Icelandair ist die nationale Fluggesellschaft Islands mit Sitz in Keflavík und Basis auf dem Flughafen Keflavík. Sie ist eine Tochtergesellschaft der börsennotierten Icelandair Group.

Geschichte Ursprünge Die Ursprünge der Icelandair reichen auf die Fluggesellschaft Flugfélag Akureyrar zurück, die am 3. Juni 1937 in Akureyri an der nordisländischen Küste gegründet wurde.Luftfahrt in Island, Interavia 12/1964, Seite 1799 Sie nahm den Flugbetrieb im April 1938 mit einem viersitzigen Wasserflugzeug des Typs Waco YKS-7 auf und versorgte im Auftragscharter abgelegene Regionen in Island. Im ersten Betriebsjahr beförderte das Unternehmen 770 Passagiere.Flight International, 13. Juni 1958 (in Englisch), abgerufen am 21. November 2017 Die Gesellschaft wechselte nach einem Unfall im Jahr 1940 ihren Namen sowie ihren Sitz und firmierte danach in der Hauptstadt Reykjavík als Flugfélag Íslands. Während des Zweiten Weltkriegs kam der Flugverkehr in Island fast völlig zum Erliegen. Anfang 1944 betrieb die Gesellschaft zwei Verkehrsflugzeuge mit zusammen 16 Plätzen im Inlandsverkehr, darunter eine 1942 übernommene Beechcraft 18D.Flight International, 13. September 1945 (in Englisch), abgerufen am 19. November 2017 Flugfélag Íslands erwarb im Jahr 1944 zwei De Havilland DH.89 Dragon Rapide sowie eine PBY Catalina. Mit der PBY Catalina fand am 11. Juli 1945 der erste internationale Charterflug mit vier Passagieren von Reykjavík nach Largs (Schottland) statt. Aus Marketinggründen nutzte das Unternehmen nun den Namenszusatz Iceland Airways (ab 1957 Icelandair) für den internationalen Flugbetrieb; der offizielle Gesellschaftsname wurde jedoch nicht geändert. Ebenso erfolgten alle Inlandsflüge weiterhin unter dem Namen Flugfélag Íslands.

mini|Douglas DC-3A der Icelandair Am 27. Mai 1946 eröffnete Flugfélag Íslands eine internationale Verbindung von Reykjavík über Prestwick (Schottland) nach Kopenhagen (Dänemark), die sie zunächst nur saisonal auf Charterbasis bediente, kurz darauf ganzjährig im Linienverkehr. Anfangs nutzte man geleaste Maschinen der Scottish Aviation mitsamt deren Besatzungen auf dieser Strecke, wobei auf der Etappe nach Prestwick umgebaute Consolidated B-24 und auf der Anschlussroute nach Kopenhagen Douglas DC-3 zum Einsatz kamen.Flight International, 20. Juni 1946 (in Englisch), abgerufen am 19. November 2017 Die Zusammenarbeit mit Scottish Aviation endete, als Flugfélag Íslands eine Douglas DC-4/C-54 erwarb und diese Maschine am 10. April 1948 erstmals auf den internationalen Strecken einsetzte. Zeitgleich wurde eine Verbindung nach Oslo eröffnet, gefolgt von London-Northolt im Mai 1949.Flugfélag Íslands, Iceland Airways, Flugplan Juni 1949, abgerufen am 19. November 2017. Neben der international genutzten DC-4 bestand die Flotte im Jahr 1948 aus drei DC-3, zwei de Havilland Rapide, einer Grumman Goose und einer Noorduyn Norseman. Ab Sommer 1950 führte das Unternehmen mit der DC-4 auch touristische Charterflüge nach Grönland durch, wo das Flugzeug ebenso zum Abwurf von Nachschub für wissenschaftliche Expeditionen sowie zur Beobachtung von Treibeis genutzt wurde.Interavia 12/1964, Seite 1800Flight International, 15. April 1965 (in Englisch), abgerufen am 24. November 2017

mini|Douglas DC-4A Flugfélag Íslands im Jahr 1953 Zur Aufnahme von Linienflügen nach Bergen (Norwegen), Frankfurt, Hamburg und Stockholm (Schweden) erwarb Flugfélag Íslands im Jahr 1955 eine zweite Douglas DC-4. Nach Indienststellung zweier gebraucht beschaffter Vickers Viscount 759D im Mai 1957 stieg die Passagierzahl auf den internationalen Flügen im selben Jahr um 35 Prozent, in den ersten vier Monaten sogar um 46 Prozent. Mit den Viscounts nahm das Unternehmen eine über Glasgow geführte Linienverbindung nach Kopenhagen (Dänemark) auf und war damit die einzige Gesellschaft, welche damals Direktflüge zwischen diesen Städten anbot. Flugfélag Íslands beförderte im Geschäftsjahr 1957 insgesamt 80.504 Passagiere, davon 59.501 im Inlandsverkehr. In Ergänzung zum bestehenden Liniennetz richtete die Gesellschaft für ihre Flüge nach Bergen und Kopenhagen am 1. April 1963 eine zweite Route ein, die über Vágar auf den Färöer-Inseln geleitet wurde. Dabei flog man auf den Rückflügen auch Glasgow von den Färöern an.Flugfélag Íslands - Icelandair, Flugplan April 1963 (in Englisch), abgerufen am 25. November 2017 Aufgrund der kurzen Piste in Vágar kamen auf dieser Verbindung Douglas DC-3 zum Einsatz. Im Frühjahr 1965 betrieb Flugfélag Íslands drei Douglas DC-3, eine Douglas DC-4, eine Vickers Viscount 759D sowie zwei Douglas DC-6B, die sie 1964 von Scandinavian Airlines System (SAS) erworben hatte. Im selben Jahr wurden zwei Fokker F-27 bestellt, um die DC-3 abzulösen. Das erste Strahlflugzeug, eine werksneue Boeing 727-100C, erhielt das Unternehmen am 22. Juni 1967.Icelandair, Unsere Geschichte, abgerufen am 17. November 2017. (isländisch)fundinguniverse.com – Icelandair (englisch)Rzjets.net, Boeing 727-108C, TF-FIE, abgerufen am 26. November 2017

Parallel entstand 1944 die Fluggesellschaft Loftleiðir. Sie wurde von drei jungen Piloten gegründet, welche gerade ihre Ausbildung in Kanada beendet und keine Anstellung bei Flugfélag Íslands bekommen hatten. Loftleiðir setzte zunächst eine mit Schwimmern ausgerüstete Stinson Reliant auf Inlandsrouten ein, welche die drei Piloten aus Kanada überführt hatten. Beim Kauf einer DC-4 im Jahr 1947 bestand die Flotte aus drei Stinson, fünf Grumman Amphibienflugzeugen, zwei Noorduyn Norseman, zwei Avro Anson, zwei DC-3 und zwei PBY Catalina. International war die Gesellschaft mit der DC-4 nach Kopenhagen sowie nach Grönland mit einer Grumman tätig. Das Unternehmen erhielt im Jahr 1958 Landerechte in New York und nahm die Flüge einige Jahre später ebenso wie nach Europa auf. Im Jahr 1952 trat Loftleiðir ihre Inlandstrecken an Flugfélag Íslands ab und war somit nur noch international aktiv, wofür der Name in Loftleiðir Icelandic geändert wurde. Ab 1953 bot sie auch Flugdienste über den Nordatlantik im unteren Preissegment via Reykjavík an, welche auch bei der späteren Icelandair als wichtiges Standbein dienen sollten. Loftleiðir Icelandic wuchs schnell und stellte Douglas DC-4 und Vickers Viscount 759 in Dienst. Es folgten größere Flugzeuge, wie von 1959 bis 1964 fünf Douglas DC-6 und im Mai 1964 zwei Canadair CL-44D.Interavia 12/1964, Seite 1801 Die Gesellschaft übernahm im Jahr 1970 mit einer Douglas DC-8 ihr erstes Strahlflugzeug. Im Jahr 1972 kaufte Loftleiðir die International Air Bahama auf, welche ebenfalls preisgünstige Flüge zwischen Europa und Nordamerika angeboten hatte und damit zu einer Konkurrentin auf den transatlantischen Routen geworden war. (englisch)

Gründung der Holding Flugleidir mini|Boeing 727-100 der Flugfélag Íslands im Jahr 1976

Am 1. August 1973 gründeten Loftleiðir Icelandic (Icelandic Airlines) und Flugfélag Íslands (Icelandair) eine gemeinsame Holding namens Flugleidir, in die sie ihre Fluggesellschaften einbrachten. Diese blieben zunächst zwei rechtlich eigenständige Unternehmen. Die Gesellschaften Loftleiðir Icelandic und Flugfélag Íslands setzten ihren Betrieb in den Folgejahren weiterhin voneinander getrennt unter den bisherigen Markenauftritten Icelandair beziehungsweise Icelandic Airlines fort.Flight International, 9. April 1977

Den internationalen Aktivitäten von Flugfélag Íslands kam es in den 1970er-Jahren zugute, dass sich zwar immer mehr Menschen Flugreisen leisten konnten, Transatlantikflüge aber noch sehr hochpreisig waren. Flugfélag Íslands, die sich als eine Art Vorläufer der Billigfluggesellschaften positionierte, bediente einige Flughäfen in den USA und in Westeuropa und bevorzugte solche mit niedrigen Gebühren, von denen die Passagiere aber dennoch gute Anschlussmöglichkeiten hatten. Der Flughafen Luxemburg wurde zum zentralen Europa-Zielort der Gesellschaft, von wo aus die Passagiere per Bahn, Privatwagen oder mit kostenlosen Zubringerbussen in die umliegenden Metropolen wie Köln, Frankfurt oder Brüssel gelangen konnten. New York Magazine – Anzeige der Icelandair, 25. Mai 1981 (englisch), abgerufen am 29. Mai 2011

Im Januar 1979 stellte Flugfélag Íslands erstmals ein Großraumflugzeug in Dienst, eine für vier Monate von Seaboard World Airlines geleaste McDonnell Douglas DC-10-30, die sie gemeinsam mit der Schwestergesellschaft Air Bahama auf transatlantischen Routen betrieb.onacrew.com – Overseas National Airways Crew Friendship Site (englisch)iabcrew.com – International Air Bahama (englisch)

Fusion zur Icelandair mini|Zwei Douglas DC-8 der Icelandair auf dem Flughafen Luxemburg im Jahr 1983

Die Holding Flugleidir fusionierte ihre zwei eigenständigen Tochtergesellschaften Loftleiðir Icelandic und Flugfélag Íslands am 1. Oktober 1979 zur Fluggesellschaft Icelandair, wodurch der bisherige Markenauftritt der Flugfélag Íslands zum offiziellen Namen der neuen Gesellschaft wurde. Die anfängliche Flotte des fusionierten Unternehmens bestand aus fünf Fokker F-27-100, zwei Boeing 727-100 und vier Douglas DC-8-63CF.JP airline-fleets international, Edition 80 Bis Mitte der 1980er-Jahre wurde die Flotte nicht vergrößert.JP airline-fleets, Edition 85

Im Jahr 1987 startete die Fluggesellschaft eine Flottenerneuerung. Hierbei stellte das Unternehmen zunächst als Ersatz für ihre zwei Boeing 727 vier werksneue Boeing 737-400 in Dienst, die zwischen 1989 und 1991 ausgeliefert wurden. (englisch), abgerufen am 29. Mai 2011JP airline-fleets international, Edition 89/90

1990er-Jahre mini|Boeing 737-400 der Icelandair im Jahr 1992

Anfang 1990 beschäftigte Icelandair 1240 Mitarbeiter. Im selben Frühjahr übernahm die Gesellschaft ihre ersten beiden Boeing 757-200 und ersetzte damit die verbliebenen zwei Douglas DC-8. Daneben wurden drei Boeing 737-400 auf internationalen Flügen betrieben.JP airline-fleets international, Edition 90/91 Eine vierte 737-400 und eine dritte 757-200 ergänzten im April beziehungsweise Mai 1991 die Flotte.JP airline-fleets international, Edition 91/92 Bis zur Auslieferung dieser Flugzeuge wurde übergangsweise eine Boeing 737-300 von der dänischen Maersk Air gemietet.N832AC AVIATION CAPITAL GROUP (ACG) BOEING 737-300, individuelle Geschichte des Flugzeugs mit der Seriennummer 24569 auf Planespotters Die im nationalen Verkehr betriebenen Fokker F-27 ersetzte Icelandair im Zeitraum von März bis Mai 1992 durch vier Fokker 50.JP airline-fleets international, Edition 92/93 Für die Dauer der Sommersaison 1995 leaste sie eine fünfte 737-400 von der US-amerikanischen MarkAir, welche Anfang 1996 an Maersk Air abgetreten wurde. (englisch), abgerufen am 19. Mai 2017 Im Frühjahr 1996 beschäftigte Icelandair 1330 Angestellte. Ihre Flotte bestand zu dieser Zeit aus je vier Boeing 737-400, 757-200 und Fokker 50.JP airline-fleets international, Edition 96/97

mini|Boeing 757-300 der Icelandair Auf der Paris Air Show 1997 bestellte Icelandair zwei weitere Boeing 757-200 sowie zwei 757-300.[Flight International, 25. Juni 1997] Die gestreckte Boeing 757-300 wurde von lediglich fünf weiteren Fluggesellschaften bestellt und in nur 55 Exemplaren gebaut. Die erste Boeing 757-200 aus dieser Bestellung wurde im Januar 1998 ausgeliefert. Zeitgleich leaste das Unternehmen eine Boeing 737-300QC von ILFC, die unter der neuen Marke Icelandair Cargo auf Frachtflügen betrieben wurde.JP airline-fleets international, Edition 98/99 Anfang 1999 bestand die Flotte aus drei Fokker 50, einer Boeing 737-300QC, drei 737-400 und sechs 757-200, von denen eine langfristig an Greenlandair verleast worden war. Zudem lagen Bestellungen für drei Boeing 757-200 und zwei Boeing 757-300 zur Auslieferung zwischen 1999 und 2003 vor.JP airline-feets international Edition 1999/2000