbildungs-Abteilung 2 Pionier-Ausbildungs-Bataillon 46 Bau-Pionier-Ausbildungs-Bataillon 13 Nachrichten-Ausbildungs-Abteilung 10 Nachrichten-Ausbildungs-Kommando 13 Wehrkreis-Unterführer-Lehrgang 13 Fahnenjunker der Infanterie-Schule Döberitz Heeres-Unteroffiziers-Schule für Artillerie Amberg Heeres-Unteroffiziers-Schule 22 für Pioniere

Kommandeure +Divisionskommandeure der 413. Infanterie-DivisionDienstzeitDienstgradNameSonstigesab 25. Oktober 1939Oberst/Generalmajor/GeneralleutnantKarl Leistner1. Mai 1942 bis 10. Juni 1942GeneralmajorWilhelm Behrens1. bis 10. Juni 1942GeneralmajorHeinrich Thomaab 11. Juli 1943GeneralmajorJohann Meyerhöferab 27. Juli 1944GeneralleutnantSiegmund Freiherr von Schacky auf Schönfeldab 1. April 1945GeneralmajorHellmuth Hiepeab 3. April 1945GeneralmajorEugen TheilackerAnfang April 1945, war Generalmajor Theilacker gleichzeitig Kommandeur der 413., 445. und 464. Division.

Literatur

Kategorie:Infanteriedivision (Wehrmacht) Kategorie:Gegründet 1939 Kategorie:Aufgelöst 1945