mini|Trude Hesterberg in den 1920er Jahren auf einer Fotografie von Alexander Binder rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Trude Hesterberg Johanna Dorothee Helene Gertrud Hesterberg, genannt Trude (* 2. Mai 1892 in Berlin;Geburtsregister Standesamt Berlin 11, Nr. 1507/1892 † 31. August 1967 in München), war eine deutsche Bühnen- und Filmschauspielerin, Kabarettistin, Chansonsängerin, Soubrette und Operettensängerin sowie Gründerin und Leiterin einer Kabarettbühne.

Leben mini|Trude Hesterberg in der Berliner Scala, 1939 mini|Berliner Gedenktafel am Haus Kantstraße 12 in Berlin-Charlottenburg mini|Gedenktafel am Haus Seestraße 1 in Heringsdorf mini|Ehemaliges Urnengrab von Trude Hesterberg, vorne rechts 1908–1921 Gertrud Hesterberg wurde zunächst von ihrer Tante, einer Opernsängerin, privat unterrichtet. Zuerst sträubte sich ihr Vater gegen die künstlerischen Ambitionen seiner Tochter, stimmte dann aber dem kostenlosen Gesangsunterricht zu. Später übernahm die Altistin Margarete Brieger-Palm die Gesangsausbildung, deren Kosten der Vater nur widerwillig trug. Den Vornamen Gertrud änderte sie zu Beginn ihrer Gesangsausbildung in Gertrude ab, weil er so einen poetischeren Klang hatte.Trude Hesterberg: Was ich noch sagen wollte. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1971. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte Hesterberg in einer Schüleraufführung im Beethoven-Saal in Berlin; Felix Robert Mendelssohn begleitete sie dabei auf dem Violoncello. Ihre klassische Gesangsausbildung begann Hesterberg am 1. September 1910 bei Kammersänger Nikolaus Rothmühl am Stern’schen Konservatorium.Liste der Schülerinnen und Schüler des Stern’schen Konservatoriums (1850–1936), Buchstaben G und H. In: Personen-Datenbank des Stern’schen Konservatoriums Den Unterricht musste sie einige Zeit vor ihrem Vater geheim halten und finanzierte die teuren Lehrstunden mit dem Verkauf von selbstgezogenen Erdbeeren und von Eiern ihrer Hühner. Obwohl ihr Vater gegen den Unterricht war, konnte Trude ihre Ausbildung fortsetzen. Durch ihre Freundschaft zu Susanne Hollaender, der Tochter von Gustav Hollaender, dem Direktor des Stern’schen Konservatoriums, lernte sie Susannes Onkel, Felix Hollaender, kennen. Er verhalf ihr 1912 zu ihrem ersten Engagement in George Dandin von Molière an der Seite von Alexander Moissi und unter der Regie von Max Reinhardt.Berliner Börsenzeitung, Morgenausgabe vom 11. April 1912 (online) Sie übernahm die Rolle der Climène und erhielt ein Jahresengagement an den Kammerspielen in Berlin als Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin für eine Monatsgage von 115,00 Mark.

Ihre erste Filmrolle in einem Stummfilm erhielt Hesterberg 1912 in Im Goldenen Käfig. Gleichzeitig hatte sie kleinere musikalische Auftritte am Deutschen Theater in Berlin und als Chansonnière in einem Café am Kurfürstendamm. Darüber hinaus wurde sie für Operettenrollen besetzt. Weitere Filmrollen und Kabarettauftritte wechselten sich ab. Sie trat im berühmten Berliner Variété Wintergarten (1915) und im Kabarett Schall und Rauch (1919) mit Liedern nach Texten von Kurt Tucholsky, Friedrich Hollaender und Erich Kästner auf.

1921–1945 Im Jahr 1921, in dem sie in dem Stummfilm Friedericus Rex eine Rolle spielte, gründete Trude Hesterberg die Wilde Bühne, eines der ersten politisch-literarischen Kabaretts. Als Hausautor fungierte Walter Mehring, ein ständiger Autor war auch Leo Heller, der ihr sein Buch Aus Kneipen und Kaschemmen (Delta-Verlag, Berlin 1921) widmete. Nach einem verheerenden Brand 1923 war sie gezwungen, wieder Operetten-Engagements anzunehmen. Hesterberg war auch im Tonfilm erfolgreich, obwohl sie keine Hauptrollen erhielt. Unter anderem spielte sie in Stürme der Leidenschaft (1931) und Ein blonder Traum (1932). Heinrich Mann hatte eigentlich daran gedacht, sie mit der Hauptrolle im Blauen Engel zu betrauen, doch setzten sich andere gegen seine Präferenz durch. Weiterhin trat Hesterberg im Kabarett und auf der Revuebühne auf: Im Kabarett der Komiker war sie ebenso zu sehen wie in verschiedenen Charell-Revuen im Großen Schauspielhaus.

1933/1934 gründete Trude Hesterberg in Berlin das Kabarett Musenschaukel im Pavillon Mascotte in der Behrenstraße, wo auch die junge Rotraut Richter zeitweilig auftrat. Das Kabarett wurde jedoch nach kurzer Zeit auf Anweisung des Reichspropagandaministeriums geschlossen. Hesterberg war jüdischer Abstammung und arbeitete in der Zeit des Nationalsozialismus mit einer Sondergenehmigung von Joseph Goebbels.Hesterberg, Trude. In: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 242.

Ihr Liebhaber, der Bankier Fritz Schönherr (1899–1945), finanzierte mehrere ihrer Revuen. Die beiden heirateten schließlich 1936;Heiratsregister Standesamt Berlin-Charlottenburg 3, Nr. 449/1936 Schönherr kam in den letzten Kriegstagen ums Leben.

Nach 1945 Nach dem Krieg zog Trude Hesterberg nach München. Dort hatte sie u. a. Gastengagements am Staatstheater am Gärtnerplatz, beispielsweise in dem Musical Fanny an der Seite von Christine Görner. Die Künstlerin wirkte noch in einigen Nachkriegsfilmen mit, darunter Die Geschichte vom kleinen Muck (1953), Unter den Sternen von Capri (1953), Der Zigeunerbaron (1954) und an der Seite von Heinz Rühmann und Heli Finkenzeller im Briefträger Müller. In ihrem Testament stiftete sie den Hesterberg-Ring für die beste deutsche Chansonsängerin, der 1967 erstmals verliehen wurde.

Von 1961 bis 1963 führte sie als Conférencière durch die Nachwuchs-Musikreihe 'Nachmittagsparty bei Trude Hesterberg' in der ARD.

Trude Hesterberg wurde 1962 mit dem Filmband in Gold für „langjähriges und hervorragendes Schaffen im deutschen Film“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde zu diesem Anlass zum ersten Mal vergeben. Ihr ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet. Im Alter von 75 Jahren starb Trude Hesterberg am 31. August 1967 nach längerem Herzleiden in München. Sie ist auf dem Münchener Nordfriedhof beigesetzt. Ihr Grab wurde 2021 aufgelassen (Grab Nr. 97-U-197).

Zitate

Filmografie 1912: Im Goldenen Käfig 1912: Die Tänzerin 1914: Die Hochstaplerin 1916: Die Reise ins Jenseits 1916: Ein Schwerenöter 1917: Die Eheschule 1917: Das Telephonkätzchen 1918: Der Fall Rosentopf 1921: Der Roman eines Dienstmädchens 1923: Fridericus Rex, 3. Teil: Sanssouci 1925: Varieté 1925: Vorderhaus und Hinterhaus 1926: Manon Lescaut 1926: Der dumme August des Zirkus Romanelli 1926: Der Juxbaron 1927: Mädchenhandel – Eine internationale Gefahr 1927: Die letzte Nacht 1927: Laster der Menschheit 1928: Flitterwochen 1928: Heut’ spielt der Strauss 1928: Zwei rote Rosen 1928: Die kleine Sklavin 1929: Der Sträfling aus Stambul 1929: Aufruhr im Junggesellenheim 1931: Die Männer um Lucie 1931: Stürme der Leidenschaft 1932: Ein blonder Traum 1933: Der Page vom Dalmasse-Hotel 1934: Der Fall Brenken 1935: Der grüne Domino 1936: Der Raub der Sabinerinnen 1937: Der Unwiderstehliche 1941: Jakko 1947: Am Ende der Welt 1949: Um eine Nasenlänge 1949: Der blaue Strohhut 1949: Das Geheimnis der roten Katze 1950: Aufruhr im Paradies 1950: Die Nacht ohne Sünde 1951: Corinna Schmidt 1952: Alraune 1953: Unter den Sternen von Capri 1953: Die geschiedene Frau 1953: Briefträger Müller 1953: Die Geschichte vom kleinen Muck 1953: Jonny rettet Nebrador 1954: Der Zigeunerbaron 1955: Der fröhliche Wanderer 1955: Sonnenschein und Wolkenbruch 1955: Oh – diese „lieben“ Verwandten 1956: Smaragden-Geschichte 1956: Der schräge Otto 1956: Das alte Försterhaus 1957: Mädchen und Männer (La ragazza della salina) 1957: Schütze Lieschen Müller 1957: Nachts im Grünen Kakadu 1957: Es wird alles wieder gut 1958: Skandal um Dodo 1962: Auf Wiedersehn am blauen Meer

Literatur

Trude Hesterberg: Was ich noch sagen wollte. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1971. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 660 f. Thimo Butzmann: Wilde Bühne & Nachfahren: Kabarett von 1921 bis 1935 in der Kantstraße 12. Berlin 2022, ISBN 978-3-7543-3857-5.

Weblinks

Carolin Stahrenberg: Artikel „Trude Hesterberg“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen. hg. von Beatrix Borchard und Nina Noeske, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2003ff. Stand vom 3. Februar 2019.

Trude Hesterberg. Bei: cyranos.ch.

Einzelnachweise

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