Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) Haseder Busch, Giesener Berge, Gallberg, Finkenberg besteht aus zwei durch überregionale Verkehrslinien räumlich getrennten Teilflächen, die an das westliche Stadtgebiet von Hildesheim in Niedersachsen grenzen sowie nördlich und südlich des Hildesheimer Stadtteiles Himmelsthür liegen. Es wird als abwechslungsreiches Hügelland auf Kalk, Mergel, Sandstein und Löss mit Buchen- und Eichen-Mischwäldern, Kalkmagerrasen, mesophilem Grünland, Teichen, Tümpeln sowie artenreichem Hartholzauwald an der Innerste beschrieben. Das Gebiet gehört zum länderübergreifenden Netz besonderer Schutzgebiete „Natura 2000“ der Europäischen Union, das den Erhalt der biologischen Vielfalt zum Ziel hat und dem anhaltenden Rückgang von wildlebenden Arten und ihrer natürlichen Lebensräume entgegenwirken soll. Es beherbergt zwei Arten von gemeinschaftlichem Interesse, 13 Lebensraumtypen und umfasst Anteile eines Vogel- und acht komplette Naturschutzgebiete. Hier finden sich die nördlichsten Kalk-Buchenwälder (Finkenberg), Kalk-Halbtrockenrasen (Osterberg) und am besten erhaltenen Hartholzauenwälder (Haseder Busch) Niedersachsens. Einzeln hervorzuheben sind das lebende Fossil Triops cancriformis und das Salz-Hasenohr am Osterberg sowie submerse Armleuchteralgen an den Giesener Teichen.

Geographie Lage hochkant=1.4|mini|alt=Die topographische Karte mit Höhenlinien zeigt bewaldete und unbewaldete Gebiete, Berge mit Höhenangaben sowie Verkehrswege, das FFH hervorgehoben|Lage des FFH westlich von Hildesheim hochkant=1.4|mini|Satellitenbild (Landsat 7 mit einer Auflösung von 15 m und Höhenmodell der westlichen Umgebung von Hildesheim) Das FFH-Gebiet liegt nord- und südwestlich von Hildesheim. Die Bundesstraße 1 überquert unmittelbar davor auf einem vierstreifigen Damm-Brückenabschnitt beim Giesener Ortsteil Emmerke die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und die Sorsumer Kurve und führt wieder zweistreifig nach Hildesheim.

Naturräumliche Zuordnung Der Raum erstreckt sich über einem in die Bördelandschaft hineinragenden Ausläufer der naturräumlichen Haupteinheitengruppe „Weser-Leine-Bergland“ (37). In diesem zwischen Calenberger Lössbörde (521) im Westen und Braunschweig-Hildesheimer Lössbörde (520) im Osten liegenden nördlichsten Teil der naturräumlichen Haupteinheit „Innerstebergland“ (379) entstanden durch Lössüberwehung geprägte Böden mit sehr unterschiedlichen Standorteigenschaften.

Klima Das kühlgemäßigte Klima wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas (Cfb-Klima nach Köppen/Geiger, kontinentale Falllaub- und Mischwälder nach Troll/Paffen) und durch seine Lage im Übergangsbereich von Mittelgebirgsregionen und Norddeutscher Tiefebene bestimmt (montane Höhenstufe). Es ist durch mäßig hohe Jahresmitteltemperaturen um die 9 °C geprägt. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen an 220 bis 360 Tagen über dem Gefrierpunkt. Die mittlere jährliche Niederschlagssumme liegt zwischen 600 und 750 mm. Kontinentale Einflüsse sind im Raum Hildeshein durch hochsommerliche Trockenperioden und kalte Ostwetterlagen im Winter bemerkbar.Günter Grein: Die Heuschrecken in Landkreis und Stadt Hildesheim, Schriften der Paul-Feindt-Stiftung, Band 8, Hildesheim 2010, ISBN 978-3-926247-01-8, S. 15. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Bundesamt für Naturschutz publizieren für Schutzgebiete Klimadaten und Szenarien für den Zeitraum 2026 bis 2055 und stellen in Klimadiagrammen nach Walter in feuchtem und trockenem Szenario Sommer-, heiße, Frost- und Eistage sowie die klimatische Wasserbilanz dar.

Geologie Vor 200 Millionen Jahren lag die Hildesheimer Region im mitteleuropäischen Flachmeerbereich, dem sogenannten Germanischen Becken. Am Boden dieses warmen Meeres mit Korallenriffen, Tintenfischen, Ammoniten, Fischsauriern, Muscheln und anderen Meereslebewesen lagerten sich die Reste der Lebewesen ab. Im Laufe der Jahrmillionen wurden sie zu Kalkstein, der geologisch als Muschelkalk bezeichnet wird (Triaszeit; 251,9 bis 201,3 Millionen Jahren vor heute). Dass die Trias-Schichten wieder an der Oberfläche liegen, ist einem anderen Meer zu verdanken: Im Perm (298,9 bis 251,9 Millionen Jahren vor heute) war die Region ebenfalls von einem Urmeer bedeckt. Als es in einem Trockenklima verdunstete, stieg der Salzgehalt, bildete Zechstein und baute den „Giesener Salzsattel“ auf, dem die Region das Kalisalz verdankt. Die im ausgetrockneten Zechsteinmeer abgelagerten Salze wurden durch das Gewicht der überlagernden Gesteine – Mächtigkeit 4000–5000 Meter – und durch die in der Tiefe herrschende Wärme plastisch, stiegen zur Jurazeit in das Deckgebirge auf, brachen es auf und legten es offen. Die Giesener Berge gründen auf Buntsandstein. Die Giesener Teiche liegen in einem durch Gesteinsschichten des Buntsandsteins und Muschelkalks verlaufenden Tal mit markanten Steilhängen und Kalkhalbtrockenrasen.

Geomorphologie Die Schichtkämme des Innersteberglands, die aus gekippten, teilweise fast senkrecht stehenden Sedimentschichten aufgebaut sind, führen zu einem kleinräumigen Wechsel der Oberflächenformen. Das Gelände fällt vom Osterberg (181 m ü. NN) nach Osten über die weitläufig offene Hutelandschaft der Langen Dreisch zum tiefsten Punkt nahe der Innerste mit rd. 75 m ü. NN ab.

Böden Das Institut für Geographie der Universität Hildesheim legte den Bodenlehrpfad BodenBlick rund um das Naturschutzgebiet Giesener Teiche an. Die Station mit der Schautafel „Vom Gestein zum Boden“ beschreibt eine Rendzina östlich des Giesener Teichs am Unterhang eines nördlich exponierten Hanges. Ihr Untergrund besteht aus weißlichem Kalkstein (Cv-Horizont). In den oberen 25 Zentimetern wurde durch Bodenorganismen Humus eingemischt (Ah-Horizont), der eine schwarze Färbung bewirkt. Bei der Station „Bodenfruchtbarkeit“ wird eine pseudovergleyte Parabraunerde über Löss (aus dem Weichsel-Glazial) in einem Hohlweg, der in den westlichen Hang eines Muldentals südlich des großen Giesener Teichs eingeschnitten ist, betrachtet. Der Hang ist mit 8° mittelstark geneigt und weist eine gestreckte konvexe Wölbung auf. Im Gegensatz zur oben beschriebenen Rendzina ist hier ein Bt-Horizont vorhanden. Im Haseder Busch findet sich auf nährstoffreichem, sandig-tonigem Auenlehm ein Gley über hochanstehendem, kalkreichem Grundwasser.

Gewässer Der Bach, der im Naturschutzgebiet Giesener Teiche zu zwei Teichen angestaut ist, entspringt etwas westlich des Naturschutzgebietes und mündet einen knappen Kilometer östlich des Naturschutzgebietes in die Innerste. Der Wasserhaushalt der sand- und lehmgeprägten, in den 1930er Jahren begradigten Innerste ist durch episodische Überflutungen und teils hoch anstehende Grundwasserstände gekennzeichnet. Er wird durch den Rückstau der flussabwärts gelegenen Haseder Mühle beeinflusst. Eine „Befahrung (… der Innerste …) ohne ihre Altarme/Altgewässer mit nicht durch Motorkraft angetriebenen Wasserfahrzeugen in der Flussmitte ohne Anlandung.“ ist freigestellt. Am Fuße der klüftigen Muschelkalkberge im südlichen FFH-Gebiet rund um Rottsberg und Lerchenberg (Hildesheim) entspringen zahlreiche Karstquellen, deren Bachlauf 1993 freigelegt und mit kleinen Tümpeln versehen wurde.

Historische Nutzung In der Jungsteinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.) befand sich auf dem trockenwarmen Osthang des Gallberges eine steinzeitliche Siedlung von über 600 m Länge und 30 m Breite. Als Beleg dafür gelten Funde, wie z. B. Pfeilspitzen, Mahlstein-, Beil- und Dolchfragmente aus Flint- und Felsgestein, die Anfang des 20. Jahrhunderts und in späteren Zeiten hier gesammelt wurden. Im Jahr 1329 bewilligte der Bischof von Hildesheim den Bürgern der Dammstadt einen Versammlungsort und Richtplatz städtischen Rechts „uppe dem Galchberghe bi Himdesdore“. Die weitgehend offenen Huteweiden im FFH-Gebiet und die bereits im 18. Jahrhundert zur Fischzucht angelegten Giesener Teiche sind Relikte der historischen Kulturlandschaft, die vor der im 19. Jahrhundert vollzogenen Gemeinheitsteilung, das heißt einer Privatisierung der ursprünglich gemeinschaftlich genutzten Allmende, auf großen Flächen hier existierte. Insbesondere die artenreichen Kalkhalbtrockenrasen des Gebietes verdanken ihre Entstehung der seit Jahrhunderten praktizierten Beweidung, wobei auf ertragsschwächeren Standorten meist Schafe und Ziegen gehütet wurden. Weideselektion, Tritt, Ausmagerung und Umtrieb der Herden trugen zur Ausbildung der Artenvielfalt bei. Durch die nach dem Ersten Weltkrieg zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit betriebene Ausbringung von Klärschlamm etablierten sich zusehends nährstoffliebende Arten. Der Ackerbau erreichte in dieser Zeit seine größte Ausdehnung. Die flachgründigen Böden der beweideten Muschelkalkhänge des Osterberges ließen hingegen eine Ackernutzung meist nicht zu. Durch die Nutzung als Standortübungsplatz seit 1961 wurde nicht nur die Hutelandschaft erhalten, sondern durch die Befahrung mit Panzern Kleingewässer-Biotope geschaffen. Geschneitelte Hainbuchen weisen auf die Mittelwaldnutzung hin, bei der neben Brennholz abgeschälte Rinde für die Gerberei entnommen wurde. Eichelmast war ebenfalls weit verbreitet.

Flora und Fauna mini|Auffangbecken für Oberflächenwasser zur Ansiedlung von Kammmolchen (Das rechte Becken war bereits Ende März 2026 unnützbar beschädigt); im Hintergrund frisch gerodetes Panzergebiet

Arten von gemeinschaftlichem Interesse gehören zu den im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgelisteten Arten, für die nach den Gesetzen der Europäischen Union besondere Schutzgebiete eingerichtet werden müssen. Die Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior) besiedelt eine Fläche von 60 m² innerhalb des NSG „Lange Dreisch und Osterberg“. Der Erhaltungszustand der Schmalen Windelschnecke in Niedersachsen wurde 2011 in der atlantischen Region als „schlecht“ bewertet. Gemäß Bestandsaufnahme des Jahres 2015 fehlen bewertungsrelevante Beeinträchtigungen für den Kammmolch (Triturus cristatus). Insbesondere aufgrund der Wiederherstellung des oberen Giesener Teiches (Entschlammung, Entbuschung Ufer, jährliches Ablassen im Winter) im Verbund mit der Erhaltung und Neuanlage zahlreicher Kleingewässer konnte der Bestand stabilisiert werden. An der früheren Panzerstraße im heutigen Naturschutzgebiet Lange Dreisch und Osterberg und seit 2025 auch nahe der Giesener Teiche werden Einrichtungen angelegt, um Oberflächenwasser aufzufangen und so potenzielle Siedlungsgebiete anzubieten.

Der Naturkundler Rolf Schoppe gab 1993 „einen zusammenfassenden Überblick über die derzeitige Kenntnis von Verbreitung, Lebensraum, Bestand und Bestandsentwicklung der Hildesheimer Kriechtierfauna“. Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) konnte in der Zeitspanne zwischen 1976 und 1980 an den Giesener Teichen festgestellt werden. Die Zauneidechse (Lacerta agilis) fand sich an Gall- und Finkenberg, die Waldeidechse (Zootoca vivipara) auf den Giesener Bergen, den Giesener Teichen und unweit der Innerste. Die Blindschleiche (Anguis fragilis) war ubiquitär, das heißt überall verbreitet. Über das Vorhandensein der Schlingnatter (Coronella austriaca) wurde bereits im 19. Jahrhundert und später (1955) berichtet. Schließlich gibt es Vorkommen der Kreuzotter (Vipera berus).