mini|500px|Gesamtansicht, 2022
Das Kloster Lorch ist eine ehemalige Benediktinerabtei in Lorch in Baden-Württemberg (Deutschland). Es war das Hauskloster der Staufer. mini|Klosterkirche mini|Ansicht aus Andreas Kiesers Forstlagerbuch, 1685 mini|Kloster Lorch, Ansicht des 18. Jahrhunderts mini|Lageplan des Klosters (1898) mini|Kreuzgang mini|hochkant|Christus mini|Innenraum der Klosterkirche mini|Epitaphe in der Kirche mini|hochkant|Wandmalerei: Herzog Konradin von Schwaben mini|hochkant|Spätgotisches Staufergrabmal mini|hochkant|Wappenschmuck mit einer Brezel, Wappen von Abt Georg Kerler 1481–1510 mini|hochkant|Lorcher Chorgestühl (heute in Täferrot) mini|hochkant|Epitaph von Ulrich I. von Woellwarth
Geschichte Mittelalter Das Benediktinerkloster Lorch wurde um 1102 von dem Staufer Herzog Friedrich I. und seiner Familie gestiftet. Die sogenannte Gründungsurkunde hat sich mittlerweile als Fälschung aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts herausgestellt, dürfte aber den Sachverhalt im Wesentlichen richtig wiedergeben. Lorch wurde dem Papst unterstellt, wie es für Klöster der Hirsauer Reform üblich war, doch behielten sich die Staufer die Vogtei vor.
Die Anfänge der Grundherrschaft des Klosters Lorch waren ungeachtet der Machtstellung seiner Stifter bescheiden. Die Gründungsausstattung des Benediktinerklosters umfasste zunächst das staufische Hausgut in Lorch und einzelne umliegende Güter um den Hohenstaufen und nördlich der Rems. Außerdem bedachten die Staufer ihr Kloster mit Fernbesitz. Dazu gehörte sicher Ebermergen bei Harburg. Weiterer Besitz im Ries ist möglich. Möglicherweise von den Saliern, d. h. aus der Mitgift der Kaisertochter Agnes, der Gattin Friedrichs I., stammen die Güter auf dem Albuch bei Bolheim und vielleicht auch des Amtes Hohenlohe auf dem Härtsfeld. Von 1140 bis 1208 diente die Abtei als eine der Grablegen der Staufer.
Die Kräfte richteten sich zunächst auf die Errichtung von Kirche und Klausurgebäuden. Erst 1139 konnte an die Überführung der verstorbenen Staufer von der Stiftskirche in die neue Klosterkirche gedacht werden. Dank der Unterstützung des Königs Konrad III. machte das Kloster gute Fortschritte.
Die Situation des Klosters in der späteren Stauferzeit kann als gut bezeichnet werden. Die Abteikirche wurde um die Wende zum 13. Jahrhundert mit Schmuckpfeilern und einem Turm über der Vierung versehen, wodurch die Staufergrablege auch nach außen hin optisch zur Geltung kam.
Der staufische Zusammenbruch bedeutete für das Kloster akute Gefahr: ehemalige Ministerialen beanspruchten einzelne Rechte, die aber zumeist mit Geld abgelöst werden konnten. Gefährlicher noch war der Zugriff des Grafen Ulrich I. von Württemberg. Er versuchte, die Vogtei über das Kloster zu übernehmen. Auch Walter II. Schenk von Limpurg forderte Vogteirechte über verschiedene Klosterorte. Letztlich konnte jedoch keiner seine Ansprüche durchsetzen. Rückhalt fand das Kloster bei den Herren von Rechberg. Außerdem konnte sich Lorch auf ein System gegenseitiger Unterstützung durch die benachbarten Klöster wie Murrhardt, Komburg und Anhausen stützen, so wie der Abt auch diesen bei Streitigkeiten zu Hilfe kam.
Nach der Königswahl des Habsburgers Rudolf I. stellte dieser 1274 das Kloster Lorch unter die Vogtei des Reiches. Das hatte zur Folge, dass es in die Konflikte des Königs mit Graf Eberhard I. von Württemberg hineingezogen wurde. Die Benediktiner gerieten damit in eine Zwickmühle, denn sie strebten den Ausbau ihrer Güter um Münster am Neckar an, also mitten im Machtzentrum Württembergs. Das Eingehen eines Schutzverhältnisses mit dem Grafen 1291, unmittelbar nach dem Tode Rudolfs, war die Folge.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts geriet die Abtei in eine ernste Krise. Zum einen wurde ihr Gebiet von den häufigen Kriegszügen im Lande verheert, zum anderen gingen die Stiftungen, was Größe und Anzahl betraf, merklich zurück. Eine letzte große Übertragung betraf 1279 Güter in Bietigheim, Bissingen und Hohenhaslach. Das Kloster sah sich nun gezwungen, Besitz zu verkaufen, wobei mit Bolheim, Dettingen am Albuch und Erpfenhausen ein ganzer Güterkomplex verloren ging. Um 1329 war der Tiefpunkt erreicht: Papst Johannes XXII. musste dem bereits zurückgetretenen Abt Kuno von Gundelfingen befehlen, als Pfleger weiter zu amtieren.
Die mühsame Sanierung ging einher mit einem Wechsel der tonangebenden Kreise im Kloster. Lorch geriet unter den Einfluss der ostschwäbischen Adelsfamilien Schechingen, Woellwarth und Arberg.
Der Machtzuwachs Württembergs in Ostschwaben führte letztlich dazu, dass Abt und Konvent sich dessen Herrschaft nicht entziehen konnten, auch wenn das Kloster nominell noch lange Zeit unter der Vogtei des Reiches stand. Die Interessen des Remstalklosters waren bald so sehr mit Württemberg verzahnt, dass es keine Möglichkeit mehr gab, ein selbständiges Territorium zu bilden. Die Güterpolitik zielte nun auf die Abrundung der Grundherrschaft nördlich der Rems durch Tauschaktionen mit anderen Klöstern und den Zukauf von strategisch wichtigen Punkten wie der Burg Leineck. Ein weiteres Ziel war der Ausbau in den Weinbaugebieten an der Enz und am mittleren Neckar. Besonders traten nun Weinbau und -handel als Geldquelle hervor. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatten die Mönche die kostspielige Direktbewirtschaftung ihrer Weingüter um Stuttgart aufgegeben. Mit der wirtschaftlichen Belebung gingen deutliche Anzeichen für einen religiösen und kulturellen Aufschwung einher. Der 1462 von Graf Ulrich V. veranlasste Anschluss an die Melker Reform fügte sich in dieses Gesamtbild nahtlos ein und traf auf geringen Widerstand. Der adlige Abt Nikolaus Schenk von Arberg wurde schon bald vom bürgerlichen Jodokus Winkelhofer abgelöst.
Die Reform zog eine lebhafte Bautätigkeit nach sich, die im Verein mit den Geldforderungen des Grafen eine neue Finanzkrise hervorrief. Das Kloster beantwortete das mit der Erneuerung und Intensivierung seiner Rechte, was wiederum den Zorn seiner Untertanen hervorrief.
Das Kloster hatte nach und nach seine Besitzungen auf der Ulmer Alb und auf dem Härtsfeld (Amt Hohenlohe), also außerhalb der württembergischen Machtsphäre, abgestoßen. Abt Georg Kerler kompensierte die Einbindung in das Staatswesen mit einer aktiven landständischen Politik. Im Machtvakuum während der Minderjährigkeit Herzog Ulrichs bot sich ihm für einen historischen Moment nochmals die Perspektive der Reichsunmittelbarkeit, doch wurde sie nicht konsequent genug genutzt. Unter Abt Sebastian Sitterich kehrte Lorch zur engen Kooperation mit dem Herzog zurück. Vielleicht haben die Benediktiner damals schon erkannt, dass ihre Machtmittel zu gering waren. Im Armen Konrad 1514 und im Bauernkrieg 1525 trat dies dann klar zutage. Die Mönche wurden von den aufständischen Bauern ausgeplündert, die Gebäude angezündet. Von den Schäden konnte sich das Kloster nur mühsam erholen. Darüber hinaus wurde es bereits von der Säkularisation bedroht, da die württembergischen Landstände darin einen bequemen Weg aus der Schuldenkrise des Herzogtums sahen. Zwar hatten die Habsburger noch die Hand über die Prälaten gehalten (und sich den Schutz teuer bezahlen lassen), doch bedeutete die Rückkehr des vertriebenen Herzogs Ulrich 1534 die Einführung der Reformation, die Vertreibung der Mönche und die Zwangsverwaltung für Lorch. An der Struktur der Grundherrschaft wurde nichts geändert, da der Herzog daran interessiert war, sie als Sondervermögen zu erhalten, auf das die Landstände keinen Einfluss hatten. Die Verwalter unternahmen aber nichts gegen die seit 1525 aufgelaufenen Schulden. Durch das Augsburger Interim durften die Mönche 1548 zurückkehren. Unter dem neuen Abt Benedikt gelang zwar die Sanierung, doch waren die Tage des Benediktinerklosters gezählt.
Reformation 1556 hob Herzog Christoph die Benediktinerabtei auf und verfügte die Errichtung einer Klosterschule, die aus den Einkünften der Grundherrschaft finanziert wurde. Der letzte katholische Abt starb im Jahr 1563, in der Zukunft wurden vom Herzog evangelische Äbte bestimmt, die das ehemalige Kloster verwalten sollten. Sie hatten Stimmrecht im württembergischen Landtag und wurden bald auch als Prälaten bezeichnet.
Im Jahr 1583 wurde – vermutlich aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage des Klosters – die Klosterschule auf Befehl von Herzog Ludwig von Württemberg zusammen mit den Klosterschulen in Anhausen und Denkendorf aufgehoben, die Schüler besuchten fortan die Schule des Klosters Adelberg.
Frühe Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg kamen noch zweimal katholische Mönche nach Lorch, konnten sich aber nicht lange halten. Seit 1727 wurde der Abtstitel mit dem Kanzleramt der Universität Tübingen verbunden. Erst mit der Erhebung Württembergs zum Königreich und der damit verbundenen Neuorganisation des Staatsgebietes in napoleonischer Zeit wurde auch das Klosteramt aufgelöst. Es ging im 1807 gebildeten Oberamt Lorch (ab 1820 Oberamt Welzheim) auf.
Nationalsozialismus 1932 hatte die evangelische Württembergische Landeskirche die Räume des Klosters für eine Evangelische Bauernschule zur Verfügung gestellt. Ab Herbst 1934 verbot der NS-Staat der Kirche die Nutzung der Räume, löste die Bauernschule auf und richtete stattdessen eine nationalsozialistische Bauernhochschule ein. Sie wurde vom Reichsnährstand finanziert, lehrte die Blut-und-Boden-Ideologie und bestand bis 1945.Eckart Häußler, Ingrid Häußler: NS-Bauernschule im Kloster Lorch. In: Manfred Schramm (Redaktion), Geschichtswerkstatt der VHS Lorch (Hrsg.): Stadt und Kloster Lorch im Nationalsozialismus. Schwäbisch Gmünd 2004, ISBN 3-936373-15-9, S. 103 ff.
Ab 1937 wurde die Klosterkirche zu einer „Staufer-Gedenkstätte und … Stätte für nationalsozialistische Feierstunden“ erklärt. Feiern der NSDAP und der SS wurden hier abgehalten, ebenso nationalsozialistische „Eheweihen“, „Jugendweihen“ und ab 1940 auch „Heldenfeiern“ für gefallene Soldaten. Gemeinsames Leitbild dieser Feiern war die Verherrlichung der Staufer, in deren Tradition sich die Nationalsozialisten sahen.Manfred Schramm: Kloster Lorch – Staufer-Gedenkstätte und NS-Weihestätte. In: Manfred Schramm (Redaktion), Geschichtswerkstatt der VHS Lorch (Hrsg.): Stadt und Kloster Lorch im Nationalsozialismus. Schwäbisch Gmünd 2004, ISBN 3-936373-15-9, S. 109 ff. mini|Gotisches Chorgewölbe
Gebäude mini|Blick über den Klostergarten zur Kirche Die Klosterkirche ist eine romanische Pfeilerbasilika mit Querhaus und ausgeschiedener Vierung. An der Westseite standen zwei runde Treppentürme, deren nördlicher im 15. Jahrhundert einstürzte. Der südliche Turm wurde 1881 restauriert und um ein Stockwerk erhöht. Heute prägt er wesentlich die Silhouette der Gesamtanlage. Ein Vierungsturm, der um 1200 aufgesetzt worden war, verschwand wieder am Ende des Mittelalters, vielleicht infolge der Brandschäden im Bauernkrieg 1525. Dafür trug der Chor lange Zeit einen Dachreiter. Zwei Grabkapellen für die Adelsfamilien Woellwarth und Schechingen, die in den Querarmen abgetrennt worden waren, wurden im 19. Jahrhundert zugunsten des Raumeindrucks wieder beseitigt. Die Grabmäler stehen oder liegen nun an den Außenwänden des Kirchengebäudes. Der ursprünglich innen rund und außen flach endende romanische Chor wurde nach der Reformierung 1462 durch einen längeren gotischen 5/8-Chor ersetzt. Da der Kreuzgang aber an der Ostseite und nicht wie üblich an der Südseite der Kirche lag, wurde der Chor treppenförmig gestuft, so dass der Kreuzgang unter dem Chorschluss durchlaufen konnte.