Wiewiórki () ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Landgemeinde Górowo Iławeckie (Landsberg) im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein) – bis 1945 zum Kreis Preußisch Eylau in Ostpreußen. mini|Dorfstraße
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historische Region Ostpreußen, 13 Kilometer südlich der heute auf russischem Hoheitsgebiet gelegenen früheren Kreisstadt Preußisch Eylau () bzw. 16 Kilometer westlich der jetzigen Kreismetropole Bartoszyce ().
Geschichte mini|Eichhorn, südlich von Königsberg i. Pr., südsüdwestlich der Stadt Preußisch Eylau und westnordwestlich der Stadt Bartenstein, auf einer Landkarte von 1910 Die Ortschaft war mehrere Jahrhundert lang ein Kirchdorf und wurde als Eichorn um 1350 gegründet.Dietrich Lange: Eichhorn, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Erst nach 1595 erscheint die Namensschreibweise Eichhorn. Eine Windmühle sorgte für überregionale Bedeutung des Dorfes.
Als 1874 der Amtsbezirk Worienen im ostpreußischen Kreis Preußisch Eylau, Regierungsbezirk Königsberg, gebildet wurde, wurde Eichhorn einbezogen.Rolf Jehke: Amtsbezirk Worienen 371 zählte das Dorf Eichhorn im Jahre 1910
Am 7. Dezember 1925 wurden Teile des Gutsbezirks Neukrug nach Eichhorn eingemeindet, und am 27. Juni 1926 wurden Teile der Landgemeinde Eichhorn in die Landgemeinde Dixen umgegliedert.
Am 14. Mai 1930 wurde Eichhorn ein Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk.Rolf Jehke: Amtsbezirk Eichhorn Die Einwohnerzahl des Dorfes belief sich 1933 auf 371 und 1939 auf 337.Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Preußisch Eylau
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde Eichhorn zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Eichhorn erhielt die polonisierte Ortsbezeichnung „Wiewiórki“. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Heute ist das Dorf eine Ortschaft im Verbund der Gmina Górowo Iławeckie (Landgemeinde Landsberg) im Powiat Bartoszycki (Kreis Bartenstein), von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Wiewiórki 380 Einwohner.
Amtsbezirk Eichhorn (1930–1945) In der Zeit seines Bestehens gehörten zum Amtsbezirk Eichhorn drei Orte: Deutscher Name Polnischer Name Dixen Deksyty Eichhorn Wiewiórki Worglitten Wargielity
Religion Kirchengebäude Bei der nicht mehr vorhandenen Kirche in Eichhorn handelte es sich um einen chorlosen Feldsteinbau aus dem 15. Jahrhundert.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 68, Abb. 237 Nachträglich war ein Westturm aus Ziegeln auf Feldsteinfundament vorgelegt worden.
Der Innenraum hatte eine flache Decke. Von Wandmalereien aus der Zeit um 1700 blieben im Lauf der Jahre nur wenige Reste erhalten. Altar, Kanzel und Beichtstuhl waren Schnitzarbeiten um 1720. Wertvoller war eine Kreuzigungsgruppe aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
In der Vorhalle befand sich eine Granittaufe aus der Wende 14./15. Jahrhundert. Der Gutsstand sowie die Orgelempore entstand 1690. Die Orgel war ein Werk des 19. Jahrhunderts. Sie wurde 1931 von der Orgelbauwerkstatt Bruno Goebel aus Königsberg (Preußen) umgebaut. Das Geläut der Kirche bestand aus drei Glocken.
Kirchengeschichte Bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs hinein war Eichhorn ein Kirchdorf, das schon in vorreformatorischer Zeit bestand.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 468 Zu Beginn der 16. Jahrhunderts übernahmen Prediger der Reformation hier ihren Dienst als evangelische Pfarrer.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 35 Gehörte die Kirchengemeinde zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch zur Inspektion Kreuzburg, so war sie zuletzt in den Superintendenturbezirk Landsberg des Kirchenkreises Preußisch Eylau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 1, Göttingen 1968, S. 542
Im Jahre 1925 zählte das weit verstreute Kirchspiel 2200 Gemeindeglieder. Das Kirchenpatronat oblag dem Gutsbesitzer in Worienen.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in der Zeit um 1945 setzten der evangelischen Gemeinde in Eichhorn ein Ende. Die heute mehrheitlich römisch-katholischen Einwohner gehören zur Pfarrei in Górowo Iławeckie (Landsberg) im gleichnamigen Dekanat innerhalb des Erzbistums Ermland. Die Kirche hat die Wirren des Krieges nicht überlebt.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Eichhorn gehörten: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Dixen Deksyty Müggen Migi Dörsen Dzierżno Neuendorf Nowa Wieś Iławecka Eichhorn Wiewiórki Neuhof Nowy Dwór Ernstwalde Zabłocie Neukrug Nowa Karczma Gallehnen Gałajny Stettinnen Szczeciny Glomsienen Głamsiny Weskeim Weskajmy Klein Kohsten Kostki Wilhelmshöhe Kohsten Kosty Wokellen Wokiele Klein Maxkeim Maskajmy Worglitten Wargielity Klein Peisten Piasty Małe Worienen Woryny Kumkeim mitVorderkumkeim Kumkiejmy mitKumkiejmy Przednie Zipperken Czyprki
Pfarrer An der Kirche Eichhorn amtierten als evangelische Geistliche: Paul Heidenreich, 1547 Wenceslaus Stemler, 1554 Martin Betzel, ab 1585 (?) Martin Neumann, bis 1602 NN. ab 1602 Jacob Siwert, 1604–1627 Bartholomäus Hubius, 1615–1643 Peter Nicolai, 1644–1645 Johann Lang, 1645–1665 Constantin Henning, 1665–1710 Johann Henning, 1703–1736 Johann Gottlieb Tietz, 1736–1746 Johann Chr. Fuhrmann, 1746–1760 Jacob Carl Kösling, 1769–1784 Carl Gottlieb Conrad, 1784–1794 Joh. Immanuel Schiemann, 1794–1808 Carl Jonathan Gronenberg, 1808–1820 August Wilhelm Wachhausen, 1820–1831 Johann Carl Rauschke, 1831–1843 Carl Eduard Torno, 1843–1850 Eduard Heinrich Friedr. Horn, 1850–1856 Adolf Julius Schröder, 1856–1889 Rudolf Moritz Chr. Krieger, 1890–1902 Hermann Georg Alb. Pötz, 1902–1909 Walter Treidel, 1909–1929 Ludwig Grunwald, 1929–1931 Julius Alb. Hans Rud. Schmidt, 1932–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarre Eichhorn haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache (Hrsg.): Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 37–38 Taufen = 1665 bis 1944, Trauungen = 1733 bis 1944, Begräbnisse 1665 bis 1944, Konfirmationen 1738 bis 1781.
Verkehr Wiewiórki liegt an der verkehrsreichen polnischen Woiwodschaftsstraße 512 zwischen den Städten Bartoszyce (Bartenstein) und Górowo Iławeckie (Landsberg), außerdem an einer Nebenstraße, die von Piaseczno (Sieslack) nach Norden bis an die polnisch-russische Grenze verläuft – und vor 1945 bis in die Stadt Preußisch Eylau (russisch Bagrationowsk) führte. Eine Anbindung an den Bahnverkehr besteht nicht.
Literatur Eichhorn, Dorf, Kreis Preußisch Eylau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Eichhorn (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 73 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 53 (Google Books).
Weblinks
Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Eichhorn Amtsbezirk Eichhorn (Territorial.de)
Einzelnachweise
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