Manuela Schick ist eine deutsche ehemalige Reality-TV-Teilnehmerin und Moderatorin. Bekannt wurde sie im Jahr 2000 durch ihre Teilnahme an der ersten deutschen Staffel der Fernsehshow Big Brother. Schick tritt seit 2002 nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.
Leben Manuela Schick studierte zur Zeit ihrer Teilnahme an der Fernsehshow Big Brother Rechtswissenschaft in Hamburg. Im Jahr 2024 wurde durch ein zufälliges Treffen zwischen Schick und Jürgen Milski, ebenfalls ehemaliger Kandidat der ersten Staffel Big Brother, in einem von ihm veröffentlichten Video auf seinen Social-Media-Kanälen bekannt, dass Schick zwei Kinder habe und in München lebe.
Karriere in den Medien Den Castingaufruf für die erste Staffel der Fernsehsendung Big Brother auf RTL2 entdeckte Schick zufällig eine Woche vor Anmeldefrist im Internet. Sie bewarb sich spontan für die Show und zog nach mehreren Auswahlrunden und psychologischen Tests mit neun weiteren Kandidaten am 28. Februar 2000 in den Big Brother-Container in Köln. Nach 55 Tagen und 51,5 Prozent der Publikumsstimmen wurde sie am 25. April 2000 aus der Show gewählt. Laut einer vom Focus zitierten Umfrage kannten Schick zum Zeitpunkt ihres Auszugs 85 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.
Nach ihrem Auszug war Schick zu Gast u. a. in der Harald Schmidt Show, der Johannes B. Kerner Show, bei VIVA, NBC GIGA, 1 Live, in der Sendung Kamikaze mit Niels Ruf auf VIVA Zwei, in der Aktuelle Schaubude in NDR und in der RTL-Talkshow von Bärbel Schäfer. In der Sendung Volle Kanne im ZDF war sie zu Gast zum Thema „Zicken“. Anfang Mai 2000 wurde sie Moderatorin für die RTL2-Show Call TV. Sie moderierte die Sendung knapp ein Jahr bis März 2001. Als Gastmoderatorin war Schick im Frühjahr 2000 zusätzlich beim Radiosender NRJ Hamburg zu hören. Ebenfalls als Gastmoderatorin präsentierte sie ab Juli 2000 für einige Monate unregelmäßig gemeinsam mit Enie van de Meiklokjes die Sendung Bravo TV.Berliner Kurier (2000): Tipps von Big-Brother-Manu. 9. Juli 2000, S. 41.
Im Juni 2000 trat Schick mit weiteren Big Brother-Kandidaten bei The Dome 14 auf. Sie sangen ihren gemeinsamen Song Big Brother is O.K. für den Schick eine Platinschallplatte erhielt. Mit allen anderen Kandidaten der ersten Staffel Big Brother nahm sie Ende Juni in der Sendung Big Brother – Das Wiedersehen teil. Zusätzlich wurde Schick für die im Sommer ausgestrahlte Dokumentation Big Brother – Das Leben danach begleitet. Im Sommer 2000 modelte Schick gemeinsam mit der Big Brother-Kandidatin Kerstin Klinz für die Zeitschrift Für Sie. Ebenfalls war sie im August neben weiteren Big Brother-Kandidaten im Fotoroman Ein unheimliches Wochenende der Bravo zu sehen. Im Herbst erschien eine Fotostrecke von Schick im Jugendmagazin Jetzt! der Süddeutschen Zeitung. Im Jahr 2001 war sie u. a. in einer Big Brother-Spezialausgabe der Quizshow Familien-Duell auf RTL zu sehen sowie bei der Einjahresfeier von Big Brother in der Show Big Brother – Spezial auf RTL.
Angebote für ein Playboy-Shooting, einen Erotik-Kalender und die Veröffentlichung eigener Songs schlug Schick aus. Sie beendete den Vertrag mit Endemol und zog sich nach dem Ende der Show Call TV im März 2001 und einem letzten Auftritt in einer Spezialausgabe der Quizsendung Greif an! auf Tm3 im Februar 2002 ins Privatleben zurück.
2013 wurde Schick vom Stern als eine von sieben „legendären Teilnehmern von Big Brother“ benannt.
Mediale Aufmerksamkeit und Kontroverse Die Teilnahme Schicks an Big Brother war von einer starken medialen und öffentlichen Kontroverse begleitet. In der Sendung galt sie als „Antagonistin der Publikumslieblinge“ Zlatko Trpkovski und Jürgen Milski. Insbesondere nach der Rauswahl Trpkovskis wurde Schick in der öffentlichen Wahrnehmung zur Zielscheibe erheblicher Ablehnung. Die Welt bezeichnete sie in diesem Zusammenhang als „Sündenbock“.
Mediale Darstellung und öffentliche Reaktionen
Das Medienmagazin DWDL beschrieb die damalige Berichterstattung als von vereinfachten und dualistischen Zuschreibungen geprägt, an denen sich „viele Journalist:innen quer durch alle Medien“ beteiligt hätten. Nach Einschätzung der Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher trug auch die Auswahl der in den täglichen Sendungen gezeigten Szenen zur Entstehung und Verstärkung der Negativstimmung gegenüber Schick bei. Der Publizist Roger Willemsen warf dem offiziellen Magazin zur Sendung „unverhohlene[] Stimmungsmache“ vor, die zur „Entfesslung des Volkshasses gegen Manu“ beigetragen habe. Nach Willemsens Einschätzung wurde Schick dadurch und durch die Reaktionen des Publikums in eine „psychische Extremsituation“ gebracht und zur „Zielscheibe des Volkshasses“. Das Hamburger Abendblatt bezeichnete sie als „Feindbild einer dumpfen Fan-Schar“, während der Stern sie als „Hassobjekt der Fernsehzuschauer“ wahrnahm und der Focus sie als „Buhfrau“ einordnete.
Neben herabsetzenden Kommentaren in den Medien, fanden sich Zuschauer auf dem Studiogelände von Big Brother in Köln mit Plakaten mit Hass-Botschaften und „Manu raus“-Sprechchören zusammen. Letztgenannte Rufe wurden auch in Fußball- und EishockeystadienRhein-Zeitung (2000): Von der DEL-Final-Serie berichtet Marco Lindner. 25. April 2000. skandiert. Im Internet gab es laut OÖN „Hasstiraden bis zum Mordaufruf“ und „die Gründung eines Manu-Killer-Klubs“.FN: Christian Pichler (2001): Authentische Stars, stinkendes Fleisch. Reality TV: Der Soziologe Lutz Elrich analysierte in Linz „Big Brother“ und sprach mit den OÖN. Oberösterreichische Nachrichten vom 17. Januar 2001. Der Bruder von Trpkovski verkaufte T-Shirts mit dem Schriftzug Manu und drei Einschusslöchern.
Auswirkungen und Schutzmaßnahmen
Obwohl RTL2 die Zuschauer Mitte April 2000 zur Mäßigung aufriefBerliner Kurier (2000): RTL 2 bittet die Fans um Mäßigung. 14. April 2000, S. 24., zeigte sich die öffentliche Feindseligkeit auch im Zusammenhang mit Schicks Rauswahl aus der Sendung. Anlässlich dieser wurden Ende April 3000 Personen auf das Studiogelände in Köln gelassen. Weitere 800 Personen erhielten keinen Einlass und besetzten stattdessen die Dächer umliegender Häuser. Schick wurde daraufhin gemeinsam mit der mit ihr freiwillig ausscheidenden Kandidatin Kerstin Klinz aus Furcht vor Anschlägen in einem gepanzerten Auto und unter Personenschutz vom Studiogelände gefahren. Zuvor wurde darüber nachgedacht, Schick mit einem Hubschrauber abzuholen, um das direkte Zusammentreffen und eine Eskalation mit der angereisten Menschenmasse zu vermeiden.Welt am Sonntag: Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der umstrittenen Hamburger Darstellerin. Muss Manu heute Big-Brother-Haus verlasen? 23.04.2000, S. 16. Nach ihrem Auszug standen vor ihrer Privatwohnung „jeden Tag komplette Schulklassen“, sodass Schick aus dieser ausziehen musste.
Einordnung und spätere Rezeption
In einem Beitrag auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung wurde geurteilt, der Fernsehsender RTL2 sei seiner Fürsorgepflicht nicht nachgekommen. Maria Böhmer, damalige stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, forderte die Absetzung der Sendung. Sie begründete dies damit, dass die Menschenwürde Schicks verletzt werde und die negativen Reaktionen des Publikums auf sie nicht mehr steuerbar seien. In einer Studie der Universität Augsburg wurden 815 Menschen zu Big Brother befragt. Knapp 40 Prozent der Befragten empfanden die Hetzrufe gegenüber Schick gerechtfertigt, fast 25 Prozent fanden die Reaktionen überzogen, beängstigend und durch die Medien aufgeheizt.
Eine breitere kritische Neubewertung des Umgangs mit Schick setzte erst rund zwei Jahrzehnte nach der Ausstrahlung der Sendung ein. Im Jahr 2022 diskutierte der u. a. vom NDR und RBB produzierte Podcast Cui Bono kritisch den damaligen medialen Umgang mit Schick. 2025 bezeichnete das Medienmazin DWDL den Umgang mit Schick rückblickend als „mediales Mobbing“. Ebenfalls 2025 analysierte ein wissenschaftlicher Artikel anhand feministischer und rassismuskritischer Perspektiven die gegen Schick gerichtete Ablehnung. Darin wird argumentiert, dass ihre Kritik an der Verwendung rassistischer Sprache sowie ihr Widerspruch gegen aggressive und sexistische Situationen nicht als antirassistische und feministische Einwände wahrgenommen, sondern als Überempfindlichkeit und Übertreibung abgewertet wurden.
2026 wurde die Kontroverse rund um Schick in einem Vortrag auf der Re:publica aufgegriffen und als frühes Beispiel für die Mechanismen heutiger Shitstorms bezeichnet. Die damaligen Reaktionen wurden als Form öffentlicher Empörung eingeordnet, deren Mechanismen sich auch heute in digitalen Öffentlichkeiten zeigen.
Diskografie Gemeinschaftssong
Filmographie 2000: Big Brother, RTL2, Teilnehmerin 2000–2001: Call TV, RTL2, Moderatorin 2000: Bravo TV, RTL2, Gast-Moderatorin 2000: Big Brother – Das Wiedersehen, RTL2, Teilnehmerin 2000: Big Brother – Das Leben danach, RTL2, Teilnehmerin 2001: Das Familienduell – Big Brother Spezial, RTL, Teilnehmerin 2002: Greif an, Tm3, Teilnehmerin
Literatur Wissenschaftliche Abhandlungen über Schick
Revisiting „Big Brother“ 2000. Eine feministische und rassismuskritische Perspektive auf die erste Staffel der Reality TV-Show. In: Pop-Zeitschrift, 2025 (online) "Manu raus!“ – Wie „Big Brother“ den Shitstorm erfand. In: Vortrag auf der Re:publica, 2026. (online)
Mediendokumentationen über Schick (Auswahl)
Manuela und die Geister, die sie rief, 9. Mai 2000. Was macht eigentlich... Manu Schick, 12. Februar 2002. Das neue Leben von "Big Brother"-Manu: Nach 24 Jahren wieder da! 2. Oktober 2024.
Einzelnachweise
Kategorie:Teilnehmer bei Big Brother Kategorie:Moderator Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau