Das Mount-Meager-Massiv (engl. Mount Meager massif) ist eine Gruppe von Vulkanen im Südwesten der kanadischen Provinz British Columbia. Es befindet sich in den Pacific Ranges der Coast Mountains und ist Teil der Kaskaden-Vulkane im Westen Nordamerikas. Das Mount-Meager-Massiv liegt 150 km nördlich von Vancouver am Nordende des Pemberton Valley und ist bei einem Volumen von 20 km³ etwa 13 km lang und etwa 9 km breit. Am Plinth Peak erreicht es bei 2.680 m seine größte Höhe. Das Massiv ist mit verschiedenen erodierten vulkanischen Strukturen bedeckt, darunter Lavadomen, vulkanischen Pfropfen und einander überlappenden Pfeilern von Lavaströmen; diese bilden mindestens sechs Haupt-Gipfel, darunter den Mount Meager, den zweithöchsten des Massivs.
Der Garibaldi-Vulkangürtel (engl. Garibaldi Volcanic Belt, GVB) hat eine lange eruptive Geschichte und stellt für die umgebende Region eine Gefahr dar. Jegliches vulkanisches Ereignis von Erdrutschen bis zu Eruptionen könnte ein bedeutendes Risiko für Mensch und Natur darstellen. Obwohl am Massiv seit mehr als 2.000 Jahren keine Ausbrüche registriert wurden, könnte es zu einer bedeutenden Eruption kommen; in diesem Falle würden schnell Hilfeleistungen organisiert. Behörden wie die, welche im Interagency Volcanic Event Notification Plan (IVENP) zusammenarbeiten, sind auf die Benachrichtigung von durch Vulkanausbrüche gefährdeten Personen in Kanada vorbereitet.
Das Mount-Meager-Massiv erzeugte die größte Eruption in Kanada in den vergangenen 10.000 Jahren. Vor etwa 2.400 Jahren fand eine explosive Eruption statt, die einen Vulkankrater an seiner Nordostflanke erzeugte und Lawinen aus heißer Asche, Felstrümmern und vulkanischen Gasen an den Nordseiten abgehen ließ. Hinweise auf erhöhte vulkanische Aktivitäten in der Gegenwart sind am Vulkan zu beobachten, so Thermalquellen und Erdbeben. Das Mount-Meager-Massiv war in der Vergangenheit auch Ausgangspunkt mehrerer großer Erdrutsche, darunter eines massiven Schuttstroms im Jahr 2010, der den Meager Creek und den Lillooet River herunterkam.
Geographie und Geologie
Regionale Geographie Das Mount-Meager-Massiv liegt in den Coast Mountains, welche sich von Vancouver bis zum Alaska Panhandle über 1.600 km hinweg erstrecken. Das Gebirge ist etwa 300 km breit und von Fjorden eingeschnitten, schmalen Meeresarmen mit steilen Wänden, die von Gletschern durch Erosion geschaffen wurden. Die Coast Mountains haben einen tiefgreifenden Einfluss auf das Klima in British Columbia. Durch ihre Lage unmittelbar östlich des Pazifiks unterbrechen sie die Zufuhr feuchtigkeitsgeladener Luft in das Inland, was heftige Niederschläge an ihrer Westseite zur Folge hat. Die Niederschlagsmengen gehören zu den extremsten in Nordamerika und unterhalten üppige Wälder an den Westhängen der Berge.
Die das Mount-Meager-Massiv umgebenden Täler sind Heimat von Primärwäldern. Im Gebiet finden sich aber auch Feuchtgebiete, Pflanzen der Populus trichocarpa-Salix-Rubus nutkanus-Assoziation sowie Epilobium glaberrimum, eine nordamerikanische Art der Weidenröschen. An Tierarten bewohnen Wölfe, Vielfraße, Elche, Schwarzwedelhirsche, Schneeziegen, Greifvögel und Gänse ebenso das Gebiet wie Grizzly- und Schwarzbären.
Regionale Geomorphologie
Garibaldi-Vulkangürtel
mini|links|alt=Karte der Cascadia-Subduktionszone Ort der nahebei gelegenen Vulkane entlang der Küsten der Vereinigten Staaten und Kanadas|Gebiet der Cascadia-Subduktionszone mit dem Mount-Meager-Massiv als nördlichstem mit einem roten Dreieck bezeichneten Vulkan im Kaskaden-Vulkanbogen Das Mount-Meager-Massiv ist Teil des Garibaldi-Vulkangürtels (GVB), des nördlichsten Abschnittes des Kaskaden-Vulkanbogens. Dieser Vulkangürtel umfasst Schlackenkegel, Calderen, Schichtvulkane und Subglaziale Vulkane (Vulkane unter Gletschern oder Eisschildern), die in den letzten 10.000 Jahren aktiv waren. Die letzte explosive Eruption im Garibaldi-Vulkangürtel ereignete sich vor etwa 2.400 Jahren an einem Krater am Nordosthang des Massivs, welcher eine klar abgrenzbare Senke bildet.
Der GVB erstreckt sich nordwärts vom Vulkan bei Watts Point bis mindestens zum Mount-Meager-Massiv. Weil wenig über die Vulkane nördlich des Massivs wie die Silverthrone Caldera und den Franklin-Gletscher-Vulkan bekannt ist, sind sich die Experten über ihre Natur uneinig. Einige Wissenschaftler halten die Silverthrone Caldera für den nördlichsten Vulkan des Garibaldi-Vulkangürtels, während andere die Meinung vertreten, dass die Geologie des Massivs der des GVB ähnlicher ist. Es ist ebenso unklar, ob die Milbanke Sound Group Teil des Garibaldi-Vulkangürtels ist oder durch andere tektonische Prozesse geformt wurde. Es ist jedoch evident, dass die Vulkan-Komplexe Silverthrone und Franklin-Gletscher mit den Aktivitäten in der Cascadia-Subduktionszone zusammenhängen. Geologisch gesehen entalten diese beiden Vulkane dieselben Gesteinsarten wie jene, die auch anderswo im Kaskaden-Bogen gefunden werden, darunter Rhyolithe, Dazite, Andesite und Basaltandesite. Solche Gesteine werden durch den Vulkanismus in Subduktionszonen erzeugt, sodass der wahrscheinlich vorhandene Vulkanismus am Silverthrone und am Franklin-Gletscher wohl mit der Subduktion zusammenhängt. Wenn diese beiden Vulkane wirklich zum Kaskaden-Bogen gezählt werden, dann ist das Mount-Meager-Massiv nicht der nördlichste Vulkan des Garibaldi-Vulkangürtels oder des Kaskaden-Bogens.
Kaskaden-Vulkanbogen
Der Vulkanismus im Kaskaden-Vulkanbogen wird durch die Subduktion der Juan-de-Fuca-Platte unter die Nordamerikanische Platte an der Cascadia-Subduktionszone hervorgerufen. Diese ist eine 1.094 km lange Verwerfung etwa 80 km vor der Küste des Pazifischen Nordwestens von Nordkalifornien bis zum südwestlichen British Columbia. Die Platten bewegen sich mit einer relativen Geschwindigkeit von mehr als 10 mm im Jahr in einem spitzen bzw. stumpfen Winkel auf die Subduktionszone zu. Aufgrund des riesigen Gebietes der Verwerfung können an der Cascadia-Subduktionszone schwere Erdbeben mit einer Magnitude von 7,0 oder größer entstehen. Die Schnittstelle zwischen der Juan-de-Fuca- und der Nordamerikanischen Platte verharrt über einen Zeitraum von grob geschätzt 500 Jahren in einem blockierten Zustand. Während dieser Zeiträume bauen sich Spannungen an der Schnittstelle der Platten auf; außerdem werden tektonische Hebungen am Rand der Nordamerikanischen Platte verursacht. Wenn die Platten schließlich aneinander vorbeigleiten, entladen sich die während der 500 Jahre aufgestauten Energien in einem gewaltigen Erdbeben.
Im Gegensatz zu den meisten Subduktionszonen weltweit gibt es in Cascadia keine Tiefseerinne entlang des Kontinentalrandes. Die Mündung des Columbia River liegt unmittelbar an der Subduktionszone und lagert Schluff am Grunde des Pazifiks ab, sodass diese riesige Senke gefüllt wird und wie ein versunkenes Land wirkt. Die gewaltigen Fluten aus dem prähistorischen Lake Missoula während des Jungpleistozäns lagerten gleichfalls riesige Mengen von Sedimenten in der Senke ab. Wie bei anderen Subduktionszonen auch wird jedoch der äußere Rand wie eine gigantische Feder zusammengedrückt. Wenn die aufgestaute Energie durch eine Rutschung entlang der Verwerfung in unregelmäßigen Abständen plötzlich freigesetzt wird, können an der Cascadia-Subduktionszone gewaltige Erdbeben ausgelöst werden wie das Cascadia-Erdbeben mit einer Magnitude von 9,0 am 26. Januar 1700. Erdbeben entlang der Cascadia-Subduktionszone sind jedoch ungewöhnlich; es gibt Hinweise auf ein Abklingen der vulkanischen Aktivität im Verlauf der letzten Jahrmillionen. Eine mögliche Erklärung besteht in der Konvergenz-Rate zwischen der Juan-de-Fuca- und der Nordamerikanischen Platte, welche 3–4 cm pro Jahr beträgt, was etwa der Hälfte der Rate von vor sieben Millionen Jahren entspricht.
Lokale Geographie
mini|alt=Karte mit der Lage einer Zone miteinander verbundener Vulkane|Lage und Ausdehnung des Garibaldi-Vulkangürtels; dargestellt sind die einzelnen Vulkane und die mit ihnen verbundenen Objekte
Sechs Hauptgipfel bilden zusammen das Mount-Meager-Massiv. Der höchste und nördlichste ist der Plinth Peak mit einer Höhe von 2.680 m. Der Mount Meager selbst ist 2.650 m hoch. Der Capricorn Mountain erhebt sich westlich des Mount Meager bis auf 2.570 m. Unmittelbar westlich des Capricorn Mountain liegt der Mount Job, 2.493 m hoch. Der Pylon Peak mit einer Höhe von 2.481 m liegt südlich von Capricorn Mountain und Mount Meager. Der Devastator Peak, auch The Devastator genannt, hat eine Höhe von 2.315 m und ist der kleinste und südlichste Gipfel des Massivs.
Flüsse und Gletscher haben eine bedeutende Rolle bei der Aufteilung des Massivs gespielt. Die oberen Lagen sind von Schnee und Eis bedeckt. Zahlreiche Dykes in älteren Abschnitten wurden gebildet, als Magma in Spalten eindrang, dann als Schicht-Intrusion erstarrte und schließlich heftiger Erosion ausgesetzt war. Perkin's Pillar, ein senkrechter Turm aus Lava-Brekzie, stellte bis zu seinem Zusammenbruch im Juni 2005 ein Überbleibsel der erosiven Prozesse dar. Mehr als 10 Flüsse führen das Schmelzwasser vom Mount-Meager-Massiv ab, darunter der Capricorn Creek, der Job Creek, der No Good Creek, der Angel Creek, der Devastation Creek, der Canyon Creek und der Affliction Creek. Das Massiv liegt im Lillooet Land District, einer der zahlreichen Verwaltungseinheiten von British Columbia.
Lokale Geomorphologie Die Geomorphologie des Mount-Meager-Massivs ähnelt der des Glacier Peak, einem Vulkan im Kakskaden-Bogen im US-Bundesstaat Washington. Sie besteht aus mindestens vier einander überlappenden Schichtvulkanen, die von Süd nach Nord jünger werden. Mit einem Gesamtvolumen von 20 km³ ist das Massiv älter als die meisten anderen Vulkane im Kaskaden-Bogen; seine Geschichte reicht bis zu 2,2 Mio. Jahre zurück. In der Kaskadenkette sind die ältesten Vulkane im Allgemeinen nicht älter als eine Million Jahre. Zu diesen gehört der Mount Rainier (Alter: 500.000 Jahre), der Lassen Peak (Alter: 25.000 Jahre), der Mount Jefferson (Alter: 290.000 Jahre) und der Mount St. Helens (Alter: 50.000 Jahre). Teile des Massivs wurden jedoch in der letzten Million Jahre gebildet. Der Vulkan besteht aus vulkanischen Gesteinen, die von Rhyodazit bis Basalt reichen. Rhyodazit bildet eine Reihe erodierter vulkanischer Pfropfen, welche die höchsten Gipfel formen. Deren Abhänge sind mit den Produkten der Eruptionen übersät und gelten als oberflächlicher Ausdruck von Intrusionen. Im Ergebnis bieten sie eine einzigartige Möglichkeit, die Beziehungen zwischen Magmakammern und der aus ihnen stammenden Lava zu studieren. Die mafischen (reich an Magnesium und Eisen), intermediären (zwischen mafisch und felsisch) und felsischen (reich an Feldspat und Quarz) vulkanischen Gesteine des Massivs wurden durch mindestens acht Vulkanschlote ausgestoßen.
Bridge River Vent
mini|alt=Ein vergletscherter Berg erhebt sich über einem bewaldeten Tal|Die vergletscherte Nordost-Flanke des Plinth Peak; ebenso sichtbar ist der unscheinbare, von Eis und Geröll bedeckte Bridge River Vent in der Bildmitte. Der Bridge River Vent ist ein relativ junger Vulkankrater, der während einer Eruption vor etwa 2.400 Jahren entstand. Diese Eruption schwankte in ihrem Charakter von explosiv zu effusiv und führte auch zur Ausbildung eines Lavadoms, von Glutlawinen, Laharen und Lavaströmen. Die ostwärts gerichtete Verlagerung der Eruptionssäule verbreitete Material quer über Westkanada und lagerte die Bridge-River-Asche ab. Im Gebiet des Bridge River und des Lillooet River findet sich die Asche als grobkörnig texturierte Ablagerung mit Blöcken aus Bims (Durchmesser von bis zu 10 cm). Östlich des Bridge River wird die Textur schlagartig feiner. In Big Bar am Fraser River haben die Pellets bis zu 3 mm Durchmesser und im Gebiet von Messiter nur noch maximal 0,7 mm Durchmesser.