Mnichov (deutsch München) ist ein Ortsteil der Gemeinde Velké Chvojno (Böhmisch Kahn) im Okres Ústí nad Labem in Tschechien. Das Dorf liegt rund drei Kilometer östlich von Velké Chvojno und etwa 7,5 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums von Ústí nad Labem (Aussig). Es bildet das Katastralgebiet Mnichov u Lučního Chvojna mit einer Fläche von 1,97 km². Der Ortsname geht auf den Besitz des Johanniterordens zurück, dem König Vladislav II. im Jahr 1169 ein ausgedehntes Waldgebiet in der Aussiger Gegend schenkte.

Geographie Lage Mnichov liegt im nördlichen, linkselbischen Teil des Böhmischen Mittelgebirges auf etwa 480 m ü. M. und damit auf dem höchsten Bereich der sogenannten Spansdorfer Hochfläche. Das Gemeindegebiet gehört zum Landschaftsschutzgebiet (chráněná krajinná oblast) České středohoří.

Nachbarorte Nördlich liegt Čermná (Leukersdorf), westlich Luční Chvojno (Deutsch Kahn), südlich Libov (Lieben) und südöstlich Lipová (Spansdorf).

Geschichte Der Johanniterwald und die Gründung des Dorfes Mit einer Urkunde des Jahres 1169 schenkte König Vladislav II. dem Ritterorden des heiligen Johannes zu Jerusalem ein Landstück um Herbitz aus dem Krongut und fügte diesem auf Bitten seines Bruders Heinrich ein Waldgebiet in der Aussiger Gegend hinzu; im selben Jahr überließ er dem Orden den Landumfang Lieben bei Aussig. Die Grenzbeschreibung dieses Waldes nennt nacheinander die Olesnice, den Berg Hwogen, den Wasserlauf Luhpuhce, die Orte Camic und Procetin, sodann Tesk und den rufus puteus; da sich der Wald ausdrücklich zwischen den Dörfern Kamitz und Prosseln erstreckte, umfasste er das Gelände der später hier entstandenen Dörfer.

Die genaue Ausdehnung dieses Johanniterwaldes war unter den heimatkundlichen Forschern umstritten. Emil Richter kam 1935 zu dem Ergebnis, dass sich ein östlicher Ausläufer des Waldes über die späteren Feldmarken der Orte München, Leukersdorf, Spansdorf und Leißen erstreckte. Den Ortsnamen München bezog er auf die Ordensbrüder und vermutete hier einen Wirtschaftshof, von dem aus die Urbarmachung und Besiedlung des Waldes geleitet wurde. Franz Josef Umlauft sah die Gründung des Dorfes ebenfalls in der Zeit der Johanniter, die seit 1169 die Waldhufendörfer der Umgebung anlegten. Die deutschrechtlichen Neugründungen der näheren Umgebung – darunter Leukersdorf (slawisch Čermná), Spansdorf (Lipowe) und Arnsdorf (Komonin) – gingen nach Richter auf herbeigerufene Bauern aus Thüringen, Franken oder Niedersachsen zurück.

Eine urkundliche Nennung des Dorfes selbst setzt erst spät ein; als erste schriftliche Erwähnung gilt das Jahr 1544. Die Grundbücher der Dörfer Leukersdorf und München sind vom Jahr 1575 an erhalten, womit die Besitzgeschichte der einzelnen Höfe lückenlos verfolgt werden kann.Die 1954 veröffentlichte Ortskunde nennt abweichend das Jahr 1573 als Beginn der grundbücherlich belegten Besitzreihe des Hauses Nr. 2.

Dorfform und Flur München zeigt nach Umlauft die Übergangsform vom Runddorf zum Hufendorf; neuere Ortsbeschreibungen kennzeichnen es als Rundling an einer Wegkreuzung. Jedes der zehn alten Bauernhäuser besaß hinter dem Garten lediglich einen kurzen Grundstreifen; die übrige Feldflur, deren Abteilungen die Namen Länge, Breite, Godl, Lugen, Schiefer, Fiebig und Windhübel trugen, war in große Stücke geteilt, an denen jeder der zehn Bauern einen Anteil hatte. Der ehemalige Klosterhof stand vermutlich an der Stelle des späteren Hauses Nr. 2. Auf dem Windhügel stand von etwa 1809 bis 1862 eine Windmühle. Von den ehemaligen Hoftoren hatte sich 1939 nur noch eines – bei Nr. 7 – erhalten.

Grund- und Gerichtsherrschaft Von etwa 1400 bis zur Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 gehörte München zur Herrschaft Blankenstein, die später den Namen Prießnitz und schließlich Schönpriesen führte. Zur Allodialherrschaft Prießnitz zählten vor 1848 außerdem die Dörfer Prießnitz, Nestomitz, Mosern, Wesseln, Nestersitz, Pömmerle, Doppitz, Leinisch, Seesitz, Soblitz, Reindlitz, Mörkau, Blankenstein, Leissen, Spansdorf, Leukersdorf, Neubohmen (Kokisch), Arnsdorf und Schlabisch. Grund- und Gerichtsherren waren im 16. Jahrhundert die auf Schloss Blankenstein sitzenden Ritter von Bünau.

Ein eigenes Dorfgericht besaß München nicht. Der Ort galt – ebenso wie Kokisch (Neubohmen) – als zu Leukersdorf gehörig und unterstand dem dortigen Richter, der deshalb auch Oberrichter genannt wurde; im Dorf selbst amtierten geschworene Schöppen, als deren einer für das späte 16. Jahrhundert Simon Vogel bezeugt ist. Die Leukersdorfer Gemeinderuge verpflichtete die Münchner Nachbarn, ihre Festlichkeiten in der Leukersdorfer Schenke abzuhalten, und behielt das Schankrecht für beide Dörfer dem Leukersdorfer Richter vor; die Treiberpflicht bei der herrschaftlichen Jagd war auf das Gebiet der drei Dorffluren Leukersdorf, München und Spansdorf beschränkt. Für München selbst ist gleichfalls eine Gemeinderuge überliefert.

Kirche und Konfession Das Dorf war nach Leukersdorf eingepfarrt. Die Ritter von Bünau führten in ihren Gütern und damit auch im Kirchspiel Leukersdorf die Lehre Martin Luthers ein; nach dem Prießnitzer Urbar von 1584 hatte jeder Wirt des Kirchspiels dem protestantischen Pfarrer – damals Johannes Faber (1581–1586) – je einen Scheffel Korn und Hafer als Dezem zu entrichten, eine Abgabe, die bis zu ihrer Ablösung im 19. Jahrhundert auf den Höfen lastete. Nach der Niederschlagung des böhmischen Ständeaufstands mussten die protestantischen Geistlichen 1624 das Land verlassen, 1628 emigrierten auch die Bünau auf Blankenstein und Prießnitz. Bei der Volkszählung von 1921 bekannten sich alle 92 Einwohner des Dorfes zur deutschen Nationalität und zur römisch-katholischen Kirche; 1930 wurden 84 Deutsche und drei Tschechoslowaken gezählt, von denen bis auf sechs Konfessionslose alle römisch-katholisch waren.

Der Bauernhof Nr. 2 („beim Trödel“) Für das Bauernhaus Nr. 2, an dessen Stelle der mutmaßliche Klosterhof gestanden hatte, liegt mit der von Umlauft 1921 veröffentlichten Haus- und Familiengeschichte eine für die Region ungewöhnlich dichte Überlieferung vor. Erster urkundlich genannter Besitzer war Simon Vogel, der 1575 mit der Gemeinde einen Vertrag über die Benutzung des in seinem Garten gelegenen „Nasbrunnens“ schloss und im selben Jahr die benachbarte Gärtnerwirtschaft – das spätere Haus Nr. 1 – hinzukaufte. Die Kaufpreise der folgenden Übergaben spiegeln den wirtschaftlichen Verlauf des 17. Jahrhunderts wider: 1589 ging das Gut für 400 Schock Groschen an Thomas Vogel, 1606 für 540 Schock an Valentin Vogel, 1643 jedoch nur noch für 500 kleine Schock und 1660 gar nur für 250 kleine Schock an die jeweiligen Erben.

Nach dem frühen Tod des Besitzers übernahm 1671 der Stiefvater des minderjährigen Erben, Michel Trödel, die Wirtschaft; obwohl er sie nur 24 Jahre führte, gab er dem Anwesen den bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlichen Hausnamen „beim Trödel“, der zur Unterscheidung von den mehreren Familien namens Vogel im Ort diente und mit einheiratenden Familienangehörigen auch in andere Dörfer – etwa nach Schlabisch Nr. 2 – wanderte. 1695 trat der volljährig gewordene Hans Vogel das väterliche Erbe an; ihm folgten 1735 Georg Vogel, 1762 Johann Franz Vogel, 1792 Franz Vogel, 1826 Josef Vogel, 1867 Ferdinand Vogel und 1882 dessen gleichnamiger Sohn. An Diensten und Abgaben hatte der Hof bis 1848/49 jährlich 156 einspännige Zugrobottage und 26 Handrobottage zu leisten; auf dem Haus lasteten 15 Kreuzer 1½ Pfennige Erbzins sowie 46 Kreuzer 2½ Pfennige Hühner- und Eierzins, die in zwei Raten zu Georgi und Galli an die Obrigkeit zu entrichten waren. Das Wohnhaus wurde 1888, die Scheuer 1904 neu errichtet. Seit 1919 war Josef Vogel Eigentümer, der 1921 zugleich das Amt des Gemeindevorstehers bekleidete und als dreizehnter Wirt seines Namens auf dem Hof saß; das Anwesen befand sich damit urkundlich seit knapp 350 Jahren im Besitz derselben Familie.

19. und 20. Jahrhundert Mit der Aufhebung der Untertänigkeit und der Trennung von Verwaltung und Rechtspflege nach 1848 wurde München eine selbständige Gemeinde im politischen Bezirk Aussig. 1918 kam der Ort mit der Auflösung Österreich-Ungarns an die Tschechoslowakei.

Um 1930 verfügte das Dorf über keine eigenen Einrichtungen: Die nächste Eisenbahnstation lag in Klein Kahn (Malé Chvojno), das Postamt in Böhmisch Kahn (Velké Chvojno), die zuständige Pfarre in Leukersdorf (Čermná) und die Schule in Spansdorf (Lipová). Eine Freiwillige Feuerwehr bestand im Ort; sie nahm 1925 gemeinsam mit der Leukersdorfer Wehr an der dortigen Glockenweihe teil, bei der die mittlere Glocke der Leukersdorfer Nikolaikirche aus einer Stiftung der Münchner Eheleute Marie und Adalbert Kunze finanziert wurde.

Infolge des Münchner Abkommens fiel der Ort 1938 an das Deutsche Reich und gehörte bis 1945 zum Reichsgau Sudetenland. Nach Kriegsende kam er wieder zur Tschechoslowakei; 1945/46 wurde die deutschsprachige Bevölkerung größtenteils vertrieben. Bei den Volkszählungen von 1850 bis 1960 war Mnichov eine selbständige Gemeinde, zunächst im Okres Ústí nad Labem, 1950 im Okres Ústí nad Labem-okolí und ab 1960 wieder im Okres Ústí nad Labem. Von 1960 bis 1980 bildete der Ort einen Ortsteil von Luční Chvojno, vom 1. Juli 1980 bis zum 31. Dezember 1997 einen Ortsteil von Libouchec; seit dem 1. Januar 1998 gehört er zu Velké Chvojno.Die Angaben zum Zeitpunkt der Eingemeindung weichen voneinander ab: Der Historický lexikon obcí České republiky führt Mnichov bei der Volkszählung 1961 bereits als Ortsteil von Luční Chvojno, während die Gemeinde Velké Chvojno den Übergang an Velké Chvojno auf das Jahr 1988 datiert.

Namensherkunft Der deutsche Ortsname geht auf die Wendung „bei den Mönchen“ zurück, aus der über die Form Mönchen der Name München entstand; er erinnert an den Besitz des Johanniterordens und an den Klosterhof, der an der Stelle des späteren Hauses Nr. 2 vermutet wird. Der tschechische Name Mnichov ist von mnich („Mönch“) abgeleitet und gibt damit denselben Sachverhalt wieder. Emil Richter sah in dem Namen einen Beleg dafür, dass der Orden hier einen Wirtschaftshof zur Erschließung seines Waldbesitzes unterhielt.

Bevölkerung Für das Jahr 1654 sind 14 Häuser verzeichnet, darunter zehn Bauernhöfe, zwei Kleinbauernstellen und zwei Gärtneranwesen; bis 1787 war die Zahl der nunmehr nummerierten Anwesen auf 16 gestiegen. Im 19. und 20. Jahrhundert ging die Einwohnerzahl nahezu durchgehend zurück; den tiefsten Stand erreichte der Ort nach der Vertreibung und der nur unvollständigen Wiederbesiedlung im Jahr 1991 mit 18 Einwohnern.

+ Entwicklung der Einwohner- und Häuserzahl Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1930 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 2021 Einwohner 131 109 106 94 100 92 87 70 53 57 43 18 28 66 51 Häuser 21 21 21 20 20 20 20 20 – 12 10 11 11 13 14

Die heimatkundliche Überlieferung nennt für 1930 abweichend 21 Häuser und für die Volkszählung von 1939 83 Einwohner.Die Abweichung erklärt sich daraus, dass sich die Häuserzahlen der Kleinen Ortskunde auf das Jahr 1930, die Einwohnerzahlen dagegen auf die Volkszählung von 1939 beziehen.

Sehenswürdigkeiten mini|Wegkreuz am Weg von Mnichov nach Čermná An dem alten Verbindungsweg von Mnichov nach Čermná steht ein steinernes Wegkreuz.

Erhalten ist ferner das Gehöft Nr. 2, dessen Besitzgeschichte sich urkundlich bis 1575 zurückverfolgen lässt und an dessen Stelle der Klosterhof der Johanniter vermutet wird.

Literatur Franz Josef Umlauft: Geschichte eines Bauernhofes (Bauernhaus in München Nr. 2). In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 1. Jahrgang, 1921, 1. Heft, S. 33 ff. Emil Richter: Der Johanniterwald. In: Arbeitsgemeinschaft für Heimatforschung in Aussig (Hrsg.): Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 15. Jahrgang, 1935, 3. Heft, S. 97 ff.